Sieben von unzähligen guten Gründen,
"Warum Sie nicht mit dem Rauchen aufhören sollten"


Vorwort:
Dieser Ratgeber richtet sich an alle Raucher, von professionellen Kettenrauchern bis zu denen, die es noch werden wollen, spricht den Samstag-Abend-Raucher genauso an wie den Raucher unter der Dusche und ist gerade auch für den Anfänger geeignet. Nichtraucher werden als Gastleser geduldet.




1. Sie können ohnehin nur einmal Nieraucher sein.


Auf dieser unseren Erde tummeln sich seit jeher zwei unvereinbare Gruppen von Menschen. Alle werden als Mitglieder der einen Gruppe geboren, können aber im Laufe ihres Lebens - dies geschieht zumeist in jugendlichem Alter - leicht in die andere Gruppe wechseln, diese dann aber nur schwer wieder verlassen. Man hat diesen Gruppen Namen gegeben: Raucher und Nieraucher .... Moment mal, wieso Nieraucher? Ok, das Wort "Nieraucher" ist eher ungebräuchlich und meistens wird ja zwischen Rauchern und Nichtrauchern unterschieden. Jedoch ist "Nichtraucher" ein eher ungenauer Sammelbegriff für solche illustren Typen wie Exrauchern, Seltenrauchern, Heimlichrauchern, aufhörwilligen Rauchern, Nierauchern etc. ... Nichtraucher - der Trost bleibt allen - ist man ja auch zwischen den Zigaretten. Dadurch wird die Sache etwas vage. Es ist deswegen gewiss sinnvoller, nach Rauchern und Nierauchern zu trennen, welche sich nämlich dadurch unterscheiden, ob sie zu rauchen gelernt haben oder eben nicht. Man sollte sich schonmal an den Gedanken gewöhnen, dass diese Eigenschaft "das Rauchern erlernt zu haben" im weiteren Leben normalerweise nicht mehr verloren geht. Verlernen - im dem Sinne, dass alles "wie vorher" ist - gibt es nämlich eigentlich nicht. Möglich ist nur, das Gelernte zu unterdrücken. Exraucher sind also abstinente Raucher, die zu rauchen gelernt haben, dies aber aus irgendwelchen Gründen nicht mehr tun. Wenn sie aber irgendwann wieder mit dem Rauchen anfangen, geschieht dies bekanntermaßen anders als bei Nierauchern, nämlich schneller und leichter. Es macht also einen Unterschied, ob man gelernt hat zu rauchen oder ob man es nicht gelernt hat. War man einmal Raucher, gibt es kein Zurück mehr. Man weiss einfach zuviel.


2. Gesundheitlicher Schaden durch Rauchen ist nicht belegbar.


Es gibt natürlich Einwände, die man immer anführen kann. Aus der Wissenschaftstheorie etwa ist bekannt, dass eine Hypothese nicht bewiesen, sondern nur widerlegt werden kann. Wenn man beispielsweise die Hypothese aufstellt, dass Rauchen Krebs erzeugt, sind alle Raucher, die an Krebs erkranken, keine Beweise, sondern nur Bestätigungen der Hypothese. Ein einziger Raucher, der nicht an Krebs erkrankt, genügt, um die Hypothese zu widerlegen. Deswegen kann man eben nicht grundsätzlich sagen, dass Rauchen Krebs erzeugt, auch wenn dies desöfteren zutreffen mag.
Aber selbst, wenn man nur sagen will, dass Raucher öfter gesundheitliche Schäden erleiden als Nichtraucher, hat es methodische Unzulänglichkeiten. Das Problem ist, dass man aus ethischen Gründen nicht einfach ein paar Versuchspersonen hernehmen kann, per Zufallseinteilung die eine Hälfte rauchen lässt und dann nach ein paar Jahren mit der anderen nichtrauchenden Hälfte vergleicht. Anstattdessen untersucht man notgedrungen schon vorhandene Raucher, die sich ihren Konsum natürlich selbst "ausgesucht" haben. Dann aber kann die Tabakindustrie beispielsweise so argumentieren, dass ja möglicherweise nur die sowieso schon etwas "schwächeren" Menschen zur Zigarette greifen und gesundheitliche Beschwerden deswegen nicht unbedingt auf das Rauchen zurückzuführen seien. Dieser Einwand ist berechtigt, da Raucher und Nichtraucher sich eben nicht nur durch das Rauchen unterscheiden müssen. Vielleicht haben Raucher auch andere Essgewohnheiten, sind eventuell risikobereiter etc. Allein aus dem Umstand, dass Beeinträchtigungen der Gesundheit und Rauchverhalten gehäuft gemeinsam auftreten, darf man keine kausalen Schlüsse ziehen. Es kann zwar das eine die Ursache für das andere sein, es ist aber unmöglich, dies anhand des gemeinsamen Auftretens zu erkennen. Wenn der Rückgang der Storchenpopulation gemeinsam mit nachlassenden Geburtenraten auftritt, interpretiert man das ja auch nicht kausal. Kausalschlüsse sind nur erlaubt, wenn man eine Variable manipuliert und zwar genau eine, denn alle anderen Bedingungen sollten gleich bleiben, sonst weiss man wieder nicht, worauf das Ergebnis zurückzuführen ist.
Im Tierexperiment macht man üblicherweise eine Zufallseinteilung, so dass man bei einer genügend großen Gesamtzahl an Versuchstieren von Gruppen mit ziemlich gleichen Eigenschaften ausgehen kann und der einzige Unterschied in der Inhalation von Zigarettenrauch besteht. Das Ergebnis, das man dabei erhält, ist - vereinfacht ausgedrückt -, dass Zigarettenrauch bei den Versuchstieren zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt. Das bedeutet aber nicht, dass das bei Menschen auch so sein muss. Sicherlich gibt es nicht wenige Ergebnisse aus dem Tierbereich, die auch für den Menschen gelten; man kann nur nicht grundsätzlich davon ausgehen, weshalb auch aus diesem Bereich keine Nachweise für die Schädlichkeit von Zigarettenrauch bei Menschen vorliegen.
Es ist übrigens nicht so, dass der Autor von der Unschädlichkeit des Rauchen überzeugt wäre; aber man braucht an das Krebsrisiko durch Rauchen nicht zu glauben, wenn man nicht mag. Beweise gibt es keine, wohl aber Kettenraucher, die nie an Krebs erkranken.


3. Es nützt sowieso nichts, Ihre Entzugserscheinungen zu überwinden.


Wenn Sie nicht mehr rauchen würden, wie lange hätten Sie Entzugserscheinungen? Nach wieviel Tagen hätte man bestimmt keine Entzugserscheinungen mehr? Sagen wir mal XX Tage. (Die Zahl XX müssen Sie jetzt einsetzen und sich kurz merken.) Und, haben Sie es schonmal geschafft, für XX Tage mit dem Rauchen aufzuhören? Oder kennen Sie jemanden, der dies für XX Tage geschafft hat? Haben Sie oder diese Person danach wieder geraucht? Falls ja, warum eigentlich, wenn die Entzugserscheinungen doch schon abgeklungen waren? Weil es nicht die Entzugserscheinungen sind, die Exraucher zum Glimmstengel greifen lassen. Es ist so ähnlich wie bei den anderen Junkies: Heroinsüchtige auf Methadon pflegen üblicherweise einen nicht unerheblichen Beikonsum an Heroin, und das, obwohl die Entzugserscheinungen eigentlich nicht vorhanden sind - das Methadon wird ja nicht zur Bewusstseinserweiterung verabreicht, sondern um die Entzugserscheinungen zu lindern. Diese Linderung ist aber nicht das einzige, was einen Abhängigen beschäftigt. Der Drogenkonsum wird also nicht - oder zumindest nicht nur - durch Entzugserscheinungen aufrecht erhalten. Man kann sich also nichts dafür kaufen, die ersten XX Tage überlebt zu haben. Es kommen noch weitere.


4. Das, was sich am ehesten ändert, ist die Statistik.


Statistiken über Raucher und Nichtraucher beruhen fast ausnahmslos auf Befragungen, die bekanntermaßen Verzerrungen beinhalten. Üblicherweise tendieren die Befragten zu sozial erwünschten Antworten. So kann man nicht selten Leute finden, die sich als Nichtraucher bezeichnen und kurz darauf (vielleicht auch davor) kann man sie beim Rauchen beobachten. Wahrscheinlich ist es auch nicht in Ihrem Sinne, wenn der Autor Sie zu diesen Leuten zählen müsste. Exraucher sind nun mal (nicht, weil der Autor das möchte) Raucher und haben gute Chancen, rückfällig zu werden.


5. Nur wenn Sie rauchen, wissen Sie wie sich ein ewiger Raucher fühlt.


Sie wollen doch nicht etwa - so wie der Autor - sich über Dinge auslassen, die Sie nie am eigenen Leibe erfahren haben! Ok, man kann leider nicht alles ausprobieren. Wer das Rauchen ausprobiert, weiss nicht, wie man sich als ewiger Nichtraucher fühlt. Es scheint aus irgendwelchen Gründen aber interessanter zu sein, etwas bestimmtes zu tun als dieses zu lassen. Ist schon jemand auf die Idee gekommen, auszuprobieren, wie es ist, ein Leben lang keinen Alkohol zu sich zu nehmen? Nicht allzuviele, dafür haben aber umso mehr getestet, wie es ist, wenn man Alkohol konsumiert. Es liegt irgendwie nicht gerade nahe, ein Nichtraucherleben zu versuchen. Sollten Sie mit dem Rauchen aufhören, verpassen Sie ja ein Leben als Raucher. Und das wäre natürlich jammerschade. Vergessen Sie das Aufhören. Rauchen ist eh viel cooler.


6. Sie könnten rückfällig werden.


Soviel Trost vorneweg: im Durchschnitt hört man öfter mit dem Rauchen auf als man rückfällig wird. Schlimmstenfalls geschieht beides gleichhäufig, was immerhin noch ein ausgeglichenes Ergebnis im Kampf zwischen Rauchen und Nichtrauchen bedeutet. Das lässt hoffen. Doch Scherz beiseite - um aufzuhören, braucht man zwar nichts weiter als nichts zu tun, doch gerade das scheint offensichtlich nicht so einfach zu sein. Etwas einfacher erscheint es dem Autor, das Aufhören zu unterlassen. Sie wissen, was zu tun ist. Rückfälle sind nämlich nicht gerade die Ausnahme, weswegen Abstinenzversuche nur zu oft mit Frustration enden. Und das muss ja nicht sein. Machen Sie sich also das Leben nicht unnötig schwer. Rauchen Sie einfach weiter.


7. Sie werden Ihren Zigaretten ewig nachtrauern.


Davon brauche ich Sie, glaube ich, nicht erst lange zu überzeugen.


Der Autor ist chronischer Nichtraucher und befindet sich nach wie vor in der Prädrogenrauschphase. Gleichwohl darf er sich als langjähriger Kenner einer Vielzahl rauchender Individuen ein praxisnaher Experte in dem Gebiet des Tabakkonsumverhaltens nennen. Darüberhinaus mangelt es ihm nicht an sachlicher Distanz und Einfühlungsvermögen, die für einen professionellen Umgang mit diesem heiklen Thema vonnöten sind.

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