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Thema: Regierung und Regierte - ein Ablösungsprozeß

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Regierung und Regierte - ein Ablösungsprozeß

    erstellt von JF:
    [..]„Daß der Bundestag sich jetzt mit einem zehn Meter breiten Graben und 2,50 Meter hohen Zäunen auf dem Platz der Republik geradezu einbunkern will, ist unerträglich. Das Parlament zeigt, daß es sich vor den Folgen der eigenen Politik fürchtet, die durch unkontrollierte Masseneinwanderung Gewalt und Terror nach Deutschland gebracht hat“, teilte der stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD, Georg Pazderski, am Freitag mit.
    Insbesondere der geplante Graben zeuge von einer „erschreckenden Geschichtsblindheit: Solche sogenannte ‘Aha-Gräben’ wurden von der DDR im Grenzgebiet zur Bundesrepublik und zu West-Berlin eingesetzt. Daß der Deutsche Bundestag sich nicht scheut, dieses Mittel einer menschenverachtenden Diktatur einzusetzen, ist ein katastrophales Zeichen.“
    Der Bundestagsabgeordnete und Berliner CDU-Parteichef Kai Wegner unterstützt dagegen die Pläne. „Die Fragen der Sicherheit konzeptionell mit der Errichtung des neuen Besucher- und Informationszentrums mitzudenken, ist sinnvoll und erforderlich.“ Zum Schutz von Besuchern und Mitarbeitern seien dabei natürlich auch „neuere Entwicklungen in der Sicherheitslage“ zu berücksichtigen.

    Nichts verdeutlicht stärker die Trennung von Volk und Regierung resp. Volksvertretung als diese geplante Abgrenzung/Mauer²/Zaun/Schutzwall/Aha-Graben, wie ihn itzt die Systemparteien planen. Der Deckmantel ist das Sicherheitsbedürfnis, im grunde geht es aber nicht um Sicherheit, sondern um dokumentierte Separierung.

    Man vergleiche dazu die Anlage des Reichstages, wie sie der Kaiser den Volksvertretern schenkte. Frei zugänglich für jeden, erhaben in seiner Schönheit, klassisch affiziert in seiner Architektur, nicht protzig, sondern angemessen im Gesamtensemble der Innenstadt integriert. Lustgarten. Nichts veranschaulicht deutlicher, wie tief wir gefallen sind, daß nunmehr die staatstragenden Parteien nichts besseres zu ihrem "Schutz" tun zu glauben müssen als die Errichtung eines postkommunistischen Schutzwalls, der sie vor der Bevölkerung schützen soll.

    P.S. Mit der Flüchtlingskrise hat das nichts zu tun. Hier geht es um einen grundsätzlichen Vertrauensverlust zwischen Regierung und Regierten.

  2. #2
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    AW: Tagesgespräch 2019

    Lese zum ersten Mal von dem geplanten Wall. Bin entsetzt. Instinktloser geht es kaum

    Ist aber phänotypisch und symbolisch hochinteressant. Der Wall steht für die seit Längerem bestehende Mauer zwischen Volk und seinen Vertretern. Es ist ein Krise der repräsentativen Demokratie in ganz Europa zu beobachten. Dass D hier wieder mal Vorreiter spielt, um diese Krise zu sichtbar und spürbar zu machen, ist auch typisch. Der Diskurs, der nicht nur seit 2015 in den ÖR und Leitmedien (Zeit, Süddeutsche etc.) läuft, ist, soweit ich es verfolge, abwehrend, defensiv, abwertend den Andersdenkenden gegenüber. Jeder, der nicht die Staatsdoktrin vom Typus des guten Deutschen - fleissig, bescheiden, nicht-rassistisch, weltoffen, ökobewusst, erfolgreich ... - entspricht und dauernd im Munde führt, ist automatisch abgewertet als ewiggestern, rechts, rassistisch, zumeist faul, zumindest leistungsunwillig etc....

    Ich mach mir da seit einigen Jahren einen düsteren Reim drauf. Was wurden wir depperten Ösis nicht gescholten, dass wir eine neonazistische Partei wie die FPÖ in der Regierung hatten - die sich aus eigener Blödheit zurecht aus dieser Regierung katapultiert hat (Ibiza) - vor 20 Jahren gabs dagegen sogar EU-Sanktionen! Zeit und Süddeutsche kriegten sich gar nicht mehr ein. Auch wenn ich die FPÖ für regierungsunfähig halte, was sie jedesmal bewiesen hat, wenn sie an einer solchen beteiligt war, so ist die Ausgrenzung der falsche Weg im Umgang mit solchen Parteien. Sollte sich die AfD jetzt selbst zerstören, dann tut sie das aus eigener Dummheit und nicht, weil die anderen sie erfolgreich 'bekämpft' hätten.

    Nun gut. Ich mach mir wirklich Sorgen um die Entwicklung in D. Wenn die Parteien dort nicht bald einen ehrlichen Dialog und Diskurs mit dem Volk führen und weiter nur in Stereotypen und Schwarz-weiss-Mustern einander beflegeln, dann wird der Graben zwischen Volk und seinen 'Vertretern' nur noch tiefer. Leider ist keine Besserung in Sicht, eher das Gegenteil: man bunkert sich ein!

    Na dann, viel Glück aus dem unmenschlich heissen Niederösterreich.

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Regierung und Regierte - ein Ablösungsprozeß

    Ich glaube, dieses Thema ist einen gesonderten Ordner wert...

  4. #4
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Regierung und Regierte - ein Ablösungsprozeß

    Solche Gräben zeigen sich auch in vielen kleinen Dingen: ich sah neulich eine Reportage zur Fridays for Future Bewegung...wo es unter anderem zu einem Treffen mit Vertretern aller Parteien kam. Nur die Grünen schickten mit Hofreiter einen Spitzenpolitiker, alle anderen Parteien nur Vertreter aus den hinteren Reihen ihrer jeweiligen Partei. Das mögen gute Leute sein, aber hier geht es auch und vor allem um Symbolik...um Wertschätzung. So allerdings wird der Graben nur noch tiefer....

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