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Thema: Kreuzverhör

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Kreuzverhör

    KREUZVERHÖR


    Was wäre, wenn die zu beschreibende Person in der Zwischenzeit eine Reise unternommen hätte. Unbewegt, also ins Innere. Eine Rundreise, im Rückblick ein Wimpernschlag. Auf des Falters Flügeln.


    [Hinunter und rausgeschlichen aus dem hohen Turm der Vernunft. Angst ist ihr, denkt sie daran. Die Flucht aus dem Labyrinth der Vergangenheit. Kaum abzuschütteln, die verklebten Kletten. Sie erstickt, denkt sie daran. Fort aus dem Garten der Lust, obwohl dort ein prächtiger Wörter wachte. Sie schäumt, denkt sie daran. Hinaus aus der schwarzen, schlafenden Höhle der Unwissenheit. Sie sieht.]


    Was wäre, wenn sie sich plötzlich, fast schwerelos, von einem Wirbelwind mitten ins Zentrum gezogen fühlte.
    Dort ist sie nicht allein.


    "Warum kommst du erst jetzt! Ich warte seit geraumer Zeit".

    So sieht er also aus! Irgendwie vertraut, irgendwas war. Vom Gegenlicht verschattet. Was war, ist nicht fremd. Als wäre sie ihm schon begegnet. Steht mitten im Raum, in Gedanken.


    Der Chor: Maskerade... Maskerade...dreh dich nicht um....Mask...


    Er spricht mit weicher, noch vorwurfsvoller Stimme weiter. Der Chor verstummt augenblicklich.


    "Ich habe dich gerufen, mit tausend Stimmen. Ich habe dich gehört, mit tausend Ohren deine Taubheit. Laut wie ein Orkan. Ich habe dich gesehen, suchend, mit tausend Augen deine Blindheit. Ich habe deine Verzweiflung gespürt und auch deine Lust, erregt, wenn du träumtest. Ich kenne jeden winzigen Moment deiner Reise. Kein Wort davon!
    Ich hätte dich fast aufgegeben, allein ich konnte nicht. Es war schon zu spät. Es war alles zu spät. Was nützt es mir, der Erste zu sein! Bin ich doch allein am Ziel, ohne dich, und einsam auf diesem Berg! Aber gut, jetzt bist du hier."



    Er lächelt, versunken. Kurze Stille.


    Die Kulisse wechselt, wie durch Zauberhand. Die Atmosphäre eines Gerichtssaals. Zuschauer, Attrappen (Blindpackung), im Hintergrund.


    Er setzt sich aufrecht. Das Lächeln verschwindet, seine Stimme ist kalt.


    "Also, was willst du?"


    Da steht sie, geblendet, verwirrt. Mit feuchten Händen, trockenem Mund. Eisige Stille.


    Lauter: " Sprich, ich habe nicht ewig Zeit".


    Sie tritt von einem Fuß auf den anderen, blinzelt verstört in das Zwielicht, schaut an sich hinunter. Rafft Stoff zusammen, um ihre jetzt sichtbar werdende Blöße zu verdecken.


    "Ich will leben".


    Er lacht. Der Chor lacht mit:


    Eine Pflanze...? Ein Tier...?
    Die Wahrheit, nur Wahrheit...
    eins...zwei...drei...vier...



    Mit einer Handbewegung stoppt sie den Hohngesang. Räuspert sich, holt Luft.


    "Nein, keine Pflanze. Eher ein Mensch. Weiblich, weit gereist. Du weißt das alles. Kennst mich besser, als ich mich selbst. Sag mir, wer du bist. Wie ist dein Name !"


    "Das tut hier erstmal nichts zur Sache. Tu einfach so, als sprächest du mit Gott. Aber sei getrost, ich bin es nicht."

    Ein kleines Grinsen spielt um seinen Mund. "Ich will in dein Herz sehen. NOCHMAL: WAS WILLST DU."


    Zähne mit Biss, denkt sie. Woher kenne ich...?


    "Wie weiß ich, daß ich dir vertrauen kann? Du bist nur so hart wie ich weich bin. Und umgekehrt. Schau mich an! Was ist, wenn ich schweige?"


    Der Chor:

    Vorbei...vorbei...vorbei...
    Wir wissen alles...
    eins...zwei...drei...
    .


    Auch für dich, denkt sie. Und es wär doch schade.


    +++

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Kreuzverhör

    Kein Wort davon. ???
    Ein Wort mehr ist zwei zuviel.
    Abgestürzt. Absturz ist so ein süßer Schmerz.


    Sehr disparat, Dein Wort. Es verliert sich. Und es gefällt sich ein wenig. Wie es bei der Liebe üblich. Also bist Du keine Verlorene, nur eine, die spielt. Ich versuche mich an einer formalen Deutung: Ist das ein Dramolett? Doch warum spielt hier HANDLUNG eine so untergeordnete Rolle? Für ein stehendes Bild, gar einen Schrei, ist das zu disparat, zu wenig kondensiert, nicht zugespitzt. Für eine Miniatur ist der Text zu platt, zu wenig besonders. Die Reaktionen sind beliebig, nicht so, daß sie im Gedächtnis bleiben. Der text wirkt beliebig, uninspiriert.

  3. #3
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Kreuzverhör

    Das ist eine sphärische und doch recht schwere Sprache, die aufs Gemüt drückt und dem Leser keine Kraft läßt, sich zu entfalten. Ich glaube, mehr als ein paar Skizzen können hier von keinem ertragen werden. Andererseits gibt es solche Bücher (mit solchen Inhalten), die sich nicht einfach so weglesen lassen. Und es sind nicht die schlechtesten.

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