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Thema: Zerstörte Seele

  1. #1
    Felicitas W.
    Laufkundschaft

    Post Zerstörte Seele

    Zerstörte Seele


    Zerrissen ihr Kleid,
    schwarz die Füße vom Sumpf.
    Schleier umhüllen ihr Antlitz,
    verzerren es, machen es zum Dämon.


    Der einst so anmutige Engel,
    zerstört,
    sah die Einsamkeit,
    zerstört,
    die Leere.


    Federn sinken auf ihr Gewand,
    auf den gefror'nen Acker.
    Blut tropft,
    hinterläßt Spuren im Schnee,
    Lachen ihres Lebens,
    Ausschüttung des Saftes.


    Suchend nach dem Ende,
    der Erlösung der Einsamkeit,
    fürchtend dreht sie sich,
    ihr Atem gefriert,
    sie zittert vor Schwäche.


    Mit letzten Kräften erreicht sie,
    freudig lachend
    den Friedhof,
    auf dem sie so viele schöne Stunden verbracht,
    und legt sich zu ihrem Liebsten,
    der sie begehrend den Hals zerstört.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    0

    AW: Zerstörte Seele

    Letzte Zeile:


    "der ihr begehrend den Hals zerstört."


    oder:


    "dem sie begehrend den Hals zerstört."


    oder


    "der sie begehrend am (?) Hals zerstört."


    Keinesfalls aber


    "der sie begehrend den Hals zerstört."


    es sei denn, du lässt die vorletzte Zeile lauten:


    "und legt sich zu ihrer Liebsten,"


    dann kann die letzte Zeile bleiben, wie sie ist.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    19

    AW: Zerstörte Seele

    sie = mutter erde. hoff ich für diese lyrik.


    "Mit letzten Kräften erreicht sie,
    freudig lachend
    den Friedhof..."


    die letzten kräfte sind unterwegs verbraucht worden. das freudige lachen dürfte also kaum mehr möglich sein.


    Mr. Jones

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zerstörte Seele

    "Zerrissen ihr Kleid"


    nun gut, das kann angehen, so was kommt vor. Obwohl, so genau weiß man nicht, ob gemeint
    ist "Zerrissen IST ihr Kleid"
    oder 'SIE zerrissen ihr Kleid" wobei dann fraglich ist, ob das Kleid der armen Seele oder das jeweilige Kleid der Zerreisser zerrissen ist.


    "schwarz die Füße vom Sumpf"


    Hatte ich auch schon. Allerdings nicht im Winter, wenn es so kalt ist, dasz der Acker gefroren ist und einem der Atem gefriert. Aber ich kenn nicht jeden Sumpf.


    "Schleier umhüllen ihr Antlitz,
    verzerren es, machen es zum Dämon."


    Im Leben nicht. Ein Antlitz kann höchstens dämonisch aussehen, ein Dämon ist ein Ganzes. Da müssten die Schleier schon die ganze Seele verzerren. Aber, nicht wahr, Schleier sind was leichtes, luftiges, die zerren nicht, sie können etwas verzerrt darstellen. Wenn ich an ein 'verzerrtes Antlitz' denke, denke ich an Anspannung der Gesichtsmuskulatur.


    Das mag für jetzt reichen. Ich muß noch Hering einkaufen.

  5. #5
    Felicitas W.
    Laufkundschaft

    AW: Zerstörte Seele

    Vielen Dank für diese Reaktionen.


    quoth, im letzten Vers stand in einer früheren Fassung "der ihr begehrend den Hals zerstört" Ich empfand das als nicht deutlich genug.


    Mr. Jones, das stimmt. Ich muß sehr aufpassen, was hier ich einstelle. Das muß ich dann wohl oder übel verändern.


    lester, was meinst Du mit Hering? Ich denke aber über das andere nach. Morgen stelle ich die zweite Version vor.


    P.S. Gibt es hier auch Frauen, die Lyrik schreiben? Ich habe noch weitere Gedichte.

  6. #6
    Bauer Hans
    Laufkundschaft

    AW: Zerstörte Seele

    Frauen, die lyrisch genug.
    Weitere Gedichte, nur her damit!
    Wenn Lester Hering kauft, geht er lyrisch zelten.

    Bis danne, hoffentlich unzerstörbare Seele

  7. #7
    Felicitas W.
    Laufkundschaft

    Post AW: Zerstörte Seele

    Hier ist meine neue Fassung. Ich hoffe, sie ist jetzt stimmig. Vielen Dank für die Kritik. Leider kann ich mich zu anderen Texten kaum äußern. Manche gefallen mir, viele nicht. Ich lese aber schon längere Zeit hier mit.


    Zerstörte Seele


    Zerrissen ihr Kleid,
    schwarz die Füße vom Sumpf.
    Schleier umhüllen ihr Antlitz,
    verzerren es, machen es zum Dämon.


    Der einst so anmutige Engel,
    zerstört,
    sah Einsamkeit,
    zerstört,
    Leere.


    Federn sinken auf ihr Gewand,
    auf den gefror'nen Acker.
    Blut tropft,
    hinterläßt Spuren im Schnee,
    Lachen ihres Lebens,
    Ausschüttung des Saftes.


    Suchung nach dem Ende,
    Erlösung in Einsamkeit;
    fürchtend dreht sie sich,
    ihr Atem gefriert,
    sie zittert vor Schwäche.


    Dann lacht sie,
    steht
    vor dem Friedhof,
    auf dem sie viele schöne Stunden verbracht,
    und legt sich zu ihrem Liebsten,
    der ihr begehrend den Hals zerstört.

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Zerstörte Seele

    Hallo Felicitas,
    obs hier auch Frauen gibt, die Lyrik schreiben? Ja, eine Zeitlang habe ich das gemacht. Aber ich fand mich grottenschlecht. Und hab dann fast alles zerknüllt. Tux schreibt hin und wieder hier im Forum. Vielleicht willst du dich an sie wenden. Sie hat ein offenes Ohr, aber soweit ich weiß wenig Zeit. Aber ich finde ihre Gedichte sehr gut. Du kannst mir ja auch eine Mail schreiben. Dann können wir uns weiter austauschen. Bin jetzt bloß für eine Woche im Urlaub. Bis denne


    Patina

  9. #9
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    AW: Zerstörte Seele

    Bei Gedichten wird ja oft eine Assoziationskaskade ausgelöst. Hier mußte ich an aufgewärmte Spätzle denken. Lecker, lecker, lecker.

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zerstörte Seele

    Was mir generell, nicht nur an den Texten von Felicitas, bei Netzlyrik ins Auge fällt:
    Die Terminologie und Sprechhaltung der Selbsterfahrungsgruppe, der Frauengruppe, der Psychotherapie wandert in die Lyrik ein oder wird vielmehr mit dieser verwechselt.
    In diesen durchaus verdienstvollen Einrichtungen ist das Sprechen über Gefühle Programm, das Zulassen von Gefühlen, das Kontaktaufnehmen mit, das Benennen von Gefühlen oberstes Gebot. Dies alles aber ist in der Lyrik tödlich, zerstört die Autonomie ihrer Sprache. Nicht Gefühle und seelische Prozesse benennen ist Lyrik, sondern sie dem Leser zu suggerieren. Dies nur einmal allen Netztextern ins Stammbuch, auch mir selber.


    Ich hab den Text mal "eingedampft" - auch um der zentralen Figur ein wenig Rätselhaftigkeit zurückzugeben:




    Zerrissen das Kleid,
    schwarz die Füße vom Sumpf,
    Schleier verhüllt das Antlitz.
    Federn sinken auf das Gewand,
    auf den gefror'nen Acker.
    Blut tropft,
    hinterläßt Spuren im Schnee,
    Lachen ihres Lebens.
    Sie betritt
    den Friedhof
    legt sich zum Liebsten,
    der ihr begehrend den Hals zerstört.


    Der Titel "Zerstörte Seele" nimmt viel zu viel vorweg. Wie zerstört diese Seele ist, muß dem Leser herauszufinden überlassen werden. Gib ihr einen Eigennamen (auf Friedhöfen haben alle Menschen Namen) - Carlota oder Lorena - und halte dich von aller Seelenkunde fern. Lyrik soll Gefühle in gebundener Sprache erzeugen, nicht haben, benennen und vorzeigen. Der Nachahmungstrieb ist auf diesem Gebiet sehr begrenzt.


    Die Lyrikerin sollte an aufgewärmte Spätzle denken, während sie mittels ihrer Kunst im künftigen Leser tiefe Trauer erzeugt. Wenn sie nur ihre eigene Trauer vorzeigt, erzeugt sie im Leser die Vorstellung aufgewärmter Spätzle.




    [Diese Nachricht wurde von Quoth am 15. September 2002 editiert.]

  11. #11
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    AW: Zerstörte Seele

    yep, das scheint gut.
    gut ist das.
    scheint mir.
    gut.
    das.
    scheint -
    schön... -
    leuchtet beinahe!

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zerstörte Seele

    Das ist fast schon der blutende Schwan im Schnee, was Paule?

  13. #13
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Zerstörte Seele

    brachial-romantischer Pennälersud

    dergleichen verstopft die Phantasie und müllt das Denken zu

    Das fängt schon übel an: Hat sie das Kleid zerrissen oder jemand anderer? ist der Sumpf ein Topos, gar ein Subjekt, das handeln kann? Schleier umhüllen nun mal Gesichter, das ist ihre Funktion. Wo ist hier die Besonderheit? Daß Schleier selber etwas verzerren können, ist mir neu? Wie muß ich mir das vorstellen? Agieren diese Schleier? Wahrscheinlich wie der Sumpf. Ein sumpfig Schleierlein, das fällt heut' in mich 'rein.

    Nö, da wendet sich der Friedhofswärter mit Grausen.

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