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Thema: Rechtspopulismus oder Nationalkonservatismus: die AfD

  1. #51
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: Rechtspopulismus oder Nationalkonservatismus: die AfD

    Dieses Parteiausschlussverfahren ist überhaupt nicht der Ausgangspunkt meiner Erregung. Ob der Komiker in dieser Partei agiert oder nicht, ist für mich völlig unerheblich. Natürlich bezog ich mich auf die Rede vom 8. Mai '85, welche denn sonst. "Was hat Höcke Schlimmes getan?", "Er hat da nichts illegales gesagt" -genau, er ist ein Engel, und ich schreibe hier gerade jemanden, der ihm sein Wolkenbettchen zurechtschüttelt.

  2. #52
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: Rechtspopulismus oder Nationalkonservatismus: die AfD

    Zitat Zitat von der Freitag /16.02.2017 Beitrag anzeigen
    Zu den eher überraschenden Ereignissen gehört das Parteiausschlussverfahren gegen Björn Höcke, den Fraktionsvorsitzenden der AfD im Thüringer Landtag. Nach seiner skandalösen Dresdner Rede vom 17. Januar war es dem Vorstand der Bundespartei zunächst nicht gelungen, sich mit der erforderlichen Mehrheit auf diesen Schritt zu einigen. Höcke hatte polemisiert: „Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Gemeint war das Mahnmal des Judenmords. Es zeige sich darin der Gemütszustand eines „brutal besiegten Volkes“, dessen „Umerziehung“ weg vom Nationalsozialismus Höcke offenbar bedauert. Einen knappen Monat später war die Öffentlichkeit schon wieder mit anderen Themen beschäftigt – warum erinnert nun die AfD selber an den Fall? Sie kann nicht sicher sein, dass es ihr nützt.

    Ein Strategiepapier, das sich der Bundesvorstand im Dezember zu eigen gemacht hat, gibt über die Motive keinen hinreichenden Aufschluss. Man kann da lesen, dass die Partei bewusst auf Provokation und Verstöße gegen die „political correctness“ setzt, zugleich aber schon davon träumt, aus dem 20-Prozent-Turm ihres derzeitigen Wählerpotenzials auszubrechen und also auch „die Mitte“ für sich interessieren zu können. Das ist an sich kein unüberbrückbarer Widerspruch. Gerade Höckes Rede könnte das Exempel sein: NS-nahe Töne für den harten Kern der Anhängerschaft, für die Mitte dann die Behauptung, es sei nicht so gemeint gewesen. Indem Höcke hinterher beteuerte, für ihn sei Auschwitz und nicht das Denkmal die deutsche Schande, konnte er ziemlich erfolgreich vom eindeutig braunen Rest seiner Rede ablenken. Was war so anders, wenn die Parteivorsitzende Frauke Petry empfohlen hatte, das Adjektiv „völkisch“ in den deutschen Sprachschatz, statt die Flüchtlinge ins deutsche Volk zu integrieren? Und doch ist sie jetzt nervös geworden.

    Der Vorstand geht den Weg des französischen Front National. Dessen Gründer und erster Parteivorsitzender Jean-Marie Le Pen hatte Auschwitz verharmlost, seine Tochter, die jetzige Parteivorsitzende Marine Le Pen, ließ ihn deshalb aus der Partei ausschließen. Vielleicht hat sie nur Kreide gefressen? In diesem Fall funktionierte die Zuwendung zur Mitte, denn der Front National hat inzwischen um 30 Prozent Wählerzustimmung erlangt. Imitieren lässt sich das Manöver hierzulande indessen nicht – es müsste denn eine AfD-Vorsitzende geben, die Höckes Tochter wäre. Nein, in Deutschland bedeutet der Beschluss des Vorstands unmittelbare Spaltungsgefahr. Denn Höcke hat starken Anhang in den ostdeutschen Landesverbänden der AfD.

    Am wahrscheinstlichen ist, dass der Vorstand die Folgen der US-amerikanischen Wahl fürchtet. Donald Trump, der neue US-Präsident, wurde zunächst als Hoffnungsträger aller Rechtspopulisten begrüßt. Aber schnell hat sich gezeigt, dass er zum Bumerang werden könnte, oder es sogar schon geworden ist. Die Wählerzustimmung zur AfD ist in wenigen Wochen von 16 auf 12 Prozentpunkte gefallen – den erhofften Marsch in die Mitte der Gesellschaft kann die Partei erst einmal abblasen. Sie versucht zurückzurudern, aber nimmt man es ihr noch ab? Ist es schon so weit, dass alles falsch ist, was sie nur tun kann?

    Nicht einmal darauf, dass der Parteiausschluss scheitert, kann sie hoffen. Das wäre für sie noch erträglich: Der Bundesvorstand behauptet, Höcke entfernen zu wollen, und der macht einfach weiter. Das wäre Zweideutigkeit as usual. Der Vorstand meint vielleicht, er könne den Fall Thilo Sarrazin nachahmen. Dem SPD-Vorstand war es nicht gelungen, ihn ausschließen zu lassen, obwohl man ihm rassistisches Denken unterstellen kann und er jedenfalls von den „Werten“ der Sozialdemokratie weit abweicht. Aber Höcke ist nicht Sarrazin. Wenn einer es bedauert, dass Deutsche, die für Hitler gekämpft und gemordet haben, „brutal besiegt“ worden sind, ist die braune Linie denn doch überschritten. Wenn der Ausschluss parteiintern scheitert, wird es der AfD im Ganzen und auch ihrem Vorstand anhängen.


    Kommentare (5)
    Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 07/17.

  3. #53
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Rechtspopulismus oder Nationalkonservatismus: die AfD

    Ich habe mir die Rede auf youtube angehört und wäre interessiert, an welchen Stellen der FREITAG hier "braunen Rest" fixieren will. Da es offenbar an Belegen hapert, wird es nur behauptet, ein Nachweis bleibt der Journalist schuldig. Wie gesagt, ich bin bei solchen Kampfblättern immer skeptisch. Sie behaupten und behaupten, aber bleiben Belege schuldig. Ist aber trotzdem zumeist amüsant, was sie so schreiben. Und offenbar hat der Schreiberling auch kein Gefühl für die Doppeldeutigkeit unserer Sprache. Er verwendet das Wort "Judenmord" statt Shoa. Judenmord kann aber auch Mord von einem oder von mehreren Juden (an einem anderen) bedeuten. Es ist eine reziproke wie auch eine partitive Deutung möglich.
    Andererseits unterstellt er Höcke, daß er "Denkmal der Schande" auf das Denkmal münzte, nicht aber auf das, wofür das Denkmal stehen soll, nämlich die Schande, die sich die Deutschen auf ihre Seelen geladen haben, als sie aus rassistischen Gründen gegen die Juden vorgingen. Und genau das hat Höcke ja auch gemeint. Wer sich in der Welt umschaut, der wird in keiner Hauptstadt dieser Welt ein Denkmal finden, in dem sich das dort inhäusige Volk selber eines großen Unrechts zeiht. Man stelle sich vor: auf dem Roten Platz in Moskau stünde ein riesiges Denkmal zur Erinnerung an die Millionen Opfer, die Stalin systematisch umgebracht hatte; oder in Paris stünde gleich neben dem Arc ein Denkmal für die Millionen Toten, die Napoleon mit seinem unsäglichen Eroberungsdrang zu verantworten hat oder in London neben dem Buckingham-Palast eine Stele, die an britische Völkermorde in Indien, Afrika oder Nordamerika erinnern würde. Oder in Amerika stünde gleich neben dem Weißen Haus ein riesiges Denkmal zur Erinnerung an den politisch befohlenen Völkermord an 50 Millionen Indianern, denn nur ein toter Indianer...
    Die kommen da gar nicht auf die Idee. Aber wir Deutschen müssen auch hier wieder unser Alleinstellungsmerkmal in die Welt hinausposaunen und uns öffentlich geißeln, weil wir eben sozialer, lernwilliger, schlichtweg bessere Menschen als alle anderen sein wollen. Das Modell Deutschland. Das ist der gegenwärtige Nationalismus, eine Art Antinationalismus, der im Grunde das gleiche ist wie der angeprangerte Nationalismus einiger unserer Ahnen.

    erstellt von ntv:

    Parteichefin Frauke Petry will einem Zeitungsbericht zufolge das Grundsatzprogramm der AfD ergänzen und damit rechte nationalistische Strömungen aus der Partei drängen. Es solle eine Passage aufgenommen werden, in der es heiße, dass in der AfD insbesondere für "rassistische, antisemitische, völkische und nationalistische Ideologien kein Platz" sei, schreibt die Chemnitzer "Freie Presse".
    Einen entsprechenden Antrag hätten Petry und zwei weitere sächsische AfD-Politiker für den Bundesparteitag in zwei Wochen gestellt. Das Grundsatzprogramm soll demnach auch um diesen Satz ergänzt werden: "Das Bekenntnis zur deutschen Leitkultur ist verbunden mit der Erkenntnis, dass im Hinblick auf die Kulturleistungen anderer Völker kein Anlass besteht, den nationalen Gedanken zu überhöhen."
    Zuvor hatte am Freitag ein bekanntgewordener "Sachantrag zur strategischen Ausrichtung der AfD" von Petry für den Parteitag zu Aufruhr in der rechtspopulistischen Partei gesorgt. Petry zeigt darin zwei Wege für die AfD auf. Eine von ihr favorisierte "realpolitische Strategie" mit dem Ziel, die AfD mittelfristig koalitionsfähig zu machen. Und eine "fundamentaloppositionelle Strategie", die Raum lässt für "abseitige Meinungen und Standpunkte" auch "außerhalb des bürgerlichen Korridors". Nach Einschätzungen aus der Parteispitze will Petry mit dem Antrag eine Richtungsentscheidung über den künftigen Kurs der Partei erzwingen.
    Eine Spitzenkandidatin?

    Der zweite AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen zweifelte daraufhin in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die Führungsqualitäten Petrys an. Die Einteilung in Realpolitiker und Fundamentalisten sei "konstruiert und keineswegs stimmig", sagte Meuthen in Richtung Petry.
    Trotz ihres tiefgreifenden Streits wollen beide Bundesvorsitzende an diesem Samstag in Essen gemeinsam die heiße Wahlkampfphase der NRW-AfD eröffnen. Spitzenkandidat bei der Landtagswahl ist Marcus Pretzell, der Ehemann Petrys. Nach Angaben eines Sprechers der NRW-AfD wollen Petry und Meuthen "auf jeden Fall" kommen.
    Wenn Petry mit diesem Antrag durchkömmt, wird die AfD über kurz oder lang in der Versenkung verschwinden. Begründung: eine Alternative darf sich keinen Paradigmen, die sie ununterscheidbar von den Systemparteien machen, aussetzen. Damit würde eine Keule geschaffen, die jederzeit gegen jede politisch nichtkorrekte Äußerung im Diskurs geschwungen werden könnte.
    Ich bin immer gegen paradigmatische Verbote. Ich liebe dagegen konstruktive Erklärungen. Wie wäre es mit einem Pro-Antrag, der da etwa lauten könnte: "Die AfD setzt sich für die allseitige Entwicklung der Regionen ein. Sie vertritt ein humanistisches Weltbild, das auf die bestmögliche Entwicklung aller Menschen hinzielt, insbesondere der Menschen im Arbeitsbereich der AfD."

    Mit einem solchen Pro-Antrag wird jeder Anti-Antrag, der auf Rassismus und dergleichen Unsinn abzielt, im Keim erledigt. Ich meine, ich muß nicht mit dem button "Schule gegen den Rassismus" wedeln Schule_ohne_Rassismus.svg_.jpg, wenn ich an meiner Schule kein Rassismus-Problem habe. Auch prophylaktisch nicht. Ebenso muß ich in meiner Partei nicht anheimstellen, daß ich von vornherein GEGEN etwas bin. Es sei denn, meine Partei hat ein Problem mit dem, wogegen sie angeblich sein soll. So oder so wäre es ein politisches Eigentor.

  4. #54
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: Rechtspopulismus oder Nationalkonservatismus: die AfD

    Nach "Kampfblatt" war eigentlich schon Feierabend. Hochsitzgewichse halt.

  5. #55
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Rechtspopulismus oder Nationalkonservatismus: die AfD

    Das ist keine belegte Argumentation, sondern nur Meinung. Wenn Du diese Form der Auseinandersetzung führst, werden wir hier keine Ergebnisse erzeugen. Zeige mir Belege im FREITAG-Artikel, die nicht Meinung oder Unterstellung sind und belegen, daß Höcke nationalsozialistisch argumentierte, dann nehme ich meine Unterstellung zurück, der FREITAG sei ein Kampfblatt, das Belege schuldig bleibt, nihilominus aber unterstellt und diffamiert.

  6. #56
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: Rechtspopulismus oder Nationalkonservatismus: die AfD

    Zitat Zitat von aerolith Beitrag anzeigen
    Das ist keine belegte Argumentation, sondern nur Meinung.

    Richtig.

    Ergebnis? Halb Deutschland irrt, inkl. der Presselandschaft, der Robert hat recht und der Höcke ist eigentlich ein ganz netter Typ und seine Kumpels, wie zum Beispiel Götz Kubitschek, und die von der NPD auch? Sag mal, verarscht Du mich hier? "Nationalsozialistisch" Das Ergebnis ist dasselbe: Scheisse! Es ist einfach Scheisse, Robert! Aber Du hast ja das Video "gehört", aha! Ne, recherchiere mal, wo der feine Herr sich so rumtreibt, ehrlich.

    Und weg.

  7. #57
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Rechtspopulismus oder Nationalkonservatismus: die AfD

    War das jetzt die Argumentation? Versuch es mal mit Sachlichkeit! Nicht in jedem Ordner sind Meinung, Standpunkt, proletarische Überzeugung oder Gefühl gefragt; in diesem geht es um präzise Textarbeit. Die bleibst Du hier schuldig. Statt dessen Fäkalsprache und unzulässige Verallgemeinerungen ohne Beleg.

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