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Thema: Rechtspopulismus oder Nationalkonservatismus: die AfD

  1. #76
    Tochter aus gutem Hause Avatar von anderedimension
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    AW: Rechtspopulismus oder Nationalkonservatismus: die AfD

    Wittgenstein kam aus dem Nichts und schaffte auf Anhieb ein Patt. Das zeugt von einer gewissen Sehnsucht nach charismatischen Rednern. Obwohl mit Sicherheit viele nicht wussten wofür diese Frau wirklich steht...woher sie kommt und wohin sie will...gaben sie ihr ihre Stimme. Dabei blieb Wittgenstein in Stimmlage und Gestik monoton...schaffte es aber dennoch zu emotionalisieren...bekam viel Applaus. Ich persönliche kenne brilliante Redner nur vom Hörensagen, habe keinen erlebt. Gestern bekam ich aber eine leise Vorstellung davon...was ein solcher Redner alles bewirken könnte. Da keine Partei über solche Leute verfügt...hat auch niemand Wettbewerbsvorteile. Lindner ist ein guter Rhetoriker, aber kein emotionaler Redner - ausserdem hat man ihn relativ schnell durchschaut.

    Anders als Du, aerolith, sehe ich nicht die Unvereinbarkeit von Liberalismus und Konservatismus. Diese Flügel gibt es auch in SPD, Union und FDP. Dass Meuthen "nur" mit 72% gewählt wurde...Gauland gar mit unter 70%...sehe ich als gutes Zeichen...auch wenn die Medien da mal wieder etwas anderes daraus machen. Für viel bedenklicher halte ich es....wenn ein Schulz mit 100% gewählt wird. Was das wert ist....das konnten wir ja sehen. Ich erwarte geradezu von einer demokratischen Partei....dass nicht alle auf einer Linie sind.

    Was die Integration Russlands betrifft, da bin ich auf der Seite der AfD. Wir dürfen uns da nicht mehr länger von den Amis "benutzen" lassen, welche aus vierlei Gründen Russland als Feindbild erhalten wollen. Russland ist den Amis ein Vorwand zur Aufrüstung. Das ist die ganz "große" Politik. Die sehen wir auch in der Nordkoreakrise...wo viele Nationen einen großes Interesse daran haben, dass dieser Konflikt bestehen bleibt. So rüstet z.B. Japan im Schatten dieser Krise auf, bringen sich die Amis im Pazifikraum in Stellung. Aber auch die Chinesen haben ein großes Interesse an diesem Konflikt, denn Kim strebt die Wiedervereinigung von Süd-und Nordkorea an...was den Chinesen sehr entgegen käme...denn so wären sie die Amis vor der Haustür und einen Konkurrenten auf dem Weltmarkt los. Und Russland dient dieser Konflikt um sich bei den Chinesen einzuschmeicheln, ohne die man in Zukunft kein Gewicht mehr hat. Russland gehört definitiv zu Europa...Ihre Geschichte ist europäisch...und auch ihre Kultur. Ich bezweifle aber, dass die Russen eine engere Bindung zur Nato anstreben.
    Geändert von anderedimension (03.12.17 um 10:45 Uhr)

  2. #77
    Tochter aus gutem Hause Avatar von anderedimension
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    AW: Rechtspopulismus oder Nationalkonservatismus: die AfD

    Hier sehen wir nun was die Presse aus Wittgensteins Auftritt macht:

    Zitat Spiegel online

    Der wahre Kern der AfD Die Sehnsucht nach einem Führer (m/w)

    Seine Partei sei gar nicht radikal, erklärt der AfD-Parteivorsitzende Gauland - und lobt die radikale Parteifreundin Sayn-Wittgenstein, weil sie "die Seele der Partei" angesprochen habe. Klingt wie eine Stellenausschreibung
    http://www.spiegel.de/kultur/gesells...a-1181769.html

    Vorweg will ich sagen, dass der Spiegel von allen Leitmedien noch am ausgeglichensten berichtet - hängt vom jeweiligen Autoren ab. In diesem Fall war mal wieder eine linke Bachblütenteetrinkerin am Werk...was ja auch ok wäre...würde sie nicht einen solchen unreflektierten Blödsinn schreiben. Ein typisches Beispiel für Linkspopulismus...den es ja...geht es nach dem Politiklegastheniker Varoufakis...gar nicht gibt. Der soll für Meister Propper Werbung machen...sich aber aus der Politik heraushalten.

    Da wird bewusst mit dem Begriff "Führer" gearbeitet um die AfD noch weiter nach rechts zu rücken. Wer die Rede von Frau Wittgenstein verfolgt hat..der weiß...dass das völlig daneben ist. Natürlich sehnt sich die AfD...wie alle anderen Partein auch...und auch die Bevölkerung...nach einer charismatischen...nach einer starken Führungspersönlichkeit...das ist aber spätestens seit '45 etwas anderes als sich nach einem Führer zu sehnen.

    Ich habe den kompletten Parteitag verfolgt -kann mit gutem Gewissen sagen, dass er sich von den Tagungen anderer Parteien kaum unterscheidete. Hätte man nicht gewusst wer da tagt...wäre man nicht unbedingt sofort auf die AfD gekommen. Unter den Delegierten befanden sich übrigens auch sichtbar Menschen mit schwarzafrikanischer und arabischer Herkunft. Und man distanzierte sich ausdrücklich von der NPD und Pro-Deutschland. Dass sich die AfD nicht von der Identitären Bewegung distanziert...das halte ich für richtig. Die IB ist eine europäische Studentenbewegung mit einem klaren Statement...aber politisch korrekt und auf dem Boden unserer Verfassung. Aber scheinbar ist das Verbot die einzige Waffe der Linken - mit ihren schwachen Argumenten kommen sie eben nicht weit.

    Soll uns diese Frau Stokowski doch mal verraten was an dieser Rede radikal gewesen sein soll? Die Rede hatte nicht einen radikalen Moment. Das ist schwacher Journalismus...unprofessionell...dilettantisch...o der auch einfach nur dumm.

  3. #78
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Rechtspopulismus oder Nationalkonservatismus: die AfD

    Allerdings sind Konservatismus und Liberalismus unvereinbar. Sie können bestenfalls Koexistenzen eingehen. Diese sind, wie es den Grundcharakter von Koexistenzen entspricht, ephemer. Es gefällt mir ja, wenn sich das scheinbar Unvereinbare vereinen will, meist im Kontext einer Koinzidenz, man könnte das auch im Geiste Hegels als Negation der Negation begreifen. Doch wo liegen die Grenzen? Den Teufel in Gott zu legen, wie es gute christliche Sitte sein muß, das Böse im Guten zu suchen, das Weiße im Schwarzen, das Vernebelte im Klaren... Sicherlich, d.i. nicht nur möglich, es ist so, daß nichts rein existiert. In allem ist alles. Man renne bei mir keine offenen Türen ein!
    Und so bildete sich auch die AfD in einer politischen Zeit, in der die Konservativen nicht mehr konservativ waren und die Liberalen nicht mehr liberal, in der die SPD keine Gerechtigkeitspartei mehr war und die LINKE so recht nicht mehr wußte, was es bedeutet, in einer sich ändernden Arbeitswelt einen Platz im Parteienspektrum zu behaupten. In diese Lücke stieß die AfD, konnte die Flüchtlingskrise als Katalysator benutzen und muß sich nun entscheiden, ob sie ganz im Geiste des Nutzdiktats eine westliche Partei sein will, also eine liberale, oder ob sie konservativ sein möchte, also nutzübergreifend-allgemeinnützig. Vielleicht will sie auch national-konservativ sein, was zwar auch zu strikt nach Liberalismus müffelt, aber vielleicht eine Übergangslösung abgeben könnte.
    Was sie allerdings nicht wird BLEIBEN können, d.i. das, was sie jetzt ist, eine liberal-konservative Partei. Sie wird sich entscheiden müssen, ob sie praktisch-nützlich im Sinne des gewinnorientierten Bürgertums auftreten will oder ob sie sich parteiübergreifend für die Deutschen und dann weiter für alle Menschen einsetzen will. Beides zusammen geht nicht.

  4. #79
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Stresemann als Eponym der AfD-Parteistiftung

    Welchem politischen Spektrum gehörte Stresemann an? War er ein Liberaler? Kaum. Zwar war er Nationalliberaler im Kaiserreich, aber nach dem Weltkrieg stand er für die DVP, die Volkspartei, also war einen Schritt weg vom kleingeistigen Klientelismus der Nationalliberalen gegangen. Bei wikipedia steht, die DVP sei die Nachfolgepartei der Nationalliberalen gewesen. Wohl kaum. Der Unterschied zwischen sämtlichen liberalen Parteien der Weimarer Republik und der sich Deutsche Volkspartei nennenden Bewegung dieser Tage ist substantieller Natur, nicht gradueller. Liberale Parteien in der Weimarer Republik waren die Staatspartei, die DDP und als Rechtsausleger die DNVP, wobei die schon arg nationalistisch war.
    Der staatstragende Politiker Stresemann, als der er galt, hatte nichts gegen die Parteifarben schwarz-weiß-rot. Die DVP entwickelte sich auch immer weiter nach rechts und keineswegs in Richtung bürgerliche Wohlstandswahrung. Wer seine Gambrinus-Rede liest, der weiß, wie es tatsächlich um seine politischen Ziele aussah. Liberale Ziele waren das nicht, bestenfalls liberal im eigentlichen Wortsinne: freiheitlich.
    Die DVP war strukturell staatsfeindlich, da sie fürs Kaisertum als Sinnbild deutscher Einheit eintrat, zugleich besaß sie durchaus pragmatische (liberale) Züge, was sie aber nicht daran hinderte, sich strikt gegen die Annahme von Versailles auszusprechen. Ihr Ziel war der kapitalistische Nationalstaat. Insofern ist sie durchaus mit der AfD zu vergleichen.
    Unter Stresemann nahm sie eine Hinwendung zur staatstragenden Partei, was aber nicht bedeutet, daß sie ihre monarchische Orientierug aufgab. Auch unter Stresemann nahm die Bedeutung der DVP nach dem Hoch 1920 (13,9%) ständig ab (1924 10%, 1928 8,7%), da sie sich nicht klar nationalkonservativ/nationalliberal entscheiden konnte. (Wahlergebnisse der Weimarer Republik hier) Doch nach seinem Tod 1929 nahm ihre Bedeutung rapide ab. 1932 kam sie noch auf 1,1%.

    Mir gefällt die Vorstellung, daß die AfD ihre Parteistiftung Stresemann-Stiftung nennen möchte. Ich halte Stresemann für einen Nationalkonservativen und keineswegs für einen Nationalliberalen. Das wäre zudem ein Thema für eine Doktorarbeit, das genau zu untersuchen. - Die FDP tobt und (Kubicki) behauptet, Stresemann sei ein europäischer Einiger gewesen, zudem Nationalliberaler. Wie ich schon schrieb, war Stresemann das nur in den Anfangsjahren seiner politischen Tätigkeit.

    erstellt von mmnews:
    19. Dezember 2017
    Die AfD plant eine parteinahe Stiftung, die nach dem bekannten nationalliberalen Staatsmann der Weimarer Republik Gustav Stresemann benannt werden soll. "Die AfD strebt die Anerkennung einer parteinahen Stiftung an. Ich würde es begrüßen, wenn sie Gustav-Stresemann-Stiftung heißen würde", sagte der Parteivorsitzende Alexander Gauland der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochsausgabe). Der Name erinnere an das nationalliberale Erbe Deutschlands. "Diesem Erbe sieht sich die AfD verpflichtet." Die FDP reagierte empört. Der stellvertretende Parteivorsitzende und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki sagte dem Blatt: "Es ist nicht nur makaber, sondern vor allem geschichtslos, den Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann zum Namensgeber für eine AfD-nahe Stiftung zu machen." Dass gerade ein europäischer Versöhner von den `antieuropäischen Spaltern` zur Galionsfigur erkoren werde, sei eine abermalige kalkulierte Provokation Gaulands. "Die AfD beweist einmal mehr, dass sie das Erarbeiten politischer Konzepte nicht als ihre Hauptaufgabe versteht." Die AfD hat kürzlich den 2011 gegründeten Verein "Gustav-Stresemann-Stiftung e.V." von dessen Gründern übernommen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Der ehemalige Geschäftsführer des Vereins, Felix Strüning, schreibt dazu auf seiner Internetseite: "Bei der Mitgliederversammlung der Stresemann Stiftung am 2017 wurde ein neuer Vorstand gewählt, der aus Funktionären der AfD besteht." Neben der Stresemann-Stiftung seien zwei weitere Organisationen im Rennen, um als Stiftung der AfD anerkannt zu werden, so die Zeitung. Eine solche Stiftung könnte jährlich mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag aus Steuergeldern rechnen. Die parteinahen Stiftungen erhalten derzeit jedes Jahr insgesamt deutlich mehr als 500 Millionen Euro.

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