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Thema: Bundestagswahl 2002

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Bundestagswahl 2002

    Es dürfte nunmehr klarsein, daß Stoiber die Wahl nicht gewinnt. Er hat sich während dieses Hochwassers als schlechter Krisenmanager erwiesen, brachte keine konkreten oder einem Oppositionsführer/Kanzlerkandidaten entsprechenden Vorschläge. Witzig war nur, daß er das linke Konzept der Schröpfung der Reichen vorschlug. Wirklich witzig, Herr St.!
    Schröder dagegen stülpte sich Gummistiefel über, stellte sich auf den Damm und redete mit den Leuten. Zwar halte ich nicht viel davon, die Steuerreform zu verschieben - ich setze da eher auf die dynamischen Kräfte im Land als auf staatliche Unterstützung -, allerdings ist das wenigstens eine Maßnahme, die Hilfe verspricht. Und weil er eben den Eindruck vermittelte, helfen zu wollen und zu können, wird er die Wahl gewinnen. Glücklicherweise hat es sich rechtzeitig gezeigt. Arme CDU/CSU. Ist das euer bester Mann?

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bundestagswahl 2002

    Na, sagen wir mal, Schröders Chancen sind gestiegen. Laß die Bilder vom Wasser mal aus dem Fernsehen verschwinden und neue erschütternde Arbeitslosenzahlen herabprasseln, wer weiß, ob viele von denen, die ihn jetzt wählen würden, nicht doch noch wieder ab- und umsteigen.

  3. #3
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    AW: Bundestagswahl 2002

    Langzeitgedächtnis, schön, wenn man eins hat oder hätte.
    Wie war das mit dieser Regierung in den letzten vier Jahren, wie mit der tragenden Partei? Wo sind die staatserhaltenden Vorschläge der SPD zu allen Themen unseres täglichen Lebens?
    Schröder hat es geschickt verstanden, sich von seiner Partei zu lösen, regiert alleine oder tut wenigstens so. Braucht er Rat, pflügt er nicht auf seinem Acker, sondern zieht Kommissionen zu Rate, Kaninchen aus dem Hut. Lang sollen sie nicht leben, die Kaninchen, nach einer gewonnenen Wahl kann man sich ja wieder mit den bremsenden Kräften in der SPD arrangieren. Siehe die Ideen des neuen Arbeitsamtleiters, ganz schön konträr.
    Dem Lektor, der einen Damm gebaut, sei gesagt: Bayern ging und geht es Gold! Wie geht es den SPD-regierten Ländern, wie NRW, das sich unter Clement an die Spitze setzen wollte und nur als Schlußlicht dümpelt.
    Der Lektor möge lektorieren, das kann er. Braucht er politisches Vermögen, so frage er mich, den Fast-Mitbestimmer.

  4. #4
    pjesma
    Laufkundschaft

    AW: Bundestagswahl 2002

    o gott, ich sollte vielleicht die klappe halten. ich darf nicht mal wählen, leider, oder eher- gotsei dank. was ich beobachte, ist körpersprache und mangel am kampfgeist.
    eine hildebrand bräuchte man. eine kampfhähne mit dickem schädel. das angebotene ist blass und aufgesetzt...

  5. #5
    rodbertus
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    AW: Bundestagswahl 2002

    Liebes Hannemännle! Gottseibeiunsbegnadetes! Glücklicherweise gibt es Dich, damit ich auch ja eine richtige Meinung von den Dingen, die da wichtig sind, haben darf. Es sei Dir vielmals Honig aufs Maul geschmiert, damit Du auch weiterhin Dein Schlupfnäschen in die Scheiße steckst und aussprichst, was Süßes Du geschlecket.


    Und bevor ich jetzt als SPD-Anhänger gebrandmarkt werde: Ich versichere an Eides Statt, daß ich bei den letzten zwölf Wahlen weder SPD noch CDU oder PDS (nur bei der Bürgermeisterwahl in Magdeburg mußte ich mich zwischen SPD und PDS entscheiden und entschied mich für den PDS-Mann) wählte. Auch den GRÜNEN konnte ich bislang mein Kreuzchen nicht geben. (Auch wenn ich Wahlkampf für sie in Sachsen-Anhalt machte.)

  6. #6
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    AW: Bundestagswahl 2002

    Oh Gott Robert, Du hast das dauergrinsende Kratergesicht gewählt. Guido-FDP.....
    Dir grausts vor nix.
    Einer der wenigen Schwulen die weder Charm noch Witz noch Ausstrahlung haben um damit seine Inkompetenz zu überspielen. Und der Müllmann am Fallschirm kann mich auch nicht überzeugen. Aber es gab ja auch mal die Hamm-Brücher und Genschman.
    Ich habe denen damals nicht ihren Bündniswechsel verziehen.
    @ Hannemann
    Die Niederbayern sehen das mit dem goldenen CSU Land aber nicht so. Die lässt man in ihrem Elend verrecken. Höchste Arbeitslosenzahl usw....Die sind stinksauer auf die CSU
    und in den Krieg kannst Du auch ziehen, mit Häuptling Silberhaar: http://www.spiegel.de/politik/deutsc...210915,00.html

    ...eine hildebrand bräuchte man


    Das stimmt. Die habe ich auch geliebt. Solche scheinen aber nicht nachzuwachsen.



    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 24. August 2002 editiert.]

  7. #7
    rodbertus
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    AW: Bundestagswahl 2002

    Kyra, da haben wir eines Deiner kleinen Probleme. Etwas nicht zu wählen, bedeutet noch lange nicht, das mutmaßlich Letztverbliebene gewählt zu haben. Du schließt zu schnell, bedenkst manches nicht mit. Auf dem Stimmzettel standen immer mehr als fünf Alternativen, die meisten wollten das auch sein. Ich wähle aber keine Alternativen, weil die doch nur die Kehrseite der Medaille bilden können. Im Gegensatz zu meinem gelegentlich zu Gewalt neigenden Bruder habe ich aber keine Extrem-Parteien, ob rechts oder links, gewählt.
    Für die letzte Landtagswahl geb ich es zu, FDP gewählt zu haben. Der Möllemann war in meiner Schule und stellte sein Konzept vor. Das gefiel mir. Rückhaltlose Unterstützung für die Privaten. Die anderen lavierten, mal mit linken, mal mit staatskonservativer, bildungsfeindlicher Egalität behafteter Argumentalität, um es verquast zu sagen. Und Bildung ist das Alpha und Omega eines jeden Menschen. Der Staat hat bereitzustellen. Die FDP hat's für Sachsen-Anhalt versprochen, und ich kann getrost behaupten, daß sie Wort hielten. Bis heuer jedenfalls.
    Was aber die Bundespolitik betrifft, da sind sie - allen voran dieser Kasperkopp ..., jetzt hab ich den Namen vergessen... - nicht wählbar. Andererseits überlege ich gerade, daß sie es waren, die uns vor Kriegseinsätzen bewahrten. Hm. Dieser Fischer hatte ja nix Eiligeres zu tun, als uns in den Krieg zu führen. Natürlich mit einem bedröppelten Gesicht und dem Gesülze von Sachzwängen und Verträgen. Dummes Zeug. Wer nicht NEIN sagen kann, ist nicht zurechnungsfähig. Wer nicht zurechnungsfähig, sollte entweder dafür sorgen oder aber Schafe zählen. Dieser Arsch. Vielleicht brauchen wir einen PDS-Außenminister, einen SPD-Finanzer, einen grünen Jugendminister, einen CDU-Justizminister und einen unabhängigen Kanzler, sagen wir mich.

  8. #8
    Bauer Hans
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    AW: Bundestagswahl 2002

    ... einen unabhängigen Kanzler, sagen wir mich," im Brustton der Überzeugung eines Dampfplauderers.

    Nö, wir brauchen Kompetenz, kein weiteres Lockenköpfchen, wir brauchen Leute, die sich vor dem Gewinnen nicht fürchten und die es bewiesen. Wo sind Gewinner bei der SPD, wo Kompetenz? Zählen wir die Minister der ersten, der zweiten und der weiteren Stunden. Wer hat bewiesen, daß er sein Fach versteht? Sagt mir die Namen! Oder fragt nach im Saarland!
    Zeit für Taten! Wahrlich.
    Motto der SPD: Warum Zukunftsangst? Schlechter kann es nicht kommen!

  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Bundestagswahl 2002

    Omeiomei - ich erhoffte mir in diesem Ordner Erleuchtung auf der Suche nach der passenden Stelle fürs Kreuzle und stolperte sehenden Auges in den Morast. Pfui, dein Sumpf, in den ich mich definitiv nicht in der Rolle des finanzstarken Touristen verirrte, stinkt entsprechend seines Rufes: Ordentlich nämlich, Hannemann, du darfst mir ruhig grollen: Das Weltbild einer Doppelpartei, das vor ein paar Stunden durch einen lustigen Januskopf medienwirksam upgedated wurde, hat Land und Volk neulich sechzehn Jahre lang auf der Stelle treten lassen, während sich die Eliten nach Belieben entwickeln durften - versteh mich nicht falsch: Gute Kontakte oder Aufsichtsrats-Posten sind nie zu neiden, aber manchmal zu meiden, und die Korruption darf nie an die Macht.

    Klar, ich weiss schon. Auch die anderen pflegen den Austausch in finanzieller und argumentativer Hinsicht und freuen sich darüber, dass die Wahrnehmung einer Kölner Affäre und diverser Intelligenzminister vom Fluss der Zeit überschwemmt wurde.

    Der Insasse des "Guidomobils" himself sei neulich hier in Heidelberg gewesen, berichteten mir entsetzte Augenzeugen. Einer davon meinte bezüglich des dynamischen Jugendlichkeitswahns des zu beklagenden Klagenden, den dieser natürlich nicht etwa auf dem würdigen Marktplatz, sondern vor der aufgeblähtesten Studenten-Disco zur Schau stellte: "Iiih. Des isch sou Äähner, der aach donn zu deiner Paadi kommt, wanna ned oigloda isch."

    Was bleibt also zu tun, um unseren regierenden Genossen Abgeordneten im Sinne des Grunzgesetzes (ups, vertippt) ein reines Gewissen an den wohlhabenden Hals zu wünschen, um das die Schlinge hängt?

    Ich wünschte, ich wüsste, wie der Oberlektor in den vergangenen Jahren getippt und seinen Rat anschliessend verwünscht hat - den Satz zu Fischer find ich klasse! Eins muss jedoch vom Plenum - hallo! Liest noch jemand mit? - Eins muss jedoch vom Plenum beschlossen werden: Der neue Kanzler sollte ein gewissenhaft reines Gespür besitzen!

    Nein! Ich würde das Ergebnis der Wahl also nicht ablehnen und mich meiner Pflicht gegenüber einem Volk bekennen, das mir geile Connections und diesen unglaublichen Dienstwagen verschafft hat, mit dem ich bis zur Flugbereitschaft der Bundeswehr gelange, wo ich mich auf dem Weg zum Gespräch mit irgendwelchen Präsidenten als wichtig wahrnehmen kann.

    Friede der Asche der nimmermüden Frau Hildebrand. Wir brauchen eine Positiv-Liste: Wenn ihr d'rauf steht, sagt doch mal, wer da noch mit d'raufsteh'n mag? Tatsächlich Lothar Späthle, der Wirkende?

    Zutiefst verärgert, hootch.

  10. #10
    rodbertus
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    AW: Bundestagswahl 2002

    pro höre ich in deinem waghalsgeraune nicht. vorschläge zur güte?


    gestriges fernsehduell war das zweier stereotypen. wer sich duelliert, sollte zumindest den blick ins weiße des auges nicht meiden. gähn!
    schröder jedenfalls war sympathischer, was wohl den ausschlag geben wird. denn stoiber versuchte zwar immer wieder auf arbeitslosigkeit zu kommen, doch am wahltag werden sich viele erinnern, daß es in CDU-zeiten auch immer diese zig millionen gab, sie das also auch nicht besser hinbekommen. und die hartz-kommission bietet da zumindest für viele eine hoffnung, wenngleich ich kein freund von staatlicher alimentierung bin, sondern das prinzip "hülfe zur selbhülfe" präfigiere. kein punkt für stoiber. sehr wohltuend: schröders klares NEIN zum krieg. und es wird zeit, das wir den deutschen weg publik machen, es ist der des humanismus, kein anderer. wir machen eben bei bestimmten sachen nicht mit. fertig! dazu zählt der krieg, dazu zählt die umweltverschmutzung, dazu zählt ausländerfeindlichkeit und dazu zählt manipulative aggressivität in medialen bereichen. NEIN sagen! sehr gut.
    sehr gut auch die distinktion zum neuen gemeinschaftsgefühl. (diesen punkt hat stoiber nicht einmal erwähnt; ja hat der mann denn keine gefühle?) ich hatte mich also nicht geirrt, als ich feststellte, schröder hat begriffen, was hier in den flutwassergebieten neulich geschah, daß nämlich die menschen einander halfen. stoiber stieg mit seinen armani-jeans zwar auch durch den matsch, aber seine mimik und seine ansprachen waren alles andere als ergreifend. so was wie solidarität kennt der nicht. das ist ihm linkes gesülze. sein konzept zur schadensbekämpfung dagegen ist sozialistisch! (reiche besteuern, bundesbankgewinn einverhelfen...) das ist zwar witzig, wirkt aber stereotyp, einfallslos.


    was mich allerdings davon abhält, schröder zu wählen: die grünen blieben dann an der macht. und diese angemalten faschisten kann ich nun gar nicht leiden.

  11. #11
    pjesma
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    AW: Bundestagswahl 2002

    wohltuend fand ich das wort zu "frauenbild" vom schröder. da mag der st. noch dreißig jahre verheiratet sein, begriffen hat er nicht die rolle der frau. eine frau zu reduzieren auf kofferpackerin und warme brust für den krieger, zeugt von wenig sensibilität und viel aroganz, immerhin haben die frauen, (auch, o wunder, auch!) stimmenrecht.


    und angriff und beschuldigungen als taktik verwendet, können trotzdem ein klares konzept nicht ersetzen.

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: Bundestagswahl 2002

    Aus dem Spiegel


    Verräterische Körpersprache

    "Bulldogge und Königspudel"


    Der Psychotherapeut und Unternehmensberater Ulrich Sollmann analysiert im Interview mit SPIEGEL ONLINE das Spitzenduell zwischen dem Kanzler und seinem Herausforderer. Das enge Korsett des TV-Duells, so sein Fazit, habe die Eigenheiten von Gerhard Schröder und Edmund Stoiber letztlich nicht verdecken können.



    Der Psychotherapeut und Unternehmensberater Ulrich Sollmann (54) beobachtet seit Jahren die Körpersprache von Politikern und Managern. Unter anderem beriet er die Vorstände von DAX-Unternehmen. Bis zur Wahl analyisiert Sollmann jeden Freitag in der ZDF-Sendung Aspekte das Auftreten der beiden Spitzenkandidaten von SPD und Union.


    SPIEGEL ONLINE: Herr Sollmann, als Experte für Körpersprache müssen Sie sich am Sonntagabend doch gewaltig gelangweilt haben?


    Ulrich Sollmann: Nein, überhaupt nicht.


    SPIEGEL ONLINE: Aber schien es nicht, als ob Gerhard Schröder wie auch Edmund Stoiber Körpersprache vermeiden wollten?


    Sollmann: Das geht gar nicht - denn ohne Körpersprache kann man gar nicht kommunizieren. Nein, beide waren durch diese besondere Situation - dem ersten Fernsehduell zweier Spitzenkandidaten in Deutschland - unter enormem Stress. Und unter Stress greift man unbewusst auf Reaktions- und Verhaltensmuster zurück, die lebensgeschichtlich erworben wurden.


    SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie den Kandidaten abgelesen? Fangen wir mit dem Kanzler an.

    Sollmann: In den ersten Sekunden wirkte Schröder ernst, finster, gebremst. Gar nicht souverän lächelnd, jovial wie ein Macher.


    SPIEGEL ONLINE: Und Stoiber?


    Sollmann: Er lächelte zunächst, aber relativ schnell merkte man, dass das antrainiert war und bald wieder ausgeknipst wurde.


    SPIEGEL ONLINE: Also zeigten beide hohe Stresssymptome?


    Sollmann: Auf jeden Fall. Schröder schien anfangs von seiner Energie verlassen worden zu sein, Stoiber hingegen wirkte als einer, der nach einer inneren Vorgabe handeln und erscheinen wollte.


    SPIEGEL ONLINE: Aber schien es nicht, als seien beide Kandidaten gar nicht gemeinsam im Studio?


    Sollmann: Das sehe ich anders. Stoiber war nicht in der Lage, sich auf Schröder einzulassen, mit ihm in Blickkontakt zu treten. Er hatte diese gebremst aggressive Kopfbewegung - er wirft den Kopf leicht nach rechts hinten, als wollte er ausholen und seinen Satz loszulassen. Schröder hingegen nahm nach rund 25 Minuten den ersten Augenkontakt zu Stoiber auf, wurde daraufhin freier und gelöster. Das war ein Zeichen von Souveränität und Lockerheit, von Führungskompetenz. Dazu gehört auch, sich im geeigneten Augenblick zurücknehmen zu können.


    SPIEGEL ONLINE: Also hatte sich Schröder besser im Griff?


    Sollmann: Als der Kanzler voreilig auf Stoiber antworten und von einem der beiden Moderatoren unterbrochen wurde, hat er sich sofort gebremst. Das war kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Moderne Führungskompetenz zeigt sich auch darin, dass man flexibel auf Situationen reagiert. Stoiber hat in manchen Situationen die völlig falschen Signale gesendet - wenn er über ernste Dinge sprach, lächelte er - das wirkt auf viele Menschen unangemessen.


    SPIEGEL ONLINE: Immer wieder haben beide den Blickkontakt ja gesucht.

    Sollmann: Richtig - nur gab es zwischen beiden einen elementaren Unterschied - Schröder verstand es, den Blickkontakt auch zu halten, während Stoiber nur für eine Sekunde hinüber sah und ansonsten seine Vorwürfe gegen Schröder über den Umweg der Moderatoren zu transportieren versuchte - eine absurde Situation.


    SPIEGEL ONLINE: Was sagt Ihnen das ?


    Sollmann: Dass Stoiber unter Stress gar nicht Kontakt mit seinem Gegenüber aufnehmen kann. Er hat dann nach einiger Zeit sich auch auf das Moralisieren verlegt, von Wahr und Unwahr gesprochen und sich selbst zum Schiedsrichter erhoben. Das ist kein Zeichen von Führungsstärke. Schröder dagegen hat davon gesprochen, was "falsch" gelaufen ist, auch in seiner eigenen Politik, und sich zugleich auf eine sachliche Ebene zurückgezogen - rhetorisch fand ich das brillant. Dagegen hat Stoiber immer stärker gedroht, den Wahltag zum Stichtag erhoben. Doch damit hat er sich aus der Diskursebene, die an diesem Abend ja hergestellt werden sollte, herausgehoben.




    SPIEGEL ONLINE: Aber wirkte Schröder nicht zahnlos?


    Sollmann: Er wirkte zu gebremst, als würde er nur 60 Prozent von dem geben, was er eigentlich kann.


    SPIEGEL ONLINE: Oder will der Durchschnittszuschauer in Deutschland gerade diese gebremsten Kandidaten?


    Sollmann: Ich glaube, die Zuschauer haben die subtile Form der Arroganz von Stoiber wahrgenommen, seine Distanziertheit. Seine Körpersprache war im Gegensatz zu der von Schröder doch sehr gehemmt, eingeschränkt. Während Schröder mal die Hand offen hielt, vom Pult wegnahm, hat Stoiber sich am Pult festgehalten und wenn er die Hand mal hochhielt, nahm er sie höchstens zehn Zentimeter hoch, spreizte sie und führte sie sofort zum Pult zurück. Das war wie ein Impuls: Es kochte in ihm hoch und sogleich funktionierte seine innere Kontrolle.


    SPIEGEL ONLINE: Waren nicht letztlich beide Kandidaten durch das enge Korsett der Sendung gehandicapt?


    Sollmann: Sie wussten, auf was sie sich einließen. Zudem kann auch das engste Korsett nicht die Eigenheiten eines Menschen völlig verdecken, schon gar nicht, wenn eine Sendung unter einem so hohen Aufmerksamkeitsgrad fast 90 Minuten dauert. Ich sage es mal ein wenig salopp - auch an der Leine bleibt eine Bulldogge eine Bulldogge und ein Königspudel ein Königspudel.


    SPIEGEL ONLINE: Jetzt steht noch ein Duell aus, mit den weiblichen Moderatorinnen Sabine Christiansen und Maybrit Illner. Verändert das die Körpersprache der beiden Männer?


    Sollmann: Stoiber muss natürlich aufpassen, dass er in der Konfrontation mit Sabine Christiansen, in deren Sendung er ja vor einigen Monaten furchtbar gestottert hat, in eine Art Retraumatisierung fällt.


    SPIEGEL ONLINE: Das meinen Sie doch nicht im Ernst?


    Sollmann: Natürlich. In solchen Augenblicken können selbst bei Profis unbewusste Prozesse der Retraumatisierung beginnen.


    SPIEGEL ONLINE: Was raten Sie dem Kandidaten der Union?


    Sollmann: Ich würde Stoiber empfehlen, seinen Impulsen Raum zu lassen und auf jeden Fall mehr Kontakt zu seinem Gegenüber zu suchen. Sein Motto müsste demnächst lauten: Augenkontakt, Augenkontakt, Augenkontakt.


    SPIEGEL ONLINE: Und Schröder? Er gilt ja als Frauentyp. Ist er damit nicht in Gefahr, die letzte Runde mit den Moderatorinnen zu lässig zu nehmen?


    Sollmann: Er darf nicht zu sehr mit den Frauen flirten, sich gemein machen mit den Frauen. Denn wenn der Chef anfängt, mit den Frauen zu koalieren, dann verliert er in den Augen der meisten Männer seine Glaubwürdigkeit. Ich würde ihm empfehlen, aggressiver aufzutreten.


    SPIEGEL ONLINE: Also den Macho-Schröder zu spielen?


    Sollmann: (lacht). So würde ich das nicht sagen - das wäre eine Nuance zu viel. Er muss sich als Alphamännchen zeigen, als Führungsperson.


    SPIEGEL ONLINE: Ist es nicht merkwürdig, dass in manchen Umfragen nach dem TV-Duell Stoiber dazu gewonnen hat, insbesondere was seine Kompetenz angeht?


    Sollmann: Das finde ich gar nicht. Die Umfragen sind Momentaufnahmen, die sich vor einem realen Hintergrund abgespielt haben. Viele Zuschauer hatten vor der Sendung noch den desaströsen Auftritt Stoibers in der Sendung von Sabine Christiansen vor Augen. Gemessen an dem, hat sich der Kanzlerkandidat der Union in den Augen vieler verbessert - aber das ist noch lange kein Zeichen dafür, dass ihm wirklich Kompetenz zugesprochen wird. Viele werden sagen: Okay, er hat in den vergangenen Monaten an sich gearbeitet, er war fleißig. Der eigentlich souveräne Mann an diesem Abend aber war Schröder - nur müsste er beim nächsten Mal ein wenig agressiver, gelöster auftreten.


    SPIEGEL ONLINE: Also diesmal ein leichter Punktgewinn für den Kanzler?


    Sollmann: Ich würde es so sagen - Schröder hat gewonnen, aber nicht gesiegt. Das Zusammentreffen am Sonntag war ein Warm-up. Beim nächsten Duell geht es für beide nur um eines - um den Sieg.

    erstellt von pjesma:
    wohltuend fand ich das wort zu "frauenbild" vom schröder.

    das fand ja wohl fast jede Frau. Stoiber ist noch so in den 50er Jahren mit seinem Frauenbild.

  13. #13
    Bauer Hans
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    Post AW: Bundestagswahl 2002

    Es war wie von mir erwartet und nix mehr.
    Stoiber zeigte, wo die Kompetenz zuhause, Schröder drückte auf die Tränendrüsen, wohl wissend, daß die Deutschen kein Volk der nüchternen Denker, sondern viel mehr auf Gefühle abfahren. Ein Machtmensch im Schafspelz, einstens am Zaun des Kanzlerbungalow rüttelnd - "Ich will hier rein!!!" -, heute den Geist der Deutschen Einigkeit beschwörend, mit dem Versäumnisse der letzten vier Jahre glänzend zu verdecken sind. Tut mir leid, so kann man ein komplexes Staatswesen nicht führen.
    Glaubt eigentlich einer von euch letzten Romantikern, dieses Anschmusen in Gummistiefeln an das Stimmvieh wäre von Strategen nicht knallhart kalkuliert?
    Interview von Frau Doris am selben Tag im bayrischen Rundfunk: "Mein Mann kann sich so richtig von Herzen freuen, daß nun auch eine Putzfrau verreisen kann..."
    Aber hallo, weit sind wir verkommen! Und wer macht nun die Wohnungen von uns Schwarzen sauber?

    Immerhin entspricht Schröders Frauenbild dem "Bild der Frau". Auch darf das Bild der Frau in Hannover!!! des Kanzlers Krawatten kaufen, wie hundertmal in den letzten Wochen in deutschen Frauenzeitschriften berichtet. Das ist doch schon was für eine echte Partnerin in einer Ehe.

  14. #14
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bundestagswahl 2002

    na das interessiert mich nu brennend: was hat er denn für ein frauenbild, unser bundeskanzler: blönd, magersüchtig, ... und wehe der armen doris, wenn sie erstmal 40 is.
    weia!

    kyra, bitte um antwort

    ich hab das duell nicht vollständig gesehen, weil es mich 1. total nervt, wenn ständig irgendwelche zahlen in euro, %, minuswachstum, ... aus dem hut gezaubert werden, die kein schwein nachvollziehen kann und 2. wieso kann der stoiber den schröder nicht anschauen, wen er ihn direkt anspricht? das war nix!

  15. #15
    Bauer Hans
    Laufkundschaft

    AW: Bundestagswahl 2002

    Seiner Aussage nach ist Doris sehr lieb, und ihrer Rede folgend mag er es deftig... auch wenn die Putins zu Gast. Eisbein mit Sauerkraut - Frau Schröder stammt aus Bayern, da sagt man, auch im bayrischen Rundfunk: Surhax'n oder Scheinshax'n, hosd mi?


    Kohl liebte seinen Saumagen. Nun ja, den Reinen ist alles rein, und den Schweinen ist alles Schwein. Das ist so!

  16. #16
    rodbertus
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    AW: Bundestagswahl 2002

    klar war's kalkuliert, männle.
    das mit den schwarten nimm nicht so tragisch! jetzt ziehst du ja auf'n berg. da zieht's immer. und sonne satt. vielleicht bekömmst du dort den überfliegerblick, den du schon so lange herbeisehnst.


    so richtig begeistert konnte keiner von dieser vorstellung im fernsehen sein. Lotti sagte, daß ihre Gespräche mit Conrad (bruder) politisch seien. hm. ich weiß auch nicht, ob ein kanzler sachkompetent sein muß. er muß entscheiden. wer kennt nicht diesen spruch von den drei juristen, die zu einer sachfrage vier lösungen haben. alle gleich berechtigt. ein komparatist entscheidet aus dem bauch. eine der vier. jede ist gleich falsch.
    ich jedenfalls will keinen erbsenzähler zum kanzler. aber fischer als außenminister will ich auch nicht. und guido ist ja wohl ätzend. große koalition? aber stoiber als außenminister kann ich mir auch nicht wünschen.

    das kleinere übel ist wohl schröder, aber eine wirkliche alternative finde ich in der bundesdeutschen parteienlandschaft nicht. es fehlt eine konservative partei, die wählbar ist. die CDU ist nicht konservativ, sondern reaktionär. das ist ein großer unterschied.

  17. #17
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bundestagswahl 2002

    eulalie, schröder hat meiner meinung nach ein zeitgemäßes frauenbild. stoiber eben nicht. mit dieser entblößenden frage hatten seine berater wohl nicht gerechnet. aber für mich auch nicht das entscheidende, nur das bestätigende.


    was das in die augen schauen angeht, so hat das fernsehen das doof gemacht. die kandidaten sollten sich direkt gegenüberstehen, sagen wir in fausthiebdistanz.

  18. #18
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bundestagswahl 2002

    erstellt von Eulalie:
    und wehe der guten Doris, wenn sie erst mal 40 ist.
    5. August 1963

  19. #19
    Bauer Hans
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    AW: Bundestagswahl 2002

    Wahlkampfstil:
    "Stoiber und sein Inkontinenz-Team." SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler.

    Ich denke, das war mehr als unter die Gürtellinie, und noch dazu von einem Niederbayern.

  20. #20
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    AW: Bundestagswahl 2002

    KUNST = KAPITAL = ARBEIT
    ________________________


    für Schroeders Katze

  21. #21
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    AW: Bundestagswahl 2002

    Original erstellt von Hannemann:
    Wahlkampfstil:
    "Stoiber und sein Inkontinenz-Team." SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler.
    Ich denke, das war mehr als unter die Gürtellinie, und noch dazu von einem Niederbayern.
    Och, Hannemann, um Euch zu zitieren: Das paßt schon. Jedenfalls kommt s.t.o.i.b.e.r. altersmäßig locker an die Altlasten des letzten DDR-Politbüros heran. Und wenn schon dieser Irre nicht ausreichend Grund ist, sein Kreuz irgendwoanders zu machen, dann vielleicht die Notwendigkeit, diesem unsäglichen Merz das bornierte Dauergrinsen aus der Visage zu wischen.

  22. #22
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bundestagswahl 2002

    Müntefering ist liebenswert, Müntefering ist liebenswert, Müntefering ist liebenswert!

  23. #23
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bundestagswahl 2002

    Ich schaue mir nicht die Kandidaten an, sondern seh mich in meinem Bekanntenkreis um, wer sie wählt.
    Nun, die, die den Schröder trotz seiner Schwächen wählen, sind solche wie ich: Ein bißchen erfolglos, ein bißchen idealistisch, ein bißchen langweilig.
    Die, die den Stoiber mögen, sind coole Börsenzocker und Parasiten.
    Na, da weiß ich doch, wo's lang geht - für mich!

  24. #24
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bundestagswahl 2002

    Wechsel die Bekannten, in meinem Umfeld gibt es nur rote Parasiten, aber durchaus schwarze Unternehmungslustige.

    Du leidest unter einem oft vertretenen Ichnehmealleshinundwähledennochschröderinfekt. Schwer zu behandelnder Virus.

  25. #25
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    AW: Bundestagswahl 2002

    Quoth, ich kann Dich gut verstehen. Aber was macht eine Grünenwählerin der ersten Stunde? Ich glaube noch immer, daß Deutschland eine Partei braucht, die so sein muß, wie die Grünen früher waren. Ich bin inzwischen nicht einmal mehr sauer auf Fischer. Er ist an den Realitäten zerbrochen. Schau ihn Dir doch an, das freudlose Gesicht, alles zieht sich nach unten, ist ja nicht gespielt. Vielleicht bedeutet regieren, immer die Ideale zu verlieren. Stoiber ist eine absolute Unperson. Mit dem verbindet mich gar nichts. Außerdem denke ich, daß er mit mehr als einer Landesregierung überfordert ist. Er ist ein Kleinkrämer.
    Schröders SPD underscheidet sich nur marginal von der CDU, aber ich halte seine Berater, sein Kabinett für überzeugender (was nicht viel heißt). Die FDP ist lächerlich. Die PDS kann ich zu schlecht einschätzen. Aber selbst die wirken nicht so, als hätten sie noch Visionen - das ist das mindeste, was ich von einer jungen Partei verlange. Außerdem sind die gegen eine, in meinen Augen nötige, Umstrukturierung der östlichen Landwirtschaft. Die LPG hat ausgedient. Wir produzieren ja sowieso viel zuviel. Die Vernichtung von Lebensmitteln, nur um die Preise zu halten, ist pervers, ebenso Subventionen für Überproduktion. Der Landwirt als Landschaftspfleger macht hier in Deutschland schon Sinn.


    Ich kann mir durchaus vorstellen, daß am Ende die SPD, die Grünen und die FDP zusammen koalieren. Nicht umsonst hält sich die FDP so bedeckt, bezüglich Koalitionszusagen.


    PS. wobei es eigentlich eine Frechheit ist, daß alle Parteien die PDS draussen lassen wollen. Schließlich wird der Osten dabei um seine Regierungsbeteiligung gebracht, wenn sie den reinkommen. Das ist ignorant - egal was man von der PDS hält.


    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 28. August 2002 editiert.]

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