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Ergebnis 1 bis 6 von 6

Thema: tschotta

  1. #1
    pjesma
    Laufkundschaft

    Post tschotta

    mit achtzehn verschwand der tschotta aus der nachbarschaft, um drei jahre wegen vergewaltigung abzusitzen. eine vergewaltigung war das nicht im richtigen sinne, weil die mädels einverstanden waren mit allen sieben kerlen, und auch noch geld dafür nahmen, aber bei tschotta sagten sie nein, du nicht, du bist hässlich und stinkst, und tschotta, wie jeder erregierte ochse, nahm sich mit gewalt was er meinte dass ihm zusteht, ohne auch einen einzigen gedanken daran zu verschwenden dass ihm die volljährigkeit etwas anders stellt als die anderen halbstarken auf der party.
    und jetzt komme ich in dieses gemeindehaus da, und siehe: hinter dem schreibtisch sitzt tschotta, hackt die namen ab von der liste und verteilt kalaschnikows, der bauch quillt ihm zwischen den knöpfen wie quark aus der quarktasche, und er lächelt siegesreich, ich sehe es ihm genau an, er erinnert sich an den tag an dem er meinen busen angefasst hat und ich ihm vor der ganzen klasse eine klebte, daran dass ich meine hand lange gewaschen und mit seife gerubbelt habe in der schultoillete, kann er sich natürlich nicht erinnern, für ihn geht die erinnerung weiter, ab dem moment seiner erneuten ankunft im klasenzimmer... der ist zu dritt um seine ehre zu retten, und ich bin klein und rundlich, aber mein bein springt schnell aus der hüfte, eher sterbe ich als mich anfassen zu lassen, und im nächsten moment krümmt sich der tschotta vor meinen füßen, hält seine weichteile und murmelt zwischen gejaule dass ich erledigt bin, die zwei helfer stehen unentschlossen, weil ich einen zirkel in der hand halte und offensichtlich vollkommen wahnsinnig bin und zu allem bereit, ich bringe dich um, wispert der tschotta, eher bringt dich deine mutter um, sage ich, und wir schauen uns lange und verschnaubt an, bevor er ein zeichen gibt dass sie mich in ruhe lassen sollen, sie ist es nicht wert, haha, natürlich nicht, weil von der mutter hat tschotta mehr angst als vor dem teufel.
    was konnte auch so eine alleinerziehende mutter mit so einem sohn, der die katzen verkrüppelte, eidechsen lebendig zerkaute und die ihr schutzbefohlenen behinderten pflegekindern unter die röcke grief, außer mit teppichklopfer, hosengurt, kleiderbügel, allem verfügbaren...was konnte sie in ihrer ohnmacht außer ihn durch ganze nachbarschaft zu prügeln... konnte sie was?
    aber es interessiert mich nicht was sie konnte. ich stehe hier mit meinem ticket in der hosentasche, frankfurt am main steht drauf, und morgiges datum, eine reservierung für frieden und freiheit nur paar stunden fahrt entfernt von hier, was kann mir schon wer, nur ich selbst kann es vermasseln, zum beispiel, dieses teuere stück zerreisen und hier bleiben, wo der krieg nicht von gestern und von dort ist, sondern mitten drinn und ich dabei unter beschuß von südosten, ich kann mir das herz nicht ausreißen, bevor ich nicht versucht habe es zu retten, wenigstens köpfe kann ich verbinden, blut wischen, aber tschotta sagt hochnäsig,: "sanitäterin brauchen wir nicht, schießen ist angesagt, schöne nachbarin." sein lachen deckt die schwarzen angefaulten zähne auf. - schreib mich trotzdem für sanitäterdienst auf, sage ich, aber er streckt sich und grinst : "wohl wenig glaubst du an gerechtigkeit unserer sache, schöne nachbarin?" an gar nichts glaube ich, antworte ich und gehe langsam zum ausgang , aber ich lüge lüge lüge, weil mit jedem weiteren schritt glaube ich immer mehr und fester daran, dass ich morgen punkt 13.30 in einem bus nach deutschland sitze, mit gebrochenem herzen, wut im bauch und wurstschnitten in der tasche, da mir ein vaterland in dem die tschottas das sagen haben, gestohlen bleiben kann.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: tschotta

    Auf einen Rutsch durchgelesen. Mensch, kannst du schreiben, Alte. Man möcht sich drin suhlen...
    Pjesmas Beitrag zur Frage, ob man ein Vaterland braucht.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: tschotta

    pjesma


    ein herrlicher Text. Würde ich gerne auch so können - schreiben. Aus dem Bauch mit dem Kopf.

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: tschotta

    Liebe Pjesma,


    ich schließe mich den Lobrednern an. Es wäre schade, wenn dieser Text, der wirklich etwas zu sagen hat, sang- und klanglos im Orkus des Orbis verschwände, weil gerade wenig im Forum los ist.
    Willst du, dass ich ein wenig Textarbeit mache und die Tippfehler verbessere?


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  5. #5
    pjesma
    Laufkundschaft

    AW: tschotta

    vielen dank. und ja, liebend gern, lieber klammer,danke dir für dein angebot.... die frage ist nur ob das jetzt schon einen sinn macht sich arbeit zu machen (weil dieses und hänchen text und noch sämtliche zusammen gehören, und neue kommen dazu...die ähnliche spleen und tempo haben müßten)?
    etwas unsicher noch, die pjesma

    und an quoth: du hast ins schwarze getroffen...darum geht es mir in ganzem restlichen "unternehmen" ...vaterland hin oder her,ich behaupte nicht das man es braucht oder nicht braucht, aber ein halt braucht mann... was das ist, suche ich zu finden....

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: tschotta

    @ Klammer und Pjesma: Die Originalversion auf jeden Fall speichern und aufheben, nicht überschreiben. Wäre ich Lektor, ich würde sie einer durchkorrigierten vorziehen - denn Pjesmas Deutsch ist eben nicht nur fehlerhaft, es trägt durch seine Abweichungen das Qualitätssiegel der Authentizität. Einem Verlag würde ich beide - die originale und die korrigierte - Version vorlegen. Vielleicht gäbe es auch einen Kompromiß.

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