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Ergebnis 1 bis 8 von 8

Thema: Zerfall

  1. #1
    Felicitas W.
    Laufkundschaft

    Post Zerfall

    Schnüre der Leere
    sich sich weiter zu
    Striemen bleiben an ihrer Seele zurück
    Zeichen der Abstinenz von ihm


    Mußte von ihm lassen
    ihre Einsamkeit spuckt Tränen
    in die Wüste der Gedanken
    Überflutung
    im Getriebe der Gedanken


    und baldigst weint die Hölle
    der Seele
    rote Tränen


    doch er
    er sinniert
    spinnt Geschichten
    und richtet das Fadenkreuz seiner Gedanken


    kein Weg vorherbestimmt
    er bricht zusammen
    sie fällt ins Unendliche


    doch Wissen der Liebe füreinander
    durchströmt sie
    doch er richtet seine Gedanken
    ein Bajonett aus Schmerzen
    auf sie


    sie zusammen gekauert
    in der endlosen Leere des Gehirns
    weit weg
    Leiden Messerstiche


    Worte wie Pfeile
    zerfleischen ihre Hoffnung
    reißen ihre Seele in die Dunkelheit


    sie umringt sie
    er steht an der Klippe
    sieht die Seele fliegen
    in die Tiefe stürzen


    springt er nun
    wird er nicht gewinnen
    was er durchbohrt
    mit der Waffe des Mißtrauens


    verloren Tage des Glücks
    vergangen die Blüten der Liebe
    Blütenblätter rieseln in die Tiefe


    betten ihre Seele ein letztes Mal
    bevor sie aufprallt
    in der Unendlichkeit der Dunkelheit


    die Blüten zerfallen
    er fällt auf Rosen
    wird getragen von ihnen
    doch die Dornen
    reißen seine Seele mit
    Tränen rotes Gold fallen in die Tiefe


    sein letzter Gedanke
    gilt ihr
    Ich liebe dich


    sie schwebt
    in einem ihr unbekannten Raum
    die Kälte durchfleucht sie
    kraftlos bricht sie zusammen
    ihre Seele wird zu Boden geschmettert
    und fällt in tausend Stücke


    ihr letzter Gedanke
    gilt ihm
    Ich liebe dich

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    20

    AW: Zerfall

    Die letzten drei Zeilen lesen sich spannend. Ich mag Metaphern...an sich... und wohlgesetzt und ausgewählt können sie poetisch ein Etwas verdichten. Hier herrscht jedoch Inflation...Aufblähung könnte man auch sagen... Nimm die letzten drei Zeilen und fang damit nochmal an. Geh mit den Bildern so sparsam wie möglich um, und dann reden wir noch einmal drüber.


    herzlichst uis

  3. #3
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    AW: Zerfall

    heißt ja auch Verdichtung.
    sonst hieße es Blähung... -
    verzeih, aber mir ist es auch zuvielzuviel!
    Bilder-Flut, wo ist der Kanzler?

  4. #4
    Felicitas W.
    Laufkundschaft

    AW: Zerfall

    Vielen Dank für die Antworten.
    Ich kann nur meine Gefühle beschreiben. Heute würde ich sie anders beschreiben. Aber das wäre ich nicht gewesen.


    Sparsame Bilder? Sparsamer damit umgehen? Mit den letzten Zeilen kann ich nicht anfangen. Sie müssen ans Ende.

  5. #5
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Zerfall

    Unendlichkeit und Zerfall sind Geschwister und Prozesse, die nie aufhören. Auch das haben sie gemeinsam. Ein Geschwister bleibt für immer. Freunde, Wahlverwandtschaften können gewechselt werden. Diese Erkenntnis dämmert den meisten Menschen allerdings erst, wenn es zu spät ist.
    Im kosmischen Spiel der Attraktion und Repulsion schreibt sich das dann so:

    Eine Mücke bietet einem unbestechlichen Betrachter in der Winzigkeit ihres Körpers sehr viel winzigere Teile: Beinchen, Äderchen, Blut, im Blut Blutkörperchen, in den Blutkörperchen Bläschen, Zwischenräume. Vielleicht wird einer irgendwann, wenn er all das zerlegte, glauben, er habe die äußerste Winzigkeit in der Natur gefunden, den kleinsten Teil, aus dem alles bestehen muß. Diesem Waghalsigen ist ein neuer Abgrund zu zeigen. Die Zwischenräume im Atom sind selber unendlich scheinende Welten, deren jede für sich einen Weltenraum ausmachen kann; es kömmt nur auf den Standort an, auf das Bewußtnehmen der Größenverhältnisse, der Kleinheit. Wer sich auf diese Größe bringen kann, wird in dem Zwischenraum nicht nur eine Weite finden, sondern neue Universen, den Schoß des Alls, der sich im Nichts zerreiben könnte, würde er nicht die Größe besitzen, sich in dieser Kleinheit eine bestimmte Größe zu geben, die es ihm ermöglicht, Teil des Ganzen zu sein.

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Zerfall

    der text gefällt mir sehr.


    die volle bejahung der eigenen kleinheit hindert nicht, von riesen getragen zu werden dort mag das paralytische seinen urgrund haben, aber auch das unbegrenzte vertrauen in das leben und die bereitschaft zu religion. ich wußte immer, was er mir ist, aber uns trennten leider nicht nur die jahre, sondern vieles, das ich nicht allein auflösen konnte.
    die letzten drei zeilen müssen bleiben. am ende. bis in die unendlichkeit und noch viel weiter

  7. #7
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Zerfall

    ich spüre hier eine poetische kraft, nicht formlos, aber zerfasert. im grunde ist der text ein dialog, ein monologischer dialog, der fahrt aufnimmt. weiß nicht, ob sich hier textarbeit lohnt. weitere versuche würde ich aber schon gern sehen wollen.

  8. #8
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    8

    AW: Zerfall

    Sind schon gute Metaphern dabei...aber es ist kein Masterplan zu erkennen. Bleiben Puzzleteile...die sich nirgendwo "anlegen" lassen.

    kein Weg vorherbestimmt
    er bricht zusammen
    sie fällt ins Unendlich
    Kommt aus dem Nichts und widerspricht der Geschichte davor. Sie weint aus der Hölle, er sinniert (dazu braucht es Muße), erzählt Geschichten...und bricht zusammen?!?...bleibt unangekündigt und unerklärt...


    Aber schon der Anfang...

    Schnüre der Leere
    sich sich weiter zu
    Striemen bleiben an ihrer Seele zurück
    Zeichen der Abstinenz von ihm
    Ich ignoriere mal S1+S2 (könnte sich um einen Tippfehler handeln) und widme mich S3+S4

    Striemen an der Seele...das gefällt mir weder sprachlich...noch kann mich das Bild überzeugen

    Striemen zeichnen ihre Seele
    zeugen von seiner Abwesenheit

    so macht das für mich Sinn

    oder meinetwegen auch

    Striemen zeichnen ihr Seele
    Zeugen seiner Abwesenheit


    so vermeide ich dann auch die etwas hölzern wirkende Doppelung

    Zeichen der Abstinenz von ihm


    Mußte von ihm lasse


    die wir hier auch wieder haben:

    Mußte von ihm lassen
    ihre Einsamkeit spuckt Tränen
    in die Wüste der Gedanken
    Überflutung
    im Getriebe der Gedanken
    dann lieber mal auf eine Metapher verzichten...statt sie mit aller Gewalt unterbringen zu wollen


    und baldigst weint die Hölle
    der Seele
    rote Tränen
    "baldigst" ist an dieser Stelle der falsche Begriff...der dann auch noch gestelzt...bzw künstlich wirkt

    dann lieber ein Verb...wie z.B.

    tief berührt weint die Hölle

    und gerne etwas Mut zeigen und statt "Tränen"....


    tief berührt weint die Hölle
    der Seele
    Rot



    in "weint" stecken die Tränen schon mit drin...das ist eine gewöhnliche...eine 0815-Formulierung

    aber ein Rot zu weinen...das ist innovativ...kreativ...geheimnisvoll...und es passt auch gut zur Hölle


    doch er
    er sinniert
    spinnt Geschichten
    und richtet das Fadenkreuz seiner Gedanken
    doch er
    er sinniert
    spinnt Geschichten
    im Fadenkreuz stiller Gedanken

    oder auch
    /quälender/freudiger/...Gedanken...je nach Intention

    grundsätzlich sollte man immer überlegen...ob mein Text nichtssagende Wörter enthält...die weggelassen oder durch aussagekräftige Begriffe ersetzt werden können


    doch Wissen der Liebe füreinander
    durchströmt sie
    doch er richtet seine Gedanken
    ein Bajonett aus Schmerzen
    auf sie
    wenn der Anfang schon nicht "stimmt", dann kommen nicht selten solche Verse dabei heraus

    im Wissen um ihre Liebe füreinander
    fühlt sie eine wärmende Nähe
    während er seine Gedanken....



    -------------------------------------- hier breche ich ab -------------------------------------

    ich denke das reicht aus...um zu verdeutlichen...dass in der Lyrik jedes Wort "zählt" - und es oft die "ungezählten" Wörter sind, die den Unterschied ausmachen

    Dein Gedicht hat Substanz...nur deshalb kann ich auch kritisieren. Was also nach Verriss aussieht...soll am Ende "nur" ein Mutmacher sein.

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