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Thema: Notizen August 2019

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Notizen August 2019

    Heute vor 50 Jahren starb Adorno. Im Urlaub. 66 isser jeworn. Ich bin kein Fan seiner verquasten Theorien, aber in einem stimme ich ihm zu, in seinem Grundgedanken nämlich, daß Dialektik am Ende zur Dekonstruktion führen muß, daß also nur der wahrlich Dialektiker genannt werden kann, der nie halt macht mit dem Denken. Das wiederum bewahrt den menschen vor Dogmatik. Dumm nur, daß die Menschen nicht so sind, sondern Haltepunkte benötigen, Glaubensinhalte. Das Prinzip vollständiger Dekonstruktion durch das dialektische Prinzip muß alles zerfasern und zerstören.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Notizen August 2019

    Merkwürdiges Gefühl der Wiedererkennung. Entweder hat jemand in einem meiner vorigen Leben das schon mal gedacht oder es liegt einfach auf der Hand. Was? Daß die Geschichte nichts anderes ist als Interpretation. Wie oft hört man in Filmen einen Spruch der Art: "Was schert mich die Vergangenheit? Die kann ich sowieso nicht ändern. Mich interessiert nur die Zukunft."
    Ist natürlich Bockmist, Schafscheiß, wie Hannemann es nennte. Nichts ist falscher. Vergangenheit ist nur das, was ich selber als solche glauben möchte. Weltgeschichte ist nichts weniger als Faktizität. Warum? Weil jeder Mensch sein Scherflein dazu beitrug/beiträgt. Es in den Myriaden von Spekulationen über Motive des Handels nichts gibt, was OBJEKTIVITÄT garantierte. Wer ein Geschichtsbuch schreiben möchte, hat nichts in der Hand als das, was er selber in die Dinge hineinlegt, die ihm scheinbar als Fakten auf Münzen, Protokollen und Annalen entgegenspringen. Sie belieben allerdings nicht zu springen, sondern sich zu verbergen. Ich will gern zugeben, wie viel Reiz gerade deshalb die Geschichte/Vergangenheit/Menschen auf mich ausüben. Sie sind niemals und nirgends gleich. Nicht einmal in dieser Sekunde.

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Notizen August 2019

    Haltungsjournalismus ist eigentlich eine c.i.a. - beinahe. Ein Journalist sollte zwar unbefangen, sachlich, berichten, aber den rechten Biß hat er dann nicht. Ein Weltbild schadet seinem Beruf sicherlich nicht. Ich habe nichts gegen Haltungsjournalismus. Schwierig wird es dann, wenn in einem Land eine bestimmte Haltung erwartet wird, um in den Leitmedien eine Stelle zu ergattern. Und diesen Zustand haben wir in der BRD. Das ist noch keine DDR 2.0-Situation, aber es fehlt nicht mehr viel. Eine Tendenz ist zu erkennen.

    Folgenden Bericht entnahm ich einem der von den Leitmedien weniger gelittenen Ausgezunfteten:

    erstellt von journalistenwatch:

    Berlin – Eine Journalistin namhafter deutscher Zeitungen verzichtet „heldenhaft“ auf den Kauf von Apfelsaft aus Sachsen – wegen der dort erstarkenden AfD. Im öffentlich-rechtlichen „Inforadio“ von Radio Berlin-Brandenburg darf sie sich mit ihrer Heldentat ungehemmt brüsten. Der Fall ist ein politisches Sittengemälde erster Güte.


    Nun, bei mir führte diese Haltung dazu, in meiner Kaufhalle ganz gezielt den wesentlich teureren Apfelsaft aus Sachsen zu ordern, gleich mal zwei Kisten. Der ist naturtrüb und schmeckt ein wenig nach Baby. Köstlich! Ätschnbätschn.

    Vielleicht steckt die Haltungsjournalistin ja unter einer Decke mit der sächsischen Apfelmostindustrie, denn wir alle wissen, nur keine Werbung ist schlechte Werbung.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Notizen August 2019

    Zucker und Essig besitzen dieselbe chemische Konstitution, werden von unseren Geschmacksknospen aber als verschiedene Stoffe wahrgenommen... Ist das nicht ein schöner Beweis für die kantische Philosophie, die uns doch erklärte, daß Erkenntnis Grenzen besäße und ästhetische Urteile zudem davon zu unterscheiden seien und keinen Grund für Diskussion abgeben dürften?

  5. #5
    Klaus Norbert.
    Laufkundschaft

    AW: Notizen August 2019

    Zitat Zitat von aerolith Beitrag anzeigen

    Zucker und Essig besitzen dieselbe chemische Konstitution, werden von unseren Geschmacksknospen aber als verschiedene Stoffe wahrgenommen... Ist das nicht ein schöner Beweis für die kantische Philosophie, die uns doch erklärte, daß Erkenntnis Grenzen besäße und ästhetische Urteile zudem davon zu unterscheiden seien und keinen Grund für Diskussion abgeben dürften?

    ... dieselbe chemische Konstitution, ist das überhaupt möglich?

  6. #6
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Notizen August 2019

    Ist das gleiche wie bei Diamanten und Kohlenstaub. Beides ist reiner Kohlenstoff, dennoch verschiedenes. Chemieunterricht Klasse 8 oder 9. Jedenfalls früher in der DDR. Ob das heute den Kindern noch erklärt wird, weiß ich nicht. Könnte ja politisch indoktriniert sein.

    Was mich als Philosoph hier besonders interessiert: Kant konnte das nicht wissen, als er seine Philosophie aufstellte. Ist doch aber schön, wenn eine Philosophie sich im nachhinein durch empirische Forschung verifiziert.

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Notizen August 2019

    Zum Geburtstag viel Glück!
    Habe in diesem Jahr, v.a. aufgrund der Lektüre Friedells, einen neuen Zugang zu Goethe gefunden. Ob ich diesen etwas zynischen Weg auch gehen möchte, weiß ich nicht. Ich habe jedenfalls gelunst. Das Okkasionelle ist wichtig, aber ist es Strukturelement des Schreibens? Oder ist es wichtiger, einen künstlerischen Willen zu besitzen, bei dem das Schreiben eben Nebensache ist?

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