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Thema: Notiz über Flüsse

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Notiz über Flüsse

    Flüsse




    Wir fahren los, obwohl das Hochwasser das Haus fast erreicht hat. Wenn es steigen sollte... aber das ist unwichtig. Heute ist Heilig Abend, nichts hätte H. an diesem Tag zuhause halten können.
    Richtung Frankreich, über die Grenze. Nur ein Hotel finden und ein Lokal wo es irgendetwas zu essen gibt. Keine Dekoration, bitte.
    Kalt aber schneelos. Nass. Die Welt ist heute kein gastfreundlicher Ort. Gut so!
    Nicht an Weihnachten denken, nicht von IHR sprechen. Sie hatte es so geliebt, den Baum zu schmücken.
    Als ich H. am Vormittag abholte, beobachtete ich den Strom, die zwei Schwäne die jetzt in Ufernähe kahle Baumwipfel umkreisten. Letzte Woche waren sie zu Dritt. Der graue Jungschwan.

    Können Schwäne ertrinken?

    Das trostlose, wolkenverhangene Frankreich tröstet sie - nein Trauer wird darin unsichtbar. Es erinnert an niemanden, besitzt keine Fröhlichkeit, ist mürrisch und abweisend. Hier will man keine Touristen. Der Atlantik im Regen die Loire in nebeliger Kälte. Überall Schlösser . Wir gehen hinauf, sehen auf den Fluß hinunter. Sie versucht uns aufzumuntern, ruft mit einer merkwürdig belegten Stimme - seht! Chateaux links? Chateaux rechts?..
    Sie hat zu lange gewusst, zu lange gehofft. Jetzt kommt sie nicht mehr an den Schmerz heran. Er hat alles durchdrungen. Kein Festhalten - kein Loslassen.
    Es gibt keine Zeit, sie wurde weggerissen.




    PS.
    Es ist das "Esther" Thema. Ich habe es jetzt mal versucht, indem ich sie "ausgelassen" habe. Eine leere Stelle im Bild, sozusagen.....






    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 01. Oktober 2002 editiert.]

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Notiz über Flüsse

    Liebe Kyra,


    ich glaube schon, dass ich weiß, was du erreichen willst. Auch diese Idee des Abstrahierens von Erinnerung, ihr durch "aussagelose" Bilde eine Larve zu geben, ist interessant.
    Aber diese kurzen Texte müssen funkeln und dazu musst du sie weiter schleifen. Manchmal ist es schwieriger, einen kurzen Text zu schreiben als einen langen, denke ich. Anmerkungen demnächst, vielleicht auch mal ein Versuch von mir, zu einem dieser Bilder eine "Kürzestgeschichte" zu schreiben.


    Warum stehen diese Texte denn im Orbis? Wenn das so weiter geht, können wir das Literaturform schließen und Robert, der ja kaum ins Orbis sieht, ist arbeitslos.


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Notiz über Flüsse

    .....demnächst, vielleicht auch mal ein Versuch von mir, zu einem dieser Bilder eine "Kürzestgeschichte" zu schreiben.

    Bitte noch nicht zu bald, ich stehe noch auf wackligen Beinen. Das könnte mich verunsichern, oder zu einem falschen Zeitpunkt beeinflussen. Oder aber, mit einer Warnung versehen, damit ich gewappnet bin - ich den Text direkt kritisch und distanziert ansehe. Ich bin leicht beeinflußbar. Ich kenne meine Schwäche. Ich habe, wenn es sich nicht um eine gefestigte Idee handelt, leider einen anschmiegsamen Geist. Kein Opportunist, aber ich folge verspielt jedem Ball, der mit attraktiv erscheint. Laufe hinterher. Darum habe ich inzwischen nicht gerne starke Persönlichkeiten um mich. Sie regen mich weniger an, als daß ich ihnen folge - und sie anrege. So gesehen wäre ich eine gute Muse. Will ich aber nicht sein.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Notiz über Flüsse

    Ich bin noch nicht so lange hier, daß ich wissen müßte, was das "Esther-Thema" ist, oder?
    So fehlt mir auch diese Orientierung in einem Text, der alles tut, um mich (geografisch, aber auch sonst) zu desorientieren. Wo gibt es einen über die Ufer tretenden Fluß, den man verlassen und schwuppdiwupp über die Grenze nicht nur in Frankreich, sondern dort am Atlantik und an der Loire sein kann? Das eingefügte Bild, Luftaufnahme eines Gutshofes (?) verweist auf die Schweiz. Stellt es das Haus dar, das möglicherweise überflutet wird, während die Erzählerin mit H., einer Freundin oder Schwester, im trostlos wolkenverhangenen Frankreich herumreist? H. hat offenbar einen Menschen verloren (die Mutter?) und ist voll er Trauer. Die Reise dient dazu, sie ihre Trauer überwinden zu lassen. Aber es bleibt zweifelhaft, ob das gelingt.
    Ich liebe desorientierende Texte, wenn sie wie ein Rebus erschließbar sind. Hier fehlt es mir ein wenig an Material dafür. Oder müßte ich eben nur wissen, was das "Esther-Thema" ist?

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Notiz über Flüsse

    Esther ist ein Mädchen, das mir sehr nahe stand. Sie ist mit 16 an Krebs gestorben. Nach langem, langem Hoffen und Leid. H ist die Mutter. In einem anderen Text habe ich versucht mich an Ester zu erinnern. Hier versuche ist sie auszusparen. Das Foto könnte überall sein. Ein Haus am Wasser, wie das von dem wir weggefahren sind. Das Wasser sollte das Motiv sein. Esther-Text 1; Esther-Text II


    bei diesem Text suche ich eine neue Form. Eine Form von Zusammenbringen von "neutralen" Fotos und persönlichen Kurztexten. Sie sollen aber offen genug bleiben. Es ist so eine Idee.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Notiz über Flüsse

    Vielen Dank für die Links.


    Zitat Kyra:
    >>>>Als sie starb, habe ich mir vorgenommen, irgendetwas zu ihrer Erinnerung zu machen.<<<<

    Wenn ich deinen Text an dieser Zielvorgabe messe, empfinde ich ihn als Rückschritt. Du erinnerst nicht an Esther, sondern an den Schmerz ihrer Mutter um sie. Auch das Konzept mit den fast beliebigen Bildern scheint mir zu einem solchen Plan nicht zu passen. Aber hier gehst du auch übers Literarische hinaus, und ich glaube nicht, dass ich das noch halbwegs sicher beurteilen kann.

  7. #7
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Notiz über Flüsse

    Leider ist das eingestellte Bild Kyras nicht mehr auffindbar. Ich finde auch kein schönes Bild aus Klein-Rheinfelden. Vielleicht schießt mal jemand, der dort in der Nähe wohnt, ein Bild und stellt es hier hinein.

    Der text spricht mich nicht an, zu sprunghaft, zu unscharf und zu wenig poetisch. Die Idee allerdings gefällt mir, vielleicht bedarf sie einer gewissen Sprunghaftigkeit; sie bedarf aber nicht in erster Linie dieser, sondern punktueller Genauigkeit.

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