Dank und Eindrücke


Erst einmal möchte ich mich für meinen französischen Abgang entschuldigen. Hannemann habe ich vergebens gesucht, Robert noch zugewinkt. Ansonsten nehme ich auch nicht gerne Abschied, verdrücke mich lieber.
Den größten Dank an Hannemann, dessen Gastfreundschaft und Organisationstalent überwältigend sind. Frau Hanne möchte ich auch danken, dafür dass sie diesen Kerl aushält und ganz offensichtlich sogar sehr liebt. Leider habe ich kaum mit ihr gesprochen, weil ich meist selbst gekräht. Aber sie hat das liebste, offenste und innigste Gesicht der Welt und wehe jedem (Hanne) Mann, der ihr weh tut. Aber das glaube ich auch nicht. Es begegnen mir nur selten solch kindlich offene Augen, voll Neugier und Bewunderung (für Hannemann - ein wenig blind ist ja jeder mal, in der Liebe.


Eine riesige Überraschung war das schwarze Pferd. Häßlich habe ich ihn mir gedacht. Aber mitnichten! Ein lockiger Haarschopf in den wohl manche Maid gerne lustvoll ihre Finger stecken würde (verhindern könnte dies höchstens seine sehr komplexe Persönlichkeit). Sehende Augen und ein wirklich sexy Nase, finde ich - mehr sage ich nicht.
Robert hat viel kräftigere Waden als ich es zu hoffen wagte, aber er ist so wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hoffe noch lange mit ihm - wie auch immer - zu tun zu haben. Er ist mein Freund, ob er will oder nicht. Als nächstes steht die Datenbank an.
Marina...... Sie hat den Geist eines urbanen Künstlers nach Niederbayern getragen - ich meine damit wirklich ihre Person, was sie macht kenne ich nicht.
Trotz einer zarten Seele fühlte ich die Kraft dahinter. So muß es sein, bei einem Künstler.
Bernouilly hatte mit seiner Befürchtung, ich könne ihn anbaggern, insofern recht - wäre ich 20 Jahre jünger und nicht verheiratet, hätte ich ihm sicher nachgestellt und versucht ihn zu erlegen? Quatsch, ihm zu erliegen ! Er ist total süß, um es mal 1/4 Jahrhundert jünger auszudrücken.
Mr. Jones hätte ich nie mit seinen Texten zusammengebracht. Seine Literatur ist viel älter und reifer als sein Äußeres. Was sehr für ihn spricht. Er könnte noch weit kommen.


Paul ist der Hammer. Ich hatte viel erwartet, aber DAS nicht. Er ist eine Klasse für sich. Ich verbeuge mich vor so viel Konsequenz eine literarische Figur nicht nur zu erfinde, sondern sogar zu sein und zu leben.
Klammer war glücklicherweise in Realität viel humorvoller als ich dachte. Seine Strenge bezieht sich wirklich auf die Literatur. Zu seinem Auftritt werde ich an anderer Stelle etwas sagen. Dies vorab, er kann sehr gut lesen.


Entdeckt, dadurch dass mir der Text vorgelesen wurde, habe ich ein Buch, was ich bereits kannte - "Ostwind". Ich habe da erst den Humor erkannt. Christina Müller ist nicht nur wunderhübsch, sie hat lachende Augen. Das schönste was ein Mensch haben kann.... Wäre ich ein Mann, würde ich sofort um ihre Gunst werben.


Dies fürs erste nach 9 Stunden Fahrt.
Noch einmal 1000 Dank für alles und das wunderbare Essen!!!!!! Und das Feuerwerk und den schönen Ort und die Gastfreundschaft.
Robert, Dich maile ich direkt an, wie es weitergeht mit der Datenbank.



Eindrücke Fortsetzung

Das Haus war stark - das meine ich nicht auf jungdeutsch so, sondern im eigentlichen Wortsinn. Dies hat den Lesenden mehr geholfen, als den Künstlern. Weiter äußere ich mich nicht zu den Bildern, wo Hannemann mich immer mit den Worten vorstellte, Frau Anisimov, die in Köln alte Beuys verkauft. Dies führte sicher zu einiger Verwirrung bei der einheimischen Bevölkerung, kannten sie ihn möglicherweise gar nicht und dachten ich würde alte Boys, naja, warum nicht?
Ja, das Haus. Mauern die sich wirklich noch so nennen durften, dabei Fenster die genug Licht einließen. Später Kerzenlicht. Der Kellerraum in dem Paul las, hatte man vor Kunst verschont. Ließ ihn für sich wirken, hatte keinen Schmuck nötig.
Pauls Lesung, als Performance sicher der Höhepunkt (danach bin ich auch entschlichen). Leider hatte er zwei Damen bei sich, aber der Tisch, den Robert doch noch organisiert hatte, kam ein wenig zu spät. Da hatte er in völlig unrussischer Hast schon begonnen.
Dabei sei bemerkt, ich hatte nichts gegen den Vortrag der Damen, nur Pawel alleine (unter dem zu spät gekommenen Tisch) hätte mir völlig gereicht. Wäre das Bild gewesen, mit seiner dicken Zwiebel und der Wodkaflasche.
Die Damen davor oder danach. Sie waren komisch, aber eben doch völlig anders. Wobei eine Dame seine Texte las. Warum nicht?
Darum nicht, weil sie eben nur seine Texte sind. Kein anderer sollte sie lesen.
Robert hat im Hintergrund immer geholfen, organisiert, Stühle geschleppt, Tische gefunden. Sich zurückgehalten und das Licht den Autoren geschenkt.
Sehr gelungen, Klammers Lesung von Hannemanns Text.
Nun zu Klammers Performance. Da habe ich doch einiges zu kritisieren. Zusammengefasst, es war zu viel.
Klammer stand hinter einer transparenten Leinwand, die während seiner Lesung von einem Künstler zugemalt wurde. Dazu ein Klarinettenspieler.
Den Text kannte ich in seiner ersten Fassung bereits. Er war aber überarbeitet, noch einmal gebrochen. Die Erzählung einer Begegnung wurde einem anderen erzählt, der dies berichtete.
Dies alleine hätte schon gereicht. Das Bild lenkte leider nur vom Text ab, ebenso die Musik.
Das Bild war wild und bunt, illustrierte z.T. den gesprochenen Text, aber der Maler füllte bisweilen einfach auch nur Flächen aus, die nur zum Bild gehörten. Über die Qualität des Bildes will ich nichts sagen, weil es nicht hierher gehört. Was die Musik angeht, davon verstehe ich nichts, weiß aber wie wirkungsvoll sie einen minimalistischen Text unterstreichen und stützen kann. Aber hier ging es um einen sehr komplexen Text.
Mein Vorschlag wäre gewesen, die transparente Leinwand langsam, so lange die Lesung dauerte, weiß zu malen. Der Autor verschwindet hinter einer weißen Fläche. Gibt das Bild an den Leser - bzw. Zuhörer ab.

Eindruck 3


Der Eindruck den andere von mir haben könnten.
Ich habe mich aufgebrezelt, öffentlich gemacht. Dies zum Aussehen.
Laut das Wort geführt, Meinungen geäußert und ein wenig provoziert. Es könnte gedacht worden sein, ich sei ein geselliger Mensch. So ist es aber nicht. Menschen sind sehr anstrengend. Ich sehe heute grau und müde aus, fühle mich ausgelaugt. Vielleicht war das mein "Beitrag" einfach nur da zu sein. Und die Sache mit der Datenbank. Ich drücke mich vor allen Veranstaltungen, weil ich dann so aufgedreht, so extrovertiert sein muß. Das strengt an. Aber jetzt bitte keine Ratschläge, einfach so zu sein, wie ich bin. Ich bin eben in der Öffentlichkeit meist so. Ein Grund, mich dem nur selten zu stellen. Aber in dem Augenblick genieße ich es wie einen Auftritt. Unbescheiden, großspurig und laut. Früher war ich viel öfters draußen, heute nur noch selten. Gerne wäre ich der Mittelpunkt in einem Chaos. Darum ist auch so etwas, wie selber etwas zu lesen, für mich eine beängstigende Vorstellung. Weil es nicht zufällig ist. Und alles Nichtzufällige sollte (bei mir und für mich) perfekt sein. Bei anderen kann ich über fehlende Perfektion leichter hinwegsehen, versuche die Qualität herauszufühlen. Liebe sie für ihren Mut. Ich bin ein Feigling, was meine Person angeht. Für und gegen andere kämpfe ich gerne.

Eindrücke 4


Der bayrische Autofahrer mag rechts wählen, aber auf der Autobahn bringt ihn keiner von der linken Spur. Rechts kann kilometerweit alles frei sein. Alle fahren rechts. Erstaunlich. Aber man muß sich den einheimischen Gepflogenheiten halt anpassen. So ist es eben im Ausland, will man nicht unangenehm als Deutscher auffallen.
Herrliches Gefühl in einen Ort einzufahren, wo es weit und breit keinen Menschen gibt, der jünger ist als man selber. Passiert zusehends seltener. Allerdings wird es nach kurzer Zeit beängstigend. Werden sie uns überhaupt dulden, oder vielleicht mit ihren Rollstühlen in vorderster Front, gefolgt von den Krückenträgern in zweiter Reihe einen Angriff gegen diese unpassend jungen Menschen führen?
Aber sie blieben friedlich. Beim Frühstück verfolgten wir Gespräche über Anwendungen und morgendlichen, nicht genauer definierter Qualen. Geheimnisvolle Dinge tun sich dort in Bad Füssing. Außerdem sprach man von den noch viel kränkeren oder bereits verstorbenen Ehemännern. Achtzigjährige baufällige Damen, meinten, noch einmal würden sie nicht heiraten, sondern dann, wenn denn der Fall eintritt, das wilde freie Leben bevorzugen. Außerdem wurden Kurorte und Kurarten verglichen. Große Schüsseln mit in Wasser eingeweichten Pflaumen standen allüberall. Rüstig, wacker und lebensfroh fiel einem sofort ein. Die sterben nie. Das Ausmaß des Rentenproblems ist noch nicht einmal in seinen Ansätzen erkannt. Wanderschuhaktien erscheinen mir eine gute Investition. Ebenso kann ich nur jedem raten, sich an einer Fabrik für Allwetterjacken in dezenten Farben zu beteiligen.
Nein, falsch gedacht, ich mag alte Menschen. Wurde ja von meiner Urgroßmutter erzogen. Die war toll!
Nur in dieser Ballung von Greisentum fühlt man sich so, wie sich Stoiber in der Disko gefühlt hat in die ihn wohl seine Berater geschleppt hatten, um die Jugend für sich zu gewinnen. Er verschränkte die Arme und versuchte zu lächeln. Ich habe eine Pflaume gegessen.


Aber ich würde gerne wieder dort übernachten, um wieder diesen Gesprächen zu lauschen. Die alten Frauen waren wirklich fröhlich. Besorgt höchstens um ihre Männer - wollten sie manchmal sogar los ein, um noch weite Reisen zu unternehmen. Manchmal denke ich, das Alter ist ein gutes Alter.


Ich will dann an einem belebten Platz auf einer Bank in Rom sitzen, schwarz gekleidet wie die anderen italienischen Frauen und über die Jugend herziehen, ein wenig neidisch aber nachsichtig. Mich kichernd erinnern.Ich fange bald an die Sprache zu lernen.



Eindruck


Mr. Jones trägt zu schwer an seiner Seele. Muß noch Muskeln aufbauen, damit sie ihn - und er sich mit ihr erheben kann und sie ihn nicht zu Boden drückt. Will sich nicht an der Gemeinheit der Menschen infizieren. Muß aber um zu schreiben, nah an sie herantreten. Dilemma. Will nur die Tiefe finden, verachtet die Oberfläche. Zu recht? Wie soll er dann etwas genießen, außer seine Einsamkeit, die sich bisweilen in eine Zweisamkeit ausweiten kann?
Mache mir nutzlose Gedanken über ihn. Wünsche ihm genießen zu können, sich an einer Oberfläche so lustvoll erfreuen zu können, wie ein junges Pferd, das sich auf der Weide im feuchten Grase wälzt.

Eindruck


Das Wesen eines Feuerwerks ist kitschig. Es dafür zu kritisieren, wäre so als würde man eine Blume wegen ihres süßen Duftes Anklagen. Entweder schließt einer die Augen oder geht ins Haus, aber keiner sollte einen bunten Kindertraum kitschig nennen. Es ist ein uralter Traum, das bunte Licht in der Nacht am Himmel zu sehen, Feuer zu speien wie ein Drache. Aber niemand sollte es anschauen und gähnen. Take it - or leave it.