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Thema: fallsucht

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post fallsucht

    fallsüchtige wörter
    sitzen in reihe
    auf mauern
    des schweigens


    gefallsüchtig
    schreien sie an
    gegen mauern
    des schweigens


    gefallen
    die mauern
    es schweigen
    die wörter

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: fallsucht

    Hi, Eule, oder Till, oder wie sagt man zu dir?
    Also daß fallen - tomber - fall und gefallen - plaire - to please - im Deutschen einander nicht nur ähnlich, sondern zum Verwechseln ähnlich sind, ist ein Kreuz, dem du jetzt poetische Substanz zu entlocken versucht hast. Ohne Frage ist dieses Gedicht völlig unübersetzbar - denn es ist, wie so oft bei dir, ein Wortspiel. Aber löst es eine Erkenntnis, einen Aha-Effekt aus? Da zeigt sich dann doch - für meine Begriffe - eine gewisse Dürftigkeit dieses Zufalls. Du versuchst ihm abzuringen, was möglich ist - mit fallsüchtig und gefallsüchtig, mit dem Wechsel des Schweigens von den Mauern zu den Worten - mir genügts nicht. Du hattest mal diesen verrückten Österreicher ausgegraben - wolltest ihm nacheifern - ja! Emotion? Wo bleibt die Leidenschaft? Oder ist das Werklein eine Allegorie auf die DDR-Literatur, die mit dem Fall der Mauer verstummt ist?

  3. #3
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    AW: fallsucht

    auf der mauer, auf der lauer sitzt ne kleine wanze... -
    auf der mauer, auf sitzt ne kleine ... -
    mir gefällt's!
    schweigt und tut doch kund.
    und scheint auch noch schelmisch... -
    traut sich ja sonst keiner mehr, mir scheint -
    scheint überhaupt am verwesen, der schelm an sich, seit der geist einzug in die gemüter nahm...

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: fallsucht

    danke für eure anmerkungen!

    @quoth:



    Ohne Frage ist dieses Gedicht völlig unübersetzbar - denn es ist, wie so oft bei dir, ein Wortspiel.
    übersetzbarkeit war gar keine überlegung. und was spricht gegen ein wortspiel? ich oute mich hiermit als bekennender wortspieler. vieles was pathetisch, getragen, bedeutungsschwanger und hochtrabend daherkommt, ist zumeist aufgeblasen, dahinter nicht mal heisse sonder oft nur körperwarme luft. aber ein bisschen mehr als die zufällige wortgleichheit des fallens und gefallens sitzt doch hinter den mauern. glaub ich wenigstens. das mit dem ddr-mauerfall kommt schon hin - gilt aber nicht nur für die ddr-mauer. gilt für alle mauern des schweigens.

    @paul:
    wenigstens einer, der bei einem wortspiel nicht gleich die nase rümpft , danke,

    gruss eule.

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: fallsucht

    Fallsucht war einer der Kernkritikpunkte für Schillers Werk. Gemeint war die Fallhöhe, also im Kontext der Ständeklausel die Notwendigkeit, einen Jemand mit Hybris auszustatten, die ihn dazu animiert, sich über seinen Stand zu erheben. Am Ende muß er fallen, tief fallen, also ist es dramaturgisch sinnvoll, ihn aus dem Dreck in den Himmel steigen zu lassen. Dann kann es um so lauter platschen. Fallsucht ist auch ein Synonym für die Epilepsie. FALLEN und SUCHEN, woraus Sucht werden kann. Viele Möglichkeiten. So betrachtet, spielt der Text nicht genug, er beschränkt sich auf einige wenige Varietäten aus der Zusammenrückung.

    Daß der Text ins Englische nicht übersetzt werden kann, wundert mich gar nicht. Die Briten verstanden Hegel jahrzehntelang falsch, weil sie die dreifache Bedeutung des Wortes "aufheben" nicht denken konnten. Zwar ist das Deutsche mit dem Englischen verwandt, aber in einem Punkt unterscheiden wir uns erheblich: das Deutsche ist eine synthetische Sprache, das Englische eine analytische. (Ich habe den poetischen Wert in meinem Manifest beschrieben.) Anders gesagt, wir können Begriffe zusammenfügen und ihnen so neue Bedeutungen geben. Das soll(t)e durch die Rechtschreibreform unterbunden/eingeschränkt werden.

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