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Thema: Die Anordnung der Wolken

  1. #1
    Susanne Kiefer
    Laufkundschaft

    Post Die Anordnung der Wolken

    Die Anordnung der Wolken


    Dem Freund war weißes Füllmaterial aus dem Schnürsenkel gequollen.
    "Du trägst da eine kleine Wolke am Fuß", sagte er.
    "Solange sie sich nicht in den Köpfen der Laboranten ausbreitet, ist's zu vernachlässigen", sagte der Freund.


    "Du hast da eine kleine Wolke am Fuß, hatte er ihm gesagt."


    Er sitzt am Schreibtisch in seinem Büro und telephoniert, blickt auf das graue Plexiglasgebilde, das wie ein halbierter Apfel vor ihm daliegt. Den Gedanken an das Verhältnis des goldenen Schnitts, an Anordnungen von Objekten auf einer Fläche, schiebt er zur Seite. Jäh eine fest ausgeführte Bewegung seiner Hand auf die Form zu, streng-hastig, unwillkürlich zweifellos, - und doch, im letzten Moment vor dem Kontakt ein Abweichen.
    Es liegt falsch, denkt er, in den Hörer lauschend.
    Dann wieder hätte er das Glasgebilde fast mit der Handfläche umschlossen, aber er spannt sie plötzlich und berührt, streift es vorsichtig nur, - mit flachen Fingern.
    Und. Und die Frau am Telefon spricht. Die Unbekannte spricht etwas. Was? Er muss sich konzentrieren, um dem Gesprochenen folgen zu können. Wenige Zentimeter über dem Chrom der Platte schwebt die Hand, bewegt sich stockend-suchend in einem unsinnigen Vor und Zurück. Schließlich holt er weit aus und fasst, greift sich in die Muskeln des Nackens. Dort müsste er warme Festigkeit erkennen.
    Er soll den eigenen Namen wiederholen, die Frau hat ihn vorhin nicht verstehen können. Halb spricht er ihn aus, den leeren Blick mit dem gläsernen Ding ausgefüllt. Setzt nochmals an und wiederholt den Nachnamen in voller Länge. Er stößt mit der Fingerspitze an die Plexiglasform, verschiebt sie um Millimeter. - Ich bin ordnungsliebend, denkt er, während er die engen Worthülsen hört.
    Der Fremden muss er nun die Auskunft geben. Er zögert. Mit den in den letzten Stunden zahlreich gegebenen, geäußerten würde sie übereinstimmen; gleiche Wortwahl, derselbe Satzbau, - sogar der Tonfall, hat er bemerkt, klingt immer kongruenter. Und dennoch, - wiederum ist er ängstlich und besorgt, fürchtet, dass seine Stimme brechen könnte. Sagt:
    "Er ist sofort ins Koma gefallen und kam ins Krankenhaus. Er ist abends in eine andere Klinik verlegt worden und ist am nächsten Morgen verstorben."
    Seine Hand zuckt zurück, und nun muss er auf ihre folgenden Worte achten, verstehen und auch begreifen.
    Vernimmt, reißt die Hand empor, spricht mit ruhiger, ungebrochener Stimme das Weitere aus. Fasst an das Gebilde, lässt, betastet, lässt es, erfühlt es, lässt es los. Rückt es mit spitzem Zeigefinger. Schiebt das Gebilde weiter von sich fort. - Abermals zurecht rücke er es. - Schiebt. Stößt es, so dass es auf der Tischplatte rutscht.
    Er legt auf, und er lässt sich tiefer in den Drehstuhl sinken, der dabei ein wenig rückwärts rollt. Benommen blickt er auf die Hände. Weshalb hat er das Gebilde von sich weggeschoben, weiter, Strecke auf Strecke weiter fort? Er denkt, dass es ohne Ordnung kein Leben gäbe, dass Ordnung - Schönheit ist.
    Dass Ordnung Schönheit bedeute, hat er auch dem Freund gesagt.
    Mathematik sei die Sprache des Universums, hat er dem Freund gesagt.
    DNS! - die Struktursprache all des Lebens dort überall, wie auch der Notenzauber der Musik Anordnung, Komposition, orgiastische Ordnung nur ist, kaum anderes als das!, hat er ihm vor Jahren gesagt. Und Gegenstände lege er an bestimmte Plätze, Komponiertes hielte er damit aufrecht. Eine Bewegung geht durch ihn, nach dem Gebilde will er greifen, aber, und jetzt schaut er auf: es liegt ja am Rand der Tischplatte!

  2. #2
    Bauer Hans
    Laufkundschaft

    AW: Die Anordnung der Wolken

    Ein sehr persönlicher Schmerz, die Freundschaft vorbei. Nur kommt der Leser schwer dahinter, empfehle dem Text, der durchaus Inhalt, noch etwas Kieferorthopädie.

  3. #3
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Thumbs up AW: Die Anordnung der Wolken

    sehr disparat, sowohl in der Entwicklung des Erzählfadens als auch in der Darstellung des wichtigsten Charakters, dessen Bezogenheit zum Lebensumfeld nicht erkennbar wird
    die Sprache ist so lala, nicht Fisch, nicht Fleisch; keine besonderen Merkmale, zudem zwischen alter und neuer Schreibung schwankend; na ja, so ist irgendwie der ganze Eintrag, schwankend, unausgereift, nicht fertig gedacht, Ansatz... vielleicht nicht einmal das; wirkt wie die Erinnerung an ein Sublimat des Deutsch-Lehrers unter einen Schüleraufsatz: "Das nächste Mal gib Dir mehr Mühe! Talent verkömmt auch."

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Die Anordnung der Wolken

    Im Brennpunkt der Geschichte, als eine Art Katalysator, ist also ein graues Stück Kunststoff, der immer wieder als gläsernes Gebilde bezeichnet wird (allerdings ist "Plexiglas" nur ein Markenname wie "Tesa". Es handelt sich hier um Polymethylmethacrylat, einen Thermoplast). Dieser Arcylkunststoff ist klein, eine Hand kann ihn umgreifen, er hat die Form einer Kalotte. Dieses Gebilde ruht auf einem Schreibtisch aus Chrom (!) an einem ganz bestimmten Ort. Die Person, die dort plazierte, ist offensichtlich gestorben, nun sitzt ein Kollege am Tisch, teilt einer Frau den Tod dieser Person mit und verschiebt, Kardinalsünde!, in Gedanken diese Polymethylmethacrylatkalotte. Was das aber für ein Gebilde ist, das habe ich nicht erfahren. Und das war's auch schon.
    Ach, ja, dem Toten war weißes Füllmaterial aus dem Schnürsenkel gequollen. Das scheint außer dem Indiz, dass die Erzählerin aus Norddeutschland stammt (hier im Süden sind das "Schuhbündel"), irgendwie wichtig zu sein, eine weitere Unordnung, die so nicht hingenommen werden kann, aber vom Sterbenden, wenn ich das richtig verstanden habe, altersweise hingenommen wurde, was aber wiederum seiner Ordnungsliebe widerspricht. Und dieses Füllmaterial ist dann auch noch ein Symbol für den Himmel, in den er eingeht. Hmmm...
    Und dann geht es irgendwie um die Hilfswissenschaft "Mathematik", die durchaus nicht die Sprache des Universums ist, sondern nur ein mangelhafter Versuch, deren syntaktische Struktur zu begreifen und in einem pythagoreischen Rundumschlag noch um die "mathematische" Ordnung der Musik, der DNS, des ganzen Universums und letztlich des Schreibtisches.
    Dabei hat ein Schreibtisch den absoluten Grad der Ordnung nicht dann erreicht, wenn ich die Gegenstände ausgerichtet habe, sondern wenn sie weggeräumt sind. Gleiches gilt für die vermeintliche Ordnung des Universums, das in Wahrheit chaotisch ist und zur Entropie tendiert.
    Was will mir dieser Text also sagen? Dass er das Prosa-Pendant eines Knittelverses ist, hat Robert schon festgestellt. Ein persönlicher Schmerz? Das mag sein, dazu wurde mir aber zu viel konstruiert, überkompliziert, ich möchte sagen, änigmatisch? Warum wurde er also geschrieben?
    Anders gefragt: Will mir dieser Text überhaupt etwas sagen?


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  5. #5
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Die Anordnung der Wolken

    Ich glaube, diese Schreibende haben wir gründlich weggebissen. Verdientermaßen, wie ich mit zeitlichem Abstand bemerken möchte. Klingt auch heute noch nach Bedienungsanleitung fürs Abfassen eines künstlerischen, mindestens jedoch künstlerisch-affinen Einwegtextes.

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