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Thema: Requiem

  1. #1
    Celes
    Laufkundschaft

    Post Requiem

    Vermiss dich
    Trauere
    Vergess nicht
    Zehre, verzehre
    Du fehlst mir
    Find dich nicht
    Bist fort
    Bleibst fort
    Kein Zurück
    Absurd
    Mein Denken
    Stehengeblieben
    Zurückgegangen
    Nichts gefunden
    Innerlich tot
    Äusserlich funktionierend
    Unbemerkt
    Wem denn?
    Gefühl verhärtet
    Eingekapselt
    Erstick ich an mir
    Ohne dich

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Requiem

    A ist betrübt, dass B ihn/sie verlassen, sich von ihm/ihr abgewandt hat.
    Indem A jetzt einfach "du" sagt zu allen, die dies lesen, legitimiert er/sie alle Leser/innen, sich mal in die Rolle von B zu versetzen.

    Wäre ich also B und würde dies lesen, ich würde wissen, dass es gut war, mich von A abzuwenden - und nicht das geringste Bedürfnis spüren, mich ihm/ihr wieder zuzuwenden; und das - abgesehen mal von der Sprache, die nur Floskeln aufeinander türmt - u.a. deshalb, weil A sich für die Gründe meiner Abwendung nicht die Bohne zu interessieren scheint; ich komme in diesen Zeilen nicht vor.

  3. #3
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Requiem

    Der Titel verwirrt. Oh, schenke ihnen ewige Ruhe! Hier ist der Blick "zorngeschwängert", wenn mir dieses Oxymoron verstattet sei. Verdichtung - Fehlanzeige. Aber, die Katze streunt um den heißen Blechnapf. Das ist Dir gelungen, dieses Streunen. Frauen machen so was. Männer jammern nicht, nicht so. Sie schlagen zu, vielleicht sich selbst. Und damit bin ich beim Quothschen Ansatz: Ich und du, Müllers Kuh, machen schnell die Äuglein zu.


    Schreib mal was über Pfützenspringer!

  4. #4
    Celes
    Laufkundschaft

    AW: Requiem

    tja, was soll ich sagen...
    B hat sich vor etwa anderthalb jahren das leben genommen.
    ich glaube nicht, dass es wegen meiner dichtkünste war*ggg*

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Requiem

    Als privates Dokument stünde es außerhalb jeder Diskussion. Aber als öffentliche Totenklage ist es doppelt schlecht. Der Tote wird verhöhnt, indem er nicht wahrgenommen wird. A bemitleidet nur sich selbst.

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    0

    AW: Requiem

    ___Als privates Dokument stünde es außerhalb jeder Diskussion.___


    Was für eine wunderbare Differenzierung: privat/öffentlich. Die wenigsten grossen Literaten sind mehr als 2cm von sich selbst weggekommen. Das heisst mehr im Privaten geblieben. Die logische Schlussfolgerung kann nicht sein: privat=schlecht. Zumal es den Menschen "da Draussen" offensichtlich gefällt, was nicht zuletzt die überwältigend erfolgreiche öffentliche Verarbeitung privater Schicksalsschläge von H. Grönemeyer beweist. Nun, es soll die "Masse da Draussen" nicht entscheiden, was gut oder schlecht. Also eine andere Fragestellung: waren die vielen "Lager-Romane" der Nachkriegszeit privat oder öffentlich? Das schriftliche Verarbeiten persönlicher Schicksalsschläge wird einem bei persönlicher Betroffenheit besonders bedeutsam. Entweder aktiv als Autor obenstehender Texte, oder passiv als Leser von "Problemliteratur". Intellektuelle Drübersteherei verabschiedet sich in der Regel in dem Moment des Ablebens einem nahestehender Personen oder in dem Moment existentieller Erfahrung.

  7. #7
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Requiem

    Ich teile Quoths Differenzierung. Ich verstehe die Wut eines Hinterbliebenen sehr wohl, v.a. die, die sich gegen einen Selbstmörder richtet. Der Frevel des Selbstmords ist, daß ihm die Überlebenden wurscht sind, v.a. die, die ihn lieben. Selbstmord ist die höchste Form des Egoismus.

    Celes, wenn Du in Deutschlands arbeitsintensivstem Literaturforum was auf die Fresse bekommst, dann hast Du nur den Tatbestand erfüllt, den literarische Texte zu 98% erfüllen, nämlich etwas anstoßen. Nimm das also als Lob, daß Du hier nicht unten durchfällst, wie es jeden Monat so siebenundsiebenzig Texten geschieht. Es wäre nun NETT, wenn Du Dich den textimmanenten Angriffen stellen würdest, nicht durch ein WAS SOLL ICH SAGEN? Öhem...

  8. #8
    Bauer Hans
    Laufkundschaft

    AW: Requiem

    Oh Häuptling,
    trag keinen Zorn im Herzen und hege gegen niemanden Groll. Denk nicht immer nur an Dich selbst und Deine persönlichen Ansprüche. Vergiß nicht, nach Dir werden andere Generationen urteilen, jene, die noch nicht geboren sind und deren Gesichter noch im Schoß der Erde verborgen.

  9. #9
    Celes
    Laufkundschaft

    AW: Requiem

    Ich weiss nicht, ob ich irgendwem die Rolle von B aufdrängen möchte, A schreibt/spricht B direkt an, bzw. sich selber, da B ja bekanntlich nicht mehr da ist um irgendwas zu lesen/hören.
    A ist betrübt, allerdings aus anderen Gründen als des "Liebes-"Verlassen werden.
    A wurde verlassen, indem B sich das Leben nahm.
    Ich weiss nicht, ob von euch jemand das Gefühl kennt, wenn sich jemand aus dem Freundeskreis umgebracht hat und man sich fragt, ob man vielleicht doch was hätte ändern können.
    A ist sich durchaus über die Gründe der Abwendung bekannt, B kommt in den Zeilen nicht vor (wobei man das so auch nicht sagen kann), weil es sowieso keinen Sinn mehr hat auf B einzugehen. So bemitleidet sich A tatsächlich selber, weil B gegangen ist und A zurückgelassen wurde.
    Die Katze will den heissen Blechnapf gar nicht direkt angehen. Viel mehr die Eindrücke einfangen, solange sie um den Napf streunt.
    Ein Gedankenspiel.


    Tatbestand erfüllt? Höchststrafe wäre?


    Nett genug?


    C.

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Requiem

    ..eigentlich ist es simpel: würde ich ein Buch haben wollen, dass Texte dieser Art enthält? Ein privater Text ist ein Text, den nur den interessiert, der mit den Kurzhinweisen etwas anfangen kann. Private Hyroglyphen können wunderschön sein, aber taugen nicht für die Ausgeschlossenen. Übersetz dein Epitaph doch mal in die (uns) geläufige lyrische oder Prosa-Form...

  11. #11
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Requiem

    Leicester, das ist Unsinn. Du verkennst die Ähnlichkeit in jedermanns Gewort. Ein Wort wie GEHEN weckt zwar unterschiedliche, aber kaum verschiedene Assoziationen; ein Wort wie LIEBE vor allem ähnliche, denke ich. Die Umschweifung des Wortes ist es, die die SACHE interessant oder uninteressant macht, aber ich gebe hier entschieden zu, daß ich nicht an die Eindeutigkeit und Einmaligkeit des Wortens glaube.
    Literarisieren ist chiffrieren, lesen dechiffrieren. Ein Leser/Lektor/Humanist/Gabelstaplerchauffeur liest und denkt sich seinen Teil, aber der Ansatz, der Ansatz wird vom Autoren geschaffen; er kann noch so sehr bemüht sein, hermetisch zu bleiben, einen Kreis um sein Wollen zu ziehen, in dem Gastfremde nicht erwünscht sind; es wird ihm nicht gelingen. Das Medium ist die Sprache, die immer gleiche Schlüssel besitzt, vielleicht nicht verstanden, aber nivelliert werden kann.


    Ein Lektor kann und darf nichts anderes behaupten, sonst hätte er den Beruf verfehlt.


    Celes, A wurde verlassen, indem B sich das Leben nahm. Bitte? Das geschieht jeden Tag hunderttausendfach. Verlassenheit ist eine Zier, notwendig zur Ausprägung des Ich. Denn erst im Völlegefühl des Alleinseins kann sich das Ich definieren, will heißen abgrenzen. Der Verlassende - selbst wenn er in den Tod geht - stirbt dann, wenn der Verlassene nicht mehr an den Verlassenden denken mag oder nichts mehr mit dem Verlassenden denken will. Das ist der wirkliche Tod. Ein Verlassenwerden ist das längst nicht. Ich sehe meine Kinder mich jeden Tag verlassen. Ich wurde tausende Male verlassen. Manchmal nur für Stunden, die unendlich lang wurden. Es war nicht das schlechteste Gefühl, das ich je hatte. Die Sehnsucht braucht doch auch einen Raum, in den hinein sie wirken kann. Doch ist das nicht ein Merkmal der Liebe, daß man nicht eine Sekunde ohne den anderen leben können zu meint. Man existiert, atmet, steht auf, legt sich schlafen, arbeitet, aber man lebt nicht. Das ist es doch. Und nun erst der Schmerz, wenn die Liebe gegangen, wenn ein mensch gegangen ist, den man liebte! Es ist nur Trost, sich in ihm einzufinden, sich in ihn hineinzudenken, sei er über oder unter der Erde, denn wenn er nicht da ist, ist man selber wie tot.


    Ich verzettle mich hier. Nimmes als tiefgründigen Anhaltspunkt meiner prinzipiellen inhaltlichen Kritik an Deinem Text. Vom Syntaktischen hab ich noch gar nicht geredet. (Das hängt aber mit dem Denken und Begreifen zusammen.)

  12. #12
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Requiem

    Wäre da nicht dieser schnippische Grundton gewesen, hätte ich mir durchaus eine längere Zusammenarbeit vorstellen können. So blieb Ceres bei vier Beiträgen fürs Wolkenstein-Forum.

  13. #13
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    Renommee-Modifikator
    8

    AW: Requiem

    Das LY-I darf gerne auch mal ein Egoist oder ein A..chl...sein - und ist vom Autor zu trennen. Ich kann also den Vorwurf, den man Celes machte, nicht ganz verstehen. Zu kritisieren gibt es dennoch einiges...so handelt es sich hier zB nicht um ein Requiem...wie von Quoth, wenn auch nur indirekt, bereits angemerkt.

    dann ist da noch

    Innerlich tot
    Äusserlich funktionierend
    falsche Formulierung...es müsste "nach außen (hin) funktionierend" heißen, da das LY-I von sich selbst erzählt. Würde es sich um die Beobachtung eines Dritten handeln...wäre äusserlich funktionierend korrekt.

    Mein Denken
    Stehengeblieben
    Das Denken kann nicht stehenbleiben...aber zB ins Nichts führen.

    Ich kritisiere nicht den Inhalt...dafür umso mehr die Sprache....

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