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Thema: Geburtstag

  1. #1
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    Post Geburtstag

    Geburtstag

    Es ist Montag morgen und es ist ihr Geburtstag. Sie hat am Wochenende endlich alle Schuhe mit den hohen Absätzen in einen blauen Plastiksack verschnürt und in der Spendetonne von St. Michaelis versenkt. Pfennigabsätze erklärte er zu erogenen Zonen. Tag für Tag war sie damit beschäftigt gewesen, ihr Gleichgewicht auf Zehenspitzen zu suchen, statt sich auf den Kopf zu stellen. Nun denk doch auch mal an dich, pflegte er zu sagen, und meinte sich und schaltete den Fernseher ein. Feierabend. Während irgendeiner dieser öden Seifenopern, fing sie tatsächlich an zu denken. Schließlich gönnte sie sich für die ersten Gehversuche die geilsten Gesundheitslatschen, die es für Geld zu kaufen gab. Fußbett, flacher Keilabsatz, apfelsinenrote Riemchen, das Leder ist ohne Schwermetalle gegerbt, polierte Edelstahlschnallen. Sie wusste es, ihr würde sonst nichts geschenkt. Wie fest doch der Boden sein kann, wundert sie sich und schwankt nur ein bisschen. Beim Gehen klappert das Holz gegen die Fersen, als wollte es ihrem Herzen einprägen, alles sei erlaubt, außer im Leerlauf sterben. Seither lauscht sie dem Klang ihrer Schritte, je nach Untergrund ist er mal grell, wie im feinen Foyer ihres Kreditinstituts, mal unglaublich hohl, wie auf der Fußgängerbrücke von der Eheberatung zurück zur U-Bahn, und vor allem laut wie schallende Ohrfeigen, an Tagen, an denen sämtliche Oberlehrer der Stadt meinen besser zu wissen, was gut für sie sei. Sie schaut auf ihre Armbanduhr. Der Vertreter mit der neuen Kollektion ist noch nie pünktlich gewesen. Besser ist es, eine Nummer größer zu nehmen, Sohlen können Sie immer noch einlegen. Orange, die Farbe der Saison, Muttupfer in dunkler Jahreszeit. Allein der Wille zählt, denkt sie. Gleichwohl, zu klein ist eng und Hühneraugenpflegen verlorene Liebesmüh, denn wer sich im Herbst trennt, der trennt sich für immer.
    „Ham“, sagt das Kind.
    Sie öffnet die Frühstücksdose und nimmt das Brot heraus, ohne Butter, halbiert, die Kanten abgeschnitten und zusammengeklappt und der Käse darf nicht zwischen den Scheiben hervor stehen, sonst gibt es Gemecker, und reicht es dem Kind, das auf dem schmalen Fensterbrett sitzt und mit den Beinen baumelt. Die Schuhsohlen klopfen rhythmisch gegen die Wand, drucken schwarze Gummispuren auf das weißgetünchte Mauerwerk. Das Kind schüttelt heftig den Kopf.
    „Nein. Nein. Bobbi will Misi tinken“, sagt es und parkt sein kleines Feuerwehrauto auf ihrer Brust, führt es ihren Hals hinauf. Seine Wange schmiegt sich an ihre. Gemeinsam setzen sie sich auf die oberste Treppenstufe neben die Regale mit den Schuhkartons. Das Kind zerrt ungeduldig an der Bluse.
    „Ham“, sagt es.
    Sie öffnet die Knöpfe am Ausschnitt, schiebt den Büstenhalter hoch, wiegt den Busen in ihrer Hand. Weich wie eine Dampfnudel ist er, durchzogen von blauen Venen.
    „Ham“, sagt das Kind.
    Sein Mund ist weit geöffnet. Unten links bekommt es seinen zweiten Backenzahn. Sie legt das Kind an den Busen, spürt, wie die Milch zu fließen beginnt, hört das Saugen und Schlucken. Ist sie schön? Das Kind zerwühlt ihre kurzen Haare, zappelt mit den Beinen in der Luft. In ihren Kniekehlen sitzt seit Tagen schon ein stechender Schmerz. Sturmtief oder Schlafmangel? Und Bitterkeit. Gern schwarz wie die Seelen der Tugendwächter. Oder wie Bohnenkaffee. Frisch gebrüht von Hand, nicht mit der Maschine aufgesetzt, ihr zu liebe. Sonnenstrahlen rieseln durch die staubige Fensterscheibe auf ihr Gesicht, einem warmen Regen gleich, eine Maske aus Licht. Jung ist schön.
    „Ah“, sagt das Kind und lacht und klettert von ihrem Schoß.
    „Brmm-Brmm.“
    Sie füllt Wasser in den elektrischen Kocher und schaut dem Kind aufmerksam zu, wie es flink seinen windelgepolsterten Hintern in die Luft streckt, sich kräftig mit den Armen vom Boden abstößt. Unbeirrt balanciert es den rundlichen Körper auf seinen O-Beinen aus und saust los, als wäre es genauso auf die Welt gekommen.
    „Möchtest du noch Brot essen?“
    „Nein. Nein!“, sagt das Kind.
    Es haut auf ihre Hand, dass es brennt. Das Feuerwehrauto stürzt die Treppe hinab. Sie hält einen kurzen Moment inne, unterdrückt den Impuls zurückzuschlagen, glättet stattdessen die Falten im Rock.
    „Heb bitte das Brot auf.“
    Das Kind wirft sich vor ihre Füße und brüllt. Es tritt nach ihr. Sie macht einen großen Schritt über den speichelspuckenden Drachen hinweg und geht nach hinten ins Büro, ein Staubtuch holen. An der Pinwand über dem Schreibtisch grinst ihr Mann sie eselohrenschief an. Sie zieht die kleine Nadel aus dem Kork und nimmt das Foto in die Hand. Er und sie vor ihrem Lieferwagen auf der Schuhmesse in Düsseldorf. Hey, Sugar Plump Fairy! Seine Sohlen wären total durchgetreten, sagte er und sah sie an; einen langen Augenblick zu lange, und ob sie ihn mitnehmen könnte, in seine Pension in der Innenstadt, die Busse wären überfüllt und er wäre es nicht gewohnt, weite Strecken zu laufen. An seinen italienischen Lederschuhen schienen die Strapazen spurlos vorübergegangen zu sein, so wie die strahlten auf dem staubigen Schottergrund. Sie zögerte, dann zwängte sie sich durch die schmale Tür, die das Führerhaus vom Laderaum trennte. Moment! Ganz hinten stapelten sich die Musterexemplare. Hier, die müssten passen. Fang!, sagte sie, und, take a walk on the wild side. Wie eine Hellseherin aus den Linien einer Hand, sieht sie es Schuhen an, was sie über ihre Besitzer zu sagen haben. Kleinkrämer. Trotzdem hat sie ihn wieder getroffen. Schuld war ihre Eitelkeit, die schlechteste aller Ratgeberinnen. Muss Salz bevor, oder nachdem das Nudelwasser kocht, hinzugegeben werden? Ist die Haushaltskasse bereits Mitte des Monats leer, weil sie zu viel Geld ausgibt oder er sie nicht verdient? Und was ist mit den Grippeviren? Sind die ansteckend, weil oder, obwohl die Fenster im Schlafzimmer ständig geöffnet sind? Und vor allem dies; sie hätte das Kind von Anfang an von ihm entfremdet, treibe es in ihre Abhängigkeit und, anstatt es loszulassen, würde sie es in blinder Liebe zum Egoisten verziehen. Von nun an wird sie ohne die tägliche Überdosis Adrenalin auskommen müssen.
    Hallo Anita, ich hab mir mal wieder die Zehen blutig gescheuert. Sorry, einen Pantoffelhelden machst du aus mir nicht! Mit freundlichen Grüßen, Felix.
    Sie steckt das Foto zurück. Mit freundlichen Grüßen, Felix, flüstert sie vor sich hin. Da waren sie bereits drei Jahre zusammen gewesen.
    „Oh Mann“, sagt sie laut und tritt einen der umherliegenden Kartons gegen die Wand. Schuhsalon Emilie Ernst, krumm und schief steht es auf seiner zerknautschten Pappnase zu lesen. Von ihrer Urgroßmutter gegründet. Die erste Schuhmachermeisterin in Hamburg und einzige in der Familie, die sich treu blieb, statt irgendeinem windigen Freier die Stiefel zu lecken, nur damit er ihr die Türen ins Reich der gemeinen Küchenschaben aufhielt. Ein Fortschritt in die Vergangenheit, wie sie fand. Es sei denn, es kam einer, der Schuhgröße ab 46 trug. Natürliche Auslese, nannte sie das. Eine, wie die, wäre Gift für jede Beziehung, zu egozentrisch und es interessierte ihn schon lange nicht mehr, was Frauen dachten. Sie stand mit ihrem Kugelbauch am Kühlschrank wie angewachsen, eine Milchtüte in der Hand, öffnete den Mund und schloss die Lippen wieder. Es passierte nicht oft, dass sie nichts zu sagen wusste. Eigentlich spürte sie es damals schon, es rumorte in ihren Eingeweiden, es war Schluss. Eigentlich. Eigentlich gefallen ihm die neuen Stiefel nicht besonders, sie sind innen nicht einmal durchgehend ledergefüttert. Er probiert sie trotzdem, weil es ein Sonderangebot ist und sie fast um die Hälfte billiger sind. Ein Schnäppchen. Für den Alltag wie geschaffen zum Auslatschen und danach kommen sie eben auf den Müll. Nein, in schwarz haben wir leider keine da. Nur, das, was Sie im Schaufenster ausgestellt sehen, ist herabgesetzt. Es ist immer klüger, Ersatz zu haben, war bisweilen seine Devise gewesen. Ihr Blick schweift ziellos umher, sie kratzt irritiert am Mückenstich auf ihrem Ellenbogen. Was wollte sie? Eigentlich. An der Wand neben der Vitrine, in der ihre handgemachten Lieblingsschuhe sicher verwahrt sind, hängen zwei Urkunden. Beide schlicht gerahmt hinter entspiegeltem Glas. Zwei Schuhmachermeisterinnen, zwei, die nach Ladenschluss ihre müden Füße in Ingweressenz tauchten, statt Gurkenmasken aufzulegen. Sie saßen und quatschten und zählten das Geld in der Kasse, und schwiegen, sobald es in den Zehenspitzen zu prickeln begann. Unsere Spürnasen sind unsere Füße, Kind. Sie klappert zurück in den Verkaufsraum. Dort ist es verdächtig friedlich. Ein Schuh nach dem anderen, die mit Schnürsenkel sind ohne, hat sich wie von Geisterfüßen getragen im Laden zur wilden Stehparty gesellt. Das Kind ist ganz oben auf das Trittleiterpodest geklettert und lässt Papierschnipsel durch seine Finger zu Boden schweben.
    „Tuck mal Mama, Bobbi macht Schneegetober.“
    Sie entscheidet sich zu weinen. Greift das Kind von des Turmes Spitze, umarmt es, drückt es an sich, bis es schreit.
    „Nein. Nein. Bobbi will nicht.“
    Sie wirbelt es um ihre Achse. Hoch sollen sie leben, drei mal hoch.
    „Noch mal!“
    Alles dreht sich, die Fenster, Tür, die Schuhe und Kartons, wie auf einem Karussell. Der Boden unter ihren Füßen drosselt langsam das Tempo, als sie mit den Latschen klappert - und steht still.
    „Noch mal!“
    Staubtuch, fällt ihr wieder ein. Sie sollte ruhig öfter Durchdrehen, denkt sie. Ihr Kopf ist wie blank geputzt – herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Gemeinsam krabbeln sie und das Kind auf allen Vieren über die Dielen, reihen Kartons aneinander, vom Schaufenster bis zur Treppe staut es sich auf.
    „Die Feuerwehr tommt. Miemiemie!“
    Wühlen und schauen und suchen. Immer zwei gleiche Schuhe aus den Haufen fischen, nach Damen und Herren, groß und klein, sortieren und einwickeln in Seidenpapier. Es raschelt und kruschelt, als würde der Weihnachtsmann dieses Jahr alle Geschenke im Akkord für sich selber einsacken.
    „Tuck mal Mama, Schuh schlaft im Tuschelbettchen, Bobbi macht.“
    Nur zwei einzelne Klapperlatschen, apfelsinenrote Lederriemchen mit polierten Edelstahlschnallen, sind nicht füreinander bestimmt. Sie streift ihre ab. Passt und passt. Und es wundert sie kein bisschen. Wenn du was auf dem Herzen hast und ich nicht mehr bin, mache uns ein Fußbad, Kind.
    Unikat, Absatz neu besohlen, schreibt sie auf den Deckel. Sonderangebot.
    Das Kind erklimmt ihren Schoß und klatscht in die Hände.
    „Bobbi will Schuhlied sing.“

    Liebe Sonne scheine,
    auf meine schönen Beine,
    besser das Geld verkaufen,
    als Blasen in Latschen laufen.

    Der Rhythmus holpert das Kind auf ihren Knien auf und ab. Es quietscht vor Vergnügen. Sein Kopf, ein Gewirr aus flachsblonden Haaren, wippt und wackelt, statt an einem Hals, scheint er an einer Sprungfeder befestigt zu sein.
    „Ham“, sagt das Kind.
    Es rollt sich in ihren Armen zusammen.
    „Nein Bobbi, Mama möchte jetzt nicht.“
    Das Kind zerrt an ihrem Ausschnitt und brüllt und strampelt kräftig mit den Beinen in der Luft und schlägt ihr ins Gesicht.
    „Nein, das tut weh. Nein!“
    Sie hält seine Hand fest, bis sein Widerstand nachlässt. Sie umarmt das Kind, hält es, hält es aus.
    „Nein. Nein“, sagt das Kind.
    Sie streicht ihm die feuchten Strähnen aus der Stirn und fühlt seinen Nacken, heiß und verschwitzt. Das Kind richtet sich auf. Es klopft auf ihren Busen und zieht einen Schmollmund, dass sie sich abwenden muss, damit es nicht sieht, wie sie grinst.
    „Ham“, sagt das Kind.
    Es rutscht von ihrem Schoß, steht einen Moment bewegungslos, dann rennt es zur Treppe und hebt das Brot vom Boden auf und schon ist es wieder zurück auf ihrem Schoß. Es klappt die Hälften auseinander und nickt und klappt sie zusammen und beißt ein großes Stück ab.
    „Ham, Käseboot.“
    Krümel fliegen in alle Himmelsrichtungen und Krümel kleben am Mund. Das Kind wischt sie mit dem Pulloverarm einmal quer über sein Gesicht. Sie streichelt währenddessen kleine Kreise auf seinen Rücken im Sekundenzeigertakt. Eigentlich hatte sie sich ein Mädchen gewünscht. Eigentlich. Eigentlich wollte er keine Kinder. Sie fürchtet sich vor seinem Panzerschrank und vor den leeren Fußstapfen, die er seinem Sohn hinterlassen wird. Als das Kind satt ist, setzt sie es auf ihre Hüfte und geht hinüber zur Kasse, nimmt den Schlüssel vom Haken, schließt die Ladentür auf und schiebt den Holzkeil unter den Rahmen. Eine kühle Brise aus Nordwest weht Bratfischgeruch in ihre Nase. Und das monotone Brummen der Ladekrankatzen vom Containerterminal, wie ein wohlmeinendes Schulterklopfen in alter Freundschaft, stimmt sie unvermutet zuversichtlich. Sie klappert ein paar Schritte über den Bürgersteig.
    „Tuck mal Mama.“
    Das Kind kreischt in ihr Ohr hinein. Es starrt auf die Gehwegplatten, zeigt mit ausgestrecktem Finger auf etwas Geflügeltes, das in einer der moosbewachsenen Ritzen hockt.
    „Oh, eine Heuschrecke.“
    Wieselflink rutscht es an ihrem Bein hinunter, sein Fuß schnellt nach vorne, zack, die Heuschrecke ist platt.
    „Tschüs Heuschecke!“
    Zarte Kinderseelen?, denkt sie und will ihm erklären, dass. Doch es ist schon wieder auf und winkt und davon gerannt und im Laden verschwunden. O haua haua haua ha! Die Müllmänner sind heute früher da, als gewöhnlich. Sie zerren die Eimer hinter sich her, als wollten sie sich die Arme ausreißen. Die Räder holpern im Kanon über das regenfeuchte Kopfsteinpflaster. Der Funkenflug einer Kippe landet im Rinnstein. Ihre erste Sternschnuppe heute. Wünsch dir was. Das Gebiss des Müllmanns ist makellos weiß. Er grinst bis über beide Ohren, tippt sich zum Gruß an die Stirn, drückt den Hebel an der Kippvorrichtung nach unten und lässt die Tonne sanft zu Boden gleiten. Sie reibt die Handflächen gegeneinander. Der Kaffee ist fertig, denkt sie, schaut sich um nach rechts, links, es stinkt nach Katzenpisse, und klappert zur Ladentür hinein. Dem Schuhvertreter wird sie eine Nummer kleiner empfehlen. Die Müllmänner ziehen weiter zum nächsten Hofeingang. Apfelsinenrot leuchten ihre Anzüge, wie die Lederriemchen an ihren nackten Füßen, wie die Erscheinung im Himmelblau - vergiss den Ingwer nicht. Sie blinzelt zurück und dreht das Pappschild an der Scheibe um: Geöffnet

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Geburtstag

    Also fang ich mal mit dem Kleinkarierten an, über den Inhalt, so ich dazu überhaupt berufen bin, sage ich ein andermal etwas:

    Geburtstag
    Es ist Montag morgen und es ist ihr Geburtstag.
    Mach zwei Sätze draus und vermeide das doppelte "es ist": Sie hat Geburtstag. Es ist Montag Morgen.
    Sie hat am Wochenende endlich alle Schuhe mit den hohen Absätzen in einen blauen Plastiksack verschnürt und in der Spendetonne von St. Michaelis versenkt.
    Sehr umständlich erzählt! Mach auch hier zwei Sätze draus: Am Wochenende steckte sie die Schuhe in einen Plastisack. Dann entsorgte sie sie.
    Pfennigabsätze erklärte er zu erogenen ?, doch eher erotischen Zonen.
    Das "er" kommt zu unvermittelt. Halte dich ein wenig länger bei den Schuhen auf. Zudem verrätst du hier bereits zu viel.
    Tag für Tag war sie damit beschäftigt gewesen, ihr Gleichgewicht auf Zehenspitzen zu suchen, statt sich auf den Kopf zu stellen.
    Da taucht das Problem auch schon auf: "Er" verschwindet wieder und ihre vordergründige Plage mit den Schuhen ist nicht mehr nachvollziehbar, da der wahre Grund ihrer Ablehnung bereits im vorigen Satz fiel. Das mit dem "auf den Kopfstellen" ist auch so eine"Psychologie-Heute"-Formulierung, die mich störend, weil sie deine Figur neben sich stellt und ein Ausrufezeichen des Autors setzt: "Seht her!"
    Nun denk doch auch mal an dich, pflegte er zu sagen, warum keine Anführungszeichen? Weiter unten benutzt du welche und meinte sich und schaltete den Fernseher ein. Feierabend.
    langweilige "und"-Kopplung, zudem etwas zu einfach. Ein Mann und sein Fernseher. Nimm ihn hier doch noch ganz raus, hole lieber ihre Schwierigkeiten, mit den Pumps zu laufen, noch etwas aus.
    Während irgendeiner "irgend einer" ist der Klassiker der Autoren, die nicht beschreiben können, es gehört auf die Liste der verbotenen Wörter dieser öden Seifenopern (,) fing sie tatsächlich an zu denken.
    boah, das Weibchen denkt! Und da heißt es immer, ich hätte Vorurteile! Verstehst du, trägt sie jetzt Birkenstock, weil sie für sich erkannt hat, dass sie gesund sind oder trägt sie sie aus Opposition?
    Schließlich gönnte wann? Noch am Wochenende? Vor dem Wegschmeißen der anderen Schuhe oder danach? Verstehst du, das ist für ihre Motivation (s. o.) wichtig sie sich für die ersten Gehversuche die geilsten (?) Gesundheitslatschen, die es für Geld zu kaufen gab( Fußbett, flacher Keilabsatz, apfelsinenrote (apfelsinenrot? ist das orange?) Riemchen, das Leder (ist) wenn schon keine Verben, dann auch keine Hilfszeitwörter ohne Schwermetalle gegerbt, polierte Edelstahlschnallen. Sie wusste es, ihr würde sonst nichts geschenkt.
    hmm. Verstehe ich den Satz? Diese Schuhe wurden ihr doch auch nicht geschenkt.
    Wie fest doch der Boden sein kann, wundert sie sich und schwankt nur ein bisschen.Kann man auf Gesundheitslatschen schwanken? Beim Gehen klappert das Holz gegen die Fersen, als wollte es ihrem Herzen einprägen, alles sei erlaubt, außer im Leerlauf (?) (zu) sterben.sehr dramatischer Satz! Mach auch hier zwei draus. Seither lauscht sie dem Klang ihrer Schritte,(. Je) je nach Untergrund ist er mal grell, wie im feinen Foyer ihres Kreditinstituts, mal unglaublich hohl, wie auf der Fußgängerbrücke von der Eheberatung zurück zur U-Bahn, und vor allem laut wie schallende Ohrfeigen, an Tagen, an denen sämtliche Oberlehrer der Stadt meinen besser zu wissen, was gut für sie sei.ganz schlechter Satz, überkompliziert. Von der Idee her nicht schlecht, diese Physionomie des Laufens, aber hier entweder zu kurz ausgeführt oder überflüssig, weil zu sehr über der Person stehend. Hier habe ich als Leser den Eindruck, der Autor will mich überrumpeln.
    Sie schaut auf ihre Armbanduhr.Wann? Jetzt? Am Montag Morgen? Mir geraten die Zeiten etwas durcheinander. Diese Schuhe, seit wann hat sie die? Jetzt sind es nämlich plötzlich Tage, die sie Birkenstock trägt. Der Vertreter mit der neuen Kollektion (geht es jetzt wieder um Pumps?) ist noch nie pünktlich gewesen. (")Besser ist es, eine Nummer größer zu nehmen, Sohlen können Sie immer noch einlegen.(") Orange, die Farbe der Saison, Muttupfer schönes Wort, aber das nur am Rande. Habe allerdings drei Ansätze gebraucht, um es zu entziffern. in dunkler Jahreszeit. Allein der Wille zählt, denkt sie. Gleichwohl, zu klein ist eng und Hühneraugenpflegen verlorene Liebesmüh, denn wer sich im Herbst trennt, der trennt sich für immer. oha, Rilke lässt grüßen, ist ja belesen, die Frau.
    „Ham“, sagt das Kind.
    Guter Übergang!

    Für heute reicht's erstmal,

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Geburtstag

    moin klammer,

    danke dir herzlich für deine kritik.
    am wichtigsten sind deine kommentare zur "verwirrung" beim lesen. hoffte, es würde sich im gesamten erschließen.
    bisschen -wo bin ich? was soll das?, ...- ist durchaus beabsichtigt, darf aber nicht ins chaos führen. klar.

    kopfstellen - fand ich auch nicht so klasse -ich suche noch.
    fernsehen. mal schauen ...
    irgendeiner - in dem zusammenhang -eine wie die andere soap - finde ich passend.
    klang der schuhe - satz zu kompliziert? wirklich?
    überrumpeln? hm.
    ja, ja, frei nach rilke und dem neubau im herbst

    zeitlich muss ichs wohl tatsächlich noch präzisieren.
    ihre motivation klammer - das ist deine sache
    manchmal denkt frau nur, dass sie denkt *g* -ist das bei männern nicht auch so???
    interessant.

    mal eben ganz spontan in die tasten gehauen.
    in meinem kopf gehts rund

    thanx!

    Tag für Tag war sie damit beschäftigt gewesen, ihr Gleichgewicht auf Zehenspitzen zu suchen, statt ein Fußbad zu nehmen, so wie wie früher, als sie sich nur auf das einließ, was sie wirklich beherrschte.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Geburtstag

    Hi, Eulalie,
    wir kennen uns noch nicht so recht, gehen einander hier aus dem Weg - ich habe Gründe dafür, die ich benennen kann. Soll ich? Ich bin kein Freund dieser Emanzen-Erweckungsgeschichten: "Früher wollte ich den Kerlen gefallen, idiotisch wie ich damals war, aber jetzt still ich mein großes Kind in aller Öffentlichkeit und trage Gesundheitslatschen und setze die Tradition meiner emanzipierten Großmutter fort." Das ist mir zu eindimensional. Auch die Frau, die den Männern gefallen wollte, war in sich schlüssig - und wenn ich hier jemanden verstehen kann, dann ist es der abgehauene Partner: Es gibt einfach Frauen, bei denen ist der Mann abgemeldet, sobald das Blag da ist. Und so eine ist das hier, die wird ihren Sohn noch an die Brust legen, wenn er verheiratet ist. Also: Ich sehe keine wirkliche Offenheit für die vielen Rollen der Frau, sondern kampfemanzenhafte Einseitigkeit - und die langweilt - finde ich. Es kann sein, dass diese flotte Schuhkauffrau schon in wenigen Tagen wieder auf Pumps herumläuft - weil sie einen Typ getroffen hat, der ihre Hormone in Wallung bringt - so what? Die wildesten Emanzen lechzen am meisten nach Unterwerfung unters Männliche - halten das aber meist geheim, weil sie sich von den Gesinnungsgenossinnen nicht beschimpfen lassen wollen - that's it.
    Was in der Geschichte drinsteckt, ist eine lustige Erzählung über all das, was eine Frau erlebt, die ein so großes Kind noch stillt. Kennst du "Helenens Kinderchen" von Habberton? über 100 Jahre alt - aber entzückend - und da kommt ein Toddie drin vor, der genauso spricht wie der Kleine bei dir. Immer wieder will er die Räder in der Taschenuhr seines Onkels sehen: "Läder lumlaufen lassen!" Oder: "David haut Doliath den Topf ab!" Entzückendes Buch.
    Ich kommentiere, weil Du Dich in der "Zukunft der Forenwelt" indirekt auch über mich beschwert hast. Stimmt, ich hätte dich mehr beachten sollen - tut mir leid. Im ganzen finde ich deinen dortigen Beitrag bei aller Polemik sehr beachtlich. Wie du dich in dies Macho-Forum hast verlaufen können, ist mir eh ein Rätsel, hängt aber wahrscheinlich mit dem oben Gesagten zusammen.
    Deinen Beitrag unter meinem Klammer-Kommentar versteh ich nicht.

    Gruß Quoth


    Der Vergleich der Brust mit einer Dampfnudel - der ist scharf!




    [Diese Nachricht wurde von Quoth am 30. Oktober 2002 editiert.]

  5. #5
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    AW: Geburtstag

    huch qouth *freu* ehrlich *schw?r*

    weißt du, was mein problem ist, mit dir, mit hannemännchen, teilweise robert, ihr seid verdorben worden in der echten welt, wie mir scheint, u. a. von echten scheißblöden frauen, die gibt es zu hauf. ich weiß. und leider!
    umgekehrt geht es mir genauso. ich kenne zu viele männer, schaut e. hinter die kulissen, is da nix. fragt e. sich - wo in HERRGOTTsnamen (so wars bei meinem kommentar in klammers orden gemeint - weiß alles, kann alles, ...) haben die ihr selbstbewusstsein geklaut. will auch so was haben
    ergo, das führt dazu, z. b. einem text mit vorurteilen zu lesen, kaum, dass da ein wort wie -gesundheitslatschen- auftaucht (die dinger sind heutzutage sowas von oberaffengeil. nicht die von birkenstock, die von original berkmann z. b. (musste jetzt mal sein der name). das hat NULL mit lilalatzhosenimmage zu tun. NULL.
    dein kommentar hier, stimmt mich milde, weil ich gerade dein hirn meine zu entdecken und büschen herz auch)

    zu deiner textkritik.
    erstmal - danke für den buchtipp. ich schaus mir sicher an

    ja, der text handelt von einer momentaufnahme einer mutter, die ein kleinkind stillt (übrigens ein spannendes thema, weil in anderen kulturkreisen völlig normal, auch für männer und es kursieren darüber so viele ammenmärchen, in zeiten der i&k gesellschaft ein zeichen von ignoranz schlechthin), die von ihrem macker verlassen wurde (wer sagt dir, dass e. nicht auch was für ihn übrig hat? ), die versucht wieder zu sich zu finden. und morgen kommt der nächste und alles is schnee von gestern. may be. ich hoffe nicht

    nochmal zum stillen. an anderer stelle wurde mir von andrea vorgeworfen, ich solle das thema nicht instrumentalisieren oder so ähnlich. fand ich ziemlich frech, schließlich ist es meine hausfrauliche freiheit, zu dichten, wie und was ich will. und eins kannst du mir wirklich glauben quoth, gegen sie ist e. höchstens ein emanzenkäferchen, wenn überhaupt.

    alls klar?!

    lg
    e.

  6. #6
    Bauer Hans
    Laufkundschaft

    AW: Geburtstag

    erstellt von eulalie:
    übrigens ein spannendes thema, weil in anderen kulturkreisen völlig normal, auch für männer
    Herrschaftzeiten, nun kommst Du mir entgegen: Stillen, ich probier das schon lange. Gefühl wäre schon da, wenn eine richtig nuckelt, an der Milch fehlt es halt. Meine Milch (der reinen Weisheit) lauert an anderer Stelle, und sie zu entdecken ist gar nicht schwer: Weiter eifrig nuckeln!

    Eulalie, Du erheiterst mich auf meine alten Tage. Bleib bei uns, gibt eh so wenig zum Lachen.

  7. #7
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Geburtstag

    Eulalie hatte sich tatsächlich hierher verlaufen. Aber auch das Verlaufen hat seinen Sinn. Sie war jedenfalls keine sehr unangenehme (literarische) Erscheinung.
    Pflegen wir hier machismo?

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