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Thema: Tausend Tränen tief

  1. #1
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    Tausend Tränen tief

    Herbst, die Abendstunden übersäuern,
    Papier und Tinte, Wein, ein Blatt Papier,
    Worte führen nicht aus den Gemäuern,
    kalter Stein und tausend Jahre hier.

    Nur wer loslässt kann in Stille trauern,
    hoffe, wie der Samen auf den Wind,
    die Zukunft, sie liegt ausserhalb der Mauern,
    an denen wir noch festgekettet sind.

    Unter Vogelstimmen Glockenläuten,
    du legst ein blaues Armband in den Brief,
    ein letzter Schrei, wohl auch ein erstes Häuten,
    befreiend, und doch tausend Tränen tief.

  2. #2
    Carlo Tr.
    Laufkundschaft

    AW: Tausend Tränen tief

    Das ist schön.
    Es berührt mich, wie fast alle Gedichte von Dir.
    Danke dafür.

  3. #3
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Tausend Tränen tief

    Dankeschön! Den Titel habe ich mir bei Blumfeld geborgt - eine deutsche Band, die einst ein gleichnamiges Lied, übrigens ein sehr schönes, schrieb.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Tausend Tränen tief

    Zu meiner Schande muß ich gestehen, nicht an das Blumfeld-Lied gedacht zu haben, obwohl ich es ab und zu höre, zuletzt am 19. Juni d.J., wenn ich meinem Abspielprogramm Glauben schenken darf.
    Beide Produkte besitzen eine ähnliche Grundstimmung, wobei Dein Text nicht den Bruch besitzt, den Blumfeld in seinem Lied setzt. Bei Dir ist dieser Bruch schon von Anfang an da, daher ist Dein Text ein Stück Postmoll, Blumfeld dagegen singt und schreibt in Moll.
    Dichter sollten Gedanken, die mit der Zukunft zu tun haben, vorsorglich erschießen. Ich bin zur Zeit genau damit beschäftigt. Es ist Schwerstarbeit.


  5. #5
    Carlo Tr.
    Laufkundschaft

    AW: Tausend Tränen tief

    Das Lied berührt mich gar nicht.
    Für mein Gefühl gibt es da keine Verbindung; bis auf den Titel.

    Du a.D., schreibst die besten Gedichte hier. Die älteren gefallen mir fast immer besser.
    Mit Deinen Gedichten machst Du mich manchmal sichtbar.

  6. #6
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Tausend Tränen tief

    Ich hatte mir lediglich den Titel geborgt, ansonsten war von mir keine weitere Übereinstimmung angestrebt. Die haben viele gute Texte geschrieben, aber nur selten eingängige Melodien dazu. Graue Wolken ist ein weiterer Song, der mir in Erinnerung geblieben ist. Das Kommerzielle stand bei denen vermutlich nicht an erster Stelle

  7. #7
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    AW: Tausend Tränen tief

    Hm. Ich könnte das jetzt zerlegen und viele Fragezeichen setzen. Will ich aber nicht. Wer bin ich, dass ich Anderer Gedanken und Gefühle behäme, nur weil sie nicht meiner Fasson folgen? Mir persönlich ist die Aneinanderreihung klangvoller und anregender Wörter zu beliebig. Zu viele bedeutungsschwangere Begriffe auf zu engem Raum.

    Aber, wie gesagt, nur meine urpersönliche Reaktion auf den Text.

  8. #8
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Tausend Tränen tief

    Danke! Zerlegen wäre auch ok, ich bin da nicht empfindlich. Jede ehrliche Meinung zum Text ist mir lieb und recht.

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Tausend Tränen tief

    Herbst, die Abendstunden übersäuern,
    Papier und Tinte, Wein, ein Blatt Papier,
    Worte führen nicht aus den Gemäuern,
    kalter Stein und tausend Jahre hier.

    Nur wer loslässt kann in Stille trauern,
    hoffe, wie der Samen auf den Wind,
    die Zukunft, sie liegt ausserhalb der Mauern,
    an denen wir noch festgekettet sind.

    Unter Vogelstimmen Glockenläuten,
    du legst ein blaues Armband in den Brief,
    ein letzter Schrei, wohl auch ein erstes Häuten,
    befreiend, und doch tausend Tränen tief.





    Das ist keine literarische Kritik, nur meine Assoziationen zu dem Gedicht.


    Herbst, Papier, Tinte, Wein, Gemäuer, Stein Stille, Samen, Wind, Zukunft, Mauern, Vogelstimmen, Glockenläuten, Armband, Brief, Schrei, Häute, Tränen. Das sind in 12 Zeilen 18 Begriffe, von denen jeder für sich allein für ein Gedicht reicht. Diese Dichte an bedeutungsschwangeren, fantasiebefeuernden Wörtern erstickt – für mich – die doch luftige Grundstimmung des Gedichts.


    In Zeile 2 find ich 2-mal Papier. Absicht?


    Nur wer loslässt, kann in Stille trauern …..... das versteh ich nicht. Meist ist Loslassen eine Voraussetzung für die Überwindung der Trauer. Wer in Stille trauert, hält noch fest – wenigstens in meiner Vorstellung. Und dann plötzlich sind wir – wieso wir? Nicht ich? - an Mauern festgekettet. Ein Bild, das die ersten zwei Zeilen dieser Strophe konterkariert. Warum, bleibt offen.


    Vogelstimmen, Glockenläuten, ein letzter Schrei, ein erstes Häuten ….. klingt nach Aufbruch, eben 'befreiend' – 'und doch tausend Tränen tief' ….. schief; Rückfall? Erinnerung? Noch immer angekettet?


    Sehr schön finde ich die letzten Wörter in den Zeilen 2 und 3. Wenn beabsichtigt, sehr fein! Wenn Zufall, umso besser.


    Zeilen 2: Papier, Wind, Brief ….. stell mir vor, wie der Wind das Blatt Papier wie einen Brief transportiert


    Zeilen 3: Gemäuer, Mauern, Häuten … was für ein Kontrast zu den Zeilen 2! Mit einem Schuß Hoffnung auf Befreiung durch das Häuten …..




    Insgesamt überwiegt bei mir der Eindruck des Beliebigen, Unentschlossenen, Willkürlichen. Fügt sich nicht zu einem Bild. Formal lückenhaft, fragmentarisch, zerrissen. Inhaltlich reizvoll, die Vorstellung anregend, luftig, trotz Stein und Gemäuer …...

  10. #10
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    AW: Tausend Tränen tief

    Zitat Zitat von anderedimension Beitrag anzeigen

    Ich hatte mir lediglich den Titel geborgt ...

    Wie können Sie den Titel borgen, ohne gefragt zu haben? Ist das Borgen?

    Blumfeld hat sich Tausend Tränen tief nicht ausgedacht, das muß jemanden schon früher eingefallen sein.
    Ich mag das Lied; es ist ja klar, daß Blumfeld nicht mehr Platten als Howard Carpendale verkauft.

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