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Thema: Unser Goethe-Ordner

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    27.April 2000
    Beiträge
    28
    Renommee-Modifikator
    0

    Post Unser Goethe-Ordner

    Ganymed


    Wie im Morgenrot
    Du rings mich anglühst,
    Frühling, Geliebter!
    Mit tausendfacher Liebeswonne
    Sich an mein Herz drängt
    Deiner ewigen Wärme
    Heilig Gefühl,
    Unendliche Schöne!


    Daß ich dich fassen möcht'
    In diesen Arm!


    Ach, in deinem Busen
    Lieg' ich, schmachte,
    Und deine Blumen, dein Gras
    Drängen sich an mein Herz.
    Du kühlst den brennenden
    Durst meines Busens,
    Lieblicher Morgenwind,
    Ruft drein die Nachtigall
    Liebend nach mir aus dem Nebeltal.


    Ich komme! Ich komme!
    Wohin? Ach, wohin?


    Hinauf, hinauf strebt's,
    Es schweben die Wolken
    Abwärts, die Wolken
    Neigen sich der sehnenden Liebe,
    Mir, mir!


    In eurem Schoße
    Aufwärts,
    Umfangend umfangen!
    Aufwärts
    An deinem Busen,
    Alliebender Vater!




    mich interessiert, was goethe mit diesem gedicht ausdrücken wollte.
    hauptsächlich geht es mir um ganymed. warum wählt goethe gerade ganymed als titel?


    [Diese Nachricht wurde von Bo am 26. September 2000 editiert.]

  2. #2
    Alex
    Laufkundschaft

    AW: Unser Goethe-Ordner

    Hi Bo!


    Goethe stellt in "Ganymed" den Menschen Gott gleich. Er behauptet, auch im Menschen stecke etwas Göttliches.


    Ganymed selbst, ein griechischer Jüngling und Königssohn von besonderer Schönheit, wurde von Zeus auf den Olymp geholt, um dort den Göttern zu dienen. Zeus muss also irgendetwas an Ganymed gefunden haben, dass ihn überzeugte, dass dieser es wert sei, auf den Sitz der Götter zu kommen. (Ob dies nun seine Schönheit war, die Zeus überzeugte ...?)


    Davon ausgehend scheint Goethe die Figur Ganymeds als historischen Beweis für seine Behauptung zu nehmen. Ganymed muss etwas Göttliches besessen haben, sonst hätte Zeus ihn nicht auf den Olymp geholt. Dies hat Goethe verallgemeinert und "gesagt", jeder Mensch besäße einen Funken an Göttlichkeit, der ihn gottesgleich macht.


    >Dies ist natürlich nur eine Vermutung. Strafe mich Lügen, wer immer auch kann!<


    Alex

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Unser Goethe-Ordner

    Kurzinterpretation


    1. Teil:
    -aus der Ferne erwächst im Frühling die nach Taten dürstende Sehnsucht
    -die Schönheit will umworben und ergötzt sein


    2. Teil:
    -der Konjunktiv wird verlassen, nunmehr der Ruf nach Aufnahme
    -Tal, d.i. ein Antonym zu den Höhen des Olymp
    -Zweifel am Aufbruch (der Gute kommt nicht)


    3. Teil:
    -er scheint zu kommen

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Unser Goethe-Ordner

    Es ist gerade die Macht Zeusens, daß er holen kann, wen immer er will. Ganymed muß nicht etwas Göttliches besessen haben, um auf den Olymp geholt zu werden. Es war die Wollust am Schönen, etwas für die Griechen Fundamentales. Das Schöne in Form eines Weibes, eines Knabens: Wo war da für Zeus der Unterschied? Das Schöne ist göttlichen Ursprungs; insofern, Alex, mag Dein Ansatz etwas für sich haben, aber das Schöne als solches ist akzidentiell, ein Außen, nicht Macht, sondern Ausdruck von etwas, wir nennen es das, was uns in Freiheit versetzt. So auch Goethe, denke ich. Das Schöne war ihm bestenfalls Ansporn, einer Neigung zu entsprechen und sich in ihm zu versenken, nicht das Göttliche selbst.

  5. #5
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Unser Goethe-Ordner

    Das Schöne ist Ansporn.


    Diesen Gedanken wollen wir festhalten und bewahren.

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    0

    AW: Unser Goethe-Ordner

    Ganymedes, im griech. Mythos Sohn des dardanischen Königs Tros und der Nymphe Kallirrhoe, wurde wergen seiner Schönheit nach der gewöhnlichen Sage vom Adler des Zeus in den Olymp entführt, wo er in ewiger Jugend das Amt eines Mundschenken verwaltet. Und wurde von den Astronomen unter dem Namen des Wassermannes unter die Sterne versetzt.


    soweit zum hintergründigen

  7. #7
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    19

    AW: Unser Goethe-Ordner

    Ein bißchen viel Busengejodel!

    Textarbeit zu Goethen:

    Wie im Morgenrot... Geliebter (maskulin)... deiner ewigen Wärme heilig Gefühl, unendliche Schöne (feminin)!
    Zwitter, oder was?

    Ach, in deinem Busen... also doch, der Jüngling hat schon einen Busen.
    Eindeutig zu fett, falsch ernährt.

    Du kühlst den brennenden Durst meines Busens... komische Anatomie, Kehle ist dem Guten wohl nicht eingefallen... aber dann kömmts dicke: Morgenwind (Mit Geruch?), Nachtigall und Nebeltal, mehr Sülze geht wohl nicht?

    Ich komme, ich komme!
    Oh ja, oh ja!
    Mir kommts ebenfalls!

    Wohin?
    Weiß er auch nicht.

    Hinauf, hinauf strebt's, es schweben die Wolken abwärts... ja, wohin denn nur, rauf oder runter?

    Und dann noch den Vater vernaschen... also wirklich!

    Herr Goethe, setzen sechs!

  8. #8
    mariana
    Laufkundschaft

    Goethe: "Der Zauberlehrling"

    hallo!
    könnte mir bitte irgendwer helfen?
    ich soll das gedicht "der zauberlehrling" mit der darstellung des zauberlehrlings von disney vergleichen, musikalisch sowie auch von der handlung her! kann mir bitte irgendwer helfen?
    vielen dank schonmal!

  9. #9
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Goethe: "Der Zauberlehrling"

    musikalisch? wußte nicht, daß goethe den text vertonte!


    http://www.moviebazaar.de/filmfan2.htm

    wesentlicher unterschied: mickey kämpft mit den tücken des objekts, der goethesche zauberlehrling übertritt das gebot der achtung gegenüber seinem meister. mickey bewährt sich und dreht die chose in eine eher lustvolle auseinandersetzung mit den widrigkeiten des daseins, bei goethe ist der zauberlehrling eher hülflos diesen ausgesetzt. meta-botschaft: wir amerikaner werden noch immer mit dem europäischen hokuspokus fertig.

  10. #10
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Goethe: "Der Zauberlehrling"

    (Disneys Zauberlehrling)

    Ich stimme Roberts Interpretation nicht zu. In beiden Fällen setzt sich der Zauberlehrling über das Achtungsgebot seines Meisters hinweg und lässt sich auf Mächte ein, die stärker sind als er selber. Mikey bewährt sich nicht, denn sowohl im Film als auch bei Goethe muss der Hexenmeister eingreifen. Richtig ist, dass Disneys Zauberlehrling lustiger ist.

    Im Prinzip ist die Botschaft in beiden Fällen die gleiche. "Überschätze dich nicht!" In dem Trickfilm ist das "Walle Walle" beeindruckender umgesetzt, als bei Goethe. "Die ich rief die Geister, werd ich nun nicht los" ist auch erkennbar.

    Kann man das Original überhaupt mit der optischen Umsetzung vergleichen? Es werden unterschiedliche Vermittlungswege gewählt. Im Film wird nicht mit Worten operiert, bei Goethe nicht mit visuellen Elementen. Das zu vergleichen ist so, als ob man Kochen von Suppe mit Verzehr derselbigen vergleichen möchte. Ich höre, wie es riecht bzw. hier: ich lese, wie es aussieht.

    Man könnte den Film mit Goethes Gedicht vertonen. Ein Sprecher aus dem Off, der mit dem Original kommentiert. Ich habe es ausprobiert. Das geht.

  11. #11
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Cool AW: Unser Goethe-Ordner

    busengejodel ist ein schönes wort. allerdings wird der busen als das zu verstehen sein, was das herz schützt. der brennende durst ist demnach der liebesschmerz, nicht die trockenheit der kehle.

    solche gedichte liest man heutzutage selten aus der feder junger dichter. ich glaube, sie schämen sich VORAB schon mal, wenn ihnen worte wie busen, geliebter oder ähnliches aus der feder schlüpfen.

  12. #12
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Unser Goethe-Ordner

    Dafür, daß wir uns hier Dichter schimpfen, ist unser Goethe-Ordner ausgesprochen dünn. Hat uns der Mann so wenig zu geben?

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