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Thema: winterm ofen

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post winterm ofen

    es hat sich eingewintert. pelz und gefieder kälten eisig ergriffen. frostglitzern sternt himmel durchnacht. weissblumen verfenstern den blick. tagung vergraut in zwischenzeit. sonnenverhangen müden sich kohlrabenschwärme durchlüften. wild waldet ungestillt. stadt grellt lichtversmogt und ausgel?rmt. hirnverbrüht punscht mensch vollmunden. in letzten zügen der advent zu grundet. zerweihnachtet starrt kind in scheiben. die glänzekugeln aufgebäumt ermatten. krippaler husten tönt durch stille nacht. im psalmenhain die orgeln metten christen heim. und esel ohren glockenklang. sie kirchen durch den schnee, beschuht und übermützt. und morgen wird der braten ofen, vernasen durch die düfte, dann aufgetafelt und verschlundet. der tag ausfeiert und entstundet familiengerundet. der wind drausst um das haus, das scheu reht still und starr. sieh dächer rauchen und schreiben in die luft mit heissem hauch. brüh am morgen tee ich auf und rinde zimt zu nelken. und warte winterm ofen, dass eisesblumen welken.

  2. #2
    Bauer Hans
    Status: ungeklärt

    AW: winterm ofen

    voll stolz hack ich holz, den ofen zu heizen, kalte glieder zu spreizen. die fenster bereift, der hund arg versteift. eine ente im rohr, nehm ich mir vor, mach hoch das tor, der hund taut auf, den mund mach weit, ich liebe diese winterzeit.


    Schöne übung das, eulenspiegel. übrigens, zwei eulen wohnen auf meinem hof, guckten sie spiegel, schauten sie doof.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: winterm ofen

    na, eule, gib es zu: du hast auch mit der Lyrikmaschine gespielt.


    klammern zagt texten. wortet zerwirrung sinnbefreie zeitverdrussartigkeit. erz euger heitert zwischelnd durch luftende kühltat.
    amen sprecht verklammert gebetet. befreitet sich von arbeitlich düsterhaben.
    geht einen saufen.
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: winterm ofen

    Das ist gut für zehn Minuten. Immerhin. Dann nervt es. Warum? Ganz gleich, wie gut der Schreiber ist, der Zuhörer erträgt es einfach nicht länger, denn seine Wahrnehmung wird ständig verdreht, wird aufgefordert, sich selbst auszusetzen, was anfangs witzig ist, eben das Ungewollte zum Maßgeblichen macht, doch wer kann schon ewig/lange mit einer Grundlüge leben? Das schafft keiner.


    Und so bleibt diese Verwirbelung das, was sie eben ist, ein Spaß für zehn Minuten.

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: winterm ofen

    immerhin!

    da muss ich jetzt mal nachfragen, Robert.

    hat sprache für dich nichts sinnliches? sind wörter nur sinnträger und nicht auch sinnesanreger? für mich ist das werken mit worten, das um-worten und dabei beobachten wie mit dem um-worten ein um-sinnen einhergeht - und natürlich auch un-sinnen - eine sinnliche erfahrung; mag sein, dass es den leser nervt, den autor regt's an und (ihm) macht's spass.

    gruss eule.



    [Diese Nachricht wurde von eulenspiegel am 11. Dezember 2002 editiert.]

  6. #6
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: winterm ofen

    Was ist Spass? Nässe? Blässe?


    Mein Sinnlichkeitsempfinden gegenüber dem Sprachkörper beginnt mit einer möglichst korrekten Wiedergabe des Sinns durch den bedeutenden Buchstaben. Ein Wort wie Spaß durch Spass zu ersetzen ist eine Verunsinnlichung des Wortkerns, der eben auf Länge und wohlverstandenes Beharren auf das langgezogene A gerichtet ist.
    Wenn das geklärt ist, bin ich auch bereit, mich auf Verhohnepiepelungen und freudvolle Wortakzentverschiebungen, Kalauers Bruder, einzulassen.


    So ist's mir einmal nichts.

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: winterm ofen

    es ist halt nicht so, wie du es gern hättest. die länge, betonung etc. sind ausspracheabhängig. es gibt regionale prägungen, wo ganz gegen deine regeln gesprochen wird. spasz z. b., wird in manchen nordteutschen dialekten wie spass ausgesprochen.


    und nu?

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: winterm ofen

    Hab ich echt ein Problem. Deiner Meinung nach sind Regeln sinnlos. Also gelten die, die man selbst aufstellt, die nur dann der eigene Horizont umfaßt. Ich mag Dialektfärbung, besonders dann, wenn ein Niederöstreicher sein SS-Geschreibe mit dem plattdeutschen Gebrauch eines langen Vokals erklärt. Die sprechen dort auch ut für aus und min für mein. Gehst Du itzt die Diphtongierung fürs Regeldeutsche auch an?


    Im Deutschen galt über Jahrhunderte die Grundregel, daß Worte nicht auf s enden durften. Das S ist ein heiliger Buchstabe, Zeichen von Gottes Ratschluß. Ein stimmhaftes S ist darum im Deutschen nicht möglich, jedenfalls nicht am Ende eines Wortes. Korrekterweise müßte jedes End-S gestrichen werden und durch ein ß oder Z ersetzt werden.
    Wenn man sich alte Niederschriften anschaut, dann findet man das. Im Mittelalter schrieb man daz für das, Halz für Hals, fürbaß und dieß und so weiter. Selbst unsere Klassiker haben oftmals das ß benutzt, wo heutzutage ein s steht. Warum man vor hundert Jahren das ß aus vielen Worten tilgte und durch ein S/s ersetzte, will mir nicht so recht einleuchten. Konsequent jedenfalls ist es nicht gewesen, dies zu tun.


    Ich will mich einmal so ausdrücken, Till, wenn Du mir ein deutsches Wort nennen kannst, das mit einem stimmhaften S endigt, dann will ich meinen Widerstand gegen Dein ss-Geschreibe aufgeben.

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    Red face AW: winterm ofen

    Hab ich echt ein Problem. Deiner Meinung nach sind Regeln sinnloz. Also gelten die, die man selbst aufstellt, die nur dann der eigene Horizont umfaßt.
    Im Deutschen galt über Jahrhunderte die Grundregel, daß Worte nicht auf s enden durften. Das S ist ein heiliger Buchstabe, zeichen von Gottez Ratschluß. Ein stimmhaftez S ist darum im Deutschen nicht möglich, jedenfalls nicht am Ende eines Wortez. Korrekterweise müßte jedes End-S gestrichen werden und durch ein ß ersetzt werden.
    Wenn man sich alte Niederschriften anschaut, dann findet man daß. Im Mittelalter schrieb man daz für das, Halz für Hals, fürbaß und dieß und so weiter. Selbst unsere Klassiker haben oftmalz das ß benutzt, wo heutzutage ein s steht. Warum man vor hundert Jahren das ß aus vielen Worten tilgte und durch ein s ersetzte, will mir nicht so recht einleuchten. Konsequent jedenfallz ist es nicht gewesen, diez zu tun.
    Ich will mich einmal so ausdrücken, Till, wenn Du mir ein deutschez Wort nennen kannst, das mit einem stimmhaften S endigt, dann will ich meinen Widerstand gegen Dein ss-Geschreibe aufgeben.




    wenn schon, dann konsequent bitte.


    Dein ßz

  10. #10
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: winterm ofen

    hm. manchmal lass ich mich verunsichern dadurch dass studierte leute etwas sagen, was ich so "unstudiert" wie ich bin nicht fachmännisch widerlegen kann.
    aber "korrekte widergabe des sinnes" klingt meinem bauch verkehrt ...korrekt klingt mir zu bürokratisch, widergabe,ich weiß nicht...poesie gibt das sinn nicht wider her, nicht nur!, sie erschafft sich auch eins...oder viele...

    pjesma
    liefere zwei e-s nach

  11. #11
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: winterm ofen

    es würde allzu gespreizt ausschauen, wenn ich mich einer schreibung bedienen würde, die ich für logisch, stringent und historisch betrachtet konsequent ansähe; also beiße ich vorerst in den sauren apfel und schreibe nach einer schreibung eines regelwerkes, das noch am meisten meinen vorstellungen über Recht-Schreibung entspricht und von anderen ohne allzu großes murren dechiffriert werden kann (um Chiffren handelt es sich wohl bei jeder Schreibungsart)


    P.S. Ich vergesse Dich nicht, liebes ß, ich hab Dich nämlich sehr sehr lieb, lieber als alle As, Os oder Bs zusammen.

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: winterm ofen

    Das habe ich gelesen, Robert.

  13. #13
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: winterm ofen

    Hier mußte ich überlegen, in welchem Forum dieser Text und die sich daran anknüpfende Diskussion wohl am besten aufgehoben sei. Nun steht er in "Leiden schafft", denn letztlich besitzt dieser Text Projektcharakter, eine Spielerei, die zum Gedankenaustausch einlädt.

    Die Aufgabe steht immer noch: Wer kennt ein Wort mit einem stimmhaften S am Wortende?

  14. #14
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: winterm ofen

    Heute halte ich es so: schreib ich konsequent klein - wie in experimentellen texten wie diesem - dann verzichte ich aufs ß und setze konsequent ss. wobei, ich überlege, ob ein sz nicht kosequenter wäre. Schreib ich Groß/klein, verwende ich ß so gut ich es kann, also eher nach Gefühl, denn nach Duden.

    Zum Eingangstext stehe ich nach wie vor, das Spiel mit der Sprache reizt mich immer noch. Und ja, Sprache hat was Sinnliches, ist Ratio, ist Visuelles, Akustisches, ist synästhetisches Gesamterleben.

  15. #15
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    8

    AW: winterm ofen

    Mir gefallen solche Wortspiele, eulenspiegel. Ein paar Zeilen mehr, dann wär das eine schöne Weihnachts-Kurz -Geschichte

    Ich empfinde das "s" von Speis (Mörtel) als stimmhaft

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