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Thema: Das Weihnachtsgeschenk

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Das Weihnachtsgeschenk

    Alle großen Maler schaffen einmal im Leben ihr Selbstbildnis mit ehrlichem Pinsel. So will auch ich ein Bild von mir malen, doch weil ich des Pinsels nicht mächtig nur mit bescheidenen Worten.


    Ich bin ein Geschenk Gottes für jede Frau. Nicht nur da ich von edler, dem weiblichen Auge wohlgefälliger Gestalt, auch opfernder, stets williger Liebhaber und allerbester Koch und Bauer des Universum, nein, was mich über gewöhnliche sterbliche Männer erhebt, das ist mein tiefstes Verständnis für die empfindsame Seele eines schwachen Weibes. Ich vermag, Seelchen zu streicheln.
    Schon in aller Früh - nach einer langen lustvollen, mich schwächenden Nacht - liegt in meinen sanften braunen Augen eine solch mitfühlende Besorgnis, ob meine Holde nicht überfordert, wenn ich kaum hörbar die Stimme erhebe: "Liebste, ich und das Vieh sind zu füttern, der Stall muß ausgemistet werden, der Hof gefegt und zumindest ein Feld gepflügt."
    Diese wenigen Pflichten einzuklagen, betrübt mich schon sehr. Ich würde ja selbst, käme die Holde beim Anblick meines schlechten Gewissens nicht auf den Spannung lösenden Gedanken: "Laß nur, mein Guter, schlaf noch ein paar Stündchen, bis das Mittagsmahl auf dem Tisch. Dann, aber nur wenn du möchtest, schneid ein paar Rosen im Garten, unser Heim zu verschönern!" Sieht sie mir allerdings die Panik an, ich müßte Gottes lebendige Kreatur aus einem blühenden Leben reißen, damit Schönheit in enger Vase verkümmere, erlöst sie mich doch von diesem Übel: "Laß auch dieses, mein Bester, ich mache das, versuche du dagegen auf der Liege die Sonne zu fangen, auf daß sie dich bräune."
    Ich kann nicht anders, muß zugestehen, die Holde ist bemüht, die Harmonie unseres Lebens nicht durch falsche Klänge zu stören. Zum Dank streichle ich ihr zärtlich den krummen Rücken, während sie vor der Regentonne kniend meine edlen Leinenhemden wäscht. Ich wäre durchaus in der Lage, mir statt der Holden eine Waschmaschine zu leisten, doch ich schenke ihr gerne das erhebende Gefühl, ausschließlich für mich sorgen, waschen und bügeln zu dürfen.
    Heute, am Vorweihnachtstag, beobachtete ich voll aufmerksamer Anteilnahme, wie die Holde im nahen Frostwald den Christbaum schnitt, diesen mit ihren kleinen klammen Fingern in den Ständer steckte und danach die mächtige Tanne - ich will keinen Winzling - in der Stube mit bunten Kugeln, roten Äpfeln, Strohsternen, silbernen Lamettafäden, Engelshaar und vielen duftende Bienenwachskerzen schmückte. Während der langen Zeit ihres weihnachtlichen Spiels mit dem Baum, war ich ihr zwar in Liebe verbunden, bereitete mich aber doch auf den einen großen Moment gebührend vor. Es gibt Aufgaben auf Erden, welche nur von einem Mann, einem echten, zu schaffen sind. Die Holde wußte das. "Mein Allerbester, du kannst, wenn du willst. Ich habe dir auch einen Stuhl hingestellt."
    Sie reichte mir die Hand, ich stieg auf den Stuhl, sie gab mir den Stern, und ich steckte ihn auf die höchste Spitze. Perfekt.
    Strahlende Augen belohnten meine Mühe, fast vermochte ihre Ergriffenheit keine Dankesworte zu formen: "Das hast du wunderschön vollbracht. Liebling, du und nur du allein bist das schönste Weihnachtsgeschenk für mich und mein sorgenfreies Leben!"
    Ich nickte zufrieden, bin halt ein Künstler.

  2. #2
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Cool AW: Das Weihnachtsgeschenk

    Spitzweg?
    Ich bin ein Geschenk. Das verpflichtet dich zu gar nichts, nicht einmal zur Anteilnahme. Und dabei hab ich mir gedacht: Es ist, wie es ist. Und, es ist gut.
    Für alles Gemachte bin ich dankbar, am meisten darüber, daß ich bin.
    Also, allen ein frohes Fest der Liebe.

    P.S. Diese Art glossieren gefällt mir.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: Das Weihnachtsgeschenk

    Piep, piep, piep,
    ich hab euch alle lieb.


    Mein Weihnachtsgeschenk ist ein Gedicht:


    Flehen


    Auf meinem Christbaum sitzt ein Mück
    und wünscht den andren Mücken Glück
    für ihr Bemühen,
    mich zu pieksen.


    Oh, du lieber Weihnachtsmann,
    hör dir meine Klage an,
    denn ich lebte glücklicher,
    wenn jener Christbaum-Mück nicht wär.


    Den Damen meine Liebe,
    den Männer volle Tassen!

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause
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    Angry AW: Das Weihnachtsgeschenk

    ......"Das hast du wunderschön vollbracht. Liebling, du und nur du allein bist das schönste Weihnachtsgeschenk für mich und mein sorgenfreies Leben!"


    An Weihnachten darf keiner zynisch sein, kein Mann, kein Hannemann!!!!!

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Das Weihnachtsgeschenk

    Ja, so isser! Der Mann, der Baum, die Krone, die Spitze, die Kunst. Jeden Tag neu geboren, liegt er hungrig und durstig am Busen und saugt. Faszinierend!

  6. #6
    Gallig
    Laufkundschaft

    AW: Das Weihnachtsgeschenk

    Wer sich ständig vor seiner eigenen Größe verbeugt macht sich klein.

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Das Weihnachtsgeschenk

    Steine habe ich geschleppt vom Bach herauf
    und Holz geschlagen im Tannengrund.
    Müde bin ich, aber scheel ist dein Blick,
    durch deine Fron gewinne ich nur Falten.
    Ich frage dich: Wem ist das von Nutzen?


    Und doch ist es Liebe,
    ich ginge für dich putzen,
    wenn diese Liebe nur bliebe.

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Das Weihnachtsgeschenk

    Mann könnte es auch so ausdrücken: Wes Brot ich friss, des Sprach ich sprich.

  9. #9
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Das Weihnachtsgeschenk

    Du, mein Bruder in Spiritus, hast vermocht in eherne Lettern zu gießen, was, obschon gegen den Zeitgeist, seit 10.000'den von Jahren die Bestimmung der Frau ist. Sie soll dekorativ sein und ihren Platz in der Gesellschaft voll Hingabe finden. Das ist ihre Bestimmung, das kann sie einfach am Besten und wenn sie einen treusorgenden Gatten ihr eigen nennen darf, welcher sie mit sanfter Güte anleitet, dürfte gar nicht mehr schief laufen.


    Neidisch...kls...

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