Jedes Mal habe ich Angst zu versagen, wenn ich mit meinen kraftlosen Händen an den Stäben reiße, damit ich den Kopf durch das Gitter zwängen und sie sehen kann. Sie steht in einer hinteren Ecke des Hofes und streicht mit einer verlegenen Geste ihr Kleid glatt. Ich spüre ihre Blicke auf mir und rüttele fester an den Stäben, um meine Schwäche zu verbergen. Ich will nicht, daß sie die bemerkt. Sie soll an ein Spiel glauben. Dankbar sieht sie mich an und lächelt.


Ich sehe, wie sie mit einem Stock auf das Gras schlägt, um die Schlangen zu vertreiben, wie sie auf den Boden stampft und etwas ruft, das ich hier oben nicht verstehen kann. Es hat mit den Schlangen zu tun, ich weiß das, denn so hat sie es immer gemacht; nie hätte sie mir mein Lager bereitet, ohne vorher die Schlangen vertrieben zu haben.
In Wirklichkeit weiß ich: Es sind keine Schlangen da. Es waren nie Schlangen da. Es ist eine Geste, nur für mich bestimmt. Ich könnte so tun, als ginge ich hinunter zu ihr, könnte dieses Spiel mitspielen. Das Gras scheinbar prüfend betrachten, dann sähe sie mich neckisch an, als wollte sie sagen: "Glaubst du mir nicht, daß ich die Schlangen für dich vertrieben habe?"
Ich würde antworten, daß ich es glaube.


Mir fehlt die Kraft, die Stäbe noch lange zu halten. Ich denke, sie wird es bald merken. Sie sieht nicht das beginnende Zittern meiner Hände, dafür ist die Entfernung zu groß. Aber sie spürt es. Bis zu mir kann ich die Hoffnungslosigkeit erkennen, die sich auf ihrem Gesicht ausbreitet. Ich will ihr zuwinken, aber ich bräuchte beide Hände, um die Stäbe zu halten. Vielleicht könnte ich eine Hand nach draußen zwängen, doch was würde es nutzen? Ich könnte sie nicht mehr sehen. Aber ich werde mir immer einbilden, daß sie auf mein lächerliches Winken wartet.


Aber einmal wird sie aufhören. Und jetzt höre ich schwere Schritte auf dem Gang und einen Schlüssel, der sich im Schloß dreht. Jetzt wird sie mich holen.


Man sollte ihr sagen, daß sie gehen kann.