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Thema: Griechen und Perser

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Griechen und Perser

    Der Kampf der tapferen Spartaner gegen die übermächtige persische Heerschar fand so nicht statt, wie uns dies vielerorts übermittelt wird und heute immer noch in unrühmlichen actionspektakeln unterschwellig als siegreiche Abwehrschlacht des Westens gegen asiatische Horden gefeiert wird.

    Statt dessen verhielt es sich wie folgt:






    Quelle: Chamberlain: Die Grundlagen des 19.Jhd.s.

  2. #2
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    AW: Griechen und Perser

    fn 3, s. 106: es war nämlich anläßlich der tatsache, daß die letzten bataillione der hinteren reihen des xerxes schon richtung böotien verschwunden waren und seine gesamte flotte das gebiet bereits verlassen hatte, daß die griechen für sich die zu verbreitende meinung fassten, die die poesie dann so glücklich ins werk gesetzt hat: über sich und was sie gerade getan hätten und was sie darüber sagen könnten. es hätte nämlich gerade noch gefehlt, daß ihre verbündeten die wahrheit erfahren hätten, die so aussah, daß die feindliche flotte gerade nicht bei phalos festgesetzt worden war und die griechen nur aus diesem grund gewagt hatten, sich überhaupt in bewegung zu setzen. ja sie wagten sich geradezu selbstmörderisch aus der bucht von salamis hinaus und trauten sich bis auf die höhe von andros. und das nannten sie dann später die verfolgungsjagd auf die perser!! tatsächlich aber hüteten sie sich davor, auch nur den versuch zu machen, sie wirklich einzuholen, und kehrten um; jeder einzelne fuhr in seine heimat zurück.

    ....zitat gobineau: (griechische geschichte ist..) die ausgetüfteltste erzählung des kunstfertigsten aller völker...

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Griechen und Perser

    Die vielerorts angenommene numerische Überlegenheit der Perser gegen die Griechen ist eine Lügengeschichte. Wahrscheinlich gab es die gar nicht. Die Griechen werden numerisch überlegen gewesen sein; allerdings ist die Qualität der Heere verschieden, Einem griechischen Bürgerheer stand ein persisches Söldnerheer gegenüber. Einzig die Spartiaten konnten es im Einzelkampf mit den Persern aufnehmen.

    Um so erstaunlicher ist der Sieg der Griechen, den ich mit der besseren Strategie erkläre.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Griechen und Perser

    Die Perser stiegen nach dem Untergang Neubabylons 539 v.Chr. auf. Ihr König Kyros entließ als eine seiner ersten Amtshandlungen politische Gefangene, was vielen Juden die Freiheit schenkte, die aus der babylonischen Gefangenschaft in ihr gelobtes Land eilten. Kyros hatte sich zuvor gegen die Meder erhoben, die das Hochland von Iran beherrschten, und war zum Liebling der babylonischen Priesterkaste aufgestiegen, die ihm bei der Eroberung Babylons als Beherrscher der Welt huldigte. [1]
    „Im 7. Jahrhundert [v.Chr.] kam es zur großen Wanderung. Die skythischen Krieger bestiegen ihre ausdauernden und widerstandsfähigen Pferde mit dem mächtigen Brustkorb und den kräftigen Beinen: 'Pferde schneller als Panther, gefährlicher als Wölfe der Steppe', wie der Prophet Habakuk [Habakuk 1, 8.] sagt. Sie bedeuteten den Skythen alles: Kriegswaffe, Transportmittel auf Reisen und beim Herumstreunen, Nahrung, Grabbeigabe und himmlisches Reittier. Sie tranken ihre Milch, und aus der Milch gewannen sie ihr Kumys-Getränk [Wein aus Milch]. Ihr Zaumzeug verzierten sie mit Filz und geschnitzter Birkenrinde, sie schmückten ihre Stirn mit Plaketten in Tierform, an ihre Zügel hängten sie menschliche Skalps, in ihre Brustpanzer ritzten sie Abbildungen von Hirschen und Vögeln ein, und sie streiften ihnen Vogel- und Drachenmasken über, die den Pferden die Schnelligkeit von geflügelten Geschöpfen verleihen sollten. Hinter den Kriegern folgten die beweglichen Städte. […] Manchmal kam der Zug zum Stillstand. Kymbrische oder urtäische oder assyrische oder medische Heere versuchten, die Invasoren aufzuhalten. Dann griffen die skythischen Krieger zu den Bogen, jenen eigenartigen Bogen mit der doppelten Krümmung, und ihre geschickten und flinken Hände verliehen dem Pfeil eine furchtbare Kraft, vor der die Krieger des Südens zitterten.“ (Pietro Citati: Das Licht der Nacht. München 1999. S. 10/11.)
    Die Perser waren keine grausamen Herrscher, eher freundlich und duldsam, großmütig. [2] Sie besaßen ethische Grundsätze, zu denen die Griechen erst noch kommen mußten: Schonung von Gefangenen, Aufnahme von Besiegten in der Gemeinschaft, Bewirtung von Feinden und Großmut sogar gegen Spione, Wahrheitsliebe und Achtung des anderen, was sich u.a. darin äußerte, daß es verboten war, in Gegenwart anderer zu spucken. Aber die Perser waren auch süchtig nach Ruhm und Erfolg. Sie wollten den Gegner nicht zerstören, sondern ihn unterwerfen und der eigenen Herrlichkeit aussetzen. Ein wenig erinnert dieses Herrschaftsprinzip an den Imperialismus der Amerikaner von heute. [3]Die Richtung ihrer Gebietserweiterung gab erst der Süden ab, dann wendeten sie sich nach Westen. Im Norden ließen die Skythen und der unendliche, fast menschenleere Raum keine Erweiterung zu, im Osten waren die Inder zu stark, auch die Ägypter im Südwesten widerstanden. Die Perser saßen ein Jahrhundert auf der kleinasiatischen Seite Griechenlands, bevor sie zum Schlag gegen das griechische Kernland ausholten. Kyros ließ in den eroberten Gebieten einheimische Vertrauensleute suchen, denen er zugestand, weiterhin in ihrer Heimatstadt die Herrscherschicht zu stellen. Zugleich forderte er Tribut. Das führte auf kleinasiatischer Seite zu vielen Tyrannenstaaten, für viele Griechen ein Beleg für Knechtschaft und Fremdherrschaft, unannehmbar. Aber war es das wirklich?

    Die überlieferten Beschreibungen der nomadischen Eindringlinge im achten und siebenten Jahrhundert v.Chr. schildern sie ausschließlich als wilde und verheerende Horden, und das ist nicht verwunderlich, da diese Berichte alle von den seßhaften Völkern stammen, die ihre Opfer waren. Es ist jedoch möglich, daß einige der von den Hirtenstämmen überfallenden Völker von ihnen auch eine Reihe religiöser Vorstellungen und Bräuche übernahmen, daß diese Nomaden also zum Teil auch Kulturvermittler waren. Eines dieser Kulturelemente kann religiöser Natur gewesen sein. Sowohl in der griechischen als auch in der indischen Welt des sechsten Jahrhunderts v.Chr. gab es Menschen, die glaubten, daß der Tod nicht das Ende der Existenz eines Lebewesens sei. Die Seele, so meinten sie, bleibt erhalten und wird in einema nderen Lebewesen reinkarniert, das von der gleichen Art, aber auch von einer niedrigeren oder höheren Art sein kann. Ob die nächste Seelenwanderung ein Aufstieg oder Abstieg sein wird, hängt von dem moralischen Verhalten der Seele in vorhergegangenen Inkarnationen ab. Die Zahl der möglichen Wiedergeburten ist unendlich - und dies war eine Aussicht, die als fürchterlicher empfunden wurde als jeder der dazwischenliegenden Tode. Daher strebte der Reinkarnationsgläubige danach, die Reihe der Wiedergeburten zu beenden; und er glaubte, dieses Ziel durch ein enthaltsames und tugendhaftes Leben zu erreichen. (Toynbee, S. 145.)
    Überheblichkeit herrschte auf beiden Seiten. An dem oben genannten Phokäa entzündete sich der große Streit. Als der persische König nach innenpolitischen Schwierigkeiten im persischen Kernland den Rückzug aus Kleinasien befahl und zugleich viele Griechen in die Sklaverei verkaufte (mit den Erlösen bezahlte er Gefolgsleute und korrumpierte Gegner), erhoben sich viele Stadtstaaten in Kleinasien. Jetzt sah der persische erste Minister, der Großwesir Harpagos, seine Chance gekommen, große Politik zu machen und ließ Phokäa belagern. Damit verschärfte er den latenten Konflikt zwischen Griechen und Persern. Das nächste Opfer der imperialen Perser sollte die griechische Insel Samos sein.
    Auf Samos herrschte ein Tyrann, aber das müssen wir uns nicht so vorstellen, als ob er durch Tücke, Grausamkeit oder gar Ungerechtigkeit herrschen würde. Hier war das Gegenteil der Fall, daß nämlich der klügste, reichste und energischste Mann einer kleineren Siedlung, als die wir die griechischen Stadtstaaten alle ansehen müssen, die Zügel ergriff und die Stadt mitsamt dem umliegenden Land gegen die Feinde zu behaupten wußte, fürderhin eine Ordnung errichtete, die jedem ein Höchstmaß an Persönlichkeitsentwicklung ließ. Tyrannen waren selten genug an eigenem Wohlstand interessiert, sondern sie verfolgten macht- und besitzerhaltende Ziele, standen zumeist als Familienväter an der Spitze einer sie antreibenden Familie, manchmal trieb sie eine Frau an.
    Ein berühmtes Beispiel für einen klugen Tyrannen gibt Polykrates von Samos ab. Er wetteiferte mit dem athenischen Tyrannen Peisistratos darum, die schönste Stadt zu besitzen, was für die Bewohner nur von Vorteil war. Er wollte der freizügigste und beliebteste Herrscher Griechenlands sein und vermochte es tatsächlich, sein eher unbedeutendes Herrschaftsgebiet beständig zu erweitern, auch den Wohlstand und die Wirtschaftskraft zu heben, ließ Wasserleitungen für alle bauen, einen großen Hafen anlegen und zeigte sich durch Tempel- und Theaterbauten als Mäzen. Seine Hofhaltung war moderat. Einzig die Philosophen mochte er nicht, was zum Streit mit Pythagoras [4] führte, der die Insel verließ und in Süditalien sein Glück fand – übrigens in einer ganz ähnlich autokratisch-tyrannischen Form.
    Polykrates hatte das Pech, daß seine Insel vor Kleinasien lag, im unmittelbaren Interessengebiet der Perser. Der kluge Mann erkannte die Zeichen seiner Zeit und schwenkte zu einer perserfreundlichen Politik um. Doch der im kleinasiatischen Sardis residierende erste Minister des Perserkönigs, Oroites, ein perfider Mann, hatte schon das Todesurteil gesprochen. Er lud den Tyrannen von der kleinen, aber reichen Insel nach Sardis, um dessen Unterwerfung anzunehmen, doch kaum hatte Polykrates den Staatsbesuch begonnen, wurde er überfallen und gekreuzigt. Samos fiel. Die Griechen erbitterte das. Fortan war das Tischtuch zwischen Griechen und Persern zerschnitten. Die Perser aber wendeten sich nicht weiter nach Westen, sondern nach Norden gegen die indogermanischen Skythen. Doch der Zug scheiterte. Hellas [5] blieb die persische Umklammerung erspart. Nichtsdestoweniger saßen die Perser fest in Kleinasien und bedrohten den Hellespont, jene Meerenge zwischen der Ägäis und dem Schwarzen Meer, dessen Gebieter die griechische Getreideversorgung kontrollierte, über die Griechenland mit skythischem Weizen versorgt wurde.
    „Da zogen die Phokäer ihre Fünfzigruderer in See, luden Frauen, Kinder und alles Hausgerät ein, auch die Götterbilder aus den Tempeln und die übrigen Weihgeschenke außer Erz-, Marmor- und gemalten Bildern, stiegen dann, als alles verladen war, selbst ein und segelten nach Chios. Die Perser besetzten das menschenleere Phokaia.“ (Herodot I,164)
    Es ist nun nicht so, daß die persische Herrschaft eine besonders drückende gewesen wäre. Im Gegenteil: Die Perser sicherten den von ihnen eroberten Völkern Frieden im Inneren, eine leichte Besteuerung und ungehinderten Verkehr zwischen allen Teilen des Imperiums, eröffneten Handelsräume und Gewinnaussichten, sogar Münzfreiheit für die einzelnen griechischen Städte. Aber es war eine orientalische Herrschaftsform ohne Mitspracherecht, nur von der Gnade des gottähnlichen Herrschers resp. ihn vertretenden Beamten abhängig. Diese Form des politischen Gemeinwesens paßte den Griechen ganz und gar nicht, was belegt, daß die Weltgeschichte nicht nur materialistisch gelesen werden kann. Vorteile wirtschaftlicher Art hätten für jede griechische Polis darin gelegen, sich dem Großreich der Perser anzuschließen.
    Der Milesier Aristagoras sah eine Chance, sich von den als Barbaren bezeichneten Persern zu befreien, und schlug mit seinen Anhängern los. Er forderte aus Athen Unterstützung. Die Perser gingen in Hosen, nur mit dem Bogen bewaffnet, die Griechen dagegen führten eine eiserne Rüstung und einen Spieß. Diese war teuer; in Athen war man nicht bereit, für den Krieg in Milet Kosten aufzuwenden. Aristagoras schlug allein los. Der Ionische Aufstand, wie wir ihn heute nennen, 499 v.Chr.. Die Perser konnten ihre Land- und Seestreitkräfte vor Milet bündeln. 494 v.Chr. führten sie ihre Übermacht in die Seeschlacht bei Lade und siegten. Danach setzten sie in den ionischen Städten Kleinasiens eine persische Oberschicht ein. Dennoch zeitigte der Aufstand für die Ionier auch positive Folgen: Die Perser überließen die ionischen Städte nach diesen Gewaltsamkeiten sich selbst, was zu einer gewissen politischen Selbständigkeit führte. [6] Zwar gab es einen Abgabenkatalog, aber die Perser wollten mit den Ioniern nicht länger in kriegerischen Verhältnissen leben, zumal sie ihre Augen auf das übrige Griechenland richteten, das sie mit Hilfe der kleinasiatischen Ionier erobern wollten. Das Einfallstor gab Thrakien ab. Über diesen Brückenkopf im Norden Griechenland sollte die Eroberung Zentralgriechenlands gelingen, zugleich diente Thrakien als Puffersatrapie vor den stets gefährlichen skythischen Reitern. 492 v.Chr. startete der Satrap Mardonios, der persische Gouverneur in Kleinasien, seinen Angriff auf Zentralgriechenland. Doch das Glück war bei den Griechen. Bei der Umsegelung des Athos erlitt seine Flotte Schiffbruch. An einen Landmarsch war auch nicht ohne weiteres zu denken, denn die Thraker bekämpften sehr erfolgreich mit einer Partisanentaktik die Schiffbrüchigen, die sich durchschlagen wollten. Mardonios zog sich bis nach Thasos zurück und postierte seine Truppen neu. Jetzt trat der persische Großkönig Dareios mit einer Forderung an die stark zerstrittenen Griechen heran, sie mögen sich ergeben.
    „Als die Flotte nach der Überwinterung in Milet im zweiten Jahr in See ging, nahm sie ohne Schwierigkeiten die Inseln vor dem Festlande; Chios, Lesbos und Tenedos. Immer, wenn sie eine Insel erobert hatten, machten die Barbaren Jagd auf die Menschen wie auf wilde Tiere, und zwar nach folgendem Plan: Einer faßte den anderen an der Hand, und so bildeten sie eine Kette von der Nordküste bis zur Südküste. Dann durchstreiften sie als Menschenfänger die ganze Insel... Nun machten die persischen Feldherren ihre Drohungen wahr, die sie ausgesprochen hatten, als die Ionier ihnen feindlich gegenüberlagen. Als sie Herren der Städte waren, wählten sie die schönsten Knaben aus, entmannten sie und machten sie von Männern zu Eunuchen, die schönsten Mädchen aber verschleppten sie zum König. So trieben sie es überall. Die Städte samt den Heiligtümern brannten sie nieder.“ (Herodot VI,31)
    In Griechenland, v.a. im bedrohten Athen, diskutierte man. Vier parteiähnliche Vereinigungen vertraten ihre Meinungen: Die perserfreundlichen Nachfahren des Peisistratos, die Peisistriden, konnten auf einen großen Anhang zurückgreifen. (I) Dagegen standen die demokratischen Alkmeoniden unter Führung eines Zugereisten, Xanthippos. (II) Dann gab es die Philiaden, die unter Miltiades ständig an Macht gewannen, zumal er vier Trieren mit großen Reichtümern Athen zuführen konnte, wahrscheinlich Reste der 60 Trieren starken samischen Flotte, die gegen die Perser aufgerieben worden war. (III) Und als vierte maßgebliche Kraft muß Themistokles genannt werden, der 493 v.Chr. einer der zehn Archonten wurde und als Verfechter einer künftigen athenischen Seemacht dem imperialen Wunschdenken vieler Athener das Wort redete. (IV)
    In Sparta gab es nicht weniger innenpolitische Auseinandersetzungen um die Führerschaft. Kleomenes I. und der ihm verhaßte Mitkönig Damaratos lieferten sich eine wahre Schlammschlacht um die Führerschaft im geplanten Gegenschlag der Griechen gegen die Perser. Dabei begrüßten in Sparta etliche die persische Politik und sahen eine Schwächung Athens jederzeit lieber als deren Sieg gegen die Perser. – Es ist schwierig, klare Freund-Feind-Grenzen zwischen Griechen und Persern zu ziehen. Ein Argument setzte sich schließlich durch, gegen das die Perserfreunde keines mehr anführen konnten: eine Niederlage der Athener gegen die Perser konnte nur deren Verlust der politischen Unabhängigkeit bedeuten. Früher oder später würde auch Sparta selbst in Abhängigkeit von Persien geraten. Das entschied den Streit; schließlich war Athen doch für Sparta beherrschbar, aber würde das auch von Persien behauptet werden können? Blieb das Problem zu lösen, wer den Kampf auf Seiten Spartas anführen sollte. Die spartanischen Könige führten jedes Jahr wechselnd das Heer an; es kam also darauf an, in welchem Jahr die Perser angreifen würden. Oder aber... Kleomenes erdachte eine List und machte die militärischen Fähigkeiten des Damaratos madig, ja, er bezweifelte sogar dessen königliches Blut. Das führte zu einem Prozeß in Sparta, dessen Ausgang ungewiß war. Kleomenes hatte richtig spekuliert. Der feige Damaratos wartete das Urteil nicht ab, sondern floh zum persischen Großkönig, der ihm Pergamon und andere kleinasiatische Städte schenkte. Kleomenes zeigte den Athenern seine Kooperationsbereitschaft und lieferte ihnen zehn gefangengenommene Ägineten aus, Erzfeinde Athens. Allerdings blieb Kleomenes nicht mehr lange leben; er tötete sich in einem Anfall von Wahnsinn.
    Der persische Großkönig rüstete derweil sein Heer zum bevorstehenden Kampf, zog alle Kräfte zusammen und positionierte sie unter dem Befehl seines Neffen Artaphernes. Artaphernes sollte Athen und Eretria verknechten und dem Großkönig die Bewohner als Sklaven vorführen. (Herodot VI,94) Auch der einst von den Athenern vertriebene Hippias war im Gefolge des Artaphernes. Das politische Kalkül sah die Zerstörung der griechischen Einheit vor, indem nur zwei Städte als zu zerstörende apostrophiert wurden. Das gab zögerlichen Poleis die Möglichkeit, sich auf die Seite der Perser zu schlagen, um einer Versklavung zu entgehen. Artaphernes rückte vor, Insel für Insel nehmend, manche wurde zerstört (Naxos), andere nur erobert (Delos). Auch Eretria fiel; die Bewohner versklavt und nach Elam in Mesopotamien geschickt, dort neu angesiedelt.
    „Als hierüber schließlich Streit entstand, hielten es die Spartaner für angebracht, das Orakel von Delphi zu befragen, ob Damaratos König Aristons Sohn sei. Als der Fall auf Veranlassung des Kleomenes der Pythia vorgetragen wurde, brachte Kleomenes einen sehr einflußreichen Mann in Delphi namens Kobon, Sohn des Aristophantos, auf seine Seite. Dieser Kobon überredete Perialla, die delphische Oberpriesterin, den Spruch im Sinne des Kleomenes zu erteilen. So entschied dann die Pythia auf die Frage des Boten, daß Damaratos nicht der Sohn des Ariston sei. Dieser Betrug wurde später ruchbar. Kobon wurde aus Delphi verbannt, die Oberpriesterin Perialla verlor ihr Amt.“ (Herodot VI,66)
    Dann kam Athen an die Reihe. Artaphernes und sein General Datis setzten ihre Truppen Richtung Athen in Bewegung. Dort herrschte Weltuntergangsstimmung. Zu groß schien die Überlegenheit der Perser, zu uneinig die Griechen. Man zögerte, ob es nicht vielleicht besser wäre, sich hinter die Stadtmauern zurückzuziehen und das Eintreffen der Spartaner zu erwarten. Auch gab es Peisistriden, die von Hippias eine schonende Behandlung für ihre Stadt erwarteten. Die wollten sogar den Persern die Stadttore öffnen und ihnen Wasser und Brot zum Zeichen der Unterwerfung reichen.
    Doch Miltiades behauptete sich mit seinem offensiveren Plan der Verteidigung Athens: Ausmarschieren! lautete die Devise. Die Spartaner zögerten: Der Mond stand schlecht; also mußten sie auf Anraten ihrer Sternendeuter warten. Die Platäer marschierten mit den athenischen Hopliten in die Ebene von Marathon, ca. 40 Kilometer nördlich von Athen, wo man den Feind erwartete.
    Miltiades konnte den Polemarchen Kallimachos von der Notwendigkeit einer direkten Schlacht überzeugen. 10000 Athenern eines Bürgerheeres standen geschulte persische Soldaten gegenüber, eher weniger als mehr Griechen, und die Griechen kannten das Terrain. Es bestand die Gefahr, daß die Perser mit einem Teil der Streitkräfte die athenische Phalanx beschäftigten, mit der Flotte dagegen Athen angreifen würden, was derzeit wehrlos dalag. Artaphernes hoffte auf seine Spione in den Reihen der Griechen. Dann erhielt er Kunde von den anrückenden Spartanern – und handelte. Er ließ seine im gebirgigen Attika unbrauchbare Reiterei östlich der athenischen Streitmacht an der Küste entlangmarschieren. Miltiades erkannte die Gefahr und zog aus seinem Zentrum Truppen zur Verstärkung der Flanke. Die befehligte Kallimachos. Er ließ seine Hopliten die letzten 1500 Meter im Laufschritt angreifen und entkam den persischen Bogenschützen, die im unwegsamen Gelände nicht schnell genug in Stellung gehen konnten. Das behauptet jedenfalls Herodot, doch es darf angezweifelt werden.
    Begründung: Die Griechen besaßen keine nennenswerte Reiterei und konnten darum keinen Angriff wagen. Wer schon einmal eine schwere Rüstung trug, der wird wissen, wie unsinnig ein Sprint über acht Stadien, 1500 Meter, ist, wenn man im Anschluß noch kämpfen soll. Es ist anzunehmen, daß die gut geschützten Hopliten die Perser kommen ließen, das Zentrum ein wenig ausdünnten, um ihre Schwachstelle, die Flanken, zu verstärken. Nachdem die Perser einen ersten Pfeilhagel abgeschossen hatten, wird Miltiades das Signal zum Angriff gegeben haben, daß die Phalanx im Laufschritt auf die heranreitenden Perser zustürmte, vielleicht die hundert Meter Schußweite, denn sind die Griechen erst an den Feind herangekommen, haben sie wegen der besseren Panzerung und der besseren Waffen die größten Siegeschancen. Die Flügelzange kniff zu, die Perser wurden umringt und niedergemacht. Die Athener verloren 192 Mann und wohl später noch etliche, die ihren Verwundungen erlagen, die Perser 6400, denn Gefangene wurden nicht gemacht. Unter den gefallenen Athenern war auch der Stratege Kallimachos, der den entscheidenden Befehl zum Sturmangriff gegeben hatte.
    „Als gemeldet wurde, daß der Feind bei Marathon lande, setzte sich das athenische Heer in Marsch und bezog ein Lager in einer Ausbuchtung der marathonischen Ebene, dem Vrana-Tal, das dem Ausgang aus der rings von Bergen umschlossenen Ebene, einer an der Küste entlang nach Süden führenden Straße so nahe liegt, daß die Perser die Ebene nicht verlassen konnten, ehe sie nicht die Athener aus ihrer Stellung vertrieben hatten. Nach der Überlieferung waren die Athener 10000 Mann stark.“ (Delbrück, I, 216)
    Ein Bote eilte nach Athen, den Sieg von Marathon zu verkünden – der Marathonlauf! Kaum hatte er die Siegesnachricht verkündet, brach er tot vor Erschöpfung zusammen, der 193. Tote der Schlacht. Die anderen Athener eilten auch zurück, da Artaphernes den Seeweg eingeschlagen hatte und nun drohte, Athen auf dem Seeweg zu nehmen. Doch die Griechen waren schneller, auch trafen nun endlich die Spartaner ein, was letztlich Artaphernes entmutigte. Er drehte ab und kehrte nach Kleinasien zurück. Den Spartanern aber blieb lediglich das Beglückwünschen, was sie neidlos taten.


    Aufgaben:


    1. Formuliere einen Widerspruch der Herrschaftsprinzipien zwischen Orient und Okzident, wie er im Text dargestellt wird! (II)
    2. Entwickle ein Schaubild für die Schlacht von Marathon! (I)
    3. Gib in zehn Stichpunkten Etappen der griechisch-persischen Auseinandersetzung wieder! (II)
    4. Welche Fehler beging Polykrates? (I)
    5. Arbeite zu der These: „Sparta zog den Kampf gegen die Perser mit Athen dem Kampf gegen Athen mit den Persern nicht aus nationalen Gründen vor, sondern aus Eigennutz.“ (III)



    [1] Den Titel „Herrscher der Welt“ oder „König der Welt“ trug ein semitischer Akkader namens Sargon um 2350 v.Chr., der ein Gebiet beherrschte, das von Babylon bis zum Mittelmeer reichte. Mit ihm setzt, zum erstenmal in der Weltgeschichte, die Vergöttlichung des Königs ein. Bis dahin galt der König als derjenige, der zum Gott eine besonders innige Beziehung besaß. Mit Sargon wird der König quasi selbst zu einer Gottheit, was bei den Semiten, die zwischen Mensch und Gott bis heute eine unüberbrückbare Kluft setzen, nicht lange aufrecht erhalten werden konnte.

    [2] Viele Völker in Nahost fanden sich nicht nur mit der persischen Herrschaft ab, sondern ihr politisches Selbstverständnis innerhalb des persischen Imperiums, das damit den Reichsgedanken politisch erhöhte. Feinde Persiens blieben Ägypten, Babylon und die kleinasiatischen Griechen.

    [3] In keinem Fall traten sie so auf, wie dies im in vielen unwesentlichen Detailfragen gut und in sehr wesentlichen schlecht recherchierten Abenteuerfilm „300” erfolgte, als grausame und dekadent-depravierte Abenteurer. Garantiert ist die Ansage, die die Griechen bei dieser Gelegenheit den Persern machten und die schlagartig den grundsätzlichen Konflikt zwischen Europa und Asien deutlich macht: „Wohl verstehst du dich darauf, Knecht zu sein, aber die Freiheit hast du noch nie gekostet; du weißt nicht, ob sie süß ist oder nicht. Denn hättest du sie gekostet, du würdest uns raten, um sie zu kämpfen nicht mit Speeren allein, sondern noch mit Beilen." (Worte des spartanischen Gesandten an Hydarnes, den Führer der persischen Unsterblichen. In: Herodot VII, 135.)

    [4] Ein Phänomen der Weltgeschichte: das beinahe gleichzeitige Auftauchen religionsstiftender Weiser in der Achsenzeit um 550 v.Chr.: Buddha, Jesaja, Konfuzius, Pythagoras, Zarathustra. Wirkungen bis zur heutigen Zeit.

    [5] „‚Hellenen‘, der neue gemeinsame Name, den sich die Griechen gaben, bedeutet ‚Bewohner von Hellas‘, und Hellas war ein Distrikt in Mittelgriechenland, in dem der Altar der Artemis in Anthela an den Thermopylen und die Altäre der Erdmutter Gea und der Götter Apollo und Dionys in Delphi standen.“ (Toynbee, S. 161.)

    [6] Das persische Prinzip der Herrschaftsausübung war vergleichsweise milde. Sie bildeten in den eroberten Gebieten Satrapien (insgesamt bestand das Reich aus zwanzig Verwaltungseinheiten), in die Angehörige des persischen Hochadels berufen wurden, denen ein Steuersatz vorgeschrieben wurde. Ihre Sache war das Aufstellen einer stehenden Truppe zum Schutz der Satrapie; ihnen oblag die Verantwortung für Truppenkontingente zum persischen Reichsheer, sie mußten die öffentlichen Arbeiten organisieren und finanzieren und dem Großkönig alljährlich Geschenke senden. Sie setzten die aramäische Schrift und Sprache für Persien durch. Die Perser bauten einen Kanal zwischen dem Roten Meer und dem Nil und trieben einen ausgedehnten Handel.



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