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Thema: Trolle

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Trolle

    Zielgruppe: Leseanfänger, 6 - 8 Jahre.


    "Nun denn", sagte der alte Trollkönig, zog sich einen langen, grünen Popel aus der Nase und schnippte ihn ins Auge seines Vizekönigs. "Es hilft nichts. Wir brauchen einen Prinzen für Julkin."
    Und er schüttelte den Kopf und seufzte sorgenvoll.
    Julkin war die einzige Tochter des Königs. Sie sprang auf und knuffte ihren Vater auf die Nase. "Ich will aber keinen Prinzen!" schrie sie.
    Julkin war wirklich wunderhübsch. Sie hatte die knubbeligste Nase im ganzen Königreich. Ihre krummen Beine brachten selbst ausgewachsene Trolle um den Verstand. Niemand hatte strähnigere Haare als sie, und ihre abstehenden Ohren waren das abstehendste, was man je gesehen hatte.
    Aber sie war nicht besonders nett. Gar nicht nett, um genau zu sein. Noch nicht mal für einen Troll, und das will etwas heißen.
    Und so versteckte der König sich hinter einem Tablett und überließ es seinem Vizekönig, zu antworten.
    "Es ist nun mal so Brauch." Sagte der Vizekönig und kroch vorsichtshalber unter den Tisch. "Die Prinzessin stellt eine Aufgabe, wer gewinnt, kriegt das halbe König und wird später König. Und heiraten muß er auch, der Arme."
    Julkin gab ihm einen Tritt.
    "Ich will aber keinen Prinzen!" schrie sie und stützte die Arme in die Seiten. "Ich will keinen Mann, der ewig nur pupst und popelt und pöbelt!"
    "Aber Bonbonschnecke, was soll man denn sonst den ganzen Tag machen?" fragte der König nervös. " Ein Mann muß her, da hilft nichts."
    Der Vizekönig schaute unter dem Tisch hervor und sagte zu Julkin: "Ätsch."
    "Und ich darf die Aufgabe stellen?" fragte Julkin.
    "Drachentöten, Einhornfangen, was Du willst, Lollimäuschen", sagte der König.
    "Eine schwierige, gefährliche, unlösbare Aufgabe?" fragte Julkin mit blitzenden Augen.
    "Äh. Aber sicher.", sagte der König. Ihm schwante Böses. "Aber, Julkin, mein Kringelschwänzchen..."
    "Nun gut!" schrie Julkin. "Wir rechnen!"
    Der König und sein Vizekönig sahen sich an und erbleichten.
    "Rechnen?" stöhnten sie.
    "17 + 3!" schrie Julkin und hüpfte auf dem Tisch herum.
    "Lächerlich!" knurrte der Vizekönig. Er war der klügste Mann im Haufen. "Jeder weiß doch, daß die Zahlen nur bis zehn gehen!"
    "17 + 4!" schrie Julkin und warf eine Tomate nach ihm. Sie traf mitten ins Auge, genau auf den Popel.
    "Vielleicht nimmst Du doch eine etwas kleinere Zahl, meine Zuckerkruste?" fragte der König.
    Julkin biß sich auf die Unterlippe und sah ihren Vater böse an. Der König kroch zu seinem Vizekanzler unter den Tisch, es wurde etwas eng da unten. Julkin zog an seinem Bein.
    "Du kriegst ein neues rosa Pony", rief er schnell.
    Julkin überlegte.
    "Meinetwegen", sagte sie. "188 - 19. Und ich will eine rosa Kutsche dazu. Mit Schleifen."
    Und so riefen sie die Trolle herein.


    "Liebe Trolle!" rief der König und breitete seine Arme aus. "Heute ist der große Tag gekommen. Und es bereitet mir große Freude..."
    "Jetzt mach schon", knurrte Julkin und stieß ihm den Finger in die Rippen, da, wo es piekst und weh tut.
    "Wer die Aufgabe löst, bekommt meine Tochter zur Frau", stöhnte der König. " Und dazu noch... eine halbe Essig - Gurke."
    "Das halbe Königreich!" zischte der Vizekönig.
    "Ich will aber nicht!" maulte der König. "Es ist meins!"
    "Du willst mich für eine Gurke verkaufen?" schrie Julkin und schlug ihm auf den Kopf.
    "Und das halbe Königreich, okayokay", jammerte der König.
    "Und die Aufgabe ist... ist.... äh" rief der Vizekönig.
    "34 - 2", sagte Julkin.
    Und dann standen sie da, die Trolle, und rechneten, bis ihre Köpfe rauchten. Und rauchten. Und rauchten. Und als sie gerade die Fenster öffnen wollten, weil keiner von ihnen mehr Luft bekam bei dem ganzen Rauch - da hatte ein kleiner Küchenjunge eine Idee.
    Er sprang vor und rief mit lauter Stimme: "zweizehn!"
    Das war zwar nun nicht ganz richtig, aber weil ihm keiner das Gegenteil beweisen konnte, bekam er die schöne Königstochter und das halbe Königreich.
    Und weil er ein wirklich kluger Küchenjunge war, trug er immer einen Helm, wenn Julkin ihn knuffen wollte, sogar im Bett. Er wurde ein guter König. Und Julkin kriegte ein rosa Pony.
    Ob sie glücklich waren?
    Immerhin hat er ihr zu Liebe nicht den ganzen Tag gepupst.


    it

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Lightbulb AW: Trolle

    Mit viel pupsen ist jetzt schluß, it schafft jetzt lesegenuß!

    glaubst du, kinderchen nehmen dir worte wie strähnig, nervös oder schwante ab?

    mach mal halblang!

    die sache mit den rechnenden trollen ist aber klasse. naja, wie ich dich kenne: himmelhochjauchzendzutodebetrübtes geschreib. immerhin hast du diesmal den strang nicht zerkaut, sondern dich ein wenig vom anfang befreit.

    ich habe folgendes gelernt: das, was man behauptet, muß bei trollen nicht verifiziert werden, es reicht hin, wenn es nicht falsifiziert werden kann. - ein wahrlich philosophischer ansatz, der jedoch dazu führen kann, daß der küchenjunge seinen gewinst schnell wieder rausrücken muß, nämlich genau dann, wenn ein anderer eine theorie aufstellt, die ebenfalls nicht falsifiziert werden kann. jedenfalls innert des trollschen mikrokosmos.

  3. #3
    Tochter des Hauses
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    AW: Trolle

    Der Text ist schön, der ist wirklich schön und er bringt einen zum Lachen. Das ist das wichtigste an diesen Geschichten.
    Lass meinen Vater doch reden, der ist nur eifersüchtig auf dich, weil er selbst keine so schönen Geschichten schreiben kann.

    Charly

  4. #4
    Bauer Hans
    Status: ungeklärt

    AW: Trolle

    Stimmttibimmt, Juschka schreibt immer nur son kommunistischen Schweinkram, nix für nen Großopi wie mich. It ist viel, viel lieber!

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Trolle

    it, Rosinenschneckchen, du hast dir ein Sahnelächeln verdient. Bitte erweitere das Zielgruppenalter deutlich nach oben.


    Lieben Gruß von
    Trist

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Trolle

    ich befinde mich seit gut 40 jahren in der von it angepeilten zielgruppe. und ich hab mich schwer beömmelt über dieses märchen!
    voll supi, it!

  7. #7
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Trolle

    beömmelt!
    ja, auch beinahe zwanzig jahre später finde ich zwar zugang zu dem geschehen, bin aber nicht begeistert. die figuren sind nämlich gar nicht gebrochen, sondern eher langweilig, erwartbar in ihren handlungen. behaupte itzt niemand, in märchen sei alles vorhersehbar. das ist's nämlich nicht.

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