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Thema: was fang ich mit mir an

  1. #1
    Ulli
    Laufkundschaft

    Post was fang ich mit mir an

    Er sitzt da und weiß nichts mit sich anzufangen. Hat schon seit zweieinhalb Stunden Feierabend, aber sitzt immer noch in diesem Büro. Heftet die Vorgänge sorgfältig in die Aktenordner, unterschreibt Briefe, die seine Kollegin für ihn in die Unterschriftenmappe gelegt hat, sitzt vorm Computer und schau so in die Welt, was die anderen da draußen wohl so machen. Ein Leichtes via Internet.
    Er liest von Liebe, von Seele, von Verrat, von Gewissen, von gutem Essen, gutem Wein, vom Warum und versteht. Er ist nicht der gleichen Meinung, aber er versteht. Geht und ging es ihm im Leben doch ebenso. Andere Worte würde er vielleicht benutzen, andere Vergleiche, aber die Situationen, die beschrieben werden, sind ihm wohl bekannt, entweder aus eigenem Erleben oder durch Gehörtes und Gesehenes. Er hat auch keine Ahnung, ob es denn etwas bringt, dies alles auf Papier zu bannen, so lange er nicht resümieren kann.
    Eigentlich könnte er ja jetzt schon zu Hause sein, aber was soll er da. Dort sitzt er dann auch nur rum und überleg was er tun könnte. Und nichts fällt ihm ein. Natürlich könnte er die Wohnung putzen, die Wäsche waschen, den Kühlschrank von seiner Leere befreien, mal wieder einen Brief an ihm liebe Menschen schreiben, seine Steuererklärung müßte er auch endlich erledigen, auch die vom Jahr zuvor, ein Buch könnte er lesen oder ein Bild malen. Aber zu all dem hat er keine Lust. All diese Ablenkungen und Notwendigkeiten bringen ihm keine Freude. Er würde gern etwas tun, was ihn bewegt, ihn fesselt, wobei die Zeit vergeht wie im Fluge, was ihm ein Wohlgefühl und Zufriedenheit bereitet, aber ihm fällt nichts ein. Wenn er Freunde hier in dieser Stadt hätte, könnte er sich mit Ihnen treffen, hat er aber nicht. Doch einen, aber der hat meistens keine Zeit, arbeitet viel und hart, lebt allein mit seinem 78-jährigen Vater und hat die große Liebe gefunden, weit weg von ihm, mit der er sich dann ab und zu trifft "auf halber Strecke", damit ihr Ehemann nichts merkt.


    Seine Freundin ist zur Zeit bei einem Gastspiel in Bayern unterwegs. Als er sie heute anrief, war sie noch unausgeschlafen, wortkarg und empfand ihn als Störfaktor. Also ruft er sie heute kein zweites Mal an, weil er sich nicht nochmal als nervend empfinden möchte.
    Seinen Sohn hat er auch versucht zu erreichen, aber dessen Handy ist ausgeschaltet. Er darf es nur außerhalb des Krankenhauses einschalten, da sonst auf den Stadtionen die medizinischen Geräte verrückt spielen würden. Es gibt auch ein Telefon auf seiner Station, aber da ist dauernd besetzt, weil alle Kinder dort ihre Anrufe von Eltern, Freunden, Bekannten und Verwandten erhalten. Und er ist sich auch nicht sicher, ob sein Sohn überhaupt mit ihm telefonieren will, denn dann könnte der ja vor die Pforte des Krankenhauses gehen und kurz mal bei ihm durchrufen. So waren sie nämlich verblieben. Na ja, Sein Sohn hat da seine "Zimmergenossen", mit denen er sich unterhält, vormittags Schule, zwischendurch seine medizinischen Anwendungen, nachmittags Krankengymnastik, essen muß er ja schließlich auch, und ein bißchen Spaß will er auch haben. Jedenfalls besser, daß sein Sohn zu tun hat und nicht an seinen Vater denkt, als daß er drei Mal am Tag anruft, weil es ihm schlecht geht und er vor Sehnsucht nach seinem zu Hause, seinen Freunden und seinem Vater kaputt ginge.


    Die Erkenntnis tut nicht gut einzusehen, dass er mit sich allein nicht viel anfangen kann, außer nachzudenken, über sich und über die anderen und darüber, ob es überhaupt nötig ist, dass er ständig etwas mit sich anfange.
    Vielleicht war es ein Fehler, hier her zu ziehen. Das ist nun schon bald drei Jahre her. Und immer noch fühlt er sich hier nicht zu Hause, nicht heimisch. Wenn er von zu Hause träumt, befindet er sich immer in seiner alten Wohnung, Umgebung, in seiner Stadt, die er vor drei Jahren verlassen hat.
    Hier findet er keinen Anknüpfungspunkt, selbst der Dialekt der Leute hier ist ihm zuwider.
    Zurück kann er nicht mehr, würde keinen Job dort bekommen oder nur einen, den er nicht mögen würde (obwohl er seinen jetzigen auch nicht besonders mag), sein Sohn müßte wieder die Schule wechseln (und das ist dem schon beim Umzug hier her sehr schwer gefallen - er hat ein Jahr gebraucht, um sich einzugewöhnen, dann kam die Krankheit hinzu, aber jetzt fühlt sich sein Sohn hier wohl, da kann er ihn doch nicht wieder aus "seiner Welt" herausreißen), der Umzug würde Geld kosten, das er nicht hat, und es würde auch nicht mehr sein, wie es mal war.


    Wenn seine Freundin bei ihm ist, ist die Welt in Ordnung. Sie kennen sich jetzt acht Monate. Er schwebt dann auf Wolke sieben, und sein Herz lacht den ganzen Tag. Nichts kann ihm etwas anhaben, er ist glücklich und die Menschen lächeln ihn an. Aber an den Tagen, an denen sie getrennt sind, zermartern ihn die Zweifel an ihrer Treue. Sie spielt Theater und ist oft unterwegs im ganzen Land. Mal telefoniert sie mit ihm aus Hamburg, mal aus Berlin, mal aus München und und und... In der Zeit, in der sie mal kein Engagement an irgend einer Bühne hat, kann sie aber auch nicht so oft bei ihm sein, wie die beiden es gern hätten, da sie in einer anderen Stadt, drei Stunden von ihm entfernt, wohnt. Da muß die Post erledigt werden, Verträge unterschrieben, Wäsche gewaschen, Kontakte gehalten werden, neue Szenen geschrieben, Musik erdacht und geprobt werden für die nächsten Auftritte.
    Eigentlich müßte sie viel intensiver arbeiten, wenn sie zu Haus ist, aber sie läßt einiges liegen, verschiebt einige Termine und strafft die Zeit für Projekte schon sehr, um öfter bei ihm sein zu können.
    Ja, es liegt auf der Hand, sie sollten zusammen ziehen. Wollen sie auch, aber wer zu wem? Wie gesagt, ihn bindet das Wohlergehen seines Sohnes und der Job an diese Stadt hier, sie wohl die Kontakte, die sie in "ihrer" Stadt besitzt (und die in diesem Metier sehr wichtig sind) und auch das Flair, was die Stadt, in der er lebt, sehr vermissen lässt. Hier muß eine Lösung her und zwar bald (Wobei er die finanziellen Vorteile eines Zusammenlebens und -wohnens hier nicht überbewerten, aber auch nicht außer acht lassen möchte).


    Alles kein Dilemma, er weiß. Aber was fängt er nur an mit sich, hier, in dieser fremden Stadt, wenn und so lange er noch allein ist.


    Vielleicht sollte er das alles einfach mal aufschreiben, so wie andere Menschen andere Situationen zu Papier bringen, so, wie er es von diesem oder jener gelesen hat, sich diese Gedanken aus dem Kopf schreiben, vielleicht ist das ja sein Resümee.(?)

  2. #2
    kls
    Laufkundschaft

    AW: was fang ich mit mir an

    Ulli: Er sitzt da und weiß nichts mit sich anzufangen.

    "Versuche einen wahren Satz zu schreiben" (Zitat)

    Aber lasse demnaechst hinterher wenigstens die Rechtschreibprüfung über den Text rennen.



    Ansonsten: Niemand kann den Blues so schreiben wie er ist. Dennoch habe ich ihn verstanden.

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: was fang ich mit mir an

    Ja, Ulli, schreiben ist eine gute Ablenkung, wenn sie denn nur Ablenkung sein soll. Dann aber hülft Schreiben auch nichts, füllt nur den hohlen Zahn, drunter rumort's weiter. Ich hab diesen Idioten, die Schreiben als Therapie verordnen, noch nie über den Weg getraut. Du bist doch nicht einer von jenen, die denen auf den Leim gingen?


    Als Psychiater empfehle ich eine gute Zigarre, dazu ein Tonikum und außerdem den Blick ins Verborgene. Dazu benötigst Du eine Methode: Schreib um den wichtigsten Gedanken, dasjenige, was Dir am wichtigsten ist. Willst Du weiter graben, dann finden wir den geeigneten Spaten. Wenn Du in Untiefen auf Wasser stößt, dann laß uns einen heben. Dann suchen wir eine Form, in die wir Dein Wasser gießen können.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    Renommee-Modifikator
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    AW: was fang ich mit mir an

    Schade, dass auf solch ein verlockendes Angebot wie Robert es hier machte nur Schweigen folgte.

  5. #5
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: was fang ich mit mir an

    Das ist das Brot eines Forenbetreuers, Trist. Meist erwarten Texteinsteller eine sofortige Reaktion, sind aber nicht bereit, selber in Vorleistung zu gehen, was in einem Literaturforum bedeutet, sich in das Gewort anderer zu bewegen und entsprechend zu reagieren. Menschen sind so.

    Dieser Text ist belanglos, aber nicht grottenschlecht. Ich nehme an, Ulli ist andernorts besser bedient worden.

  6. #6
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    Renommee-Modifikator
    8

    AW: was fang ich mit mir an

    Schon der Einstieg....

    Er sitzt da und weiß nichts mit sich anzufangen. Hat schon seit zweieinhalb Stunden Feierabend, aber sitzt immer noch in diesem Büro
    ...ist unglücklich

    ....und auch unlogisch...

    weiß nichts mit sich anzufangen
    Heftet die Vorgänge sorgfältig in die Aktenordner
    ja was nun?

    Was Ulli sagen will:

    Er weiß mit sich nichts anzufangen - und so sitzt er zwei Stunden nach Feierabend noch im Bürostuhl und......


    ...aber auch das ist so (inhaltlich) nicht richtig, denn wer weiß etwas mit sich anzufangen...schließlich surft er im Internet

    Solche Ungereimtheiten kommen dann auf, wenn man die Dinge nicht beim Namen nennt. Statt "nichts mit sich anfangen können" wäre " Er, Single, hat weder Freunde noch Hobbys..."...ein möglicher Einstieg. Also beschreiben--- was das heißt...mit sich selbst nichts anfangen zu können. Synergieeffekt: der Leser kann eine Beziehung zum Protagonisten aufbauen - sich selbst oder andere in ihm entdecken. So entstehen "Bilder".

    Ob Lyrik oder Prosa; wenn schon der Einstieg nicht passt, dann ist der "Rest" meist auch nicht viel besser.

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