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Thema: Damenhut?

  1. #1
    Lavendel
    Status: ungeklärt

    Post Damenhut?

    Servus Leute:


    ---
    Der Mann, der ihm entgegenkam und der ihm schon einige Sekunden davor aufgefallen war, hauptsächlich aufgrund seines Trachtenhutes, bei dem er unsicher war, ob es nicht ein Damenhut war, sah ihn plötzlich und unvermutet an. Die Augen wurden größer und machten nicht den Anschein so bald wieder in angemessener Weise in die Augenhöhlen zu verschwinden.


    Hermanns erster Gedanke war der, dass der Hut auf jeden Fall ein Damenhut sein müsse, da jemand, der einen wildfremden Menschen auf offener Straße ohne ersichtlichen Grund anzustarren beginne, nicht ganz normal sein könne, ein solcher den Unterschied zwischen einem Herren- und einem Damenhut bestimmt nicht kenne, sondern wahllos, von reiner Laune bestimmt, in Bekleidungsgeschäften einkaufe: Hosen, Röcke, Pelzmäntel, Blusen und eben Hüte beiderlei Geschlechts.


    Der zweite Gedanke, der ihm in den Sinn kam, war der genau entgegengesetzte: dass er nämlich sehr wohl über den Unterschied zwischen einem Herren- und einem Damenhut Bescheid wisse, er nur gern provoziere und sich von fremden Passanten auf seinen vermeintlichen Damenhut, der nur von Kennern als einwandfreier Herrenhut zu identifizieren war, ansprechen lassen wolle, um dann seiner eigentlichen Leidenschaft frönen zu können: über Herren- und Damenhüte zu referieren, seine nun schon seit Jahrzehnten angesammelten Recherchen zum Besten zu geben.


    Unentschlossen, welcher Möglichkeit er den Vorzug geben solle, sah Hermann vom Fremden weg, zum einen hatte er keine Lust einem Irren zu begegnen, sollte Variante eins zutreffen, und zum anderen, erwies sich die zweite als die richtige, war er nicht neugierig genug in ein Spezialgebiet der Bekleidungsbranche hineinzuschnuppern; lieber konzentrierte er sich auf den Rathausturm, der ein paar hundert Meter vor ihm in verlässlicher Art die Zeit auf einem golden verzierten Ziffernblatt anzeigte.


    Sicherheitshalber lugte er nach einigen Schritten langsam erst links und dann rechts zur Seite und drehte sich anschließend 180 Grad, um sicherzugehen, dass der Mann auch tatsächlich verschwunden war. Er sah ihn im selben mäßigen Tempo, wie er ihm begegnet war, die Geschäftszeile entlang schlendern und er war froh ihn auf so offensichtlich einfache Weise entkommen zu sein.


    Zweifel machten sich allerdings breit, als er dem Seltsamen nachblickte, wie er geraden, unauffälligen Ganges dahinschritt, ob er ihn auch tatsächlich angesehen hatte oder ob sein kurzes, nachmittägliches Abenteuer nur Produkt seiner Einbildung war, einer in den Minusgraden liegenden Kälte, die einer Auffrischung bedurfte.
    Nun war es ihm zwar an sich egal, ob die eben vergangenen Minuten auch tatsächlich so geschehen waren, wie er glaubte, "mein Gott", rationalisierte er, "was bildet man sich im Laufe eines Lebens nicht alles ein...es ist mir wirklich egal, ob der Fremde mich jetzt angeschaut hat oder nicht", doch kleiner Teil in ihm beharrte auf die Überprüfung von Tatsachen und ließ nicht eher locker, bis er Hermann gegen seinen Willen dazu brachte, dem Hutträger nachzueilen, ihn zu überholen, kehrt zu machen und ihm nochmals auf die gleiche Weise entgegenzugehen.


    Wie lächerlich es ihm auch vorkam, an einem Freitagnachmittag nach verrichteter Arbeit und am Beginn des Wochenendes, das darauf wartete mit Aktivitäten, die aus Zeitknappheit unter der Woche nur mangelhaft verrichtet werden konnten, ausgefüllt zu werden: er musste seinem inneren Zwang Folge leisten und vielleicht, wer weiß, dachte er, ist diese Tat nicht unter Zwang einzureihen, sondern unter Intuition und der Fremde gebe ihm etwas preis, auf das er seit Jahren warte und welches sein Unterbewußtsein in der Nähe spüre.


    Hermann hatte Glück und erspähte den mutmaßlich Verrückten oder Hutspezialisten die Auslage einer Handyfiliale betrachten, wodurch er ihn mühelos ohne gesehen zu werden überholen konnte. An der nächsten Ecke einige Meter weiter machte er Halt und wartete den richtigen Zeitpunkt zum Losgehen ab.
    Seine Geduld wurde etwas auf die Probe gestellt, da der Fremde erst eine Viertelstunde später aus dem Geschäft herauskam, einen Zettel durchlesend, "wahrscheinlich die Vertragsbestimmungen", folgerte Hermann. Er stieß sich von der Mauer, an der er mit dem Rücken lehnte, los, doch las der Hutträger, als sie nur noch wenige Schritte trennten, immer noch bedächtig in den Vertragsbestimmungen, "es müssen Vertragsbestimmungen sein", war Hermann die letzten Schritte sicher geworden, wodurch eine Wiederholung der Geschehnisse vor zwanzig Minuten ziemlich unwahrscheinlich wurde und sein Warten unbelohnt zu bleiben drohte, infolgedessen er in der allerletzten Sekunde, als sich ihre Wege fast schon wieder diametral verliefen, er ihn derart penetrant aus nächster Nähe anstarrte, dass es dem Fremden auffallen musste, er Hermann verwundert ins Gesicht sah und sich mit einem "Ja bitte?" nach dem Grund seines eigenartigen Verhaltens erkundigte.
    Seines Fauxpas bewusst, rückte Hermann in schnellster Eile sein Gesicht zurecht und verließ den Schauplatz mit einem leise in sich hinein murmelnden "Irgendwann treffe ich ihn bestimmt wieder, vielleicht schon morgen" in die nächste abzweigende Nebenstrasse.




    es grüsst ein kleiner Lavendel

  2. #2
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Damenhut?

    Lavendel im Winter? Lila ist der wohl.


    Möglicherweise las ich ein wenig fahrig. Aber ein Gefühl von Umständlichkeit wollte einfach nicht weichen. Ich schlingerte mich also so durch den Text und werd ihn morgen wieder vergessen haben.
    Andererseits sind Hüte ein Thema (oder sind sie nur Motiv?), das mich wehmütig stimmt. Ich erinnre mich an einen Hut auf der Kommode. Er gehörte meinem Großvater, einen von diesen vielen Großvätern, die ihre Enkel nie sehen sollten, was ich wußte, weil ich ihn andernorts auf seinem Kopf gesehen hatte; meine geliebte Großmutter trug neben ihm (Geheimnis eines Photos: es bewahrt Totes und verlebendigt sich in einem Später) einen weit ausladenden mit Krempe und so - na ja, 30er Jahre eben -; sie waren in Berlin bei den Olympischen Spielen... Also, ich schwatze gerade.

    Hüte können per se nicht beiderlei Geschlechts sein.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    21

    AW: Damenhut?

    Nö, durchaus kein alter Hut!
    Ich hätte an Herrmanns Stelle genau so gehandelt. Ein Tag ist beschissen, an dem man nicht versucht, die großen Geheimnisse zu lüften. Und solche Begegnungen, die unendlichen Raum für Phantasie, für die Spielarten des Ja oder Doch-Nicht bieten, sind die besten Geheimnisse. Allerdings sollte ein echter Herrmann es bei dem Versuch belassen: Auch das spannendste gelöste Rätsel ist ein totes Rätsel, und der Verlust eines Geheimnisses macht traurig.


    Mehr als zwanzig Jahre führte mich mein Weg an einem Kellerlokal mit dem schönen Namen "Gaststätte zur Deutschen Südseeinsel" vorbei. Mehr als zwanzig Jahre sprach ich zu meiner Damaligen: "Hula-Hula, Palmen, Sand auf dem Fußboden und mit Orchideen bekränzte Mädchen, ich muß da unbedingt mal rein!" (Auch wegen dieser Aussage hat sich die Holde von mir getrennt - dem gütigen Himmel sei Dank!)
    Wo war ich? Ach ja: Nach mehr als zwanzig Jahren lud mich ein Geschäftsfreund in die "Gaststätte zur Deutschen Südseeinsel". Geplatzte Träume: Kein Hula-Hula, kein Sand auf dem Boden, ein schmieriger Grieche servierte Hasenbratenfasern mit uralten Zwiebeln. Ich mußte kotzen, mein großes Geheimnis unwiederbringlich dahin.


    Kleiner Lavendel, "Irgendwann treffe ich ihn ...", bewahre Herrmann die Hoffnung, das Leben ist dann spannender.
    Hat mir gefallen, beehre uns bald wieder.

    Das ärgert: Da steht auf einmal ein Lavendel am Wegesrand, es bläst ein wenig kalter Wind, und schon ist er verkümmert.
    Hey, Du altfranzösisches Gewürz für eine rosa gebratene Lammkeule, wenn Du Dich schon - recht unterhaltsam - hervorwagst, gib uns mehr von Deinem Fleisch, antworte gefälligst, wenn wir Dich schon verkosten.

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Damenhut?

    Lieber Lavendel,


    auf der semantischen Ebene hat mir dein Text gefallen. Er weiß durchaus eine alte Geschichte auf originelle Weise zu erzählen und zerfließt dabei nicht vor Selbstmitleid. Ehrlich, mir machte der Inhalt, der mich entfernt an die Geschichte "spinnennetz" (hier in diesem Forum, nur ein Stück weiter unten) und an E.A. Poes "the man of the crowd" erinnerte, jener ultimativen Geschichte um die Verfolgung eines auffälligen Unbekannten, schlicht Vergnügen.
    Allerdings gilt für deinen "Damenhut" der Satz, mit dem Poe seinen "Massenmenschen" beginnt: "Es läßt sich nicht lesen...". Nicht die Geschichte, die du erzählst, ist überkonstruiert, es ist dein Satzbau, der mir beim Lesen Kopfschmerzen bereitete. Ich meine jetzt nicht die Kommafehler, die allein schon nervig genug waren, sondern dein fahriges, bauklotzhaftes Zusammensetzen von wahren Satzmonstern, die, unübersichtlich, voller grammatikalischer Unzulänglichkeiten und auch Schlampigkeiten, immer wieder die gleichen Satzkonstrukte (dass... zu...) aneinanderreihen und spätestens nach ihrem dritten Auftauchen nur noch ein lästiges Lesehindernis darstellen, das den Zugang zum Text erschweren.
    Schade um eine verlorene Chance.


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  5. #5
    Lavendel
    Status: ungeklärt

    AW: Damenhut?

    danke erst mal für die Analysen!
    bin kein so leicht verfliegendes Gewürz, hab nur grade ein bisschen was um die Ohren, das nicht so leicht abschüttelbar ist; die Kommentare sind daher etwas zeitversetzt...
    An der sprachlichen Umständlichkeit ist wohl was dran, obwohl mir gerade dieser Teil wichtig war; werde sehen, ob sich bald was verflüssigen lässt...


    es grüsst
    L.

  6. #6
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Damenhut?

    In der Tat hatte ich diesen Text vergessen, erinnre mich itzt nach der Neulese nur sehr unvollständig daran.
    Der Ordner zeigt augenfällig eine typische Reaktion vieler Einzeleinsteller. Sie stellen irgendwann als Unregistrierte einen Text ins Forum. Kommen wenig euphorische Reaktionen reagieren sie nicht, sondern bleiben ganz fern oder aber sie reagieren auf die Kritik, indem sie ihre Antwort aufgrund von Zeitmangel oder ähnlichen Ausflüchten auf ein unbestimmtes Später zu verschieben vorgeben. Wann ist nur dieses Später? Das kenne ich schon aus DDR-Zeiten. Da hieß es auch immer: "Später werden wir diese Probleme lösen, die mit der Reisefreiheit, die mit dem schlechten Geld, die mit den maroden Straßen, Häusern etc."
    Vielleicht hatten sie ja recht! Nun sind die Straßen weitgehend repariert, die Häuser saniert und das Geld hat noch einigen Wert, aber die Grundstimmung hat sich kaum verbessert, im Gegenteil.
    Wo war ich? Ach ja, zu diesem Text gibt es nicht viel zu sagen, auch sechzehn Jahre später nicht. Ich kann Klammers Begeisterung nicht nachvollziehen.

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