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Thema: Und wären wir jetzt beide hier

  1. #1
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    Und wären wir jetzt beide hier

    Ich finde in die Tiefe nicht, in die ich tauchen müsste,
    wollte ich in Worte fassen, wie sehr du mich berührst.
    Und wären wir jetzt beide hier, so glaube mir; ich küsste
    dir jeden Abschied von den Lippen, den du mit dir führst.

    Und öffne ich das Fenster nachts, begegnet mir die Stille,
    eine, die auf Säulen steht, deren Dach den Himmel trägt.
    Dann lege ich die Zweifel ab, dann festigt sich der Wille
    zu glauben, dass uns einmal noch die erste Stunde schlägt.

  2. #2
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    AW: Und wären wir jetzt beide hier

    Hm. Sehr schön. Ich spüre förmlich das Bemühen des Autors, Form und Inhalt zur Deckung zu bringen. Die etwas altvaterisch anmutende Wortwahl und Satzbildung ist wohl gewollt. Wie aus der Zeit gefallen. So steht das Gedicht da wie ein kunstvoll gedrechselter Stuhl oder eine klassizistische Kommode. Lediglich das Bild in Zeilen 5 und 6 ist allzu bemüht und erschliesst sich mir nicht. Eine Stille, die auf Säulen - ruht wäre noch besser als steht, meine ich - ruht, deren Dach den Himmel trägt? Na ja, meinetwegen.

    Also, Respekt für die beinah Rilkeschen weiten Bögen, die du ziehst. Mir allerdings ist die geschnörkelte Sprache etwas zu maniriert.

  3. #3
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    AW: Und wären wir jetzt beide hier

    Zitat Zitat von eulenspiegel Beitrag anzeigen

    Hm. Sehr schön. Ich spüre förmlich das Bemühen des Autors, Form und Inhalt zur Deckung zu bringen. Die etwas altvaterisch anmutende Wortwahl und Satzbildung ist wohl gewollt. Wie aus der Zeit gefallen. So steht das Gedicht da wie ein kunstvoll gedrechselter Stuhl oder eine klassizistische Kommode. Lediglich das Bild in Zeilen 5 und 6 ist allzu bemüht und erschliesst sich mir nicht. Eine Stille, die auf Säulen - ruht wäre noch besser als steht, meine ich - ruht, deren Dach den Himmel trägt? Na ja, meinetwegen.

    Also, Respekt für die beinah Rilkeschen weiten Bögen, die du ziehst. Mir allerdings ist die geschnörkelte Sprache etwas zu maniriert.


    Das "meinetwegen" ist mir zu gönnerhaftig. Eine willkommene Kritik, ich kann das nicht.


    Ich habe mir eben den Text durchgelesen, ich war nicht berührt, ich mußte nicht weinen.

    Es wirkte mir wie zusammengewürfelt. (Vielleicht habe ich etwas überlesen.)

  4. #4
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Und wären wir jetzt beide hier

    Vielen Dank für die Kritiken!

    Auf den ersten "Blick" antiquiert...ja, aber schaut man etwas genauer hin...ist das keineswegs der Fall. Jedes einzelne Wort ist aktuell und wird täglich millionenfach gesprochen. Und mit Verlaub; genau darin liegt doch die Kunst...das Gewöhnliche alles andere als gewöhnlich wirken zu lassen.

    Zum Vorschlag "ruht" (statt steht): die Säulen (wie auch das Dach) sind Teil des Gebilde Stille. Schreibe ich "ruht auf Säulen..."...mache ich die Säulen zum Fremdkörper.


    Zitat aus "Die erste Duineser Elegie" (Rilke)

    ich verginge von seinem
    stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
    als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
    und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
    uns zu zerstören

    Würdest Du vielleicht auch manieriert bezeichnen. Habe grundsätzlich Verständnis dafür...wenn einem solche Formulierungen fremd sind...wenn sie nicht gefallen - aber wem das nicht gefällt, dem gefällt auch kein Storm, kein Fontane, kein Heine, kein Goethe, kein Ben, kein....ich könnte also fast alle aufzählen. Schon zu Rilkes Zeiten wurde nicht mehr gesprochen..wie er es zu Papier brachte. Ein E. Fried...der nur ein paar Jahre später auf die Welt kam...einen ganz anderen Schreibstil pflegte. Beide waren großartige Lyriker...aber eben von zwei verschiedenen Planeten.

    Zitat Klaus Norbert



    Ich habe mir eben den Text durchgelesen, ich war nicht berührt, ich mußte nicht weinen.
    Na das will ich doch hoffen! Erstens steht nirgendwo...dass das so sein sollte...und zweitens transportiert der Text auch eine ganz andere Botschaft.

  5. #5
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    AW: Und wären wir jetzt beide hier

    Die Worte an sich mögen nicht antiquiert sein, doch wie du sie setzt und einsetzt, das wirkt antiquiert. Egal, darf ja sein. Muß nur nicht jedem gefallen.

    Eine Stille, die auf Säulen steht, deren Dach den Himmel trägt .... mit Verlaub, das ist mir zu überkandidelt und überhaupt kein stimmiges Bild! Wie soll ich mir das vorstellen?

    und dieses Dach trägt den Himmel???? - wieso muß der getragen werden?
    darüber ein Dach??? was für eins, aus Stille, aus Pfannen oder gar Stroh?
    darüber die Stille - die steht! - also wenn schon, dann ruht eine Stille
    Zuunterst die Säulen

    Nein, da kann ich nicht mitgehen. Aber egal, du bist der Dichter und der hat immer Recht.

    Wenn ich Klassiker oder Romantiker lese, erwarte ich keine moderne Sprache. Rilke liegt mir gar nicht, das ist Manierismus in Vollblüte - nichts für mich.
    Heine ist ein schlechtes Beispiel - Heine liegt mir sehr - modern, ohne Schnörkel und Geschwurbel.
    Goethe - na ja, nur zum Teil verdaulich.

    Wurscht, jeder soll lesen, was ihm gefällt.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Und wären wir jetzt beide hier

    Schöner Text, du schreibst dann und wann echte überflieger. Gruß, Saul

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