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Thema: Liebesszene - aus "Martin Lundgrens Traum"

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Liebesszene - aus "Martin Lundgrens Traum"

    Zum gefälligen Verriß:

    ...
    Es würde ein schöner Tag werden.
    Der auflandige Wind hatte die letzten Federwolken nach Westen getrieben, und die Sonne brannte schon am frühen Vormittag vom makellos blauen Himmel.
    überall in der Stadt luden die Leute Angelruten und Picknickkörbe in ihre Autos, zwängten sich in Shorts, die im Winter geschrumpft zu sein schienen, und fuhren hinaus ins Grüne.
    Martin war dabei.
    Gestern nachmittag hatte seinen neuen Wagen in Niks Werkstatt abgeholt, wobei die Bezeichnung "neu" für ein 1500 Dollar-Auto vielleicht ein wenig gewagt war. Daß der Mustang reichlich 12 Jahre alt war und fast 100.000 Meilen auf dem Tacho hatte, sah man ihm allerdings kaum an. Außerdem war er Martins erstes Auto, und alles daran aufregend und großartig.
    Noch großartiger war, daß Anna neben ihm saß und sie den ganzen Tag Zeit füreinander hatten. Er hatte seiner Mutter zwar versprechen müssen, pünktlich zum Abendessen zurück zu sein - schließlich war heute sein Geburtstag und sie erwarteten Besuch - , aber bis dahin war es noch weit. Er würde einfach nicht daran denken, genausowenig, wie er daran denken würde, was er heute Nacht getan hatte ...
    Vor der Kennedy-Brücke staute sich der Verkehr ein wenig, aber die Soldaten winkten die Fahrzeuge zügig durch und verzichteten auf die üblichen Kontrollen. Dennoch war Martin erleichtert, als sie die Straßensperre endlich passiert hatten und das Land frei und offen vor ihnen lag.
    Es war ein wunderbares Gefühl, in seinem eigenen Wagen zu sitzen und die Beschleunigung zu spüren, wenn man mit dem Fuß das Gaspedal antippte. Es störte ihn auch nicht, daß Anna kein Wort über seine Neuerwerbung verloren hatte, als er sie heute morgen abgeholt hatte. Autos waren dazu da, um damit von A nach B zu fahren, und damit hatte es sich. Aber sie hatte gelächelt, als er ausgestiegen war, um ihr die Tür zu öffnen, und er wußte, daß sie sich für ihn freute.
    Natürlich hatte sie auch ein Geschenk für ihn, das er aber erst heute abend öffnen durfte, wenn er allein war. Martin warf einen verstohlenen Blick nach hinten und fragte sich, was es wohl mit dem im Silberfolie gehüllten Päckchen auf sich hatte, das auf der Rückbank lag.
    Warum wollte Anna nicht, daß er es in ihrem Beisein öffnete?
    Die einzige Möglichkeit, die ihm einfiel, war, daß sie sich nicht sicher war, ob es ihm überhaupt gefiel. Vielleicht wollte sie ihm die Peinlichkeit ersparen, sich für etwas bedanken zu müssen, das er gar nicht mochte. Das war natürlich Unsinn, denn Anna besaß einen sicheren Geschmack, der grobe Mißgriffe ausschloß. Auf der anderen Seite reagierte sie jedoch extrem empfindlich, wenn Martin nicht aufrichtig war oder ihr etwas verschwieg. Und so hatte sie wohl einen Weg gesucht, der diese Möglichkeit von vornherein ausschloß ...
    "Wo fahren wir eigentlich hin?" erkundigte sich das Mädchen neugierig.
    "Verrat' ich nicht", grinste Martin.
    "Ich hätte doch auf meine Mutter hören sollen ..."
    Natürlich wußte Martin, wie es weitergehen würde, aber er war kein Spielverderber.
    "Warum denn?"
    "Sie hat gesagt, ich soll nicht zu fremden Kerlen ins Auto steigen ..."
    Das mit dem Auto war neu, der Rest allerdings wohlvertraut.
    "Ich bin ja nicht fremd."
    "Trotzdem."
    "Trotzdem, was?"
    "Soll ich's nicht machen ..."
    Das war so gut, daß sie beinahe gleichzeitig laut herausplatzten. Der Umstand, daß sie in den letzten Wochen kaum eine Gelegenheit ausgelassen hatten, "es zu machen", verlieh der Situation zusätzlichen Reiz. Als sich ihre Blicke begegneten, las Martin in den Augen des Mädchens etwas, das ihn das silberne Päckchen auf dem Rücksitz sofort vergessen ließ. Vielleicht, nein, wenn er den Schimmer Rot auf Annas Gesicht richtig deutete, sogar mit einiger Wahrscheinlichkeit, würde er gleich noch ein besonderes Geschenk bekommen ...
    Das Spiel hatte jedenfalls begonnen, und es lag an ihm, es in die gewünschte Richtung zu lenken.
    "Hat deine Mutter auch was von einsamen Waldwegen gesagt?" erkundigte er sich interessiert. Der Zeitpunkt war geschickt gewählt; kaum zweihundert Meter voraus kreuzte ein Forstweg die Schnellstraße.
    "Hat sie ...", Anna nahm den Ball auf und spielte ihn zurück. "Davor soll ich mich besonders in acht nehmen."
    Vorsichtig verminderte Martin die Geschwindigkeit und wartete auf eine Reaktion.
    Sie kam prompt.
    "He, was soll das? Du willst doch nicht etwa da reinfahren?" rief das Mädchen und deutete auf einen verwitterten Wegweiser. "Howard's Green - nach fünf Meilen erreichen Sie das Ende der Welt."
    "So weit kommen wir wahrscheinlich gar nicht", murmelte Martin, während er im Schrittempo auf die schmale Forststraße einbog. "Das Kühlwasser kocht. Hier ist doch bestimmt irgendwo ein Bach oder eine Quelle ..."
    "Das hat sie auch gesagt, meine Mutter", kicherte Anna und deutete auf die Temperaturanzeige, "daß den Kerlen keine Ausrede zu dämlich ist. Und wieso fahren wir eigentlich bergauf, wenn wir Wasser suchen?"
    "Noch nie was von Bergquellen gehört?"
    Wieder lachten sie, aber nicht mehr so unbeschwert wie vorhin. Die Spannung zwischen ihnen war jetzt deutlich zu spüren, auch wenn sie sich alle Mühe gaben, sie zu überspielen.
    Martin hatte inzwischen einen geeigneten Parkplatz ausgemacht, eine Bresche im Unterholz, ganz in der Nähe einer kleinen Lichtung, die er nur zu gut kannte. Damals hatte Nik hier den Lieferwagen seines Vaters geparkt ...
    Er schlug das Lenkrad nach rechts ein und hoffte, daß sich unter dem hohen Gras kein Hindernis verbarg.
    "Und was wird das jetzt?" erkundigte sich das Mädchen, als sie den Fahrweg verließen und der Wagen ruckelnd zum Stehen kam. "Siehst du hier irgendwo Wasser?"
    "Nee", grinste Martin und zog den Zündschlüssel ab, "aber vielleicht genügt es ja, wenn wir dem Motor ein paar Minuten Pause gönnen."
    "Ein paar Minuten, aha ... und was machen wir solange?"
    "Wir könnten ein Stück spazieren gehen", schlug der Junge vor. "Waldspaziergänge sollen gesund sein." Er stieg aus und öffnete den Kofferraum.
    "Und dazu brauchen wir ganz dringend eine Decke, ja?" bemerkte Anna sarkastisch.
    "Na ja, falls wir unterwegs müde werden ..."
    "Ich hätte doch auf meine Mutter hören sollen ...", seufzte das Mädchen, nahm aber bereitwillig Martins Hand. Der Pfad war schon nach einigen Metern kaum noch zu erkennen, und sie mußten sich tief bücken, damit ihnen die Zweige nicht ins Gesicht schlugen. Martin ignorierte Annas fragende Blicke und ging unbeirrt weiter. Es war Jahre her, daß er zum letzten Mal hiergewesen war, dennoch war er seiner Sache sicher. Er wußte, daß es nicht mehr weit sein konnte, und tatsächlich lichtete sich wenig später das Unterholz und sie waren am Ziel.
    Es war eine grasbewachsene Lichtung, kaum zwanzig Meter im Durchmesser, in deren Zentrum sich ein merkwürdig geformter Felsblock erhob. Mit seiner fast ebenen Oberfläche ähnelte er einem gewaltigen versteinerten Baumstumpf. Ganz in der Nähe lagen zwei weitere Felsbrocken, die Martin vergleichsweise winzig erschienen.
    Hatten sie sich damals wirklich dahinter versteckt?
    Die Sonne stand mittlerweile beinahe senkrecht am Himmel und tauchte die Lichtung in einer verschwenderischen Fülle von Licht und Farben, die durch den Kontrast zu den schattigen Wäldern ringsum beinahe unwirklich erschien.
    "Marty?" In der Stimme des Mädchens lag ein Unterton, der Martin zur Vorsicht mahnte. Das Spiel war noch nicht zu Ende.
    Er drehte sich um und setzte eine unschuldige Miene auf: "Ja?"
    "Das ist doch kein Zufall, oder?"
    "Nee, nicht direkt." Martin grinste und breitete die Decke auf dem weichen Grasboden aus.
    "Du warst also schon mal hier?"
    "Kann schon sein ..."
    "Und mir wem?" setzte Anna das Verhör fort.
    "Weiß nicht mehr", versetzte der Delinquent unbeeindruckt und ließ sich mit einem wohligen Seufzer auf der Decke nieder. "Kommst du?"
    "Wann ich komme, entscheide immer noch ich!" versetzte das Mädchen schnippisch und biß sich gleich darauf in gespielter Verlegenheit auf die Lippen.
    Martins spürte ein verdächtiges Zucken in der Nähe seines Zwerchfelles, doch bevor er die Bemerkung loswerden konnte, die ihm auf der Zunge lag, gab Anna plötzlich ihren Widerstand auf und setzte sich zu ihm.
    Als sie ihn ansah, blitzten ihre Augen mutwillig: "Und jetzt?"
    "Na ja ...", der Junge schien ein wenig unschlüssig zu sein. "Wie wär's zum Beispiel mit ..." Er beugte sich vor und flüsterte ihr etwas in Ohr.
    "Martin Lundgren, schäm dich!" Das Mädchen imitierte die Stimme von Mrs. Sutherland, ihrer Geschichtslehrerin, so hinreißend, daß Martin Mühe hatte, ernst zu bleiben. "Ich kann nicht glauben, daß du ein derart schmutziges Wort in Anwesenheit einer jungen Dame in den Mund nimmst."
    Daß Annas linke Hand dabei wie zufällig über seinen Schoß strich, gab der Strafpredigt eine besonders eigenwillige Note. Die Erektion begann zu schmerzen.
    "Entschuldigen Sie, Mrs. Sutherland", Martin gab sich zerknirscht. "Aber ich hatte nicht den Eindruck, daß besagte junge Dame an meinen Äußerungen Anstoß nimmt."
    "Frechheit!" empörte sich Anna, während sie ihren Slip abstreifte. "Klar nehme ich Anstoß!"
    "Okay", seufzte Martin. "Dann bitte ich hiermit in aller Form um Vergebung." Seine Stimme klang ein wenig gepreßt, da er gleichzeitig einige Mühe aufwenden mußte, um sich aus seinen Jeans zu befreien.
    "Damit ist es aber nicht getan", beharrte das Mädchen, das seine Bemühungen mit unverhohlenem Interesse verfolgt hatte.
    "Natürlich nicht", murmelte Martin und machte ein harmloses Gesicht. Seine linke Hand begab sich auf Entdeckungstour.
    "He, was soll das?" beschwerte sich Anna, aber das gehörte genauso zum Spiel wie der tadelnde Blick, mit dem sie den Erfolg seiner Suche quittierte. Die Reaktion ihres Körpers war allerdings weniger zurückhaltend. Martin war kein besonders erfahrener Liebhaber, aber die Angelegenheit duldete offenbar keinen Aufschub.
    So muß sich eine Handgranate fühlen, kurz bevor sie explodiert, dachte er noch, als ihn das Mädchen in seine Arme zog. Dann übernahm ein Teil seines Ichs, das die ganze Zeit über auf diesen Augenblick gewartet hatte, die Kontrolle über sein Bewußtsein und gab es erst wieder frei, als die Welt in einer leuchtenden Feuerwerksblume explodiert war.

    Gruß
    K.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Liebesszene - aus "Martin Lundgrens Traum"

    mir hat gefallen, dass diese story nicht trivial ist.
    es ist etwas geheimnisvolles, dass im hintergrund agiert. ein wenig angst, ein wenig unheil. vor diesem nur schemenhaften geahnten wickelst Du diese liebesbeziehung ab, die selektiert evt. trivial wäre, weil millionenmal geschrieben. aber...wie geht es weiter? was scheint da durch, was Du nicht gesagt, nur angedeutet hast?


    in diesem sinne
    liebgrüß
    julika

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Liebesszene - aus "Martin Lundgrens Traum"

    Danke, juleika.


    Du hast natürlich recht, die Szene ist Teil einer umfangreicheren Episode und das Idyll nur ein Zwischenspiel ...


    Martins Vater liegt im Sterben, und Annas Familie will zurück nach Italien gehen.


    Der sonnige Tag sei ihnen deshalb gegönnt.


    Viele Grüße
    K.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Liebesszene - aus "Martin Lundgrens Traum"

    Völlig mißraten. Das Ganze wirkt steif, verhörartig und sprachlich hölzern. Dunkle Vokale herrschen vor, zudem ein komplizierter Satzbau. Das Liebesspiel ähnelt einem Frage-Antwort-Szenarium. Man vergleiche die Anzahl der Fragen in dieser "Liebesszene" mit der in bernouillys Italienreise.
    Die Protagonisten kommen nicht in die Gänge, keine Katastrophe, keine finale Erlösung oder dergleichen. Plätscherndes Nichts.
    Ich würde den Text noch goutieren, wenn damit die empathische Indolenz eines Technikers, des homo faber, thematisiert worden wäre, aber auch das kann ich nicht entdecken.

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