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Thema: Geschichten von Gott

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Geschichten von Gott

    Gott liebt Gänseschmalz, und die Menschen liebten es auch. In Seinem unaufhörlichem Bestreben, Sich und den Menschen durch die Wunder Seiner Schöpfung jeden erdenklichen Wunsch zu erfüllen, rief Gott Luzifer vor seinen Thron. "Engel des Feuers, brat mir auf der Stelle alle Gänse der Erde. Ich empfinde Lust, Schmalz zu erschaffen, und Du besitzt nun mal die größeren Herde!"
    "Aber, Allmächtiger, wer soll denn nur die ganzen Gänse schlachten und rupfen?" Der Fürst der Finsternis wagte tatsächlich, gegen Gottes Ratschluss praktische Überlegung zu setzen.
    Der Herr runzelte die göttliche Stirn, Sternenstürme brausten durch das All und Seine Stimme hallte wie tausendfacher Donner: "Luzifer, laufen nicht genügend Heiden durch Deine Gefilde, Unwissende und Unbelehrbare, welche in alle Ewigkeit nicht den Versuch einer Bekehrung lohnen: Diener dieser einen Kirche, Blaublütler, Juristen und ihre Henker, Wissenschaftler, Philosophen und Künstler, da besonders die geschwätzigen Erzähler? Nimm jene und vergiss auch nicht die Politiker, welche besonders verstehen zu rupfen!"
    Es geschah nach Gottes Wille, wie alles nach Seinem Willen geschieht. Schon bald durchdrang der Duft nach gebratener Gans auch den letzten Winkel der Unterwelt. Luzifer, Herr über alle Qualen, beeilte sich, die leckeren Vögel aus den Öfen zu bekommen, drohte doch das Wasser in den Mündern der armen Seelen, das Höllenfeuer zu löschen. Nachdem er die knusprigen Braten zusammen mit dem ausgelassenen Gänsefett im Himmel abgeliefert, eilte er auch flugs zurück, die Disziplin wieder herzustellen und Heiden aus Villa Riva die Bratreinen waschen zu lassen.
    Gott zog sich mit den goldbraunen Gänsen in Seine Versuchsküche zurück, denn auch die Schöpfung von Schmalz bedarf der Erprobung. Ein Vorteil lag bei Ihm, allwissend kannte Er jedes Rezept. Doch selbst das allerbeste Rezept braucht noch die Verkostung, auch das wusste Er, der den Gaumen geschaffen.
    Gott machte Sich ans Werk: Allein aus Seinem Willen trennte Er das Fleisch vom Gebein, würfelte es klein und mischte es durch ein Zwirbeln Seiner buschigen Augenbrauen unter das Gänsefett. Luxus, aber ein lässlicher - ein wenig Bratenfleisch im Schmalz waren noch nie eine Sünde. Nun steckte Er, den Geschmack zu versuchen, Seinen Zeigefinger in das Gemisch, und - fast hätte die Gloriole des Fingers das schöne Schmalz verbrannt - kostete: Es fehlte das Salz täglicher Sorgen.
    Dem war schnell abgeholfen, noch ein paar geröstete Zwiebeln des guten Gewissens und drei Äpfel vom Baum der Erkenntnis, gleich danach der nächste Versuch. Er schnalzte mit der Zunge: Einfach göttlich, das Gänseschmalz!
    Auch die Menschen waren begeistert. Sie aßen und aßen und fraßen und platzten.


    Diese Geschichte ereignete sich im Jahre 2004 des Herrn. Gott war gezwungen, Seine Vorhersehung zu revidieren, welche das Ende der Menschheit für 2006 festgeschrieben, wenn die Sozialdemokraten auch die nächste Wahl gewinnen und Deutschland nicht Fußballweltmeister werden sollte.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Geschichten von Gott

    ...endlich gehört die Welt uns Vegetariern.
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  3. #3
    rodbertus
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    AW: Geschichten von Gott

    Streich die Erklärungen!
    Streich 25% der Adverbien und Adjektive!
    Nimm Deinen Hang zur Hypertrophie um 23,33% zurück.


    Dann wird's vielleicht ein manierlicher Text.

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Geschichten von Gott

    Nichts streichen! Das ist ein Text über "Fett", lieber Robert.
    Hannemann und Schmalz - Gott erhalz!

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Der Duft der Ente

    Der Duft der Ente


    Gott schritt durch das Gebirge, wollte einer einsamen Sennerin hoch droben auf der Alm in der Stunde ihres siebenundzwanzigsten Gebärens hilfreich zur Seite stehen - und bisher war jedes der sechsundzwanzig anderen Kinder, gezeugt von den unterschiedlichsten auf ihrer Almhütte übernachtenden Wanderern, durch die Hilfe des Allerhöchsten großartig gewachsen und putzmunter. Der Herr liebt eben Kinder über alle Maßen. Gut gelaunt sang Er mit sonorer Stimme ein fröhlich Liedlein, welches, aus dem Göttlichen übertragen, folgendermaßen klang: "O Mann, bin Ich froh, Gott zu sein, darf Kinder ins Leben setzen! Bin nicht irgend so ein komischer Heiliger, der außer Halleluja-Gesang gar nichts Vernünftiges zu Stande bringt. Oder viel schlimmer, wohlmöglich ein Koch, welcher Wildenten den Arsch aufschneidet und sie, ekelhaft, ausweidet, die solch einen Gestank, dass selbst Ich, der Herr, krank. Das fehlte mir noch!" Ihm kam der Gedanke, dass Er ja auch den abscheulichsten Gestank der Erde im Gedärm einer Wildente geschaffen, und fragte Sich ernsthaft, wie um alles in der Welt Er auf diesen Einfall gekommen.
    Am Wegesrand wartete im Gewand eines blauen Enzians Luzifer, mochte wieder einmal versuchen, den Vater alles Seins von der rechten Straße abzubringen, um bei einer Fehlgeburt der Sennerin die Seele des Neugeborenen zu krallen. Scheinheilig, ein gefallener Engel, erkundigte er sich nach den Absichten des Herrn: "Wohin des Weges, mein Schöpfer?" Als ob jemand überhaupt, und sei es der Teufel selbst, die Pfade Gottes ergründen könnte.
    Der Allmächtige ließ Sich in Seinem Frohsinn nicht stören, hatte längst schon Satanas an seinem Geruch erkannt, welcher Ihn gleichfalls an eine Wildente erinnerte, die ja auch geflügelt. Jovial gewährte Er dem Belzebub eine Antwort: "Zur Zenzi auf die Alm, sie ist allein mit ihren Kühen und erwartet Fünflinge. Jemand muss sie melken!"
    Fünflinge, für eine, unschuldige Seelchen? Welch reiche Ernte für den Teufel an einem einzigen Tag! Der göttliche Geburtshelfer musste unbedingt aus dem Konzept gebracht werden. "Melken, wen, die Zenzi?"
    Kann Gott beleidigen? Er konnte: "Blödmann, natürlich die Kühe!"
    "Und wenn ich Dir gegen Deine Absicht Steine in den Weg lege?" Mit diesen Worten zeigte sich Luzifer in wahrer Gestalt, in der eines Drachen, furchterregend und feuerspeiend.
    Der Allerhöchste übte Milde: "Welcher Stein könnte Mich schon aufhalten?"
    Darauf hatte der Drache nur gewartet: "Ein Felsen, der von Dir geschaffen!"
    Das war interessant, der Herr setzte sich auf eine Bank, gestiftet von den hiesigen Wildentenjägern, und überlegte: Bin Ich, der Allhebende, in der Lage, einen Felsen zu schaffen, welchen Ich nicht auch zu lüften vermag? Für einen göttlichen Augenblick war Er verwirrt, für einen göttlichen Augenblick drohten die Grundlagen Seiner Schöpfung im Chaos zu versinken. Diesen winzigen Moment nutzte der Satan, flog als Wildente verkleidet zur Zenzi und belurte lüstern ihre Wehen.
    Der Allmächtige beschloss, den Versuch zu wagen: Mit all Seinen Kräften - und das sind ne ganze Menge - schuf Er ein Felsgestein, welches so gewaltig, dass es sogar allen Göttern, griechische, römische und selbst germanische eingeschlossen, unmöglich war, diesen gigantischen Brocken auch nur um einen Millimeter zu lupfen. Es war das größte aller erdenklichen Wunder - Gott, der Grenzenlose, schien Sich Grenzen gesetzt zu habe - und gleichzeitig das Ende des Glaubens. Resigniert ließ der Herr die Segen bringenden Hände auf seinen Oberschenkeln ruhen: Es, Er ist vorbei! Nur schwach nahm er noch wahr, dass Ihm etwas fehlte, Gestank der Wildente, des Teufels Parfüm.
    Hundsfott miserabliger, Bocksfuß vermaledeiter, Luzifer hatte Ihn reingelegt! Mit einem wütenden Satz sprang Gott auf die göttlichen Beine, mit einem Tritt kickte Er den Fels ins nächst sich drehende schwarze Loch, und dem Fönsturm gleich raste der erneut an Sich Glaubende zur Alm, Zenzi und die Kühe zu melken.


    Ein weiteres Mal musste Luzifer sich eingestehen, gegen den Höchsten niemals bestehen zu können. Noch in den Federn einer Wildente flog er zum nächsten Tümpel und überfraß sich an den Wasserpflanzen, welche jenen höllischen Gestank erzeugen. Die Wanderer aber, welche weiterhin in der Almhütte und bei Zenzi nächtigten, delektierten sich noch lange an frischer Milch, die mit Segen bringender Hand gemolken von Gott.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Der Duft der Ente

    Man nehme
    - ein Dutzend gute Gedanken, aus der linken Hirnhäfte
    - einen Glauben an den lieben Gott, wie ihn nur ausgesuchte Hausschlachtereien in stets gleichbleibender Qualität führen
    - reichlich frische Landluft
    - fette Worte ohne Geiz
    - bestäube sie leicht mit einer Prise Humor


    Das Ganze schreibe man frei von der Leber weg, ohne Schwermetall. Gleich nach der Zubereitung genossen, ein ebenso einfaches, wie köstliches Mahl, Vergleichbares wäre Pellkartoffeln mit einem Butterflöckchen.

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Schnee von gestern

    Schnee von gestern


    Gott überwachte den Schnee, denn selbst dieses entspricht Seinem Willen, dass auch nicht die geringste unter den Flocken an einen anderen Ort geschneit käme, als ihr vom Anbeginn der Schöpfung vorherbestimmt. Schnee ist wichtig, schützt, düngt neues Werden. Nebenbei hält er noch schön kühl und frisch. Das wusste auch Luzifer, der um eine Audienz bei Gott gebeten. Nun stand er vor des Höchsten Thron: "Herr des Wetters, in der Hölle hat es eine Abstimmung gegeben. Die Verdammten verlangen mehrheitlich etliche Tonnen Schnee, die Hitze ein wenig erträglicher zu gestalten."
    Der Allerhumorvollste lächelte wahrhaft amüsiert: "Mann, Geschwänzter, alter Freund und Seelenstecher, seit wann erlaubst du in deinem Reich demokratisches Verhalten?"
    Nun grinste Satan seinerseits - satanisch: "O Du letzte Wahl, ist nicht die Demokratie eine besonders perfide Art, meinungslose Seelen zu quälen?"
    Der Herr, der noch nie etwas mit demokratischer Weise am Hut, stutzte: "Ach, du meinst, eine Abstimmung, gefolgt von einem Streit über die allerletzte Schneeflocke wäre die ultimative Folter in deinem Höllenfeuer?" Gott ist nicht schadenfroh, doch für phantasievolle Verbesserungsvorschläge immer zu haben; besonders seitdem Er die Offenbarungen eine gewissen heiligen Johannes gelesen.
    "Auch, aber das wäre beileibe nicht der wichtigste Aspekt!" Luzifer dachte wie alle Teufel mehr philosophisch: "Siehe, Du Selbst hast den Menschen das Wort geschenkt. In einer Diktatur behält der Führer gleich Dir, entschuldige, stets das letzte Wort. In der Demokratie jedoch stiftet die Sprache der verschiedenen Parteien nur Verwirrung. Der Bürger weiß nie, wohin zu seinem Wohle sich zu wenden, lebt mit seinem Gewissen ständig zwischen Hin- und Herriss; so er denn eines hat."
    Der Allmächtige, etwas angefressen wegen des Vergleichs mit dem Führer, dem Er nie und nimmer eine Schneeflocke zugedacht, warf ein: "Auch in der besten Demokratie lebt das Volk nur nach den Überzeugungen der Führer!"
    "Nach ihren Wünschen, die sie wortgewaltig als Notwendigkeiten erscheinen lassen. Herr, ich weiß nicht, wie weit Du in letzter Zeit in die Tagespolitik eingeweiht bist", das war eindeutig Ketzerei, "aber ich möchte Dir ein Beispiel nennen: Einstmals verlangten die Anführer einer Partei, welche sich die Umwelt auf ihre Fahnen geschrieben, nicht ganz uneigennützig die straffreie Verteilung von Schnee an jeden, der ihn wollte und brauchte. Andere politische und kommerzielle Vereinigungen hingegen malten schlimmste Bilder: Halluzinationen, Sittenverfall, Abmagern, Not und Tod wären die unausweichlichen Folgen völliger Freigabe. Siehst Du, großer Gott, Menschen, die es anging und welche nebenbei gesagt die Hölle zuhauf bevölkern, litten unter einer nur fern am Firmament hängenden Hoffnung; allein durch das unterschiedliche Wort. Und das so lange, bis die nächste Wahl im Hause stand: Vier Jahre zwischen Hoffen und Bangen gefangen, das lob ich mir als wahrhaft teuflische Qual."
    "Also, was schließen wir daraus?" Gott sprach in der Mehrzahl, den Singularis zu wählen, hätte in dieser prekären Frage nur den Nimbus Seines Allwissens beschädigt.
    "Herr, als Dein allerliebster Teufel bitte ich Dich inständig: Lass es öfter schneien!"

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Schnee von gestern

    da hab ich heute wieder die gottesdienste verpennt, den katholischen um 9 uhr und auch den richtigen um 10 uhr. wie jeden sonntag. aber dafür hab ich heute laut und inbrünstig deinen wildenten-rap mitgesungen, hannemann. IHm zur ehre und meiner seele zur labe.


    um mehr dieser erbaulichen geschichten bittet:
    harry, grüßend.

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Heiliger Erfindergeist

    Danke, Harry, das Schlimme, mir fällt so oft nichts ein. Der Herr, Ihm sei gedankt, hat mich mit vielen Gaben gesegnet - Schönheit, Reichtum und ewige Jugend -, doch aus dem Topfe unerschöpflicher Phantasie durfte ich nicht trinken.
    Was soll's, genießen wir die wenigen Momente, und, Harry, hol schon mal den Wagen!



    Heiliger Erfindergeist


    "Allmächtiger, ich habe läuten hören, es liefe so ein Gerücht über die Erde!" Eindeutig, Luzifer führte Satanisches im Schilde, war die hinterfotzige Bosheit selbst.
    "Was denn für ein Gerücht?" Gott nuschelte des Heiligen Geistes abwesend, war viel zu beschäftigt mit der Erprobung eines neuen Lebewesen, das den heutigen Zeiten angepasst; eines mit Rädern! - Hör mal, Luzi, weil du gerade da bist, was müsste ein Tier außer Räder noch besitzen, um bei den jetzigen Gegebenheiten, aalglatte Asphaltstraßen, geteerte Rollfelder und den unterschiedlichsten Fahrzeugen, welche diese benutzen, klar zu kommen?"
    Automobilica, das Thema für den Satan - im übrigen BMW-Fan -, welche ihm schon viele Seelen zugebracht. Hellwach witterte er eine Chance auf reiche Beute: "Dieses Animal sollte funktionieren wie ein Sports Activity Vehicle mit einer Common Rail Injektion für High Speed, welche über eine Steptronic gesteuert ist."
    Gott zog die buschigen Augenbrauen in himmlische Höhen: "Habe Ich vielleicht diese Sprache erschaffen? Mann, Samiel, drück dich gefälligst deutlicher aus!"
    Luzifer beeilte sich zu gehorchen, wollte die Gelegenheit, Ratgeber des Herrn zu sein, nicht vertun: "Verständlicher gesprochen, Höchst Erhobener, müsste dieses Vieh nur unendlich schnell sein."
    Gott nickte mehrfach in schweren Gedanken gefangen, bedachte die Folgen: "So, unendlich schnell? Und wie, du Experte, soll so ein Tier diese Geschwindigkeit wieder abbremsen? Mit der Zunge vielleicht? Letztendlich muss es einmal fressen oder auch nur bieseln. Bedenke, Räder haben keine Krallen!"
    Der Satan bemühte sich schwer, ein überlegenes Lächeln zu unterdrücken. "Großer Gott, ein innenbelüftetes Compound-Brakesystem mit elektronischer Bremskraftverteilung wurde von den Menschen doch längst erfunden."
    Der Allwissende stutzte, erhob Sich schließlich zu Seiner vollen Größe - "Weißt du was, Belial!" Wenn ihn Gott so offiziell ansprach, wurde es bedrohlich; dann war er wieder der geschwänzte, spitzohrige Teufel mit einem Vogelgesicht am Gesäß, aus dem furchtbare Reißzähne drohten, und mit übergroßen zweigeteilten Hufen. - Du und deine Erfinder, ihr könnt mich mal!" -, feuerte Seinen tierischen Versuch, der einem Trabi ähnelte, auf den hintersten Sternenhaufen und verschwand tief getroffen im Andromedanebel. Doch Gott wäre nicht der alles Verstehende und alles Verzeihende, hätte sich nicht noch einmal Seine Stimme aus den Nebelgebilden erhoben: - Übrigens, Luzi, was für ein Gerücht?"
    Fast, aber nur fast hatte der Teufel ein schlechtes Gewissen, den Höchsten aufzuklären: - Die Fama geht, dass der Mensch Gott nach seinem Ebenbild erfand!"

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Vorteile des rechten und des linken Glaubens

    Vorteile des rechten und des linken Glaubens


    Im Heidenland hatte eine Sturmflut gewütet, dreihunderttausend Tote. Luzifer war es trotzdem nicht zufrieden, mehr Masse denn Klasse, viel zuviel Verwaltungsaufwand für viel zu wenige Diamanten. Missmutig fragte er Gott: "Sag einmal, Herr, der Du verantwortlich für die ganze Menschheit bist, warum hast Du eigentlich Heiden erschaffen?"
    Der Allgegenwärtige, gerade von einer Vergnügungsreise aus Thailand zurück, war bester entspannter Laune und Sich im Moment nicht zu schade, dem Teufel selbst in Seine Absichten Einblick zu gewähren: "Das ist sehr einfach zu beantworten, für Experimente und manchmal auch für Meine ganz persönliche Lust!"
    "Bitte?" Der gefallene Engel verstand nur Ubahnhof. "Was für Experimente, und seit wann verspürst Du Lust, welche zu vermitteln doch allein mir vorbehalten sein sollte?"
    "Du fragst nach meinen Experimenten und dabei hast Du soeben aus einem solchen Versuch überaus reiche Ernte erhalten. Aber ehrlich, Luzi, manchmal weiß selbst Ich nicht, wie das ökologische Gleichgewicht zu halten ist, und dann probier Ich eben ein wenig herum. Und genau für dieses Herumprobieren ist die Unzahl an Heiden gut, oder soll Ich vielleicht für jede kleine Katastrophe Meine geliebten Christen hernehmen?" Gott amüsierte Sich göttlich.
    "Aha, nun das leuchtet mir ein, obwohl ich, schon aus Gründen der Reinheit, Christenseelen und da besonders die der Katholiken bevorzuge. Doch was ist mit Deiner Lust, welche eigentlich Wesenheit der Menschen?"
    "Stammen nicht alle Gefühle, selbst die oft verteufelten, aus Mir? Und was spricht dagegen, wenn Ich diese Gefühle auch einmal lebe?"
    "Nichts, rein gar nichts spricht dagegen!" Luzifer jubelte Zustimmung. Linste er, unvorstellbar, vielleicht schon auf die Seele des Höchsten? "Nur warum, mein lieber Gott, gestattest Du Dir für Deine Lust nicht die Rechtgläubigen, welche immerhin das höher einzustufende Menschenmaterial sind?"
    "Oh Gott, Luzi, und ich dachte, du wärest ein Mann von Welt, einer mit Erfahrung! Natürlich ist auch das ein weiser Teil Meiner Vorausschau. Betrachte nur den Unterschied zwischen einer zierlichen, mandeläugigen Schönheit aus dem fernen Orient und einem deutschen Haflingerweibchen, die zwar rechtgläubig, aber mit gedrungenem Oberkörper und breitem, fettem Arsch. Wen, lieber Geschwänzter, nähmest du denn da für jene gewisse Stunden?"
    Dem Satan ging ein ganzer Kometenschweif auf: "Halleluja, Herr, zäfix halleluja, das ist wahre göttliche Weisheit! Die Schönen ins Bett und die Schierchen in die Kirche, wo sie nur im Glauben glühen. Aber", und nun kam ihm endlich, dass er einen Dreck im Schachterl hatte, "dann wären ja die ganzen reinen katholischen Seelen nur einen großen Haufen Scheiße wert?!"
    Gott lächelte, wie immer die Unfassbarkeit selbst.

  11. #11
    Bauer Hans
    Laufkundschaft

    Post Vorteile des rechten und des linken Glaubens

    Einen Kaspar hat mich jener Lektores an anderer Stelle genannt. Er, der höchstens ein Staubtrockenliterat.


    Ich sage euch, um Kaspar zu werden, muß man durch viele tiefe Täler wandern und viele Löffel Weisheit fressen. Und selbst dann ist es nicht jedem das Kaspartum gegeben.


    Wenn ihr allerdings obige Texte etwas genauer lesen würdet, möchtet ihr vielleicht bemerken, daß hinter der Komik noch anderes verborgen. Nur fragt mich nicht was!


    So, ab übermorgen lasse ich mich in Tirol verwöhnen. Frau Hanne wedelt die Berge herunter, ich wedel unter den Händen einer rothaarigen, Massage kundigen Fee hin und her. Und der Bauer Hans bleibt mit seinem Großknecht getreulich an meiner Seite.

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    Vorteile des rechten und des linken Glaubens

    Tirol: Wenigsten einer mit ein bissel Verstand!
    Der US-amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat seinen Landsleuten dringend abgeraten, am Wochenende München zu besuchen.

    Ihr müßtet wisssen, was es bedeutet, wenn ein US-amerikanischer Verteidigungsminister eine Warnung an seine Landsleute ausgibt: Bayern wird spätestens am Samstag dem Erdboden gleichgemacht!

  13. #13
    Sternchen
    Laufkundschaft

    AW: Geschichten von Gott

    So so ... eine rothaarige Fee, die der Massage kundig ist. *zwinker*
    Also andere Leute fahren aus ganz anderen Gründen nach Tirol, wie Frau Hanne zum Beispiel. *zwinker*
    Ich hoffe, Ihr erholt Euch gut!
    Bin gespannt, wie es mit dem Bäuerlein weitergeht.

  14. #14
    Tochter aus gutem Hause
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    Post An die Gewisse vom Achensee

    Dank Dir, Sternchen, für die guten Wünsche, und die Dame mit den güldenen Händen, ich widmete ihr ein Gedicht.... sie war auch ein solches:


    An die Gewisse vom Achensee


    Gott,
    mit dem ich gut zugange,
    schenkte dir eine blütenweiße Stirn
    und rotgoldenes Haar
    wie züngelnde Flammen.
    Dein Elfenhals, dein Busen
    rund und voll, deine Wangen
    sonnig gerötet.


    Brauen gab Er dir
    gleich züngelnden Flammen,
    Augen voller Licht
    und eine süße Mädchennase
    über einem Lächeln der Versprechung.
    Dazu den lieblichsten Körper,
    der meinen Glauben versuchte...


    Na ja, so oder ähnlich habe ich sie angemacht, doch sie, Tiroler Tomate, war einzig auf mein Trinkgeld scharf. Keine Lust auf vollkommene Lyrik, mein starkes Wort überzeugte nicht. Ich werde mich bei Gott beschweren!

  15. #15
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Konsequenz

    Konsequenz


    Gott lief barfuß über das rote Meer. An göttlichen Sohlen kitzelnde kleine Wellen stimmten Ihn heiter, und während Er beschwingt zu neuen Ufern eilte - Luzifer kraulte hechelnd neben Ihm her -, sang der Allermusikalischte erneut ein Liedchen, Sich und Seiner Schöpfung zu Ehre: "Mann, bin Ich froh, Ich selbst zu sein und nicht ein winzig Menschilein! Im Grund ist jeder, der nicht Gott, ein Hundsfott und ein armes Schwein. Darum adieu ihr Menschen, die ihr lebt in Schmach. Runter geht die Welt den Bach, allein, Ich trag euch das nicht nach. An allem ist der Glaube schuld, bei dem gibt's immer Krach!"
    Der Satan kam aus dem Kraultakt, lauschte mit offenem Mund und verschluckte sich beinahe am salzigen Wasser. "Herr, soll das vielleicht bedeuten, Du bist für diesen Krieg, den selbst Dein Stellvertreter auf Erden mit aller Kraft verhindern möchte?"
    Gott ließ Sich nicht beirren, schritt und sang einfach heiter weiter: "Nur was der Schöpfer fügt, geschieht, nicht was die Menschen dumm beginnen. Und dennoch soll ein frommer Papst auf möglichst viele Mittel sinnen."
    Luzifer konnte es nicht fassen: "Verdammt noch mal, Du großer Gott, das kann doch nicht wahr sein! Du hast tatsächlich ihren Untergang beschlossen? Du, der sie geschaffen und über alle Maßen liebte?! Du, der ihnen den Weg gezeigt, welchen sie allerdings niemals beschritten haben?!" Erst jetzt kam Belzebub die Konsequenz: "Und was soll dann mit mir geschehen, der ich auf sündige Seelen angewiesen bin?" Seine verzweifelte Klage türmte die Wellen zu Bergen.
    Der Herr hielt inne. Während der Gehörnte wie wild Wasser trat, um nicht im Meer zu versinken, trug Sein eiserner Willen Ihn auch noch auf den höchsten Wogen: "Nun mach dir mal keine Gedanken, gut ausgebildete Teufel braucht man in jedem schwarzen Loch. Und was das andere betrifft, na ja, eigentlich hatte Ich Mich nur für einen überschaubaren Krieg entschieden. Du verstehst schon, eine Million Tote oder so, Umverteilung halt, mehr Qualität für weniger Lebende. Aber mittlerweile geht Mir das Gehabe Ihrer Anführer gewaltig auf den göttlichen Sack. Und Alles in Meinem Namen!" Nun war es mit der guten Laune vorbei, Gott tobte, eine Sintflut erhob sich. "Die einen halten sich für die Guten, Herrscher über Gottes eigene Welt, obwohl sie, meist Nachkommen von Verbrechern, nur überhebliche niveaulosen Deppen sind, die nicht einmal anständig zu essen verstehen. Und die anderen versprechen ihren verwirrten jugendlichen Anhängern das Paradies und dazu noch zweiundsiebzig bildhübsche Jungfrauen, wenn sie nur sich und genügend unbeteiligte Leutchen in alle Lüfte sprengen. Ja, sie zwingen Mich geradezu, diese Versprechen zu erfüllen, da die Attentäter meist noch unschuldige Kinder und von Irrlehren verblendet sind. Zweiundsiebzig Jungfrauen für Schulbuben, und das in diesen Zeiten! Ich schaff das nicht mehr, habe genug von diesem Gesindel! Ich schwemme es hinweg!" Das Meer leckte bereits an der Sonne.
    Bocksfuß horchte auf: "Herr, in allen Ehren, die Sache mit den Jungfrauen, betrifft das nicht eine fremde Fraktion?"
    "Allah? Ach Quatsch, nur ein weiterer Namen für Mein allgegenwärtiges Wesen. Diese Idioten, und Ich rede von beiden Parteien, haben Mich doch nie begriffen! Und dabei wäre es so einfach gewesen, sie hätten Mich nur..."
    Den Rest vermochte Luzifer nicht mehr zu verstehen, es interessierte ihn auch nicht, er hatte plötzlich eine Idee. Mit aller Macht ruderte er mit Schwanz und gesundem Fuß, hob sich aus dem Wasser und brüllte Gott hinterher: "Mein Allerwertester, mein Licht und meine Hoffnung, wenn ich mir selbst noch schnell eine Bombe umhinge und diese zündete, bestünde dann für mich ebenfalls eine Chance, wieder zurück ins Paradies zu gelangen! Auf die Jungfrauen würde ich notfalls auch verzichten!"
    Gott hörte des Satans Bitte nicht mehr, war davongeeilt, die Vorhersehung zu erfüllen. Auf Seinen Lippen spielte ein sarkastisch Liedlein: "Gott ging euch wohl auf den Wecker, der blöde alte Mann. Doch bald hatte Er das spitz gekriegt und fing zu packen an. Ich alter Krüppel fall euch wohl zur Last? schien Er zu fragen und ihr brachtet es nicht übers Herz, 'das stimmt keinesfalls' zu sagen."

  16. #16
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Konsequenz

    Original erstellt von Hannemann:
    "Gott liebt Gänseschmalz, und die Menschen liebten es auch."

    Hannemann, ich kann nur sagen "Watn Scheiß"
    Bleib lieber bei deinen Hühnern

  17. #17
    Luzifer
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    AW: Konsequenz

    "Du lieber Mein Gott, was hast Du Dir eigentlich dabei gedacht, als Du die Sparten der Literatur erschaffen? Ich meine, da kömmt irgendsoein Geflügellyriker mit ein paar Worten daher "Du fliegst hinein in meine tiefe und wirbelst mit wachem flügelschlag...", und schon überschlägt sich die Welt im rasenden Applaus, während ein redlicher Schreiberling sich mühsam Geschichten über Dich, Großer Gott, aus seine Fingern saugt, ohne dass ein Schwein überhaupt davon Notiz nimmt. Allmächt, das ist doch zu Himmel schreiende Ungerechtigkeit!"
    "Nicht ganz, Luzi, nicht ganz! Die Seele des Lyrikers, welche schon auf Erden mit düstersten Gefühlen belastet, obwohl die Erde auch für ihn als Lust gedacht, wird in deinen heißesten Töpfen schmoren! Während ein Verfasser von löblicher Prosa, besonders wenn er im Leben viel gelacht, an meiner rechten Seite tafeln wird!"
    "Ja, wenn das so ist, Du Unendliches Wissen, besteht ja noch Hoffnung!"
    "Nicht ganz, Luzi, nicht ganz! Für Lyriker nicht! Erinnere dich des Hühnerfickens, ER IST DAS HUHN!"

  18. #18
    rodbertus
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    AW: Geschichten von Gott

    passend zu diesem text hier eine klage gegen gott, die doch tatsächlich abgeschmettert wurde.
    erstellt von : http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,584714,00.html
    Nebraska - Ein US-Gericht wies die Klage gegen Gott ab, weil der Beschuldigte keine Adresse habe, an die die Anklageschrift gesendet werde könne, berichtet die BBC.



    AP
    Ernie Chambers: Gott hat ihm Angst gemacht




    Der frühere Senator Ernie Chambers, der die Klage eingereicht hatte, kündigte an, gegen die Entscheidung anzugehen.


    Chambers hatte 2007 geklagt, weil Gott ihm und den Bewohnern Nebraskas Angst gemacht und "unter Abermillionen Erdbewohnern Tod, Zerstörung und Terror" verursacht habe.
    Richter Marlon Polk begründete seine Ablehnung des Prozesses damit, dass ein Beschuldigter die Möglichkeit haben müsse, die Anklageschrift zu lesen und das sei ohne Zustelladresse nicht möglich.


    Ernie Chambers sieht das allerdings anders. Das Gericht habe die Existenz von Gott anerkannt - und damit auch seine Allwissenheit. "Und wenn Gott alles weiß, hat er auch die Anklage mitbekommen", so Chambers laut BBC.


    Chambers, der 38 Jahre Senator in Nebraska war, will mit seiner Klage die abstrusen Seiten des amerikanischen Rechtswesens deutlich machen, in dem "jeder jeden verklagen kann, sogar Gott."
    unsinnig ist das nicht. bereits 1789 verfügten die USA im Alien Tort Statute das recht eines jeden, verstöße gegen menschenrechte einzuklagen. letztlich würde die kirche hier zur kasse gebeten werden müssen. ich sehe gute chancen für die klage. dran bleiben!

  19. #19
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Geschichten von Gott

    Ein Ordner, dem man es ansieht, daß hier noch etliche Geschichten erzählt werden können. Das eher brokat-eindimensionale Gottesbild des Ordnerführers harrt einer Erweiterung. Ein lustvolles Verhältnis besteht da zwischen dem Gefallenen und Fällenden.

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