+ Antworten
Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Regenwald

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    21.February 2003
    Beiträge
    125
    Renommee-Modifikator
    0

    Post Regenwald

    Regenwälder
    atmen ihr Getier in die Nacht
    Die Feuchte der Blätter
    sammelt sich im wilden Fluss
    hineintropfend
    in die leisen Gebete
    der Pflanzen und Tiere


    Wie Wolken
    des kleinen alltäglichen Glücks
    wabern die Nebel hindurch


    durchwebt von den Strahlen der Sonne
    die Lichtpunkte
    zwischen dem Tausendgrün tanzen lässt


    Alles ringt nach der Ausdehnung im Raum
    Erkämpft sich den Platz
    mit den mächtigen Wurzeln
    des eigenen Seins


    Äste ergreifen sich
    ungestüm und wild
    als wollten sie sich in Ekstase lieben
    oder ringen miteinander
    um Leben und Tod


    Doch der neue Keim
    atmet sich kraftvoll
    in zartes Hellgrün

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    10.July 2000
    Ort
    Duisburg
    Beiträge
    693
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: Regenwald

    ..., das ist ein einfacher Fall von einem guten Gedicht...

    Dem unkundigen Regenwaldtouristen stößt zwar ein Gegensatz auf zwischen erster Strophe , dort ist von "Nacht" die Rede, und dritter Strophe, wo "Strahlen der Sonne" betören. Irrtum hier? Nein, im Regenwald isses dunkel zuweilen, deshalb auch nichts Unlogisches hier.
    Was hier die Stimmung trifft und rüberbringt? Ich will's Euch verraten: Die Verben sind es. Hier hätte jeder Dilettant das Wachsen und Ringen, das Atmen und Schwingen mit Hilfe von Partizipien versucht im Zaume seiner Sprache zu halten. Nicht so die Autorin, sie überzeugt mit der schlichten und einfachen Anwendung treffender Verben. Man riecht Dschungel hier, schmeckt ihn und fühlt ihn auf der Haut, es ist nah und eindrucksvoll, aber ohne Übertreibung beschrieben, basta. Was noch hinzukommt, das erfreut mein esoterisches Herz, nämlich eine Prise Schamanenwissen, aber ich verrat nicht, wo die steht und würzt, ein guter Druide weiß das auch und wer die Vierte Dimension erklimmen kann, kann das ahnen allemale.

    herzlichst uis

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    21.February 2003
    Beiträge
    125
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Regenwald

    ... In dem Fall empfinde ich es wirklich so wie Du. Den Regenwald möchte ich tatsächlich nicht ändern. Er war tiefes, heilendes, heili-gendes Erlebnis in seiner Erhabenheit für mich. Ich versuchte, mit kleinen Mitteln an die empfundene Erhabenheit anzuknüpfen. Nicht jeder meiner Texte ist gut. Im Laufe der Zeit werden noch viele Korrekturen kommen von euch... Viele werde ich dankbar aufnehmen.... andere vielleicht auch nicht. Die, die ich vielleicht einmal nicht übernehme, wären diejenigen, wo meine Seelenempfindung die überhand über die Sprache behalten muss und sei es auf Kosten der Letzteren. Die Wahrhaftigkeit meiner Empfindungen sind noch größer als mein Ehrgeiz für die Schönheit von Sprache. Nicht immer. Manchmal. Ich werde es dann spüren. Und ich verlass mich dann auch auf dieses Gespür, weil es dann das noch "reinere" ist .... jenseits jeder berechtigten Stilkritik, die von einer anderen Betrachtungsweise aus durchaus dann immer noch berechtigt sein mag. Aber manchmal ist schreiben wie: beten....
    Dabei ist dann die Intention eine andere.
    DAS hier ist ein solcher Fall.


    Und dein An-Klang an "Schamanenwissen" ist nur eines: treffend... - weil aus diesem Wesenskern heraus empfunden, auch wenn ich leider keine Schamanin bin!


    Klammer war heute wertvoll für mich. Er hat mir nun eine echte Aufgabe beschert. Ich möchte ihr gerecht werden und werde mich damit auseinandersetzen...

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    4.545
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    26

    AW: Regenwald

    Mir wird heute noch schlecht, denke ich an dergleichen Texte. Ich nehme Leuten wie g. das schon ab, daß sie so empfinden und eben in der Weise Worte zu finden hoffen, in der sie sich dann auch anderen mitteilen wollen, um ein Gespräch zu initiieren. Das ist Menschenwerk. Aber mich dünkt, das Menschenwerkeln ist nur ein Kostüm. Dem Wesen nach sind's Unmenschen. Zu hart? Nein. Sie verstopfen mit derlei Geschnatter die Poren, hemmen noch jeden Gedanken, weil sie den erst "fühlend" durchleben müssen, dann wattieren und auf eine notdürftig erlernte Sprachwiese schleifen, wo sie recht kräftig durchwalken und vorsichtig - ja, vorsichtig! - glasieren, dem erwartungsfrohen Publicum kredenzen und Lob heischen. Mit ein wenig Glück leben sie nicht lange genug, meist aber sind sie zählebig, so wie ihr Geworte.

+ Antworten

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •