Parlamentarismus und Demokratie werden oft in einen Sinnzusammenhang gebracht, zuweilen auch zusammengedacht, synonymisiert. Das ist nicht korrekt. Parlamentarismus besitzt zwar, wie die Demokratie, die Kriterien der Öffentlichkeit und Transparenz sowie der Diskussion, aber während der Parlamentarismus nur eine Form der Regierung beschreibt, der Willensbildung eines öffentlichen Gremiums, so ist die Demokratie weitaus ausgreifender und geht über den Aspekt des Beherrschtwerdens weit hinaus, ja, sie nivelliert ihn geradezu. Parlamentarismus ist im grunde eher für eine Monarchie passend, denn KEIN Parlament kömmt ohne verschlossene Türen, geheime Absprachen und Postenschacher aus. Das sind KEINE Kinderkrankheiten, sondern Strukturelemente desselben, denn das wichtigste Kriterium des Parlamentarismus ist die Absprache, die Mehrheitsbeschaffung und all das, was mit Interessenausgleich und -befriedigung der sie erfüllen sollenden Berufspolitiker und Lobbyisten zusammenhängt, auch bei stabilen Mehrheiten im Parlament. Das Wesen des Parlamentarismus ist also der Kompromiß, eng zusammenhängend damit die Demagogie und das Geschäft.
Die Demokratie mag ohne Demagogie auch nicht auskommen können, gleichwohl jedoch lautet ihr Prinzip nicht Kompromiß, sondern Gleichheit. Eine Demokraitie kann zwar auf das Parlament zum Zwecke der Transparenz zurückgreifen, als Methode oder Mittel, gleichwohl gäbe es auch andere Mittel und Methoden, ihr zu genügen. Allerdings darf man gespannt sein, ob sich jemand findet, der ein geeignetes Mittel für Großstaaten findet. Das beste Mittel ist ein Parlament keineswegs, schon gar nicht der nicht selten aus dem Parlament hervorgehende Parlamentarismus resp. Parteienstaat.