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Thema: demokratie und andere krater

  1. #126
    Resurrector Avatar von aerolith
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    demokratie und parlament

    Parlamentarismus und Demokratie werden oft in einen Sinnzusammenhang gebracht, zuweilen auch zusammengedacht, synonymisiert. Das ist nicht korrekt. Parlamentarismus besitzt zwar, wie die Demokratie, die Kriterien der Öffentlichkeit und Transparenz sowie der Diskussion, aber während der Parlamentarismus nur eine Form der Regierung beschreibt, der Willensbildung eines öffentlichen Gremiums, so ist die Demokratie weitaus ausgreifender und geht über den Aspekt des Beherrschtwerdens weit hinaus, ja, sie nivelliert ihn geradezu. Parlamentarismus ist im grunde eher für eine Monarchie passend, denn KEIN Parlament kömmt ohne verschlossene Türen, geheime Absprachen und Postenschacher aus. Das sind KEINE Kinderkrankheiten, sondern Strukturelemente desselben, denn das wichtigste Kriterium des Parlamentarismus ist die Absprache, die Mehrheitsbeschaffung und all das, was mit Interessenausgleich und -befriedigung der sie erfüllen sollenden Berufspolitiker und Lobbyisten zusammenhängt, auch bei stabilen Mehrheiten im Parlament. Das Wesen des Parlamentarismus ist also der Kompromiß, eng zusammenhängend damit die Demagogie und das Geschäft.
    Die Demokratie mag ohne Demagogie auch nicht auskommen können, gleichwohl jedoch lautet ihr Prinzip nicht Kompromiß, sondern Gleichheit. Eine Demokraitie kann zwar auf das Parlament zum Zwecke der Transparenz zurückgreifen, als Methode oder Mittel, gleichwohl gäbe es auch andere Mittel und Methoden, ihr zu genügen. Allerdings darf man gespannt sein, ob sich jemand findet, der ein geeignetes Mittel für Großstaaten findet. Das beste Mittel ist ein Parlament keineswegs, schon gar nicht der nicht selten aus dem Parlament hervorgehende Parlamentarismus resp. Parteienstaat.

  2. #127
    Tochter aus gutem Hause Avatar von anderedimension
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    AW: demokratie und andere krater

    "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern"


     


    Das war vor etwa zwei Jahren...als de Maiziere diesen Satz von sich gab. Da war er Innenminister. Auch de M. versuchte sich mit der Kanzlerin anzulegen...aber als er von der Kanzlerin abgewatscht wurde...die ihm durch die Blume mit der Amtsenthebung drohte...machte er sofort wieder eine Rolle rückwärts. Ein Innenminister weiß am besten was im Land los ist - ist diesbezüglich besser und umfassender informiert als der Kanzler selbst.


    Diese Einleitung ist nötig um folgendes verstehen zu können:


     


    Seehofer wurde nicht aus dem Stegreif und auch nicht wegen der Bayernwahl (wie die fantasielosen Journalisten einvernehmlich glauben) hysterisch...sondern weil er in seiner Funktion als Innenminister nun weiß was wirklich in unserem Land los ist. Aber gerade weil er nun Innenminister ist...darf er das nicht ausplaudern - denn:


    "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern"


     


    Einiges davon wird dennoch an die Oberfläche kommen...aber erst dann...wenn es bereits zu spät ist. Heute schon ist es zu spät - und morgen ist es eben erst recht zu spät.


    Wenn die Bevölkerung auch nur ein Drittel von dem wüsste...das Seehofer heute weiß...würde bei uns ein Bürgerkrieg ausbrechen. Daran habe ich nicht die geringsten Zweifel

  3. #128
    Kurzvormabschussiger Avatar von WirbelFCM
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    AW: demokratie und andere krater

    Ich sage es ganz ehrlich: ich bin kein Freund der Demokratie! Jedenfalls nicht als Staatsform! Denn als solche war sie auch nie gedacht! Demokratie war im antiken Griechenland im ursprünglichen Sinne eine "Dorfverwaltung" (demos=Dorf bzw. Gemeinde ; kraten=den Karren ziehen (wörtlich) bzw. verwalten). Und auch dort hatten nur die Deme, die Bürge rund das Volk etwas zu sagen, der "Pöbel" (oder wie er damals genannt wurde die "Idios", Ursprung von "Idioten" ) hatte kein Stimmecht!

    Und das aus gutem Grund: denn Demokratie setzt Wissen voraus! Also ein aufgeklärtes Volk, das sich aktiv mit Politik beschäftigt. Laut Gauss'scher Verteilungskurve ist nämlich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung überhaupt fähig, sinnvolle politische Entscheidungen zu fällen und somit auch zu wählen. Wahlberechtigt ist heute praktisch jeder Deutsche, aber wahlbefähigt ist eben nur ein kleiner, elitärer Teil.

    Davon abgesehen ist Demokratie übrigens nicht das Gegenteil der Diktatur (wie heute fälschlicherweise angenommen wird), sondern nur eine Form der Diktatur, nämlich die Diktatur der Mehrheit, bzw. die "Diktatur der Dummen" wie Schiller wohl mal gesagt haben soll.

    Demokratie funktioniert auf kleiner Ebene (Gemeinden bspw.), aber auf Staatsebene mit einem Staatsvolk verschiedener Nationen nicht! Mir fällt auch nicht ein sinnvoller Gedanke ein, warum bspw. die Bayern bestimmen sollten, was in Sachsen oder Preußen zu passieren hat.

  4. #129
    Tochter aus gutem Hause Avatar von anderedimension
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    AW: demokratie und andere krater

    Und das aus gutem Grund: denn Demokratie setzt Wissen voraus! Also ein aufgeklärtes Volk, das sich aktiv mit Politik beschäftigt. Laut Gauss'scher Verteilungskurve ist nämlich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung überhaupt fähig, sinnvolle politische Entscheidungen zu fällen
    Darum haben wir eine parlamentarische Demokratie.

    Ich sage es ganz ehrlich: ich bin kein Freund der Demokratie! Jedenfalls nicht als Staatsform! Denn als solche war sie auch nie gedacht! Demokratie war im antiken Griechenland im ursprünglichen Sinne eine "Dorfverwaltung" (demos=Dorf bzw. Gemeinde
    Die Griechen hatten die direkte Demokratie...keine parlamentarische Demokratie - zudem wurden nur vereinzelt Entscheidungen zur Abstimmung freigegeben...z.B. ob man sich dem Feind ergibt...oder sich doch lieber wehrt.

    Die Demokratie ist für mich kein System...sondern eine ganz normale...eine urinstinktliche Vorgehensweise. Alles andere ist nicht normal. Deshaln muss man m.E. auch gar nicht groß drüber reden. Wir sahen und sehen wohin alle anderen Optionen der Entscheidungsfindung führten und führen.

    Mir fällt auch nicht ein sinnvoller Gedanke ein, warum bspw. die Bayern bestimmen sollten, was in Sachsen oder Preußen zu passieren hat.
    Zur Zeit werden Begriffe wie "Heimat" in den Schmutz gezogen - aber befasst man sich ernthaft damit...findet man auch die Antwort auf deine Frage.

    Unabhängig davon: Die Preußen bestimmen über sich selbst, deshalb sind sie pleite - und zwar so pleite, dass man sie autark betrachtet als Dritte-Welt-Volk einstufen müsste. Sie stehen auf einer Stufe mit Nationen wie z.B. Kambodscha. Bei den Sachsen sieht das aktuell zwar etwas anders aus...aber eben auch nur durch die Hilfe der Bayern. Der Länderfinanzausgleich erzählt die ganze Geschichte.

  5. #130
    Resurrector Avatar von aerolith
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    "Lügenpresse"

    erstellt von SPIEGEL:

    Die Lügenpresse-Keule kommt interessanter Weise fast ausschließlich aus der rechten Fankurve. Und hier ist sie keineswegs neu. AfD, Pegida und Co. schließen an die Traditionen der guten, alten Modernisierungsverweigerer an: "Der Vorwurf, die Presse lüge wie gedruckt, sie sei gekauft und handle im Dienst dubioser Mächte gegen das Volk, ist ein echter Klassiker", schreibt Autor Maximilian Probst auf den "Wahre Welle"-Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung, die über Verschwörungstheorien aufklären.



    Der Begriff Lügenpresse kommt eigentlich aus dem deutschen Antisemitismus des 19. Jahrhunderts. Nach der Märzrevolution 1848 hieß es, die Juden steckten hinter allem, wofür die deutsche Revolution stand: Liberalismus, Sozialismus, Demokratie. Sie würden die Gesellschaft mithilfe der Lügenpresse verändern. Wer heute "Lügenpresse!" ruft, schließt an einen antisemitischen Diskurs an.


    Das ist genau die Art von tendenziösen Journalismus, die durch Oberflächlichkeit, Halbwissen und dem Gebrauch der Nazikeule gekennzeichnet ist und dem SPIEGEL zurecht das Etikett "Lügenpresse" einbringt.

    Der Begriff stammt nicht aus der "rechten Fankurve", sondern vom eher links anzusiedelnden Schriftsteller Gustav Freytag, der ihn 1852 erstmals in einem seiner Stücke benutzte. Einem Lustspiel. Die SPD benutzte den Begriff, um die konservative Kronenzeitung für ihre Berichte im deutsch-französischen Krieg anzugreifen.

    Es ist also umgekehrt, lieber SPIEGEL. Der Begriff war zuerst ein Kampfbegriff der Linken und keineswegs einer aus der "rechten Fankurve". Dieser Begriff wird immer von denen benutzt, die NICHT zum Establishment gehören, denn es ist ein Kennzeichen des Kapitalismus, vielleicht aller postmodernen Gesellschaftsformen, daß die Presse (die Leitmedien zumindest, also die, die den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen) zum Oberbau gehört, somit Hilfsdienste der herrschenden Schicht leistet.
    Es gab nur eine Ausnahme, die aber so recht keine ist: Goebbels benutzte den Begriff in den 30er Jahren zur Beschreibung der westeuropäischen und amerikanischen Berichterstattung über das Reich. Auch hier ist eine Ohnmacht integraler Auslöser zur Benutzung dieses Begriffes. Goebbels' Sicht ist quasi die eines Ohnmächtigen gegenüber den westlichen Medien.

  6. #131
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: demokratie und andere krater

    Argumente wurden in der politischen und medialen Auseinandersetzung längst durch Keulen ersetzt. In den Parteien sitzen Spindoktoren, NLP-Geschulte oder einfach Naturtalente, die den Diskurs durch die andauernde Verwendung von Kampfbegriffen und Wortkeulen totschlagen. Die Medien -befeuert durch die Beschleunigungswirkung des Internet - setzen zunehmend auf Schlagworte und Killerphrasen statt auf Analyse und begründeten Kommentar. Meinungsmache statt Meinungsfreiheit.

    Links, rechts, grün, rot, braun, schwarz - egal, sie alle haben ihr Arsenal an Kampfbegriffen und Wortkeulen, die sie nach Bedarf rausholen und durch die mediale Arena schleudern. Besonders beliebt: Populist, Rassist, Gutmensch, Asyltourismus, Asylbetrug, Terrorist, Islamist und ja, auch Lügenpresse. Wer derart etikettiert wird, soll persönlich erledigt werden. Mit Rassisten, Terroristen oder Islamisten lohnt kein Diskurs, die sind Outcasts, Outlaws, punziert und diskreditiert.

    Die ÖR-Medien und die sog. Leitmedien aus dem kommerziellen Bereich, sie alle vertreten mehr oder weniger das 'Establishment', stützen die anerkannten Parteien, die sie unter dem Verfassungsbogen verorten, während die neuen, wilden, als Populisten etikettierten Bewegungen nur als Verfassungsfeinde konnotiert werden.

    Dass man durch derart einseitige, monokausale 'Berichterstattung' allmählich seine Glaubwürdigkeit verspielt, hat man in den Redaktionen scheinbar noch nicht kapiert. So holt man keine abgewanderten Wähler zurück unter den traulichen Verfassungsbogen. Man treibt sie eher den bösen Populisten in die Arme. Dass die auch keine Lösungen anzubieten haben, ist dabei egal.

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