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Thema: Zugfahrt

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Zugfahrt

    Zugfahrt


    Nach Magdburg. Hohle Augen. Ein leerer Bauch. Auf anderen Häusern. Wie Zuckerguss. Magdeburg. Ach ja. Aber ich wollte ja von der Zugfahrt schreiben. Also. Im Cafe eine Bedienung. Die geduldig alles gibt, was der Kunde verlangt. Mit einem Lächeln. Auch umtauscht. Sonst nichts. Kein Wort. Ach so, ja. Im Zug.


    Ein Mann, der Fleckentarn trägt. Auf den Schultern auffälliges Goldlaub und eine Schlange. Aber das entdeckte ich erst später. Nachdem er eingetreten war. Seinen Mantel abgelegt hatte. Sich setzte. Er strich sich über die Haare. Streng genommen gab es da nichts zu streichen. Und er sprach. Ziemlich viel. Ziemlich ununterbrochen. Für meine Verhältnisse. Na ja, ich bin eher ein Schreiber als ein Sprecher. In meinem Stübchen. Ganz allein. Aber nun saß ich ja im Zug. Mit einem Gegenüber. Und das sprach. Er hatte sich zu mir gesetzt. Nach einigem Zögern. Warum. Das weiß ich nicht. Schwerbehinderung. Hatte er gesagt. Stand auf der Abteiltür. Ach so. Nun ja, wer will schon. Jedenfalls wollte ich feststellen, in welche Richtung der Zug wohl fuhr, und trat auf den Gang. Der Bahnsteig sprach nicht. Lag nur grau da. Und blinzelte freundlich. Aus einem Winkel. Diskret. Und da stand er da. Der Fleckentarnmann. Und folgte mir. Ins Abteil. Sorry, er war ein Oberst. Der ein Oberfeldarzt war. Mit Chefarztgehalt. Wenn er denn. Aber vielleicht ja auch so. Aber darüber sprach er nicht. Was ich auch gar nicht wissen wollte. Aber er sprach sehr viel. Übers Geld. Dass der Kaffee teuer sei. Unterwegs. Nun ja. Bei einem Chefarztgehalt auch. So so. Und eine getigerte Decke hätte er. Sagte er. Und ein vergessenes Portemonnaie. Weswegen. Die Stunde. Verspätung. Sonst säße er gar nicht. Aber Golf und Tennis. Tennis und Golf. Nun sicher. Der Mann braucht Aktion. Warum auch nicht.


    Reservekrieg. Übungsspiel. Hinter verschlossenen Türen.
    Auch bei mir. Aktion. Nur im Kopf.


    Er sieht mich mitleidig an. Verächtlich fast.
    Beruf: Gehilfenbrief.


    Therapieschreiben. Er hat. Eine Ausbildung.
    Ständig schielt er auf meinen kaum vorhandenen Busen.
    Doch der ist echt. So klein. Kein Therapiegrund. Kein Therapieansatz.
    Ich halte meine Arme verschränkt. Fällt mir auf.
    Er beugt sich nach vorn. Ein letzter Angriff.
    Nach Therapieregeln.


    Ich steige aus.
    In Magdeburg.


    Der Zug fährt weiter mit ihm.
    Sein Lächeln hat mir trotzdem gefallen.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zugfahrt

    hallo!
    was mir gleich auffiel und mir das lesen etwas erschwert hat ist die kürze der sätze. ich persönlich jedenfalls empfinde das als etwas abgehackt und hektisch.allerdings bin ich nur leser.von prosa oder romanen habe ich keine ahnung.ich kann nur schreiben,was ich beim lesen empfinde..... gruß decariot - klaus

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Zugfahrt

    Hoppla! Premiere. Eine Geschichte, die in MD spielt. Fein. Das kann keine mit samtäugiger Halskrause sein, eher dürfte das genannte Grau vorzeigbar werden, derzeit jedenfalls. Aber Frühling naht.


    Kriegsspiele? Das begegnet Dir bei einem Mann mit einem gefallenen Lächeln?


    Dein Schreiben hat eine Öffnung, aus der fließt Dein Denken. Der Prozeß ist irreversibel und distinktiv, aber er läßt das andere nicht zu Wort/Gedanken kommen. Wie ist es, wenn man mit Dir redet: Kommt man dann zu Wort? (Ich tippe, Du bestreitest 90% des Gespräches.)
    So ist auch dieser Text, er hat kurze Sätze, weißgott, die aber stehen so auf dem Schlauch der Gefallsucht, daß sie unleserlich wurden. - Kennst Du nicht auch diese Leute, die zwar schön sind, aber trotzdem ein häßliches Bild abgeben?


    GEGENÜBER, der oder das?

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Zugfahrt

    Hallo, Anja B.,


    sei hier gegrüßt. Ein Name - ein Programm? Und ich weiß jetzt nicht. Ob das alles war. Ob da noch eine Variante. Möglich. Erreichen, erzählen - ja. Will er. Dem Leser. Warum soll man es ihm leicht machen? Aber. Sind Leser Masochisten? Oder. Um Oliver Twist. du weißt schon: "Kann ich noch ein wenig mehr haben?"
    Und dann würde mich natürlich schon interessieren, warum der geneigte Autor diese Form der Kommunikation mit dem Leser gewählt hat, ob sie seiner Unfähigkeit, sich zu artikulieren oder in einer bewussten Entscheidung zum Stammeln und damit zur Konzentration auf das wesentliche begründet liegt. Der Protagonist zumindest bleibt eigenschaftslos und blass.




    GEGENÜBER? Warum nicht. Es ließe sich gut darüber streiten.


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zugfahrt

    Hallo Anja B.,


    die Sprache der Geschichte erinnert mich an meine Patienten mit Broca Aphasie. Die sprechen, wenn sie nur leicht betroffen, ähnlich. Agrammatisch, zerstückelt, hauptsächlich in Inhaltswörtern. Kaum Funktion. Sie werden gemeinhin als Menschen mit Sprachstörung angesehen, sind aber oft faszinierend in ihrer sprachlichen Schöpferkraft. Aber du hast keine Sprachstörung, nehme ich an. So fühle ich mich an Stelle dieser Menschen ein wenig veralbert.


    Lieben Gruß von
    Trist

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