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Thema: hier und jetzt

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    hier und jetzt

    das ist kein gedicht, auch keine geschicht, aber es ist geschriebenes wort, also stell ich's mal hier ab.


    hier und jetzt
    alles ist immer
    hier und jetzt
    das irgendwann und irgendwo

    findet statt nur

    hier und jetzt

    das ist banal und trivial

    nur die gegenwart

    ist real
    im ganzen all
    ist überall
    nur hier und jetzt
    jeder punkt existiert

    nur hier und jetzt

    das ist banal und trivial



  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: hier und jetzt

    ich möchte entschieden widersprechen. NUR DIE GEGENWART IST REAL... natürlich nicht. das reale ist meist eine falsche, weil ideologisch motivierte repräsentation der realität. siehste. widergespiegelt werden kann nur das, was das ich sehen will. die vergangenheit und die zukunft bilden eine klammer ums gegenwärtige. sie sind genauso real wie die realität, die selber gebrochen wird durch das, was wir als real ansehen wollen.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: hier und jetzt

    Wenn du von einem solipsistischen Weltbild ausgehst, hast du natürlich recht. Dann ist tatsächlich jeder Bewusstseinsinhalt identisch mit der Realität, also auch die Erinnerung an die Vergangenheit. Ich gehe aber von einem kritischen Realismus aus, der die Realität eine Außenwelt nicht verneint, sondern als gegeben ansieht. Und dann existiert - real - nur der Augenblick an jedem Punkt im Universum. Vergangenheit ist - was mein Bewusstsein anlangt - bloß Erinnerung (also eine Art Speicherabdruck in meinem Gehirn), und die ist, auch nur im Moment präsent. Genauso die Zukunft, sie ist als Befürchtung/Hoffnung/Gedankenspiel nur im Augenblick präsent. Wenn dann das Ereignis eintritt, dann auch nur im jeweiligen Moment. Will sagen, man sollte sich klar machen, dass nichts real ist, ausser der gegewärtige Augenblick.

  4. #4
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: hier und jetzt

    Zitat eulenspiegel

    Will sagen, man sollte sich klar machen, dass nichts real ist, ausser der gegewärtige Augenblick.
    Würde nur dann stimmen, wenn ich "ist" durch "war"...in seiner Funktion als Nebenform von "sein"...ersetzen könnte. Was einst Realität war, das bleibt für immer real. Es ändern sich nur Ort, Zeit und Aggregatzustand. Vielleicht ist unser Gehirn nur eine Art Arbeitsspeicher...der Daten puffert. Wenn Du in der Schublade ein Bild findest...das dich an der Hand deiner verstorbenen Mutter gehend zeigt, dann rührt dich dieses Bild womöglich zu Tränen. Das würde es wohl nicht...wäre es nicht Teil gelebter Realität.
    Die Freude an der freudigen Erwartung bereitet dir nicht der Moment...sondern eine Erwartung, die sich nur in der Zukunft erfüllen kann. Diese Erwartung ist bereits Teil der Zukunft - eine Art verlängerter Arm. Eine Art Zukunftsvorschuss. Erfüllt sich deine Erwartung nicht, bleibt die Vorfreude auch in der Nachbetrachtung eine Vorfreude.



    Mich interessiert warum wir mit fortschreitendem Alter der Vergangenheit von Tag zu Tag freiwillig mehr Platz einräumen...als diese ohnehin schon in Beschlag nimmt. Umso weniger Zukunft wir haben, desto intensiver befassen wir uns mit der Vergangenheit - es sollte doch gerade umgekehrt sein. Umso älter wir werden, desto schneller vergeht (dem Empfinden nach) die Zeit, dabei müsste sie doch viel langsamer vergehen, da sich alles wiederholt. Wiederholungen sind langweilig...also sollten wir sie doch als zähflüssig empfinden. Die für uns von der Natur vorgesehene Lebenszeit (ca. 40 Jahre) ist eine relativ konstante Größe. Das war schon vor tausenden von Jahren so..als wir nur 30 Jahre alt wurden - und das ist auch heute noch so, wo wir locker die 80 erreichen. Da stellt sich für mich die Frage...ob sich für unsere Ahnen die Zeit ähnlich dynamisch entwickelte...wie wir das heute empfinden. Schaute ein damals Dreißigjähriger ebenso zurück...wie das ein heute Siebzigjähriger tut? Lebte man einst intensiver im Hier und Jetzt als heute?....oder ist der Blick zurück unverzichtbar?

    Zitat eulenspiegel

    Wenn du von einem solipsistischen Weltbild ausgehs

    Von einem solchen Weltbild muss man wohl ausgehen - wie sonst ließe sich erklären, dass wir uns nur dann um die Zukunft des Planeten (unseres Lebensraumes) sorgen, solange wir selbst noch eine Zukunft haben...sei es als eigenes Ich...oder in Sorge um die Reproduktion dessen.

    Ist es vielleicht sogar so, dass eine Vergangenheit erst im Blick zurück zur Vollkommenheit reift? Damals, als dir deine Mutter die Hand hielt, warst du glücklich und entspannt. Heute, in der Nachbetrachtung eines solchen Momentes, wühlt dich das auf. Die Vergangenheit wirkt bis ins Heute - ist somit ein Teil vom Hier und Jetzt.

    Was die Zukunft angeht, da muss ich noch einen Moment drüber nachdenken...

    Die Zukunft wurde bereits in der Vergangenheit eingespeist und steht im Hier und Jetzt permanent zur Verhandlung. Wer sich Frieden wünscht, der kennt den Unfrieden. Bereits im Hier und Jetzt kenne ich die Vergangenheit jeder Zukunft, die noch noch gar nicht existiert - ganz gleich wie diese sich letztendlich gestaltet.

    Man kann nicht im Hier und Jetzt leben...ohne gleichzeitig die Zukunft zu denken. So wie unsere Gedanken an die Zukunft vom Hier und Jetzt beeinflusst werden, beeinflussen unsere Gedanken an die Zukunft das Hier und Jetzt.

    Der Dreißigjährige spart für die Rente...weil er glaubt ohne dem Ersparten keine Zukunft zu haben, so wie er sie sich heute vorstellt. Wir bezahlen also schon im Hier und Jetzt einen Preis für eine Zukunft, von der wir gar nicht wissen...ob wir sie überhaupt haben werden - weder so wie wir sie uns vorstellen...oder irgend eine....

    Das macht den Generationenvertrag zum schwierigsten aller Verträge. Die Vergangenheit, das Hier und jetzt...als auch die Zukunft...sitzen zusammen am Tisch...um der Vergangenheit, dem Hier und Jetzt und der Zukunft gleichermaßen gerecht zu werden.
    Geändert von anderedimension (07.11.19 um 16:26 Uhr)

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: hier und jetzt

    Ich werfe mal das Blockuniversum in den Ring.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Blockuniversum

    Nach dieser Auffassung existiert das Universum als Gesamtheit. Von Außen betrachtet sähe es aus wie ein riesiger Block, in dem alles denselben Realitätsgrad hätte. Es gibt keine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Alles ist.

  6. #6
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: hier und jetzt

    "Alles ist" ist eine Vorstellung...mit der ich mich gut anfreunden kann - weniger mit dem Block...der mit seinen Ausdehnungen nicht ins Bild passt.
    Wenn es keine Zeitachse gibt, dann darf es mE auch kein oben und unten, kein links und rechts...keine Bewegungsrichtung und auch keine Formen und Größen geben. Das Universum müsste so groß oder klein sein, dass es gleichzeitig noch und auch nicht mehr existiert - sozusagen zur gleichen "Zeit" implodieren und explodieren.

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: hier und jetzt

    Oben und unten und solche Sachen gibt es nur innerhalb des Universums als Wahrnehmung eines Subjekts. Absolut gesehen machen solche Angaben keinen Sinn. Es macht nicht mal bei der Erde Sinn: Wo ist auf der Erde oben? Wir sagen "hier", und die Neuseeländer sagen das auch, obwohl sie auf der anderen Seite sind.
    Ebenso ist Zeit im Blockuniversum die Wahrnehmung eines Subjekts; von außen betrachtet gibt es keine Zeit.

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: hier und jetzt

    Mir geht es dabei weder um naturwissenschaftliche Beschreibung von Raum und Zeit oder Raumzeit oder kosmologische Theorien, noch um philosophische Konzepte. Mir geht es -ganz banal und trivial - um die alltägliche Erfahrung, dass ich, mein Ich oder mein Bewusstsein, als die Wahrnehmung meiner selbst und der Welt, dass ich also immer und überall nur im Hier und Jetzt sein kann. Selbst wenn ich wollte, das Hier und Jetzt ist die einzige Realität, die mir zugänglich ist. Jegliche Vergangenheit ist für mich Erinnerung, immer im Hier und Jetzt stattfindend. Jegliche Vorstellung von Zukunft ist immer im Hier und Jetzt. Erlebte Realität gibt es nur hier und jetzt. Ganz banal und trivial.

  9. #9
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: hier und jetzt

    Auch ich meine, dass es die Zeit nicht gibt. Wobei "meinen" der falsche Begriff ist - viel mehr will ich es glauben.

    Es gibt Verstorbene, die ich heute...nachdem sie viele Jahre schon verstorben sind...mehr liebe...als zu deren Lebzeit.
    Diese Menschen konnten nach ihrem Ableben nichts mehr "tun"...das meine Liebe hätte wecken oder nähren können. Es ist wohl so, dass ich einstige Momente, Worte und Gesten anders deute...als das damals der Fall war - oder sie heute überhaupt erst zur Kenntnis nehme. Was da passiert...ist Teil eines Prozesses - und "Teil" sagt ja schon aus...dass wir gezwungen sind solche Prozesse zu unterteilen...damit wir sie betrachten können. Und dazu benötigen wir u.a. die Zeit. Der Prozess bliebe aber auch ohne Zeit der gleiche-und er wird auch nie abgeschlossen oder vollumfänglich zu begreifen sein. Auch nach meinem Tod werden mich andere anders "sehen"...als das jetzt noch der Fall ist. Somit wird meine Erinnerung...die mein Wesen formte...von kommenden Generationen fortgedacht. Wir binden eine Zeit...von der wir nicht wissen von wo aus sie startete und wohin sie sich ausdehnt...in einen Kreislauf mit ein...um sie takten zu können. Der Zeiger läuft im 24-Stunden Takt im Kreis. Dort können wir sie aber nicht gefangen halten...also braucht es die Woche, den Monat, das Jahr. Wir zähmen eine Zeit, die es ohne uns gar nicht gäbe.

    Die Archäologie zeigt ganz gut wie wir ticken. Wir graben in und nach der Vergangenheit...um die Gegenwart zu verstehen...und um für die Zukunft zu lernen. Wir finden ins Leben und suchen einen Weg aus dem Tod.

  10. #10
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: hier und jetzt

    Ein weiteres Indiz für die Abwesenheit von Zeit könnten ausgerechnet Zeitraffer und Zeitlupe sein. Im Prinzip passiert immer das gleiche...aber durch künstliches ausdehnen und strecken nehmen wir es als ganz neues Ereignis wahr. Nur in unserer Wahrnehmung tun sich neue Welten auf - doch ist das immer die gleiche Welt. Wenn wir Pflanzen im Zeitraffer betrachten, dann ist das ein Wettrennen unterschiedlicher Zeiten. Auch wenn wir eine Palme ohne Unterbrechung drei Wochn am Stück anstarren...wird uns die Welt verborgen bleiben...die sich im Zeitraffer zeigt. Die Zeit, bzw wie wir mit ihr umgehen, kompensiert die Begrenztheit unserer Sinne. Wir nehmen die Natur, wir nehmen Pflanzen als friedfertig wahr - stehende Gebilde, die uns Erholung schenken...weil sie langsamer sind als wir selbst. Dabei sind Pflanzen wahre Krieger, stehen in ständiger Konkurrenz miteinander...schlagen aufeinander ein und streiten ums Licht. An einem Bahngleis...wo ständig ein Zug vorbeirauscht...können wir uns nicht erholen - selbst dann nicht, wenn wir alle Außengeräusche ausschalten.

  11. #11
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: hier und jetzt

    Die Erfahrung des einen, andauernden und unentrinnbaren Augenblicks Gegenwart ist ja nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist die Erfahrung, dass ich keinen Augenblick festhalten kann, weil, sobald ich mir des gegenwärtigen Moments bewusst werde, ist er schon wieder weg, abgelöst durch den folgenden usw. usw. Das ist das 'Alles fließt', die Erfahrung, dass alles einem stetigen, prozesshaften Fortschreitens unterworfen ist. Das sind zwei unvereinbare Gegensätze, die ich nicht aufzulösen vermag. Wie die Synthese aus These und Antithese aussehen könnte, da hab ich keine Ahnung. Vielleicht sind beide Eindrücke ja nur Anschaungsformen meines Gehirns, entwickelt aus der Evolution, und vielleicht ist die 'Wirklichkeit' ja ganz anders gestrickt. So, dass diese Gegensätze gar nicht existieren. Die Wissenschaft hat auf die Frage der Zeit bislang auch keine gültigen Antowrten gefunden.

  12. #12
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: hier und jetzt

    Keine Antwort zu haben kann auch mal ganz gut sein. Für uns ändert sich so oder so rein gar nichts. Sich das Hier und Jetzt so angenehm wie nur möglich gestalten...ist mE alternativlos

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