Ist die Erde eine Scheibe? Ist der Papst katholisch? Dürfen Gedichte einen eigenen Kontext erhalten? Diese und ähnliche Fragen betrachte ich als rhetorische.

Ich bin kein sachlicher Typ. Wenn ich was zu sagen habe, dann weil mein Schwanz und mein Herz mir das befehlen. Wenn mein Verstand sich meldet, dann werd ich mißtrauisch und halt lieber das Maul. So bin ich gestrickt. Erst der Schwanz, dann der Verstand. Der Verstand bastelt sich die Welt, wie er sie eben braucht und es sich darin leben läßt. Der Verstand baut Konzentrationslager. Aber dazu jetzt nichts weiter. Wo war ich? Ach ja, die Sache mit dem Kontext... Weiter oben schrieb ich

Der Streit hier dreht sich vornehmlich um zweierlei, Hannemännle, und das sei auch Dir gesagt, der Du das mit den Gesetzen der Phantasie nicht raffen willst/kannst, was hier beinahe dasselbe ist:
  • Genauigkeit und
  • poetische Räume, die der Dichter schafft

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Ich fordere ja gerade die Inaugurierung eines poetischen Raumes ein. Es geht mir ja gerade darum, daß die Kontextualität für den Leser gegeben sein muß. Nicht für den Autoren. Ich darf davon ausgehen, daß der eben etwas hat, das er MITTEILEN will. Eben darum MUSZ er sich einer Sprache bedienen, die MITteilt.
Meinetwegen kann Medea in Murmansk bei minus 45°C Teppiche aus Glas knüpfen. Aber das ist dann nicht die griechische Medea mit ihrem abgeschloßnen Leben (wer weiß, Deiner Meinung nach könnte sie auf ihren langen Reisen auch in Murmansk gewesen sein, wenn schon Dalmatien, dann auch Murmansk), sondern nur der Topos Medea, dem etwas beigeordnet wird, was dem Leser das Tor öffnet und er hier verortet. Und genau diese Arbeit hat der Autor bei diesem text nicht geleistet, sondern den dummen Leser hier allein gelassen, Halbwissen und Arroganz gleichermaßen... Aber jetzt rege ich mich schon wieder auf.