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Thema: trennung

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    48
    Renommee-Modifikator
    0

    Post trennung

    er geht um
    zornig die
    bronzene glocke
    schwingend
    rastlos im
    lichtarmen raum
    umgeben von
    seinesgleichen nur


    während
    anderswo
    am tisch
    die frau
    allein sitzt
    vor metallenem
    geschirr
    und schaut
    auf leuchtende
    ebenen herab


    heiser
    schreit er auf
    und erschlägt
    ein tier
    das er herbrachte
    unter dem mantel
    versteckt


    sie senkt
    den kopf
    vor der grelle
    und legt
    neben die tasse
    das zuckerstück


    mit blutendem
    kadaver
    beschmutzt er
    unter beifall
    sein düsteres
    reich


    sie aber
    gießt langsam
    sich den heißen tee
    übers gesicht

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    20

    AW: trennung

    Gruselig, liebe tinka, der Text, gruselig die Konstruktion an einigen Stellen. Schock am Ende, wenig Konsistenz zum Titel. Einzig, und deshalb lese ich's immer wieder gern, die vierte Strophe: Das Zuckerstück neben die Tasse gelegt... das ist Dir wahrhaft gelungen, hier entsteht Einsamkeit und ein Bild der Entfremdung.


    herzlichst uis

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: trennung

    Sprachlich ist dies ein klarer Fall von Participiendis. Und dazu kömmt - was beinahe zwangsläufig ist, wenn sich Dichterlein im Vagen aufzuhalten belieben - ein Problem mit der Perspektivität.


    Sinnträger sind GEHEN und SITZEN und SCHAUEN. Da geht jemand um, was gut ist, denn das UMGEHEN markiert einen poetischen Raum, in dem etwas passiert. Und dann sitzt da jemand, aber der Jemand schaut in etwas von einem Tisch aus. Ich stell mir das gerade vor. Das Sitzen ist nun eine Handlung, die im Vergleich zu anderen bewegungsärmer ist. Aber Anschauung ist nicht das, was ich Dir sage. Doch wie kommen die beiden Handlungsebenen zusammen? Duch Partizipien? Ha!


    Nein, eine Verbindung mußt Du schon herstellen, denn parallel ist's auch nit. Nicht wirklich.


    Ich will aber auch eines mitteilen: Ich habe grimmig gelacht am Ende. Der Text bewirkt dies. Also isser gut. Oder?

  4. #4
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: trennung

    Ja, grimmig lachte ich auch heute. Aber ich hatte das Werklein vergessen, las es also wie ein neues. Bleibt die Frage unbeantwortet, ob ein Text schlecht geschrieben sein darf, wenn er denn seine Wirkung tut?

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