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Ergebnis 1 bis 8 von 8

Thema: Rebellen

  1. #1
    Mersi
    Status: ungeklärt

    Post Rebellen

    Die Rebellen


    Ich weiß (alle wissen es),daß die Niederlage eine Würde besitzt, die der lärmende Sieg nicht verdient.
    (J.L. Borges)


    Als der Krieg endete hielt ich mich für den einzigen Verlierer, die Anderen schienen gefallen oder übergelaufen. Meine Landsleute hatten sich mit den nun allmächtigen Siegern arrangiert. Ich verhehlte meine wahre Meinung, verbarg sie wie ich Waffen und Uniform verborgen hätte, und mischte mich ins glückliche Nachkriegstreiben.
    Die nun allmächtigen Sieger veränderten unsere Lebensumstände auch umsichtig schrittweise, stets bedacht nicht zu überfordern. Aus Unmut wurde daher nur sporadisch Widerstand, dieser hieß fortan Terrorismus oder Verbrechen, nicht Aufstand oder Kampf, solche Ausdrücke referieren auf etwas Heroisches, und soviel Würde wollten die Sieger letzten Rebellen nicht zugestehen.
    Ihre Überlegenheit nutzten sie die Kontrolle über das Land zu verdichten, kein Flecken Erde sollte den Rebellen ein sicherer Hafen, nicht einmal ein Ort sich in einem Erdloch zu verbergen sein.
    Die allmächtigen Sieger bestimmten nach und nach was wir zu lesen oder zu hören bekamen, worin wir unterrichtet werden durften, wie wir uns zu ernähren, zu leben, zu arbeiten hatten, und das alles nicht immer zu unserem Nachteil. Die Sieger hätten uns jeden Besitz rauben können, sie bestanden jedoch darauf was sie begehrten nach und nach im Zuge geschäftlicher Transaktionen zu erwerben. Heute bewundern sie schon viele ihrer pragmatischen Fähigkeiten wegen.
    Widerstand findet nur noch in der Sprache statt. Ich ziehe mich dazu beispielsweise in ein Satzgebiet unmenschlicher Prämissen und grausamer Schlußfolgerungen zurück, weit jenseits der Trivialität des Sieges. Den Weg zu mir kann man nicht leicht finden, abweisende Voraussetzungen und brutale Stringenz kennzeichnen ja Rückzugsgebiete allgemein.
    Die allmächtigen Sieger vereinnahmen das Gebiet der Freiheit - ein ödes Land in dem uns nichts gedieh, wir können es entbehren - das Gebiet öffentlicher Wohlfahrt und die weite Ebene der Selbstbestimmtheit. Dort treiben die Sätze Einzelner umher, orientierungslos und ausdruckschwach.
    Ich gestehe, sie beherrschen wohl den Alltag und dessen Pragmatik. Darüber hinaus ignoriere ich sie.
    Weder sehe noch lese ich die Nachrichten derer, die vermeinen mich endgültig überwältigt zu haben, und wenn doch, dann schenke ich ihnen keinen Glauben. Über ihre Errungenschaften lache ich. Hinweisen auf ihren phänomenalen Reichtum entgegne ich den Satz, daß dieser nichts kaufen kann, das mir etwas bedeutet. Ergebnisse ihrer Forschung halte ich für wertlos weil abhängig von denselben Prämissen auf die sich auch ihre Allmacht gründet, die ich ja gerade bestreiten will. Ich halte ihre Freiheit für die Freiheit verwöhnter Kinder unter strenger Obhut.
    Ich bin einer der Rebellen.
    Ich verneine ihre trivialen Schlußfolgerungen, und wie ich bestreite das schlägt sich gut.
    Täglich stellen sie ihre vermeintliche technologische Überlegenheit penetrant zur Schau. Sie wollen, daß wir rätseln. Aber mich überraschen meine Gedanken nicht.
    Worte erfahren eine neue Deutung, je länger es unserer Sache gelingt im Gespräch zu bleiben.
    Die Allmächtigen fürchten bereits die Verwendung gewisser Begriffe, Gegenstände müssen umbenannt werden, manche gar verboten oder vernichtet.
    Sie behaupten, was sie hören, das können sie zerstören. Sie befehligt eine Illusion.
    Aber wir Rebellen denken es kommt ganz anders, wir stellen sie uns taub vor. Ihre beharrliche Wiederholung das gesamte Feld gültiger Aussagen zu beherrschen ändert daran nichts. Dem Zugriff der Allmacht entzogen schaffen wir Neuland. Dieses liegt hinter dem unverständlichen, dem unvollständigen Satz, dem Gestammelten, dem sich Geben. Dort wird die Welt gemacht und ertragen.
    Auf meinem Sofa liegend nehme ich einstweilen die finale Befreiung vorweg, und ich warte auf die Zeit unseres Aufstands. Ich setze keine Handlungen hierfür, denn die Zeit reift, während in Kaffeehäusern Mutigere als ich sich ihrer Meinung verhalten.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    21

    AW: Rebellen

    Freiheit - ein ödes Land, in dem uns nichts gedieh, wir können es entbehren.

    Ein Credo? Manchmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, hier wird eine Geschichte erzählt, dann wiederum die Meinung, es handelt sich nur um ein verworren Glaubensbekenntnis.
    Dennoch sind interessante Gedanken. Ich finde einen Bezug zu "unseren amerikanischen Freunden".
    Da ich die Befreiung unmittelbar erlebt - noch heute dankbar für die Donnerstag-Schulspeisung mit warmen Kakao und einer Semmel -, wäre ich eigentlich der richtige, Befreiung und Besatzung (oder umgekehrt?) plus weitergehende Entwicklung als Zeuge zu kommentieren.
    Gut, ein Satz: Ich bin dankbar, Befreiung durch die Amerikaner erlebt zu haben, beobachte aber voller Sorge - in letzter Zeit mehr denn je - die Entwicklung der Überheblichkeit bei der politischen und wirtschaftlichen Führung.


    Ich bitte um weitere Meinungen.


    Mersi, Deine fehlerhafte Zeichensetzung macht Verständnis Deines Wollens nicht einfach. Auch das lernt man bei uns, wenn Frau oder Mann mag.
    Merci!




    [Diese Nachricht wurde von Hannemann am 06. April 2003 editiert.]

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    19

    AW: Rebellen

    Da kann ich nur zustimmen.
    Der Text ist schlampig im Syntax und schwammig in seiner Semantik. Zudem will mir seine Tendenz nicht gefallen, denn wenn es hier tatsächlich das Nachkriegsdeutschland behandelt, haben wir es mit einem Ewiggestrigen Hohlkopf zu tun, der es wagt, von "finaler Befreiung" zu reden.
    Jedoch sind die Bezüge recht undeutlich und können auch auf eine Orwellsche Vision weisen. Das alles macht das Ganze zum unerfreulichen Quark, der vor allem eines nicht ist:
    Literatur.
    Zu retten ist hier m. E. nichts mehr und ich hoffe, dieser wirklich unerfreuliche Text rutscht bald nach unten.


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  4. #4
    Mersi
    Status: ungeklärt

    AW: Rebellen

    Zur Kritik an meinem Text:
    - Ich meine keinen speziellen Krieg. Jeder Konflikt mit eindeutigen Siegern oder Verlierern ist gemeint.
    - Die Leugnung des Wertes der Freiheit (die bringt mir offenbar die böse Kritik ein) ist eine der grausamen Schlußfolgerungen, in die sich ein Unterlegener getrieben fühlen kann.
    - Wenn der Text unter diesem Zitat von Borges steht, dann kann ich wohl nur aus der Sicht des Unterlegenen schreiben. Denn eine Niederlage besitzt nur für den Verlierer Würde (oder für den, der mit dem Verlierer sympathisiert).

  5. #5
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Rebellen

    Dem Text fehlt etwas Entscheidendes. Ja, richtig gelesen, der Text plätschert, weil er abstrakt bleibt. Und wir Menschen des Wortes sind gerade aufgerufen, das Abstrakte konkret zu machen. Du lavierst so rum, jeder versteht, was Du sagen willst, aber dann sagst Du es DOCH nicht, bleibst vage und unausgegoren.
    Was bedeutet es, pragmatisch durchs Leben zu gehen? Wie äußert sich Machtuebernahme? Was sind das für Veränderungen im Alltag, wie stellt sich das dar?
    Was ist dagegen zu tun? Ist es sinnvoll, gegen etwas zu sein, aber keine Alternative zu besitzen? Was führte überhaupt zu den Gegensätzen? Wer verfolgt hier welches Ziel?


    Das sind alles so Fragen, die Deinen Text betreffen, die ihn aber nicht sehr viel besser machen würden, falls Du sie beantwortetest. Das gebe ich hier zu bedenken.


    Du solltest über Fallobst schreiben. Da ist die Handlung, ist der tiefe Fall vorgegeben.

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Rebellen

    Hier fehlt der für einen poetischen Text notwendige Wille, eine Geschichte zu erzählen. Ich glaube, ich muß hier zu sehr zwischen den Zeilen lesen. Ich kann auch keinen Kern erkennen. Ist die Erzählsituation Brokat oder schon alles, was mitgeteilt werden soll?

  7. #7
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    8

    AW: Rebellen

    Der fehlende Mut (es inhaltlich auf den Punkt zu bringen) spiegelt sich sich im Schreibstil wider.


    Als der Krieg endete hielt ich mich für den einzigen Verlierer, die Anderen schienen gefallen oder übergelaufen
    hielt und schien widersprechen sich - hielt kommt von halten...und im übertragenen Sinne von "ich halte fest".

    fühlte und schien...das funktioniert. Ich kann durchaus etwas fühlen...von dem ich weiß, dass es der Realität widerspricht. Jemand, der sich alleine fühlt...der weiß, dass er nicht alleine ist. Aber jemand, der sich für die einzige Peron im Raum hält...der geht nicht davon aus, dass sich noch eine zweite Person im Raum befindet.

    Und statt "als der Krieg endete" lieber "am Ende des Krieges"...oder "am Ende eines zermürbenden Krieges".

    Und ich würde nicht schon am Anfang von "Verlierern" reden - es gibt bei jedem Krieg immer nur Verlierer - wenn, dann würde ich von Siegern und Besiegten reden. Es gibt die Niederlage auf dem Papier...und es gibt die persönliche Niederlage - die persönliche Niederlage klingt unterschwellig...durch das Adjektiv zermürbend...mit - das reicht für den Anfang aus.

    Und von "den Anderen" zu reden - zumal großgeschrieben...das ist unglaubwürdig. Jeder Soldat würde von "Brüdern", von "Kameraden" oder dergleichen sprechen. Und natürlich muss es nach "übergelaufen" dann "...zu sein" heißen.

    Also schon beim ersten Satz alles in den Sand gesetzt, was man in den Sand setzen kann.

    Meine Landsleute hatten sich mit den nun allmächtigen Siegern arrangiert. Ich verhehlte meine wahre Meinung, verbarg sie wie ich Waffen und Uniform verborgen hätte, und mischte mich ins glückliche Nachkriegstreiben.
    Die nun allmächtigen Sieger veränderten unsere Lebensumstände auch umsichtig schrittweise, stets bedacht nicht zu überfordern.
    die markierten Wörter zeugen von der eingangs erwähnten Unsicherheit

    ebenso der darauf folgende Satz

    Aus Unmut wurde daher nur sporadisch Widerstand, dieser hieß fortan Terrorismus oder Verbrechen, nicht Aufstand oder Kampf, solche Ausdrücke referieren auf etwas Heroisches, und soviel Würde wollten die Sieger letzten Rebellen nicht zugestehen
    da wird zu viel relativiert...

  8. #8
    Saulchen
    Status: ungeklärt

    AW: Rebellen

    Gefällt mir gut. Wenn der Erzähler keine Position einnehmen würde, fände ich es sogar lesenswert. Mag sein, dass es noch weniger literarisch sein kann, aber vielleicht ist das ja nur eine Skizze für ein Szenario, oder die Gedanken eines verlorenen Einzelgängers. Wäre ein gutes intro als prolepse für einen kriegsbericht

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