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Thema: Auf Glas gehaucht

  1. #1
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    Auf Glas gehaucht

    Es ist die Rose, die sich müht,
    damit sie dir am Fenster blüht,
    dort wo du abendlich erscheinst
    und leise um den Vater weinst

    Es ist der Mond, der an dich denkt,
    der still sein Licht zur Erde lenkt,
    auch dort, wo hinterm Gartentor
    sich eine letzte Spur verlor

    Es ist dein Bruder, nebenan,
    der dir die Hand nicht halten kann,
    der nie mehr lachte, selten sprach,
    seit ihm das Herz im Abschied brach

    Es ist die Mutter, die euch liebt,
    die jeden Fels zur Seite schiebt,
    die von der Zuversicht bewegt,
    dir Trost in ihre Zeilen legt

  2. #2
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    AW: Auf Glas gehaucht

    Fein gereimt und gut geleimt. Auch wenn das nicht nach meinem Gusto gewürzt ist, so gefällt es mir doch. Wieder fällt mir der altvaterische, behäbige Duktus auf. Zu meckern gibt's nicht viel. Mir fällt nur auf, dass du in 3 Strophen den Leser im Singular, in der 4. Strophe im Plural ansprichst (du, dich, dir, euch). Die Anker der jeweiligen Strophen, Rose, Mond, Bruder, Mutter, scheinen beliebig gewählt. Da fehlt die Zuspitzung, Verdichtung. Und ob der Mond an mich denkt, das wage ich zu bezweifeln, ist aber in einem Stimmungsgedicht durchaus legitim. Der Bruder nebenan, von wem nahm er Abschied? Das würde ich gern wissen.

    Gruß eule.

  3. #3
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Auf Glas gehaucht

    Vielen Dank für dein Interesse!

    Die Mutter redet/schreibt ausschließlich der Tochter und erwähnt "nur" den Bruder (Sohn). Ihre Worte gelten der Tochter, aber ihre Liebe gilt natürlich beiden, also auch dem Sohn (Bruder)- (und somit "euch"). Eine Mutter würde das wohl auch genau so formulieren. Duktus und Wortwahl folgen bewusst einem "einfachen" Muster...schließlich richten sich die Worte an ein Kind - sagen wir mal an ein zehn Jahre altes Mädchen. Eine gewisse Authentizität ist mir hier wichtig. Beim schreiben von Texten dieser Art denke ich nicht daran...wie das auf die Leser wirken könnte - ich tauche in die Geschichte ein und bleibe dort bis zur letzten Silbe verhaftet. Ich schreibe nur sehr selten im Paarreim...aber auch dieser ergab sich hier von ganz alleine.

    Bruder/Mutter/Schwester/Vater...hier hätte ich selbstverständlich die Rollen tauschen können...außer ich hätte etwas konkret erlebtes nacherzählen wollen. Die Protagonisten fische ich beim Eintauchen ab - die Konstellation ergibt sich wie von selbst. Anders bei Rose/Mond...da werfe ich dann tatsächlich eine Art Anker und ver/suche Klarheit... darüber zu gewinnen...was mir hier wichtig ist - also welche der möglichen Aussagen ich in den Vordergrund stellen möchte. (Stern statt Mond zB... würde die Geschichte in eine andere Richtung lenken) Man könnte auch von Be -Deutungshoheit reden.

    Deine letzte Frage---von wem der Bruder Abschied nahm---alle nahmen sie vom gleichen Menschen...vom Vater...vom Ehemann Abschied.

    Gruß, A.D.

  4. #4
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    AW: Auf Glas gehaucht

    Hm, ja, jetzt ist (fast) alles klar .... ich habe da in eine ganz andre Richtung gedacht .... eigenlich soll man ja Gedichte nicht erklären, auch wenn der Leser dann ganz was Andres liest, als der Autor zu schreiben dachte ..... :)

  5. #5
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Auf Glas gehaucht

    Das stimmt, ist aber hier weniger das Problem...da ich fast alles in....und kaum was zwischen die Zeilen geschrieben habe

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