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Thema: tagtraumtristesse

  1. #1
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    tagtraumtristesse

    nach einer unterschlafenen nacht
    leidest du an der hellhörigkeit
    meines angewandten
    schweigens -

    und entführst uns
    der liebe verpflichtet
    in eine sprache -

    die mir mit jeder silbe
    die freiheit schenkt
    dich zu umarmen

  2. #2
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    AW: tagtraumtristesse

    Hm.

    + Wortwahl
    + Atmosphäre
    + ich spüre etwas von der Tagtraumtristesse

    - das ist kein Gedicht, es ist ein langer Satz mit Relativkonstruktion und Infinitiv mit 'zu' - das törnt ab
    - am Ende überwiegt der Eindruck, das ganze sei zu verkopft für ein lyrisches Stimmungsbild

  3. #3
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    AW: tagtraumtristesse

    Vielen Dank für deine konstruktive Kritik! - "konstruktiv" möchte ich ausdrücklich betonen...denn Du lässt mich nicht nur wissen was dir gefällt oder nicht gefällt...sondern auch warum das eine so...und das andere so bei Dir ankommt

  4. #4
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    AW: tagtraumtristesse

    Gerne. :)

  5. #5
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: tagtraumtristesse

    Nun hatte ich ausreichend Zeit drüber nachzudenken - und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:

    Ja, das ist ein verkopfter Text...also ein Konstrukt. Jetzt kommt mein "aber"

    ..aber das Gedicht hat...obwohl von mir geschrieben...einen intellektuellen Unterbau. Eine tragende Statik.

    Unter der Überschrift Tristesse wollte ich ein bestimmtes Bild, eine konkrete Stimmung einfangen...das/die folgende Elemente miteinander verzahnt sieht:

    Tagtraum, angewandtes Schweigen,...eine befreiende Sprache


    Das ist mir gelungen..aber auch etwas, das ich mit mir selbst ausmachen muss

    Den Lesern zugewandt stellt sich eine ganze andere Herausforderung - nämlich die...einen kryptischen Text so zu gestalten, dass man ihn nicht verstehen muss...um ihn dennoch "fühlen" zu können - wobei es letztendlich keine Rolle spielt...wie oder was jeder einzelne Leser da fühlt.

    Stelle dir vor Du bist mit deiner Partnerin bei einem Fußballspiel. Das Stadion ist ausverkauft, das Flutlicht brennt, tausende von Menschen stimmen gleichzeitig und lautstark bei bestem Wetter ein Lied an...usw. Deine Partnerin ist das erste Mal bei einem Fußballspiel - und auch nur, um Dir einen Gefallen zu tun. Das Spiel steht auf Messers Schneide...ist spannend und technisch auf sehr hohem Niveau. Das Spiel ist aus, deine Frau begeistert...auch wenn sie in der Nach -Betrachtung zum Spiel selbst nichts sagen kann...auch weil sie es nicht wirklich "verstehen" konnte, was da auf dem Spielfeld passierte. Beim nächsten Mal nimmst Du deine Tochter mit. Gleiche Atmosphäre, ähnlich spannendes Spiel. Deine Tochter weint. Die vielen Menschen, die Lautstärke, die aufgeheizte Stimmung, die Pfeifkonzerte...das alles machte ihr Angst. Du selbst bist diese Atmosphäre gewohnt...sie gehört zur Routine...Du nimmst sie gar nicht mehr so intensiv wahr...bist mehr auf das Spiel fokussiert. ABER: ohne diese Atmosphäre würde weder die eine lachen...noch die andere weinen - während für dich nur die Qualität des Spiels und das Ergebnis eine Rolle spielt.

    Lyrik ist auch nur ein Spiel. Den einen interessiert die Form...die Sprache, einen anderen der Inhalt und/oder die Emotionen dahinter. Und wiederum andere sind nur dann zu erreichen...wenn all das passt und miteinander harmoniert. Deshalb bin ich dankbar für jede (sachliche) Kritik, aber auch für Zwischenrufe wie "gefällt mir", "gefällt mir nicht". Ich sehe darin ein Lachen..oder ein Weinen - und nichts ist natürlicher...als auf diese oder ähnliche Weise Emotionen auszudrücken.

  6. #6
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    AW: tagtraumtristesse

    der Vergleich mit dem Fußball gefällt mir. und am Gedicht (obwohl ich eulenspiegel zustimme, dass es mehr ein Satz ist als ein Gedicht) gefallen mir besonders die letzten beiden "Strophen". so kryptisch finde ich die übrigens gar nicht.

    an der ersten Strophe stört mich am meisten das Wort "angewandten" - es klingt für mich künstlich und mir würde die Stelle besser gefallen, wenn es nicht da stünde. verstehen tue ich es so, dass das Ich das Schweigen bewusst anwendet. damit wird das Ich für mich kalt und manipulativ und mir unsympathisch.

    unter der "unterschlafenen" Nacht stelle ich mir eine Nacht vor, in der man zu wenig geschlafen hat. ich finde aber dennoch diese Neuschöpfung nicht besonders glücklich.

  7. #7
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: tagtraumtristesse

    Eine wertvolle Rückmeldung, danke! Ja, angewandt klingt sehr technisch...das lässt sich nicht abstreiten. Mit der unterschlafenen Nacht ist etwas gemeint, das ich über "unterschlafen" hinaus nur schwer in Worte fassen kann. Auf die unruhige Nacht haben wir nur wenig Einfluss---das Unterschlafen jedoch unterwandert die Nacht...lässt in voller Absicht weder Traum noch Erholung zu - sich bewusst destruktiv ans Unterbewusstsein heften...um die (ansonsten unkontrollierte) Verarbeitung des Erlebten zu unterbinden.

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