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Thema: Taoistische Samentransformation

  1. #1
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    Post Taoistische Samentransformation

    Taoistische Samentransformation - besser bekannt als Fliege von Tabor


    Diese Form der bäuerliche Liebe, der ars amandi agricolae, stellt sich neben der eingesprungenen Heuwaage und der Explosion auf dampfendem Stuhl für Bauer und Bäuerin sehr lyrisch dar. Ja, die Fliege von Tabor ist geradezu poetisch, denn sie findet ihren unbeschreiblichen Höhepunkt in dem Bestreben, sich kaum körperlich zu berühren; ergo findet Liebeskunst fast seelisch statt.
    Wie aber nun wirklich: Das Vorspiel beginnt, indem sich einer der Beteiligten - nehmen wir ruhig den Bauern - leicht vom Boden abstößt und mit einem nicht zu heftigen Sprung in die Luft hebt; im Idealfall ein Meterchen für den Anfang. Gleich nach dem Hupf, der mit einem fröhlichen Herzen leichter, zieht der Bauer einen luftigen Kreis um die auserkorene Person, die Bäuerin, welche noch am Boden ruht.
    Nach diesem ersten Kreis, der, wenn möglich, schon tänzerisches Format besitzt, schwebt auch die Bäuerin empor. Sie allerdings möchte unbedingt ein Abstoßen vermeiden, nähme es doch der Kunst das Lyrische, die Poesie, das Transzendentalische. Einfach hochgehen lassen wie ein Vögelein. Und nun umkreist der Bauer leicht, bald immer heftiger seine Bäuerin, wobei er peinlichst jede Berührung der erregten Leiber vermeidet.
    Die allgemeine Flughöhe darf dabei steigen. Sofern unser Paar das Glück hat, nach der sozialistischen Landwirtschaftsreform noch einen Acker oder andere Ländereien im Besitz zu haben, kann es gemeinsam diese fliegend besuchen, denn Latifundien sind, was die Höhe angeht, auch bei dieser Regierung nahezu unbegrenzt. Das Paar vermag also, ganz beliebig nach oben ausweichen.
    Nunc kömmt der eigentliche und anders nicht zu erreichende Höhepunkt der Fliege von Tabor: Beide Flieger umstreifen sich immer enger und enger mit diesem oder jenem Körperteil; es stehen ja, was die dritte Dimension oder die Anzahl der Körperteile angeht, fast grenzenlose Möglichkeiten zur Verfügung. Bauer und Bäuerin streifen sich also näher und näher, OHNE sich zu berühren. Urplötzlich stellt sich - ein genauer Zeitpunkt ist wegen unterschiedlichster körperlicher Verfassung der agierenden Bauern wahrhaft nicht exakt zu bestimmen - eine Verzückung ein, welche mit nichts Vergleichbarem verglichen werden kann. In etwa entspricht sie dem Glück, das ein Stadtmensch empfindet, wenn er vor dem Hauptbahnhof eine Lärche trappsen hört oder einem aus dem vierten Stock fallenden Geranientopf haarscharf entkommt.
    Bauer und Bäuerin jedoch, die sich aus Gründen mangelnden Nachwuchses ja zwanghaft, aber doch gerne fortpflanzen, erleben dieses Gefühl eben als taoistische Samentransformation - heute, morgen und an jedem Tag, welchen der liebe Gott ihnen noch schenkt.


    Sehr, sehr frei nach Janosch "Die Kunst der bäuerlichen Liebe". Das entsprechende Bild hängt bei uns über dem Bett.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Taoistische Samentransformation

    Na ja.... (lach).... vielleicht kommt der Tag ja noch, wo ich Dir darüber einen echten Fachvortrag halte... und Deine Öhrchen dann wirklich noch ins wackeln kommen....




    Aber deshalb musst du dann nichts umschreiben...
    Der Künstler sei frei!


    Strömende, panta rhei

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Taoistische Samentransformation

    hanni, der text ist ein literarischer genuss. gefiel mir gut.




    großen kuss von mir
    j.

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