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Thema: Von ihrem Fenster

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Von ihrem Fenster

    Von ihrem Fenster spricht sie wie von einem Schlaf, durch den sie blickt in einen Raum,
    der nie bei Wachheit ihr erscheint, doch sie nur findet, wenn sie sieht,
    und ihr ist so, als wenn er flieht vor ihr, ganz so, als wärs vor Furcht
    und keine Hoffnung für sie läßt, als die zu träumen und zu vergessen, es ist kein Traum
    und haltlos merkt, wie man vergeht.


    Und dann ist ihr, als sollt sie schlafend durch das Fenster gehn
    in einen Gang, den sie vor Jahren fand und längst vergessen,
    wie er entlang der Aue zu der Brücke führt, von der sie sprang...


    ...nicht in der Tat, nur so getan, fast nur gedacht,
    doch sie sie weggeführt und hinter Fenstergitter weggesperrt, so lang bis jetzt
    und niemand kommt und sieht, was andere sähen, wenn jene Scheiben dort die Fenster wären,
    wie die zur Nacht.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Von ihrem Fenster

    Unsere Fenster zur Nacht? und daraus hast Du sehr melancholisch mitfühlende Zeilen gemacht, lieber lester. Ein Bisschen haben wir alle etwas verinnerlicht von der dritten Zeile der zweiten Strophe, denn gut dass dann in Zeile elf alles Albtraumhafte sofort wieder zurückgenommen wird, nur bleibt uns die Erleichterung im Halse stecken danach unmittelbar. Ich weiß, lester, Du wolltest hier nicht grausam sein, bietest wieder jedem Leser seine eigenen Chimären, die aber sehr wohl als Fenster zur Nacht, zur Umnachtung auch verstanden werden sollen. Dann lässt Du uns allein. Und das ist ein Nachteil dieses verdichteten Stücks. Manchmal versteigst Du Dich im Rhythmisieren und vergisst dabei scheinbar die Geschichte, die Du erzählen wolltest. Aber Du willst ja immer beides, lester, erzählen, Leben ausbreiten und komprimieren auf das Wesentliche. Hier erscheint's an manchen Stellen etwas nachteilig.

    herzlichst uis

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Von ihrem Fenster

    Das Fenster ist (IST) ein Schlaf. Durch den Schlaf hindurchschauen? Schlaf in einem stehenden Sinne, nicht als Prozeßbegriff. Personifiziert, manifestiert, fest. Der Schlaf. Schlafes Bruder.
    Davon abgesehen: Der Anfang ist einfach zu kompliziert. Und sag jetzt nicht, daß Lyrik sowieso überstrukturiert sein müsse. Muß sie nicht! Lyrik muß vor allem in Freiheit setzen, nicht bemüht werden, um... Der Takt! Was ist mit dem Takt? Es holpert nicht, es dehnt sich. Du eilst trotzdem. Schachtel, Schachtel, Schachtel. Verpeilte Schachtelei.


    durch, der, doch, wenn, und, als, ganz, als, als, es , wie - allesamt irgendwie in einem konjunktionalen Sinne gebraucht


    Klar, Absicht. Die Frau hastet durch den Traum, da ist nichts ruhig, das ist das Fenster zur Seele, die unstät.


    In der zweiten Strophe muß eine Einräumung fallen. Hier ist Klarheit vonnöten. Dann könntest Du vielleicht noch was retten. Das UND anfangs ist natürlich problematisch, aber wie willst Du sonst verbinden?
    Die inhaltliche Wendung ist gut.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Von ihrem Fenster

    Ich danke zum Besten.
    ...uis: Frage ist,wie komprimiert man eine Ballade, ballade.zip, kann man auf die Einbildungskaft der Lesenden bauen? Sind alle steindumm? Nimm die 3. Wurzel aus der Summe derer, denen der Text über den Weg läuft und du hast jene, die, wenn der Text taugt, wenigstens zustimmend, wenn auch schweigend, die Hand heben (die Mühe lobt eh niemand, wenn, dann allein das Ergebnis). Ich denke, die beiden letzten Zeilen waren eigentlich das, was ich sagen wollte und der Rest davor ist eher Beiwerk und würde dem Leser von allein einfallen... aber vielleicht wäre es dann doch zu arg komprimiert.. 'Dann lässt Du uns allein': ja, genau das Gefühl sollte sein, natürlich, oder? Rhythmisieren?, Klang? Wir sollten uns bei Gelegenheit darüber verständigen, warum und zu welchem Ende ein Gedicht zitiert wird, das könnte ein abendfüllendes Thema sein.

    Robert: So war es gemeint! Ja, der Anfang ist sehr verschachtelt, Schlaf halt, verschachelt, gleichzeitig und nur in der Möglichkeitsform. Frage ist, wie nimmt man den Leser dort mit? Reim, Binnereim, Rhythmus?, auch...ich denke, die wirkliche Möglichkeit ist Erinnerung. Das schränkt natürlich ein.
    Die zweite? Wenn die auseinanderbricht kann ich den Text in die Tonne treten. Aber die Wendung 'Einräumung fallen' ist gut...kommt in die Sammlung.

    Mit Grüßen
    Lester

  5. #5
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Von ihrem Fenster

    Uis hat es wohl gut getroffen, als er dem Lyriker Lester unterstellte, er wolle im Grunde nur etwas erzählen. - Das glaube ich mittlerweile auch. Deshalb habe ich diesen Text auch Lyrsa subsumiert, also einer Untergattung der Epik.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Von ihrem Fenster

    Uis war hier ein kluger Begleiter Anderer Zeilen, ein Vielschreiber und Kommentator, dabei immer bereit, positive Aspekte im Gelesenen zu erkennen. Und seine eigenen Texte oft zum Nachdenken gemacht (ich erinnere Am Tisch der Zeit) oder zum Schmunzeln (Geschichten vom Nein). Schade, er schreibt hier nicht mehr.

  7. #7
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Von ihrem Fenster

    Zitat aerolith

    er wolle im Grunde nur etwas erzählen
    Jeder Lyriker will im Grunde "nur" etwas erzählen - und so soll es bitte auch sein, denn alles andere wäre mir äußerst suspekt.

    Und wo ich schon mal hier bin: das ist Lyrik, auch wenn einem der Textaufbau vielleicht nicht ganz so vertraut ist

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