Umfrageergebnis anzeigen: Schadet Dialekt sprechen dem gesellschaftlichen Aufstieg?

Teilnehmer
2. Sie dürfen bei dieser Umfrage nicht abstimmen
  • Ja, auf jeden Fall

    1 50,00%
  • Nein, eher im Gegenteil

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  • Das hängt vom Dialekt ab

    1 50,00%
  • Man sollte einen Dialekt sprechen, gelegentlich

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Ergebnis 26 bis 41 von 41

Thema: Dialekt sprechen?

  1. #26
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Dialekt sprechen?

    Jetzt neu im Programm der VHS Bayern:
    Dialekt auch als Fremdsprache.

  2. #27
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Dialekt sprechen?

    Die Zehlendorfer sind in der Regel eben keine Berliner, sondern Zugereiste. Das Oxford-Englisch steht in England für Oberklasse. Klar. Im Gegensatz dazu heißt es eben nicht, daß ein Hochdeutschsprechender zur Oberschicht gehört. Das ist gut so. Ich möchte sogar das Gegenteil behaupten: Wer sich einer ziemlichen Aussprache befleißigt, kompensiert. Er versucht, sich über Äußeres zu etwas Beßrem zu machen, etwas, was er nicht ist, aber gerne sein möchte. Abgesehen davon sind die Dialekte Ausdruck unserer Multikulturalität. Die Bayern und Norddeutschen haben bestimmte Lautveränderungen nicht mitgemacht, wir in Mitteldeutschland haben die Standards gesetzt, die Bildungsphilister nachäffen, ohne ihren Geist und ihr Regelwerk zu durchschauen. An den Rändern (Alemannien, Kölsch und Tirol) steht der Dialekt auch für die Abgrenzung von den Welschen und in Östreich wird seit jeher eine Eigenart gepflegt, die sich auch im gemütlichen Wienerisch manifestiert.


    Ich halt es da mit dem Impetus des Besserwissenden: Nur zu gern laß ich mein Wort mich tragen, frag nicht nach dem rechten Kasus, frag nur nach dem Schmand des Weisen, die Sahne abzulecken ist mir Schmaus, den Tand den Flächrigern zu lassen, Graus.

  3. #28
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Dialekt sprechen?

    Wo sind die Retter des Dialekts?
    Ja, ich springe in die Bresche !
    Als Dialektlose plädiere ich für den Erhalt der "Bauchsprache". Diese Alternative sollte uns erhalten bleiben und wie eine Fremdsprache in den Schulen gepflegt werden.
    Gibt es denn etwas Überzeugenderes, als im Dialekt beschimpft, gelobt oder angebetet zu werden ? San ma uns mal ehrlich..

  4. #29
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Dialekt sprechen?

    Der Kern der Frage wurde damals nur berührt: Mindert der Dialekt-Sprecher seinen sozialen "Wert", wenn er ihn benutzt? Anders gefragt: ist es in Deutschland ein Kennzeichen minderer sozialer Stellung, wenn man seinen Dialekt, seine Mundart benutzt, um sich auch Heimatfremden gegenüber zu artikulieren?

  5. #30
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Dialekt sprechen?

    Ja, er mindert ihn. Nicht unbedingt in den eigenen Augen, wenn man selbst ein starkes Selbstwertgefühl besitzt. Durchaus aber in den Augen anderer. Ich habe es selbst oft erlebt. Aber ich habe es auch umgekehrt erlebt, und dann davon wiederum die Umkehrung erlebt. Eine komplizierte, sehr reale Geschichte. Genaus so, wie sie Ulla Hahn in ihrem schönen Roman "Das verborgene Wort" treffend geschildert hat. Bei uns zuhause wurde früher nur Dialekt gesprochen (rheinisch/ähnlich dem Kölsch....). Als Kinder hatten wir es sehr schwer, ins Hochdeutsche einzutauchen. Es wurde nur dadurch gemindert, dass es gleichzeitig vielen Kindern so erging und man nicht automatisch damit einen Außenseiterstatus hatte. Brachte man das schwer erworbene Hochdeutsch dann wieder in die Familien, die es selbst nicht oder unzureichend beherrschten, so hiess es: Do domm Döppe, do... wells wohl wat Bessres seng....! Das war dann wieder der soziale Gegenschlag. Wurde man jedoch dann "vor de hätere Lück vorjeführt" (all die, die über mehr Reichtum oder Bildung verfügten, sofern sie nicht evangelisch oder von Drüvve" kamen)mit irgendwelchen Leistungen, die man Kraft Begabung und Fleiß brav trainiert hatte, gab es augenscheinliches Schulterklopfen für "der dösbaddel, dat jo doch wat kann und viellich doch net op de Fabri mos."... Der soziale Status bei Anwendung des Dialektes verschob sich ständig, je nachdem wer was von wem zu welchem Ziel und Zweck erwartete. Mal war es "falsch", mal "erwartet, erhofft". Es blieb der Sensibilität jedes Einzelnen in der Familie überlassen, selbst herauszufinden, wann es "richtig/angebracht" oder "falsch/unangebracht" war. Dialekt zur Unzeit konnte ebenso eine zerstörerische Wirkung entfalten, wie Hochdeutsch zur Unzeit. Rein pädagogisch in dem Zusammenhang ist übrigens interessant, dass wir Kinder auf Mutters Dauerdrohung im Dialekt besser parierten, als hätte sie den gleichen Satz auf Hochdeutsch ausgesprochen ("Loss de Bapp höck ovend heim kun, dann jiddet wat!"). So hatten wir Angst... zurecht, "et jov nämlich wat!"... Schwarze Pädagogik in Hochdeutsch hätte uns zum Schmunzeln gebracht - d.h. die Mutter war in ihrer Authentizität nur im Dialekt ernstzunehmen...


    Ach ja, wir waren nicht so reich wie heute und hatten schon mal öfter Hunger:
    "Mam, esch han Honge"..... "Leck Salz, dann krieschste och Duuusch! Du waats bes de Papp heim kütt.".... Später dann, als es besser wurde: "Honge hös de? Mach de e Stück!" (immerhin, dann gabs das Butterbrot als Zwischenmalzeit).... Sorry, jetzt bin ich vom Thema abgekommen und schnell kurz in die eigene Kindheit zurückgeflutet....


    Fazit: Beides zu beheerrschen ist Reichtum. Beides unzulänglich oder in Mischform anzuwenden, gibt "schiefe Blicke". Lebenslang.

  6. #31
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Dialekt sprechen?

    Ob der Dialektsprecher seinen Wert mindert? Weiß ich nicht, aber er raubt dem von ihm Gesagten oft den Wert, wenn er nämlich nicht verstanden wird.
    Wenn ich etwas sage, dann will ich auch (meistens), daß es verstanden wird. Spreche ich dabei einen der unverständlicheren Dialekte (Niederbayrisch ist da wohl ein gutes Beispiel), kann ich das nicht erreichen. Ich muß also, um möglichst viele mit meinen gesprochenen Gedanken zu erreichen, die lingua franca wählen, also Hochdeutsch.
    Anders ist's, wenn ich bewußt aus- bzw. abgrenzen will. Dann leistet ein Dialekt, den nur ich und meine Stammesangehörigen verstehen, gute Dienste, um meine Botschaft vor den Fremden geheimzuhalten. Das klappt zwar mit den wenigsten Dialekten heutzutage (zurück zum niederbayrischen), aber ersatzweise läßt sich über den Dialekt in Nullkommanix Nähe und Gruppengefühl herstellen, Vertrauen gar, denn jener, der so spricht wie ich, wird mich kaum verkloppen - das übernimmt in der Regel der Niederbayer .
    Trete ich vor einem großen Mischmasch von Menschen verschiedener Herkunft auf und habe den Anspruch, mich ihnen allen verständlich zu machen, dann kann ich nicht anders, dann muß ich Hochdeutsch sprechen. Habe ich zwar den Anspruch, aber kann/ will kein Hochdeutsch sprechen, stehe ich zurecht als Provinzei, Hinterwäldler etc. da.
    Beispiel: Wenn bei B3 bayrisch gesprochen wird, finde ich das in Ordnung - Spartenprogramm für einen Stamm, eine geschlossenen (meine ich nicht böse) Volksgruppe. Wenn in der überregionalen ARD ein bestimmter Tierfilmer so hart schwäbelt, daß es nicht mehr niedlich klingt, sondern eben unverständlich ist, dann ist der Mann entweder unfähig oder will sich bewußt ausgrenzen - und dann hat er da, wo er ist, nix verloren, sondern soll zum SWR gehen.
    Das alles bezieht sich auf die "harten", d.h. weitgehend intakten und für Fremde kaum verständlichen Dialekte (waschechtes Vogtländisch gehört wohl auch dazu), nicht auf die leichte Färbung der Vokale. Das kann schön sein oder nerven, ganz nach Geschmack. Das "Klare A" in Sachsen-Anhalt, welches sich mit der Schriftsprache absolut gar nicht wiedergeben läßt und zudem von Landkreis zu Landkreis differiert, ist z.B eine der ekligeren Hervorbringungen der deutschen Mundart, macht aber im betrunkenen Zustand unendlich viel Spaß.
    Von soher habe ich über das allgegenwärtige Dummdeutsch noch nicht wirklich was gesagt, das würde hier auch gar keinen Sinn machen, oder?
    Hugh!

  7. #32
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Dialekt sprechen?

    Da wir nun heute endlich den Hauptbestandteil des Magdeburger Mundart-Buchs fertigstellen konnten, treten wir hier in eine neue Phase der Befasse mit diesem Thema.



    Je länger ich darüber nachdenke, um so mehr gelange ich zu der Erkenntnis, daß nichts angenehmer sein kann, als Mundart zu sprechen. Mit einer Vereinheitlichung wird nivelliert und so getan, als ob das vereinheitlichte Standardsprachliche der Weisheit letzter Schluß sei. Nun sage ich das, der ich als Kind gegängelt wurde, wenn ich "Straßenjargon" sprach.

    Allerdings ist hier fein säuberlich vom Rumpfdeutsch der grammatikalischen Vollidioten zu unterscheiden.

  8. #33
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    AW: Dialekt sprechen?

    mit dem dialekt kommt der gesang in die sprache. mit meinem gegenüber sing ich sein lied. eingeprägt hat sich mir die erfahrung mit einem pongauer, der mir erst nach monaten vertrauensaufbau das geschenk machte, mit mir im dialekt zu sprechen, hochdeutsch sei für ihn zwang zur verstellung. also: mi gfreits - wann die schbringinkerl ehrlich sand. keine größere distanz, als wenn ein mundartler zu mir hochdeutsch spricht - von ihm aus gesehen. das wär ein grund zur besorgnis.


    das herabsehn ist zum glück stark zurückgegangen. die regionen sind die gegenkraft zur europäischen einigung und entsprechend selbstbewußt. mit dem ersten wort sagt man, woher man ist, und das ist schön.

  9. #34
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Dialekt sprechen?

    Die Dialekte sind auch in einen Wettkampf getreten. Nicht jeder Dialektsprecher wird geachtet. Galt zu Schillers Zeiten das Meißnische Sächsisch als das beste Deutsch, so rümpft doch heute beinahe jeder Nichtsachse die Nase, wenn er das Sächsische hört. Das Schwäbische und Bairische dagegen wurden aufgewertet. Galten Bayern und Schwaben in besagter Zeit als rückständige Gebiete des Reichs, so gilt das heute aus mir unerfindlichen Gründen nicht mehr. Mithin änderte sich der Stellenwert dieser Rumpfdeutschsprechenden, die nicht einmal die erste Lautverschiebung mitmachten, das also noch nachzuholen habe.

  10. #35
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    AW: Dialekt sprechen?

    dem "rückständig" würd ich ein "eigenständig" dagegensetzen und schon könnte man einen grund finden, um sich die aufwertung verständlich zu machen.
    die erste lautverschiebung nicht mitgemacht? ja, wer rennt denn schon jedem zeitgeist hinterher - der bayer nicht. wär eher die nationale frage, ob sie, die lautverschiebung nämlich, nicht rückgängig zu machen sei - so im zug mit der rechtschreibreform hand in hand.
    wer schreibt den jetzt die urfassung der dialekte, die die erste lautverschiebung mitmachten, ohne diese???

    ich wollt damit eigentlich auch hier sagen, da's mir nach der befassung mit dem dialekt gar nicht mehr so vorkommt, als gäbe es ein echtes deutsch oder einen echten deutschen. her scheint das, wenn schon nicht verstellung, so doch zwang zur künstlichen einordnung zu sein.
    mich interessiert dieses regionale gegengewicht nicht nur zu europa, sondern auch zum nationalstaat. jetzt verstehe ich, warum ein pasolini mit besonderem engagement dialekt-schreibschulen in italien eingerichtet und gefördert hat: eine linke bewegung, die auf die einzelne menschenseele schaut, wie sie global die gleiche sprache spricht: die ihrer region. fraktale physik: das kleine enthält das große im ganzen.
    die kritik am nationalstaat muß über die region gehen. rückschrittlich könnte man vorwerfen. ja- klar - und zwar bis ins mittelalter und seinen reisefreiheiten.
    kann mich jemand darüber aufklären, bitte, was die erste lautverschiebung bedeutet?
    kommt mir ähnlich komisch vor wie die evolution: auf einmal hat sich der verschobene laut (wobei ich nicht weiß, was das ist, bin kein germanist) offenbar über ganze landstriche hinweg durchgesetzt. aber wie kann das gehen? und (gleicher einwand bei der evolution): wieso sieht man das heute nicht mehr? müßte doch dann auch eine vierte geben oder so, muß doch einen grund haben, der evolutionär vorteilhafter war als unverschoben...

  11. #36
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Dialekt sprechen?

    gestern stand in der Volksstimme ein Interview, das der MDR am Tage nach dem Verschwinden eines Fräuleins namens Anja mit Anwohnern durchführte. heuer stellte sich heraus, daß dieses interview wahrscheinlich eines mit dem täter gewest. es mag der neue ton in der hiesigen zeitung sein, daß dialekt bzw. mundart nicht mehr als schande angesehen wird. jedenfalls erlebte ich es zum ersten mal, daß der gesprochene text NICHT ins normdeutsch gebracht wurde.

    allerdings wird hier mit dem sprecher auch unterschwellig ein angehöriger der sozialen unterklasse, vielleicht sogar ein potenzieller mörder, dieb, rumtreiber... dargestellt. merke: wer mundart spricht, neigt zum verbrechertum.

  12. #37
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Dialekt sprechen?

    gespräch zwischen mutter, freundin und kind auf dem bahnhof:

    mutter zu freundin:
    ik sach dir, jutte, dit automaaten kannste nich bedien nich... mönsch, kleene, wat haste denn an deene anorak jeschmiert?
    kind:
    nischt, mutta. der sieht doch imma so aut.
    mutter:
    ik hav da heite elverstorf/demmker bei meene standpunkt injejevn, na, wo ik hinwill, ava det ding will et nich kenne.
    Freundin:
    die wissen ooch nich, wat se wolln. und wennse det ding hinstelln, denn solln ses man leserlüch machn.


    Ich liebe dieses Land, wo sich die Menschen in dieser Art unterhalten.

  13. #38
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Dialekt sprechen?

    machteburjisch ist nicht dabei.


    13 Sprachen in Deutschland bedroht


    UNESCO: Nordfriesisch, Bairisch, Jiddisch gefährdet




    Ende der deutschen Sprachenvielfalt? Nach Ansicht der Kulturorganisation UNESCO drohen hierzulande 13 Dialekte auszusterben. Sollte sich niemand dagegen verbal stemmen, gehörten Nordfriesisch, Bairisch oder Jiddisch alsbald der Vergangenheit an.

  14. #39
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    AW: Dialekt sprechen?

    Ich liebe Dialekt. Nicht jeden gleichermaßen, doch grundsätzlich. Was wir als angenehm empfinden, ist Gewohnheit, anerzogen oder eingetrichtert. Per se ist jeder Dialekt weder angenehm, noch unangenehm, sondern so, wie er ist, richtig. Braucht weder Rechtfertigung noch Entschuldigung.

    Habe 10 Jahre als Österreicher in Deutschland gelebt und gearbeitet. Und ich gestehe, von manchen Leuten - es waren nicht die hellsten - wurde ich oft wegen meines Akzents (ich sprach natürlich nicht breiten Dialekt) gehänselt oder aufgezogen und ich empfand so etwas wie Scham oder Minderwertigkeit. Rational war das blöd und unnötig, doch emotional blieb dieser Rest Ungleichwertigkeit.

    Ich bedaure jeden, der keinen Dialekt gelernt hat. Und das, was uns als hochdeutsch heute verkauft wird, ist bestenfalls TV-Sprech, Mode und sprachliche Verwahrlosung. Ich kann diesen Talk-show-Einheitsslang kaum ertragen. Aber ich bin ja auch schon von gestern.

    Wenn ich unsere TV-Aushängeschilder 'Dzschurnalisten' sagen höre, dreht sich mir der Magen um.

  15. #40
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Dialekt sprechen?

    Zitat Zitat von Gegenströmung Beitrag anzeigen
    Ja, er mindert ihn. Nicht unbedingt in den eigenen Augen, wenn man selbst ein starkes Selbstwertgefühl besitzt. Durchaus aber in den Augen anderer. Ich habe es selbst oft erlebt. Aber ich habe es auch umgekehrt erlebt, und dann davon wiederum die Umkehrung erlebt. Eine komplizierte, sehr reale Geschichte. Genau so, wie sie Ulla Hahn in ihrem schönen Roman "Das verborgene Wort" treffend geschildert hat. [..]


    Ach ja, wir waren nicht so reich wie heute und hatten schon mal öfter Hunger:
    "Mam, esch han Honge"..... "Leck Salz, dann krieschste och Duuusch! Du waats bes de Papp heim kütt.".... Später dann, als es besser wurde: "Honge hös de? Mach de e Stück!" (immerhin, dann gabs das Butterbrot als Zwischenmalzeit).... Sorry, jetzt bin ich vom Thema abgekommen und schnell kurz in die eigene Kindheit zurückgeflutet....


    Fazit: Beides zu beherrschen ist Reichtum. Beides unzulänglich oder in Mischform anzuwenden, gibt "schiefe Blicke". Lebenslang.
    Merkwürdige Koinzidenz: Genau diese Fragestellung (Zusammenhang von sozialer Stellung und Dialekt) mit genau diesem Text von Ulla Hahn war 2018 ein Thema beim Abitur.

  16. #41
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Dialekt sprechen?

    Zitat sueddeutsche.de


    Dialekt macht schlau

    Die alte These, dass die Mundart die Sprachfähigkeit der Kinder verbessert, bekommt durch die neue Pisa-Studie Aufwind. Demnach trainieren Dialektsprecher vor allem Auffassungsgabe und abstraktes Denken.
    In der Sprache der Münchner Jugendlichen kommt er nicht mehr vor, die Radio- und Fernsehsender meiden ihn wie die Pest, in vielen Firmen, Elternhäusern, Schulen und Universitäten gilt er als primitiv und unzeitgemäß.

    Doch jetzt hat die aktuelle Pisa-Studie dem Dialekt überraschend zu neuer Aufmerksamkeit verholfen. Dass im Bildungsvergleich ausgerechnet Dialekt-Regionen wie Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Österreich ganz oben stehen, hat eine Reihe von Fragen aufgeworfen. Sogar die mundartlich wenig inspirierte Bildzeitung titelte etwas ratlos: Macht uns der Dialekt so schlau?

    Größere Sprachkompetenz dank Dialekt

    Mundart-Experte Hans Triebel beantwortet diese Frage klipp und klar mit Ja. "Unsere Kinder san ja net so gscheit, weil bei uns die CSU regiert, sondern weil sie von Grund auf zwei Sprachen lernen, den Dialekt als Muttersprache und das Schriftdeutsche als Standardsprache", sagt Triebel. Tatsächlich lassen wissenschaftliche Untersuchungen den Schluss zu, dass Kinder, die mit dem Dialekt aufwachsen und sich dann erst die Standardsprache aneignen, eine größere Sprachkompetenz entwickelt


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    Dem beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg steht (nicht alleine..) der Dialekt im Wege....da bleibt...bei all den Studien zu diesem Thema...kaum Raum für gegenteilige Meinungen. Ohne ein sauberes Hochdeutsch in Wort und Schrift kommst du weder in den Vorstand von adidas....noch ins Bett von Rebecca Mir.

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