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Thema: Frühstück mit Janis Joplin

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Frühstück mit Janis Joplin

    Frühstück mit Janis Joplin




    Janis erwischt mich eiskalt bei Gedankenpurzelbäumen und weist mich zurecht. Sonst nicht ihre Art, heute ist es anders.


    Wie ich jetzt nur KÖNNE.


    Ich solle mich auf SIE konzentrieren. Sie würde mir auch einen OFEN für GÖTTER in FRANKREICH bauen, obwohl in INDIANAPOLIS im WOHNWAGEN lümmeln, sich gehen lassen und Zeit mehr oder weniger unnütz vertun unseren Tagesablauf nicht trefflicher beschreiben hätte können.


    Ich gebe mich kaltschnäuzig- schliesslich würde ich ihr auch am liebsten ins Gesicht sagen, wie ich es verabscheue, dass sie ihre viel zu kurzen, abgekauten Fingernägel WEINROT lackiert.


    Ein Unding, das da als gängige Sitte eingerissen ist, von dem sie weiss, wie ich dazu stehe und sie es TROTZDEM mit GENUSS in Szene setzt.
    Ich schreibe es ihrem unabänderlichen Freiheitswillen zu, den ich voll und ganz anerkenne.


    Schwierig ist sie.
    Eine ZERRISSENE eben.


    Und nach dem Duschen trocknet sie sich nicht mit Handtüchern, sondern in der Sonne- im FREIEN- auch im Winter.
    Ihre Hanfbadeschlapfen habe ich IHR in Las Vegas gekauft- obwohl ich im CASINO mein letztes geschmackloses HIPPIEhemd verspielt habe. Jenes mit den Rüschen.


    Aber ich bin kein RÜSCHENmensch.


    Ich mache das alles mit, nicht nur weil ich ihr imponieren will, sondern weil ich damit die Grenzen meines eigenen Verstandes auszuloten vermag.


    Das versteht sie schon.


    Jetzt gerade möchte sie nicht verstehen, warum ich einfach nur dasitze, Jazz höre und trockenes Knäckebrot knabbere.
    Um 2 Uhr 57 morgens. In peinlichen Supermarktboxershorts und einem unter den Achseln ausgerissenen T- Shirt.


    Dass ich nichts sage und die weisse Wand anstarre ist ihr egal.


    Sie hält es da nicht viel anders.
    Mit Jazz kann man Janis jagen. Warum das bei Frauen so ist, geht nicht in meinen Kopf.
    Jazz kann so erotisch sein.
    Janis ist auch ohne JAZZ erotisch. Und der Jazz ohne Janis- aber nur manchmal.


    "Leg das Knäckebrot auf die Seite! sagt sie nur, mir einen fragenden Blick zuwerfend.
    "Weisst du, die Milchschokolade ist mir ausgegangen, und gebratene Maroni gibt es noch keine", entgegne ich ihr auf ihr vorwurfsvolles Gebaren einigermassen gereizt und fühle mich sicher, was wohl ein Fehler ist, blicke ich in funkelnden und vor Unmut blitzenden Augen.


    "Mach doch was du willst!"


    Böse klingt das nicht, aber authentisch. Diese Authentizität weiss ich zu schätzen.


    Ich mache was ich will.


    Entweder Charlie Parker oder meine Gleichgültigkeit, mit der sie, und ich möglicherweise nicht gerechnet hätte, da ich ihr eigentlich FARFALLEn bin (sie liebt NUDELgerichte) erzeugen Spannung die ich geniesse.


    Wie ihr ist mir absolute Harmonie zuwider (ist das jetzt schon eine Form der Harmonie?).


    Das mit den gebratenen Maroni leuchtet ihr ein und das Thema ist GEGESSEN.
    Gebratene Maroni- im August. Lächerlich.


    Ausserdem habe ich ihr in einem Anfall von selbstverneinendem Wahnsinn die letzten Reste an Kräuterfrischkäse gestern nacht nackt von den unlackierten Zehen geleckt- in ihrer Bananenblatthängematte im künstlichen Vorgarten.


    Den salzigen Nachgeschmack verspüre ich- zugegebenermassen als Wohltat, wovon ich ihr nichts sage- aus TROTZ- immer noch auf meiner Zunge.


    Der OFEN war auch eine einzige WOHLTAT. Den hat sie gebaut.


    Dann haben wir laut AUFGELACHT.


    Jimi Hendrix ist manchmal auch zu lächerlich.


    Ein MINERALWASSERTRINKER im Vergleich zu UNS BEIDEN.


    Seine letzte SCHEIBE haben wir frühmorgens als OFEN fiktiv verHEIZT, weil wir so lachen mussten darüber. Und ich habe eine SCHEIBE KNÄCKEBROT dazu geknabbert- OHNE NIX drauf.


    "Ein WURM ist er", hat Janis zu mir gesagt, dabei den Kopf zurückgeworfen und ich sah nichts weiter als in ihre weit geöffnete, vorlaute KLAPPE, in etwa bis zum GAUMENZÄPFCHEN hinab.


    Eine KLAPPE so gross wie die eines Müllschluckers.


    Während ich mir das so denke, wie ich es gedacht habe, wird mir plötzlich klar, dass diese, IHRE KLAPPE tatsächlich immer öfter MEINEN MÜLL schluckt.
    Über diese Erkenntnis bin ich einigermassen beunruhigt.


    Zehn Minuten hat sie einfach nur gelacht, während ich eine nach der anderen geraucht habe und ihr zu FLEISS "HEY JOE" von Jimi aufgelegt habe.


    Bis sie mir eine aufgelegt hat.


    Aber das schreibe ich nur halbinformativ und als unwichtiges Fragment in den Raum.
    Quasi informell.




    Um vier Uhr morgens beschliessen wir, den kleinen Klapptisch, den uns ihre Nachbarin mitgegeben hat, mitten am Hauptplatz der Ortschaft aufzubauen und beginnen, uns häuslich einzurichten.
    Normalerweise essen wir um diese Zeit zu mittag, aber heute WILL JANIS FRÜHSTÜCKEN.
    Also frühstücken wir.
    Das Knäckebrot habe ich NICHT mitgenommen.
    Der tragbare Kofferplattenspieler steht auf dem Hydranten zwar gut, hat aber keine Platten zu fressen.
    Ich hätte an ihn sowieso nur HENDRIX verfüttert.


    Wir machen uns sogar die Mühe und montieren das leinwandene Werbeplakat eines Coffee Shops ab, um es als Tischdecke zu verwenden.
    Geschirr- ja- Geschirr hätten wir mitnehmen sollen.


    Aber das klappert ja fürchterlich in der dunklen, stillen Nacht.


    So wie JANIS fürchterlich klappert. Alles an ihr klappert. Ihr klappernder Schritt ist das eine.
    Die Tatsache, dass sie innerlich klappert und alles zum Klappern bringt, liess mich einst den Ausdruck KLAPPERMENSCH für sie erfinden.
    JANIS ist ein KLAPPERMENSCH, und manchmal, da lässt sie mich klappern, schändlich klappern, aber das meint sie nicht weiter böse.


    Zwei Stunden sitzen wir einfach nur da und starrren uns an- und wenn uns das zuviel wird, starren wir eben einen Stein, oder einen Baum, oder eine Haustür, oder eine Geschäftsauslage an.
    Autoreifen nicht- denn Autoreifen kann ich nichts abgewinnen.


    Gerade, als ich mich frage, wo ich bin, was ich hier mache, und ob ich noch weiterstarren soll, meint Janis unvermittelt:


    "Ich wäre gerne bei einer Schwimmbaderöffnung dabei."
    Die beste Anwort darauf ist lauthalses, ohrenbetäubendes Schweigen.
    So kommunizieren wir am besten.
    "Dieses Gefühl- du stehst am Beckenrand, gemeinsam mit einer Unzahl an anderen Menschen. Die Spannung und die Vorfreude auf die allgemeine Freigabe. Das Lechzen nach dem kühlen Nass. Und dann die Freigabe- mit Genuss hinein. Wer ist erster? Da ist jeder GLEICH."


    Ich lasse sie reden, es gefällt mir, aber mir fällt nichts ein.


    "Oder einmal im Leben einem EISBÄREN in Mexiko ein Haselnußeis abkaufen."
    Wieder wirft sie den Kopf zurück und bricht in lautes Lachen aus.


    "Wo kriege ich jetzt indischen Hühnersalat mit Currysauce und Ananasstückchen her?"


    Das frage ich mich nicht.


    Sie schenkt mir Kaffee nach. Das hat sie in Japan gelernt. In Japan SCHENKT man seinem GEGENÜBER ein.


    Bitte, dann soll sie mir EINSCHENKEN.


    Wir stossen uns keineswegs daran, dass die Ortschaft jetzt doch gezwungenermassen aus ihrem Tiefschlaf erwacht, irgendwo krabbeln verschlafene Berufstätige am Bürgersteig herum, glotzen uns mit ihren Froschaugen an oder schauen verlegen zur Seite.
    Nur nicht anstreifen. Oder- "wie kommt man dazu, als hart arbeitender Mensch frühmorgens über einen PENNER zu stolpern?"
    Weil ich das so will, aber das ist eine ANDERE Geschichte.


    Wie gerne bin ich PENNER!


    Eine kleine Menge hat sich doch um uns geschart. Staunend. Blödelnd. Lachend. Tuschelnd. Schimpfend.


    "Stellen Sie den Brunnen leiser- wir verstehen unser eigenes Schweigen nicht mehr", sagt Janis zu einem Polizisten.


    Ein Schuljunge ist so nett und bringt mir auf meinen Wunsch ein Gänseblümchen an den Tisch, welches ich Janis ins Haarband stecke.


    Erst jetzt fällt mir auf, dass sie barfuß gefrühstückt hat. Ihre Hanfbadeschlapfen hat sie nicht angezogen.
    "Unterwegs in den Fluss geworfen", antwortet sie auf meine Frage.
    Ich habe nichts dagegen.


    Janis will rauchen. Ich entzünde ihr Feuer.


    "Ich schneide noch ein weiteres, kleines Stückchen deines Herzens herunter", sagt sie noch, "als wäre es KÄSE", bevor wir uns zusammenpacken.


    Fürs erste habe ich genug mit JANIS gefrühstückt.
    Einen MERCEDES BENZ würde ich ihr dennoch gerne schenken.


    Wir gehen nachhause, in beschwingter Stimmung, aber nicht SATT.


    Aber was sollte ich machen...wenn es im August einfach keine GEBRATENEN MARONI gibt und mir die Milchschokolade ausgegangen ist......






    [Diese Nachricht wurde von knopflochvisagist am 22. Juni 2003 editiert.]

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Frühstück mit Janis Joplin

    Janis erwischt mich eiskalt bei Gedankenpurzelbäumen und weist mich zurecht. Sonst nicht ihre Art, heute ist es anders.
    Öha! Da breitet einer schon im Anfang Satzrümpfe. Du stimmst Deinen Leser schon frühzeitig darauf ein, daß er hier Worte mitdenken muß, die Du ihm nicht vorgeben willst. Ist das ein Stilmuster?
    Wie ich jetzt nur KÖNNE. Ich solle mich auf SIE konzentrieren. Sie würde mir auch einen OFEN für GÖTTER in FRANKREICH bauen, obwohl in INDIANAPOLIS im WOHNWAGEN lümmeln, sich gehen lassen und Zeit mehr oder weniger unnütz vertun unseren Tagesablauf nicht trefflicher beschreiben hätte können.
    das wirkt durch den häufigen Gebrauch von Hilfsverbkonstruktionen - ohne Not! - ein wenig gespreizt. Auch hier solltest Du Dich fragen lassen dürfen, ob das ein Stilmuster sein soll?
    Wir haben die Ellipse und jetzt die Kumulation von Hilfsverbkonstruktionen. Überstrukturierter Text!
    Ich gebe mich kaltschnäuzig - schließlich würde ich ihr auch am liebsten ins Gesicht sagen, wie ich es verabscheue, daß sie ihre viel zu kurzen, abgekauten Fingernägel WEINROT lackiert.
    Muß das Komma zwischen Kurze und abgekaute stehen?
    Ein Unding, das da als gängige Sitte eingerissen ist, von dem sie weiß, wie ich dazu stehe und sie es TROTZDEM mit GENUSZ in Szene setzt.
    Das ist, im Grunde der Satzdefinition, auch kein Satz.
    Ich schreibe es ihrem unabänderlichen Freiheitswillen zu, den ich voll und ganz anerkenne.
    Das wage ich zu bezweifeln, daß es Freiheitszugeständnis ist. Dafür sitzt hier der Schalk zu deutlich nackaufwärts.
    Schwierig ist sie.
    Eine ZERRISSENE eben.


    Und nach dem Duschen trocknet sie sich nicht mit Handtüchern, sondern in der Sonne - im FREIEN - auch im Winter.
    Ihre Hanfbadeschlapfen habe ich IHR in Las Vegas gekauft - obwohl ich im CASINO mein letztes geschmackloses HIPPIEhemd verspielt habe. Jenes mit den Rüschen.
    Viele Sprünge, die sich ausnahmslos unannehmlich gerieren. Bös gesagt. Die Großschreibung wirkt ein wenig manieriert. Zumindest beim IHR könnte sie getilgt werden.
    Aber ich bin kein RÜSCHENmensch.


    Ich mache das alles mit, nicht nur weil ich ihr imponieren will, sondern weil ich damit die Grenzen meines eigenen Verstandes auszuloten vermag.


    Das versteht sie schon.


    Jetzt gerade möchte sie nicht verstehen, warum ich einfach nur dasitze, Jazz höre und trockenes Knäckebrot knabbere.
    Um 2 Uhr 57 morgens. In peinlichen Supermarktboxershorts und einem unter den Achseln ausgerissenen T-Shirt.


    Daß ich nichts sage und die weiße Wand anstarre, ist ihr egal.
    Das ist gut und gibt einen Rahmen. Eine komplementäre Beziehung. Weite diesen Ansatz noch konkreter aus, nicht nur mit Hilfe einer Ich-Perspektive.

  3. #3
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Ordnerpflege



    Ich komme mit Janis und Frühstück nicht ganz klar. Das kapriziöse Gehabe der weiblichen Protagonistin erinnert mich doch eher an Audrey H, musikalisch aber denke ich an deep blue

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