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Thema: Martin H. - ein Gottsucher

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Arrow Martin H. - ein Gottsucher

    Martin Heidegger gilt als einer der bedeutendsten und schwer verständlichsten Philosophen des letzten Jahrhunderts. In diesem Ordner möchte ich die Gottsuche, als die ich seine Philosophie verstehe, exemplarisch weiterführen.
    Ich möchte hier einen "ewigen" Ordner eröffnen, der all denen offenstehen soll, die auch auf der Gottessuche sind, seien sie nun Gottesnarren wie Aitmatows Kalistratow oder Dostojewskis Karamasow, seien sie zynische Neinchen wie Xenophanes oder Mill oder sensible Schuster aus dem Schlesischen.


    Notizen über das Wesen des Seins in der Zeit. Bitte hier!

  2. #2
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Martin H. - ein Gottsucher

    Max Scheler sei hiermit vorgemerkt. Soll großen Einfluß auf H. besessen haben. Warum stellt sich ein das Ich über das Wir? Die Aufgehobenheit im Augenblick.


    Item: Über die Ursachen des Deutschenhasses (1916) - Gesinnungsmilitarismus

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Martin H. - ein Gottsucher

    Da bin ich einmal gespannt, wieviele Beiträge hier zusammenkommen. H. als Gottessucher? Hier wird etwas unterstellt, was zuerst der Überprüfung bedarf. Wer hat sich im letzten Jahrhundert nicht auf H. berufen? Da gibt es die Existenzialisten wie den Sartre, die Gottesfürchtigen wie den Barth oder auch die Nazis. Apropos Nazis: Der einzig wirklich gut verständliche Text ist seine Antrittsvorlesung. Jeder kann sich denken, warum! Sowohl zu dieser ominösen Rede als auch zu seinem sonstigen Verständnis des Tausendjährigen hat er seit Lebens geschwiegen. Warum wohl.
    Als Hinweis: Inzwischen spielt H. in der aktuellen akademischen Philosophie keine Rolle mehr - höchstens historisch hat er noch seine Berechtigung.

    Also Robert, begründe bitte zweilei:

    1. Warum sollten wir uns mit H. noch intensiv beschäftigen?
    2. Warum stellst du seine Aktivitäten unter die Gottessuche?


    Gruß hagen


    [Diese Nachricht wurde von hagen am 23. Juli 2001 editiert.]

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Martin H. - ein Gottsucher

    Wir haben da wohl disparate Auffassungen übers Philosophieren, Hagen. Es interessiert mich - auf deutsch gesagt - wenig, wer in den akademischen Zirkeln gerade in ist oder eine Rolle spielt. Würde man danach gehen, hätte wohl kaum ein Philosoph von eniger Bedeutung (für mich) eine Rolle gespielt. Es waren immer die anderen gerade "in", niemals aber die, die nun tatsächlich Leistungen erbrachten, worunter ich verstehe, daß sie Wege auch den Nachgeborenen eröffneten, die nachzudenken uns aufgegeben ist.
    Ich habe mich einige Jahre darin bewegt (in den Zirkeln), um zu wissen, daß viel Gerede und wenige Worte dem Suchenden wenig weiterhelfen, anfänglich vielleicht, nein, sagen wir in der zweiten Phase des Suchens, wenn die anfängliche Ehrfurcht vor dem Formulierten dem Wunsche wich, selbst ins Formelle einzuschauen. Aber dann ist's gut, dann muß man auf den eigenen Beinen stehen und suchen.
    Heidegger ist einer der Sucher des letzten Jahrhunderts.
    Ich glaube, daß über den Begriff des Seins, diesem von Yorck ins neue (moderne) Bewußtsein gehobenen Wortes von der Ereignung dem Sein diese Dynamik gegeben wurde, die es in bisheriger Distinktion zur Schöpfung nicht festhalten konnte. H. hat diesen Grundgedanken wieder aufgenommen und beharrlich weitergedacht. Das bedeutet, er hat Versuche unternommen, das Sein zu bergen, will heißen in eine Form zu bringen, die anschaulich ist. Das sind Gründungen des Suchens, Gründungen des Menschen und Begründungen im Dasein.

    Fühlst Du Dich verlassen, stemmt sich Dir Not an die Schultern und zerrt und zieht in Nullstellen, Verlassenheiten? Wahrheit!

    Beginnen wir mit Begriffen und der Problem-Formulierung: DAS SEIN - Hedegger-Worte immer kursiv -
    Das S. inauguriert das Geschehen. Es hat den Menschen immer schon in Anspruch genommen.
    Kernfrage: Worin besteht der Sinn des S.s?
    Für H. ist es mit dem Seienden nicht identisch, denn das S. west, das Seiende ist. Und daran knüpft sich die Idee, seine Idee des Ereignisses: das S. west das Wesen seiner selbst (Ereignis). Also muß man es suchen! Das Sein ist im Suchen zu finden. Heureka!
    Einfacher Gedanke, einfache Folgerung. Bleiben wir in der coincidentia oppositorum, also konstruieren wir hier den Gegensatz, den Widerspruch, das, was uns aufhält, das Sein wirklich in seinem Tode zu erkennen: Das S. muß im Gegensatz zu jedem Seienden gedacht werden, denn es ist ihm abgründig fern. Abgründig.
    Hast Du Dich schon einmal über den Brückenrand gelehnt, ganz weit, und Dir gewünscht, in die Tiefen zu springen? Ich spreche hier nicht vom Suizid, sondern von dem Wunsch nach dem Tioefsten, dem Abgründigsten, der Ahnung von dem, was unerkennbar scheint ohne persönlichen Einsatz. - Da ist das Verborgene, aber eine Ahnung erscheint Dir, sie geht auf: Daß aus dem Verborgenen das S. heraustritt (im Unverborgenen west das Sein). Nach H. gibt es kein Seiendes ohne Sein. Also ist er Pantheist! Und ein Ungläubiger. Mithin sind Götter, sie sind überall. Mithin ist der Paranoiker. Aber ein Suchender Paranoiker. Im Denken ist das Subjekt. Das S. ist von den Göttern gebraucht, um sich selbst zu gehören. Es kennt nur Entscheidungen, kein BLABLA.

    Und jetzt, lieber Hagen, schiebe ich Dir den größten Gedanken H.s zu: Das S. ereignet das Dasein und ist dennoch nicht dessen Ursprung, denn es ist einfach, unterscheidlos. (Werke I, S. 471) Und weiter unten schreibt er: das Nichts gehört zum S. (I, S. 480)


    Der Vollständigkeit halber gebe ich Dir noch eine Vorlage, lege hier die Spielregeln fest, die Spielwiese, auf der wir miteinander spielen und reden könnten:
    Aspekte, seinsgeschichtliches Denken fragwürdig zu machen:
    (1) Theologie - von den Göttern her
    (2) Anthropologie - vom Menschen aus
    (3) Philosophie - im Rückblick auf die Geschichte der Metaphysik
    (4) Ontologie - als das Denken "des" Seins.


    Jetzt Du.


    Ich denke, die Virulenz der H.schen Fragestellungen dürfte jetzt auch Dir klargeworden sein. Ich denke nicht, daß der Mann unmodern geworden ist, wie keine Philosophie unmodern werden/sein kann, wenn sie Fragestellungen aufwirft, die Menschen etwas angehen. Ich denke, es ist wissens- und lebenswert, im faulen Pfuhl nach Abwässern zu graben.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Martin H. - ein Gottsucher

    Hallo Robert,
    hier bürdest Du mir etwas auf, auf das ich mich momentan nicht einlassen kann. Zum Hintergrund: Meine ersten Begegnungen mit H. liegen eine Ewigkeit? zurück. Der Mythos, der von ihm seinerseits ausging, fesselte mich, gleichzeitig desillusionierte mich sein Geschreibsel, das zwischen Unverständlichkeit und, vielleicht ist es jetzt etwas zu hart formuliert, Narretei bewegt. Nichtsdestoweniger orientierte ich mich und fand an der Hochschule einen Kreis, die sich mit H. beschäftigten: Das Ergebnis war noch ernüchternder: Sie schraffierten Heidegger, indem sie sein Werk auf Verständlichkeit durchgingen und die Sätze nach der Verständlichkeit eine Farbe zuordneten: Schwarz war völlig unverständlich, weiß eine klarer Satz. Nein, so konnte und wollte ich nicht philosophieren. Meine zweite Begegnung mit H. fand dann über die Sekundärliteratur statt.

    Victor Farias: H und der Nationalsoz.

    Dann las ich daraufhin seine Uni-Antrittsvorlesung- und das verblüffende, der H. konnte so klar schreiben!
    Seitdem war ich nicht mehr gewillt, mich intensiv mit H. zu beschäftigen. Ich kann es akzeptieren, wenn bestimmte Teile seiner Phil. rekonstruiert werden und damit Aussagen generiert werden, die die Phil. weiterbringen, so etwa Apels Transformationen, in denen er bezgl. der Sprachphil. Ansätze zur Kritik übernimmt. Gleiches gilt für Rekonstruktion der Hermeneutik. Das Ganz beschränkt sich somit auf die wissenschaftstheoretisch orientierten Ansätze. Das ist ok. Aber momentan überfordert es mich, mich hier nochmals hineinzuknien und seine Fundamentalontologie zu durchleuchten: Oder ist das Sein des Kruges, sein krugen? Für mich gilt, daß ich derzeit weder Lust noch Zeit habe, den H. nochmals aufzugreifen. Ich glaube, es gibt (zumindest für mich) Interessantere, deren Zugang nicht so verbaut ist.

    Gruß hagen


    P.S. Wenn du über Metapyhsik diskutieren möchtest, dann bitte aus der Sicht der Kant'schen Philosophie. Hier vermute ich den konstruktiveren Weg. Und dann bitte nich in heideggerscher Lesart, sondern eher im Licht der mod. Wissenschaftstheorie und Ethik.



    [Diese Nachricht wurde von hagen am 29. Juli 2001 editiert.]

  6. #6
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    AW: Martin H. - ein Gottsucher

    wenn das nichts zum sein gehört, gehört es nicht zum seienden und ist geradezu der beweis, daß sein und seiendes nicht das gleiche. war es dann nötig, das ichts zu benennen? ist das die große verneinung, die ist, aber nicht west?


    ich habe das ichts nicht verstanden und dies hier wäre eine gute gelegenheit, es einmal aufzunehmen

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Kant und Heidegger kann ich nicht vermengen. Kritische Ansätze? Hm, ist nicht alles philosophieren kritisches Miteinander? Bei den meisten allerdings nicht.



    Susanna, was ist denn jetzt los? Nichts und Ichts, Sein und Nichtsein? Was ist hier die Frage? Wo ist das Problem?

    hagen, ich schulde Dir noch eine Antwort bezüglich Apel udn H. Ich muß da leider passen. Ich werde mir Herrn Apel, den ich mal in Jena hörte, vornehmen müssen. Nicht heute, nicht morgen, aber ich werde. Sobald mich der Wunsch packt, Gott neuer zu bestimmen. Im Moment habe ich keinen Wunsch danach.


    Da ist der Teufel, Luzifer, eigentlich der Erstgeborene Gottes, aber abgefallen, und so trat Jesus an Luzifers Stelle, um das Wort zu erfüllen. Das Ichts aber blieb, diese Verneinung des Verneinenden, dieses Dasein im Sein. Das Ichts blieb. Und der Mensch findet in Luzifers Nein immer auch sich selbst, wie Luzifer selbst Teil Gottes ist... der neue Adam, durch den der suchende Mensch seine Unschuldigkeit, seinen Urzustand wiederfinden kann "Es ist vollbracht!" als Er am Kreuze starb.

    muß aus der Ganzheitsperspektive bejaht werden, damit Ganzheit sichtbar werden kann
    So schrieb ich es im Manifest, S. 82.

    Allerdings habe ich zwischen Ichts und Sein keinen unmittelbaren Zusammenhang festgestellt. Vielleicht gibt es ihn, wahrscheinlich gibt es ihn, vielleicht sieht ihn Heidegger. Ich sehe ihn nicht. Heidegger sucht für mich nach dem Sein, nicht nach dem Ichts. Das Ichts ist so etwas wie ein präjudiziertes Ich von Fichte. Das Nichts aber steht dem Ichts nicht entgegen, es ist eben nichts. Das Ichts aber ist so ein Rest, der bleibt. Und hier hat es auch seine Funktion. Das Ichts ist quasi kein Pro, sondern eine Verneinung der Verneinung, was aber nicht bedeutet, daß es etwas sein muß. Etwas Positives. Etwas unbedingt zu Erhaltendes. Das Individuelle ist es auch nicht. Das ist bloß eine Maske. Ich äußerte mich schon darüber.
    Heidegger, um beim Ordnerthema zu bleiben, suchte dieses Ichts nicht, er suchte das Sein.

  8. #8
    rodbertus
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    AW: Martin H. - ein Gottsucher

    gottsuche für die suchtkranken: das konzept der fazenda. acht stunden arbeiten, kein sex and drugs and r'r, dafür gebet und gelebte nächstenliebe. in diesen fazendas, die jetzt auch im reich eröffnet werden, wird gestrandeten geholfen, die nichts mehr vom leben erwarten. das gemeinschaftsleben ersetzt die familie, die arbeit die beschaffungskriminalität. klingt gut, ist gut, aber dennoch: es ist ein symptom der krankheit "mensch". es ist kein systemproblem, kein gesellschaftliches des kapitalismus, kein psychologisches.
    der mensch ist eine fehlkonstruktion, die meist erst zu spät erkennt, daß sein wollen verrucht war. die einkehr in die gemeinschaft aus der not heraus, nicht aus der liebe. gelebte liebe als folge des krankseins.

  9. #9
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    Post Ego oder Selbst?

    Das Ego ist die Fehlkonstruktion, nicht das Selbst. Die Sehnsucht entsteht aus der Erinnerung an einen Zustand vor der Zeit. Oder anders gesagt: der später durchklingende Frust über die Ego-Welt entsteht aus dem Gefühl der Trennung. Erst nach dieser Trennung soll das Ego entstanden sein. Es zu bekämpfen verschlimmert die Symptome, wir können es jedoch segnen, wenn wir seinen Versuch sehen, uns vor den schmerzhaften Folgen dieser Wahl durch selektive Wahrnehmung zu schützen.


    Jedwede Selbstsabotage im Kleinen, wie im Großen, rührt daher, dass wir uns nach einem Zustand sehnen, in dem das Selbst im Gegenüber erkannt wird, nicht das fehlerhafte Ego. Erkenntnis ist total, Wahrnehmung ist selektiv. Wer anderen nicht zugestehen kann, Fehler zu machen, kann sich selbst nicht vergeben. Jeder wird irgendwann begriffen haben, dass wir in einem vernetzten System leben. Freie Entscheidung bedeutet nicht, den Lehrplan bestimmen zu können. Freie Entscheidung bedeutet nur, dass wir bestimmen können, wann wir etwas lernen wollen. Nicht, ob wir etwas lernen wollen. Lernen bedeutet Veränderung, Veränderung scheint dem Ego zu unsicher.


    Solange wir die "Schicksalsbelehrung" nicht durch die Frage zu beantworten lernen, was es genutzt hat, diese Erfahrung durchleben zu wollen, werden wir die kognitive Dissonanz des wechselseitigen Ego-Alptraums weiter steigern. Was könnten wir in vierhundert Jahren über den Nutzen der gegenwärtigen Situation denken?


    Eine mögliche Antwort wäre: Erst durch die Trennung konnten wir die Sehnsucht nach dem ursprünglichen Zustand der Einheit wiederfinden. Gäbe es nur das Selbst, könnten wir es nicht erkennen. Gäbe es keine Nacht, wie könnten wir den Tag als Tag erkennen?


    Die dunkle Nacht des Egos wird vergehen, wenn wir ihr nicht die Macht zugestehen, uns mit hoffnungslosen Gedanken die Möglichkeit zu nehmen, uns an der eigenen Heiligkeit aus dem Sumpf zu ziehen. Sein und Tun in Einklang zu bringen bedeutet, zu wissen, dass wir eine Reise beenden, die niemals begonnen hat.


    Jede Form von Zorn, Frust, Lieblosigkeit und Depression entsteht aus dem Gefühl, sich als ein getrenntes Individuum in einer feindlichen Umwelt zu sehen, das sich verteidigen muss, um "Grenzen" zu wahren. Aber die Grenzen des Egos bilden die Mauern um das Herz. Solange ich irrtümlicherweise glaubte, mein Denken zu sein, benötigte ich diese Mauern als Schutz vor Schmerz und ersetzte die Fülle des Selbst durch die rechthaberischen Mangeläußerungen des Egos. Jedweder Konflikt entsteht aus dem unauffüllbaren Mangel des "undichten" Ego-Denkens, dem die Kraft der Inspiration fehlt. Energiediebstahl auf allen Ebenen ist die Folge der Unverbundenheit mit unserer Umwelt. Wie leicht Leben in einer verbundenen Mitwelt wäre, ist eine Erkenntnis, die wir verloren haben. Solange Schuld als Prinzip des Egos angewendet wird, können wir die anderen nur darauf hinweisen, dass dieser kollektive Ego-Alptraum unnötig ist und reine Zeitverschwendung obendrein.


    Aus jedem Alptraum können wir jedoch aufwachen. Nicht der Alptraum zu sein, sondern der Träumer, könnte uns daran erinnern, dass wir noch schlafen. Allerdings bin ich in meinen Flugträumen immer abgestürzt, wenn ich darüber nachdachte, wie der Flug zu steuern sei. Ohne darüber nachzudenken flog ich einfach dorthin, wohin ich wollte. Den Traum bewusst zu träumen ist die schöpferische Verwendung der Zeit. Das Selbst lebt in der Ewigkeit, das Ego in der Zeit. Was wir wählen, ist unsere eigene Entscheidung. Auf das Ego im Gegenüber zu blicken, stärkt die Abwehr gegen die Aufhebung des Glaubens an getrennte Geister. Sühne bedeutet in meiner Überzeugung die Aufhebung des Glaubens an die Schuld. Schuld wird vom Ego als Projektionsfläche missbraucht, um Symptome der Verwesung als Beweis für die Unzulänglichkeit der Schöpfung anführen zu können. Denn der Tod ist die letzte Illusion. Aus der Ewigkeit betrachtet, hat diese Reise einen zwangsläufig glücklichen Ausgang genommen, bevor sie begann. Wie könnten die Fehlschöpfungen des Egos in der Zeit, die Ewigkeit berühren oder verändern? Das Ego bekommt jedoch aufgrund seiner Schuldunfähigkeit strafbefreiende Umstände zugesprochen. Welcher Richter würde einen ohnehin vor Schmerz Wahnsinnigen zu weiteren Schmerzen verurteilen?


    Daher sind wir unschuldig. Einzig Kirche und Staat müssen etwas anderes behaupten, damit wir an ihre Gesetze von Schuld und Sühne glauben. Dabei ist Sühne die Aufhebung des Glaubens an die Schuld. Urteile sind nicht unsere Sache, dazu erkennen wir nicht die Totalität aller Verwobenheiten. Liebe zu geben war die Intention der Schöpfung. Liebe haben zu wollen ist die Intention des Egos. Zu lieben, ist dem Ego viel zu gefährlich. Also suche und finde niemals. Das Ego besitzt keine Antworten, daher unterdrückt es die Fragen nach den Ursachen und beschäftigt sich mit den Symptomen. Etwas zu glauben, was tote Philosophen über das Leben zu sagen haben, erscheint mir wenig hilfreich. Dabei wurde uns gezeigt, wie der Tod zu überwinden ist. Ohne Kreuz auch keine mögliche Auferstehung. Während das Ego schrumpft, beginnt das Selbst zu keimen. Das Symbol der Lotosblume, die erst durch schlammiges Wasser wächst, ohne jemals davon berührt zu sein. Oberhalb des Schlamms befindet sich das Licht der Sonne.

  10. #10
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    AW: Ego oder Selbst?

    in den letzten jahren wird heidegger von den pcs in den fokus der nazis gerückt. besonders der in wuppertal wirkende trawny tut sich hier unrühmlich hervor. er glaubt, daß heideggers lehre als fußnote zum antisemitimus gelesen werden kann und verkennt die bedeutung heideggers als kolumnist des zeitgeistes seit etwa 1910. der sammler heidegger beschrieb die aufkeimende postmoderne, die den menschen verdinglicht (sic! das DING des seienden), ihn der natur entfremde, sich selbst entfremde.


    SELBST, Michael, ist keine konstruktion des egos, auch umgekehrt nicht. es sind zwei paar schuhe, aber keine zu konstruierenden resp. dekonstruierenden. wer das versucht, betreibt rabulistik. kann ja spaß machen, aber spaß macht es auch, bier zu trinken, doch bringt das den weltgeist weiter? abgesehen davon sind philosophen nicht tot, solange über ihr wort nachgedacht wird. vielleicht beim bier?


    heidegger zog sich den haß der konservativen und der kommunisten gleichermaßen zu, weil er den einen die dinge nicht harmonisch genug dachte, den anderen die weltrevolution madig machte. im grunde stand der mann nicht nur zwischen diesen stühlen, sondern maß den liberalen auch gleich noch was zu, denn die erbarmungslose vernutzung des ich im stählernen gehäuse der modernen welt läßt das sein nur adaptiv im dasein verameisen. ein individuum könne doch gar nicht in dieser welt leben, es sei entzaubert, verdinglicht, mit dem hexensabbat der ALTERNATIVLOSIGKEIT in diese welt geworfen, in der es sich gegen plutokraten und seinsbeglücker vergeblich wehren muß.


    abrechnung mit allen, die politisch handeln, die aber im kontext der welt handeln, die sie mit ratio erfüllen, die nur ihnen (jeweils) nützt. sie brauchen keinen heidegger, der die dinge nur durcheinanderbringt, also schreiben sie ihm jeweils das zu, was pc befiehlt, derzeit eben antisemitismus, nazinähe etc.pp


    Michael fragt nach einer bewertung aus der zukunft für diese gegenwart. das ist ein poetischer ansatz. fülle ihn mal mit leben!

  11. #11
    resurrector
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    AW: Martin H. - ein Gottsucher

    diesen ordner habe ich lange gesucht; auch wenn mich heidegger nicht mehr so wie um die jahrtausendwende interessiert, so bin ich froh darüber, daß er erhalten werden kann

  12. #12
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Martin H. - ein Gottsucher

    Da zitiere ich mal Remarque, der es mE auf den Punkt brachte

    In schwierigen Zeiten hat Gott immer eine Chance

  13. #13
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Martin H. - ein Gottsucher

    Mein Interesse an H. hält sich sehr in Grenzen, sodass ich kaum eine Originalzeile von ihm gelesen habe. Für mich ist das verquaster deutscher Idealismus zur Potenz. Und mit Gott hab ich's sowieso nicht, der Kerl sollte mal schauen, was er auf seiner Erde mit seiner Krone der Schöpfung für ein Leid und Desaster angerichtet hat. Wenn er allwissend wäre, hätte er das doch wissen müssen. Sollte ich ihm je begegnen - was ich nicht glaube -, dann würd ich ihm ordentlich die Leviten lesen. Gäbe es diesen Gott, wär er doch der Teufel in Person.

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