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Thema: versuch einer kleinen kritik der begriffe

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post versuch einer kleinen kritik der begriffe

    begriffe sind die gegenstände des denkens. sie entstammen der erfahrung und sinnlichen wahrnehmung.


    es gibt keine reinen begriffe, die aus dem denken allein stammen. solche begriffe wären leer, ohne inhalt.

    begriffe sind unscharf. aus der wahrnehmung abgeleitet, sind sie reduktionen, auf ein typisches merkmal oder eine typische eigenschaft reduzierte bedeutungsträger. allerdings ist diese reduktion nicht eindeutig. begriffe weisen eine unbestimmte, fliessende kontur auf und keine starre, unverrückbare Abgrenzung. deswegen sind sie auch nicht vollständig definierbar und deshalb sind sie unscharf.


    begriffe sind symbole, bedeutungsträger, niemals identisch mit dem objekt, das sie bezeichnen. sie stehen entweder für ein materielles objekt oder für einen mehr oder weniger abstrakten gegenstand. der begriff sonne bezeichnet das tagesgestirn, keiner würde den begriff mit dem realen gegenstand sonne gleichsetzen. der begriff sonne ist lediglich ein weiser, ein zeiger auf das objekt sonne. als solcher ist er eindeutig. dem inhalt nach ist er jedoch unscharf. denn was alles unter sonne zusammengefasst wird, ist individuell, vom jeweiligen kontext abhängig und auch vom wissensstand über das objekt sonne. als sonne kann ich den naiven sinneseindruck der hoch am himmel stehenden sonne ebenso bezeichnen wie etwa - im physikalischen kontext - den fusionsreaktor in 8 lichtminuten entfernung von der erde, der uns mit energie versorgt. niemals aber kann der begriff sonne das objekt an sich voll umfassen und ausloten.


    begriffe helfen uns, die welt zu begreifen. sie ertasten die gegenstände. sowohl die materiellen wie die abstrakten. und dieses ertasten ist notwendig unvollständig. daher begreifen wir nie vollständig. daher sind begriffe immer unvollständig. daher sind begriffe unscharf.


    wenn wir nun begriffe mit den mitteln der logik verknüpfen und daraus urteile ableiten, kommen unvermeidlich unscharfe, falsche, paradoxe, widersinnige ergebnisse heraus. das ist, wie wenn ich eine rechnung mit zahlen anstelle, die nur bis auf die einerstelle genau sind, ich jedoch bis auf mehrere stellen hinter dem komma damit rechne. klarerweise sind alle stellen hinter dem komma beliebig ungenau. je nach rechnungsart kann die ungenauigkeit auch auf die stellen vor dem komma auswirkung haben. im schlimmsten fall sind alle stellen des ergebnisses falsch. es ist also problematisch, unscharfe begriffe mit logischen operatoren zu bearbeiten und die ergebnisse für wahr zu halten. nichts anderes aber tun wir in der philosophie. deshalb zeitigt die philosophie auch nichts als irrtümer, paradoxa und widersprüche.


    begriffe enthalten nur, was zuvor in sie hineingesteckt wurde. da aber keine allgemein verbindliche regel besteht, die festlegt, was ein begriff enthalten soll, gibt es nur eine vage übereinkunft über den jeweiligen inhalt eines begriffs. jede noch so grosse anstrengung, begriffe exakt zu definieren ist a priori zum scheitern verurteilt. im besten fall bleibt die begriffsbestimmung unvollständig, das heisst offen. in den meisten fällen aber wird sie widersprüche oder irrtümer enthalten, wenn auch klein und unbedeutend, aber vorhanden. und diese irrtümer bzw. widersprüche werden durch das operieren mit dem begriff verändert, können kleiner oder grösser werden. im letzten fall führen sie zu falschen schlüssen oder offenkundigen widersprüchen oder paradoxa.


    begriffe haben sich mit der sprache entwickelt. sprache und denken haben sich allmählich entwickelt, waren nicht vorgegeben und fertig vorhanden. beides entwickelt sich ständig weiter. unser denken ist untrennbar mit der sprache verbunden und umgekehrt. wir sprechen wie wir denken, wir denken wie wir sprechen. vor der sprache gab es in unserem bewusstsein keine begriffe sondern eindrücke und bilder. die wurden mehr oder weniger regelmässig bzw. logisch miteinander verknüpft und in unserem bewusstsein bewegt. erst mit dem entstehen der sprache entstanden die begriffe. bestimmte äussere und innere wahrnehmungen wurden mit lautfolgen belegt und mitgeteilt. begriffe sind also konvention, bestimmte wahrnehmungen mit bestimmten lautfolgen zu benennen. erst waren also die sinnlichen wahrnehmungen oder erfahrungen da und dann wurden dafür begriffe gefunden. natürlich musste es da zu überschneidungen und auch lücken bei den begriffsinhalten kommen - eine ursache für missverständnisse, für fehlschlüsse, widersprüche und irrtümer.


    in dem masse wie sich sprache entwickelte, wurden auch zahl und komplexität der begriffe grösser. mehr und mehr wurden auch begriffe bestimmt, die nicht nur einzelne dinge und gegenstände der sinnlichen wahrnehmung bezeichneten, sondern auch begriffe für abläufe, abfolgen von ereignissen, gefühlslagen, stimmungen, empfindungen, abstraktionen, logische schlussfolgerungen usw.


    *


    zu kants raum/zeitbegriff:


    - wieso sind raum und zeit bei allen bewegungen in der materiellen welt - soweit nicht die relativität der raumzeit zum tragen kommt - mit den mitteln der klassischen physik berechenbar und messbar, wenn sie keine objektive realität besitzen?
    - wie können wir an ihrer objektiven realität zweifeln, wenn alle erfahrung das gegenteil lehrt?
    - ist nicht vielmehr der raum die voraussetzung für die existenz materieller körper, ihr ereignis-raum sozusagen und die zeit dasselbe für die bewegung/veränderung und nicht - wie bei kant - nur form der äusseren und inneren wahrnehmung. warum wäre diese wahrnehmungsform dann auch physikalisch objektiv messbar - und unabhängig von subjektiver wahrnehmung?




    generell zu kants 'reinen' urteilen a priori, denen allein allgemeingültigkeit zukomme:



    • wieso sollen urteile a priori - weil vom denken so vorgegeben - allgemeingültig und notwendig sein? sie sagen lediglich über unsere vernunft, unsere denkweise ewas aus, jedoch nichts über die gegenstände der erfahrung!
    • die 'reinen' sätze der euklidischen geometrie haben sich z. b. als sonderfälle einer nicht-euklidischen geometrie herausgestellt. für die relativistischen effekte, die bei astronomischen berechnungen/messungen auftreten, sind sie ungeeignet. ihre allgemeingültigkeit und denknotwendigkeit ist also praktisch nur unter einschränkungen gegeben.
    • was denknotwendig ist, muss nicht für die wirklichkeit (physikalisch, materiell, empirisch) gelten
    • gibt es (reine) urteile a priori, die sich in der wirklichkeit falsifizieren lassen? (euklid-geometrie?, weitere ...)
    • können wir überhaupt allgemeingültige urteile fällen? (mit ungenauen begriffen nicht!)
    • sind die reinen verstandesbegriffe wirklich rein? oder steckt in ihnen nicht auch erfahrung!
    • selbst wenn rein, sind sie damit wahr?





    ***


    was meint ihr dazu?

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: versuch einer kleinen kritik der begriffe

    Lieber Till!
    Ich seh mal zu, daß wir hier zu Potte kömme, aber versprechen kann ich Dir das nicht, DENN schon Deine Prämisse stößt mich in eine distanzierte noblesse obliege, oder so. Du schreibst: begriffe sind die gegenstände des denkens. sie entstammen der erfahrung und sinnlichen wahrnehmung. Wer hat Dir denn das weisgemacht? Immerhin will ich Dir zugute halten, daß Du das Modalwort NUR ausspartest. Wenn Du mir zugestehen möchtest, daß nicht alle Begriffe aus der Erfahrung stammen können - ja, ich möchte sogar behaupten, daß Begriffe v.a. nicht aus der Erfahrung stammen, sondern quasi per definitionem GEMACHT sind -, dann will ich gern mit Dir weiterreden.

  3. #3
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    AW: versuch einer kleinen kritik der begriffe

    kannst du mir auch nur einen begriff nennen, der nicht aus der erfahrung stammt, also vor jeder erfahrung vorhanden (= a priori) war? selbst die reinen verstandesbegriffe nach dem grossen immanuel kant sind begriffe der wahrnehmung und erfahrung. es gibt tatsächlich keinen wie immer gearteten begriff, der vor jeder wahrnehmung/erfahrung vorhanden gewesen wäre. was allerdings VOR jeder erfahrung vorhanden sein muss, sind die mechanismen der wahrnehmung und des denkens, die infrastruktur sozusagen. doch die ist an sich begrifflos. wird erst SPÄTER, nachdem wir sprache erlernt haben, mit begriffen belegt.


    jedes kind fragt bei jedem begriff, den es zum erstenmal hört: was ist das? und dann musst du es ihm erklären mit begriffen, die es bereits versteht, mit beispielen und vergleichen. und am anfang musst du immer begriffe der sinnlichen wahrnehmung verwenden, weil es nämlich keine anderen kennt!!! erst später, nachdem es die ersten abstrakten begriffe intus hat, kannst du damit operieren.


    gruss eule.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: versuch einer kleinen kritik der begriffe

    Was ist mit den Definitionen, die wir benötigen, um in der Welt ein wenig besser zurecht zu kommen? Begriffe wie GUT und TANGENTE und GOTT, denen wir keine Erfahrung abnehmen können, weil sie Konstanten unseres Denkens, Denknotwendigkeiten sind, aber in der Erfahrung nicht vorkommen können? Umkehrschluß: Wenn diese Begriffe aus der Erfahrung kämen, wäre das ein Beweis für ihre empirische Existenz. Als Gottesleugner, der Du doch bist, würde das aber ganz schön schwierig werden. Ein mögliches Argument, daß jemand da bloß etwas einen Namen gab, was er glaubte erfahren zu haben, bügle ich mit dem begriff "Tangente" ab. Denn eine Tangente kann niemand erfahren haben, sie ist in der Erfahrung NICHT möglich, aber notwendig, um bestimmte Berechnungen durchführen zu können. Sie sind sozusagen metakritisch existent, ohne jemals empirisch gewesen zu sein oder werden zu können.


    Ich mag Dir zustimmen, daß wir eine Vorstellung vom GUTEN besitzen, weil uns jemand sagte, dies und das ist gut, daß wir GOTT uns vorstellen und Jakob und Jesus Erfahrungswerte in die Welt brachten. Aber, mal ehrlich, ein Begriff wie UNENDLICH kann keiner Erfahrung entstammen, es sei denn, ich setze das Unendliche als eine Denkvoraussetzung, die ich nicht beweisen kann oder werde.


    Was ist mit AXIOMEN? Was mit solchen Dingen wie Samenbeschuß oder Verteilerkappe? Gemachtes, dann erfahren. Erst Idee dann Wirklichkeit.

  5. #5
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    AW: versuch einer kleinen kritik der begriffe

    also ich glaub, dass wir ein bissl aneinander vorbeidiskutieren. als wahrnehmung bzw. erfahrung gilt natürlich alles, was über meine fünf sinne meinem bewusstsein zugeführt wird. deshalb ist ein tisch ein wahrgenommener, realer gegenstand, der in meinem denken zum 'abstraktum' wird. ich erkenne vieles, was gemeinsame merkmale eines tisches enthält als 'tisch'. trotzdem ist der tisch ein erfahrener begriff. dass mein denken abstrahiert und kriterien schafft, nach denen es festlegt, was ein tisch ist und was ein baum, ändert nichts daran, dass diese begriffe samt und sonders aus der erfahrung abgeleitet sind.


    die anderen, nicht-objektiven begriffe, wie glaube, hoffnung, unendlichkeit entstehen nun, das ist meine these und überzeugung, auch aus sinnlicher wahrnehmung, wenn auch durch abstraktion und kombination mit bereits bestehenden begriffen. der von dir genannte begriff unendlichkeit zeigt das schön: ohne die wahrnehmung und vorstellung eines raumes (oder zeit) hätten wir keine idee von unendlichkeit. und, das ist der kern der sache, der begriff 'unendlich' ist nur UNSCHARF denkbar, eigentlich nur fühlbar. denn denken kann ich den begriff unendlich in aller schärfe nicht! ich komme zum paradoxon, dass ich weder 'begrenzt' noch 'unendlich' denken kann! bei 'begrenzt' steht sofort die frage vor meinem geistigen auge: und was ist ausserhalb? und bei unendlich steht immer das unvermögen, sich einen unendlichen raum vorzustellen. deshalb hab ich in meinem eingangsbeitrag auch geschrieben:


    begriffe helfen uns, die welt zu begreifen. sie ertasten die gegenstände. sowohl die materiellen wie die abstrakten. und dieses ertasten ist notwendig unvollständig. daher begreifen wir nie vollständig. daher sind begriffe immer unvollständig. daher sind begriffe unscharf.


    gruss eule.

  6. #6
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    AW: versuch einer kleinen kritik der begriffe

    Begriffe sind nicht per se unscharf, sondern nur nach Maßgabe ihres Bedeutungsrahmens. Platon gäbe zu bedenken, daß es eine Idee des Tsiches gibt, an der wir jeden Tisch messen, den wir erfahren. Ein Materialist würde behaupten, daß wir aus der Summe einer Erfahrung von Tischen ein Idealbild erzeugen und das die Idee des Tisches nennten. - Gegen beide Vorstellungen ließe sich einiges einwenden, aber eines eben nicht, daß nämlich, egal ob die Idee vor der Ausführung stand oder umgekehrt, ein Etwas eben die Sammelbezeichnung erhielt, der Begriff "Tisch" für beinahe jeden etwas anderes bedeutet, in einem aber bei allen gleich und damit scharf ist: ein Tisch ist ein Etwas, was auf wenigstens einem Bein steht und eine Arbeitsfläche bietet. DIN-gemäß müßten 80 Zentimeter Höhe einen Tisch definieren, was schon bei mir in der Schule nicht von allen Tischen eingehalten wird. Aber liegt das am Begriff selber?

    Oben wurde Kant genannt: Er unterschied im Kontext der Urteilsfindung zwischen synthetischen und analytischen Begriffen. Jeder Begriff besitzt einen Bedeutungsrahmen, der deshalb strittig wird (!), weil Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen gern ihre ästhetischen Urteile mit den logischen vermischen. Bei ästhetischen Urteilen kann es aber nur Streit geben, wenn man sie zum Gradmesser von Genauigkeit oder gar Wahrheit macht. de gustibus non est disputandum. Und bei Begriffen ist es ähnlich. Wir können einen Term A zu einem Begriff bestimmen und ihm einen Rahmen geben, ganz im Sinne von Für alle A gilt... und dann hat man einen Begriff bestimmt und alles, was dann empirisch ihm zugewiesen werden kann, erfüllt GENAU und eben nicht unscharf A. Streit kann dann höchstens im Sinne einer Bestimmung dessen erfolgen, was Unschärfe überhaupt erzeugt. Aber evident ist, daß es einen klaren Begriff geben kann, der eben qua Definition erzeugt werden kann. Siehste!

  7. #7
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    AW: versuch einer kleinen kritik der begriffe

    Also, Begriffe sind Wörter, Sprachkonstrukte. Sprache lernen Kinder erst lange nach der Geburt. Wir kommen sprachlos und begrifflos zur Welt. Also können alle Begriffe nur nach und nach Gestalt in uns annehmen, durch Anschauung, durch Sinneseindrücke, durch Erfahrung. Wie sich daraus Idealtypen und -bilder formen, nennen wir Abstraktion. Mit Hilfe von Erklärungen im sozialen Umfeld, durch Begriff-stützungen formen wir und abstrahieren wir. Die eigentliche Leistung liegt im Gehirn. Die Neurobiologie hat gefunden, dass wir im Laufe des kindlichen Lernens Abermillionen und Milliarden Nervenverbindungen schaffen. Dazu gehört auch die Begriffsbildung, der Spracherwerb. Also ich glaub schon und noch immer, dass alle Begriffe, die Sprache und die Grammatik und auch die Logik dahinter ein Lernprozess sind. Das Gehirn stellt die Infrastruktur, den Apparat, die Verkehrswege und was sonst nötig ist zur Verfügung. Wie das geht, ist unerklärlich und kann nur plump und mühsam von aussen beschrieben werden. Wie Bewusstsein geht, werden wir aber nie verstehen können. Das legt der Gödelsche Vollständigkeitssatz sehr nahe.

    Und nun zu Kant. Der olle Königsberger war zwar ein kluges Köpfchen, aber auch ein verdammter Hirnwichser. Ich hab mich ja in jungen Jahren so ca. durch die Hälfte der Kritiken gequält, die praktische ganz, die reine halb, die ästhetische hab gar nicht angefangen. Dennoch wage ich zu behaupten, dass Kant falsch, was die Urteilsähigkeit a priori anlangt. Wir können nicht vor aller Erfahrung urteilen, wenigstens nicht synthetisch. Alle Urteile a priori sind analytische Urteile. Kants großer Irrtum war, die reine Mathematik als Beweis für seine Urteilsfindung a priori benutzen. Die Mathematik enthalt zwar viele Urteile a priori, doch sie sind samt und sonders analytisch. Mein alter Deutschlehrer am Gymnasium - ein reiner Kant-Narr und -freak - brachte immer als Beispiel 'Der Teil ist kleiner als das Ganze'. Leider kaufte ich ihm den Unsinn damals ab. Dabei ist gerade an dieser Aussage wunderbar zu sehen, dass es sich um ein rein analytisches Urteil handelt. Denn schon im Begriff Teil steckt ja die Festlegung des 'kleiner als', sonst wär es ja kein Teil. Der Grenzfall ist, wo ein Ganzes nur aus einem Teil besteht, also ein 'UN-Teilbares' Ganzes ist. Klar?

    Im übrigen ist Kants Raum- und Zeitauffassung durch Einsteins Allg. RT zertrümmert und zerlegt! Einsteins Begriff der Raumzeit und die daraus sich ergebenden Konsequenzen halte ich für die grösste Leistung eines menschlichen Gehirns ever. Inzwischen sind die Fundamente dieser Theorie so gut durch Experiment und Messung abgesichert, dass kaum noch ein Zweifel daran besteht. Insofern hatte Kant schon recht, dass Raum und Zeit eben nur Anschauungsformen unseres Bewusstseins sind und keine objektive Dinge an sich. Doch was dann? Das hatte Einstein in einer unfassbaren Eingebung, erkannt. Wie, warum und was ihn dazu befähigte, wusste er wahrscheinlich selber nicht.

    Und was die Quantenfuzzis heute aufführen, ist ja ohnehin nur noch irre. Wenn das zuträfe, was die so messen und behaupten, dann ist die Welt ohnehin nicht logisch, deterministisch oder irgendwie fassbar, sondern nur irre, monströs und absurd. Da wären wir dann bei Camus und Dürrenmatt. Beides Lieblingsautoren von mir.

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