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Thema: Münchner Abkommen 1938

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Münchner Abkommen 1938

    Münchener Abkommen


    Müssen wir ihm doch widerstehen?
    Oder ihm vorerst entgegenkommen?
    Können wir ihn denn besiegen?
    Niemals will er wieder einen Krieg
    Sprach er gestern nicht von Frieden?
    Warum sollten wir noch an ihm zweifeln?


    Was werden die Bedrohten sagen?
    Haben wir nicht Garantie gegeben?
    Doch sie werden bestehen bleiben.
    Klein zwar, doch so wird's gerechter.
    War denn auf des Ostens Garantie Verlaß.
    Haben sie nicht ihren Nachbarn bedroht?


    Ist nicht die Gefahr im Osten größer?
    Hilft nicht er uns vorm roten Bärn zu schützen?
    Haben wir nicht schließlich investiert?
    Wirtschaftliche Zwänge sind doch stärker.
    Und das Volk hat gejubelt als wir kamen.
    Und die Menschen hier stehen hinter ihm.


    Glimmt nicht selbst bei uns der Funke
    Und die Scheiterhaufen werden brennen?
    Achten wir zu sichern, einzudämmen
    Denken wir ans Kapital und die Gewinne
    Wo der eigne Wille fehlt zum Handeln
    Rechnen wir mit Einsicht und mit Frieden




    12.7.00

  2. #2
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Münchner Abkommen 1938

    Omar, sehr indifferent, wenig hintergründig, asphalten, wenn mir dieses Adverb gestattet sei. Agitprop.

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Münchner Abkommen 1938

    Warum habe ich eine belegbare These, die in keinem Geschichtsbuch steht und aus eigener Forschung kommt, so geschrieben?


    Ein Versuch, Geschichte mal anders zu fassen.
    Mißlungen. Aber wärs nicht mal eine Alternative?


    Die These selbst: Aus eigenem Verschulden haben damals Daladier und Chamberlain den Krieg verursacht und besonders die UDSSR zum Handeln gezwungen. Die UDSSR, hier Litwinow und Stalin waren zum Erfüllen ihrer Bündnisverpflichtungen bereit. Das geht eindeutig aus allen Akten und Geheimakten hervor. Der folgende Hitler-Stalin-Pakt ist nur die Konsequenz aus dem Gefühl der zunehmenden Isolierung der UDSSR. Die westlichen Regierungen trugen ein erhebliches Teil an Mitschuld am 2ten Weltkrieg, denn insgeheim hatten sie sich mit den Nationalsozialisten intern wie extern bereits arrangiert (siehe Lord Halifax).


    Die Nutzanwendung für heute ist, notwendige Vorsorge nach innen und außen zu treffen und den Worten auch Maßnahmen folgen zu lassen. Das gilt für den Kossowo und für Tsechtschenien, um nur zwei Beispiele zu nennen.

  4. #4
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    AW: Münchner Abkommen 1938

    Lieber Omar! Ich danke Dir, daß Du mir Gelegenheit gibt's, mich mit diesem Thema zu befassen.

    Ich sehe die Vorgeschichte so:
    Die Tsch. war außenpolitisch isoliert und innenpolitisch im Auflösungszustande.
    Dies wiederum hatte verschiedene Gründe, deren wichtigster meiner Meinung nach in der Lebenslüge der ersten tschech. Republik bestand: Man hatte sie aufgebaut mit dem Verdikt der Gleichberechtigung der Völker, der wichtigsten Minderheit, dem deutschen Bevölkerungsanteil (ca. 3,5 Mill.Deutsche von 9 Mill. Gesamtbewohnern), aber wollte man eine Gleichberechtigung nicht zuerkennen. Bei einem Nachbarn namens Hitler ließ sich diese Aposiopese demokratischer Gesinnung aber nicht durchhalten. Man hatte - aus tschech. Sicht - nur die Möglichkeit, durch außenpolitische Bündnisse dem Nachbarn Angst zu machen, falls sich der unliebsame Nachbar zu einer martialischen Tat würde hinreißen lassen, dann hätte man Verbündete aufrufen müssen können, die den Deutschen Grenzen aufzeigen könnten. Doch die Sache hatte einen ganz entschiedenen Haken: Die Deutschen waren im Recht. Man hatte sie ungerecht behandelt. Die Lügen der Propaganda aus vergangenen Kriegstagen hallten bis Amerika, das sich zurücklehnte und meinte, die Deutschen nähmen sich nur, was ihnen zustünde. Selbst in England hatte man genug von den französischen Jammereien. Und man fragte sich: Leben dort Deutsche? Ja. Was wollen die? Sie wollen ins Reich. Sollen sie doch. Und die Tschechische Republik? Ist eh eine Kopfgeburt. Aber man kann doch nicht einen ganzen Staat abstrafen. Das machen wir seit Jahrhunderten so. Und der Krieg? Kommt nicht, wenn die Deutschen saturiert sind. Die Deutschen werden aber nicht saturiert sein. Schon schon. Aber wenn sie mehr wollen, dann sind wir im Recht. Dann werden sie wieder den Arsch vollbekommen.


    So einfach ist die Geschichte aus meiner Sicht.


    Und im nächsten Teil, so ich dazu komme, werde ich gegen die Franzosen wettern müssen, diesen Hauptschuldigen des ersten Krieges, vieler anderer Schandtaten in der Geschichte unseres Kontinents.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Münchner Abkommen 1938

    Ohne die Ursachen und Folgen des Ersten Weltkrieges kann man den Zweiten Weltkrieg nicht begreifen. Die Schuld einseitig dem Verlierer zu geben, ist immer platt und oberflächlich. Die tschechische Frage 1938 ist ein Lehrbeispiel für Kurzsichtigkeit, Fehlverhalten, kleinkarierte Rachegedanken aller beteiligten Staaten, das dadurch fast zwangsläufig zum Krieg führte.


    Schade, daß sich hier keiner mehr an der Diskussion beteiligt. Der nationalsozialistische Staat und seine Nachbarn müssen doch etwas differenzierter betrachtet werden als nur von der Rassismusdiskussion her. Nur indem man ihn ganz versteht, kann man ihn auch bewältigen. Man malt sonst nur schwarzweiß und begeht immer wieder die gleichen Fehler.


    Gruß
    Omar

  6. #6
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Münchner Abkommen 1938

    Abwarten, Omar. Das kennen wir doch. Erst gar nicht, dann alle auf einmal. Streck mal die Fühler aus. Aber dann mußt Du den Ordner managen.

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Münchner Abkommen 1938

    Na, dann versuch ichs mal:


    Alle europäischen Nationen und die USA einschließlich waren bereits vor 1900 heftig damit beschäftigt, ihre Territorien auszudehnen. Der Grundgedanke staatlichen Handelns kochte auf dem Höhepunkt nach dem Ersten Weltkrieg. Frankreich vor allem wollte sich auch territorial als Kriegsgewinner sehen. Deutschland sollte außerdem eingebunden werden bis zur Bewegungsunfähigkeit. Dieser fatale Grundfehler politischen Handelns, die Demütigung des Besiegten, führte zur Entstehung der nationalsozialistischen Bewegung. Es ist zwar nur ein Strang, aber ein wichtiger.


    Was lernen wir daraus? Ursachenforschung tut not bei der Betrachtung der Neo****s. Haben eigentlich unsere Politiker Angst davor, weil sie nur Wirkungen bekämpfen?

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Münchner Abkommen 1938

    Omar, eine so diffenzierte Betrachtung hätte ich Dir nach manchen vorangegangenen Äußerungen kaum zugetraut.
    Was allerdings die deutschen Politiker anbetrifft (klingt das nicht beinahe schon wie ein Schimpfwort?), die bekämpfen gar nichts. Sie füllen das Sommerloch mit Sprechblasen. Auch geht es ihnen weniger um die Opfer der Gewalt, als vielmehr um das mögliche Ausbleiben von Investitionen aus dem Ausland, an denen sie sich - wie beim Leuna-Projekt - gesundzustoßen trachteten.
    Daher die dick aufgetragene Entschlossenheit.


    Zu den deutsch-tschechischen Beziehungen und dem hierzulande gepflegten Geschichtsbild wäre sehr viel anzumerken:


    1. Die Benesch-Dekrete, die Gewalttaten gegen Deutsche bis hin zum Mord straffrei stellen, sind heute noch geltendes Recht in unserem Nachbarland.


    2. Zum Geschichtsbild: Zwei Suchanfragen im Internet (altavista.de/Sprache deutsch) ergaben folgendes Ergebnis:


    Suchwort "Lidice" (SS-Massaker ca. 300 Opfer) - 528 Webseiten


    Suchbegriff: "+Brünn*+Todesmarsch" (mehrere tausend Opfer, die meisten davon Frauen und Kinder, die vom nationalistischen Mob erschlagen wurden) - 21 Webseiten


    Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen.


    K.

  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Münchner Abkommen 1938

    Liebe Kassandra,


    wir standen schon einmal geneigter zueinander. Niemals war ich undifferenziert. Ich hab es nie gemocht, wenn man nur einfach argumentiert, weils immer auch Agitation ist.


    Der Nationalsozialistische Verbrecherstaat ist für mich in allen seinen Facetten das Verwerflichste, was in der Geschichte des Menschen geschehen ist, weil der Täter den Anspruch hatte, der Mittelpunkt der europäischen Kulturen zu sein. Aber welch eine Faszination ging und geht noch von ihm aus, da? so viele Menschen in der Welt ihm gerne gefolgt wären und folgen.


    Hätten die Ideologen den Rassismus nicht als Instrument benutzt, um die Juden zu vernichten, wären die Juden nicht zu den treuesten Gefolgsleuten dieses Unrechtsstaats geworden. Der Nationalsozialismus hat in seiner frühen Geschichte bewiesen, daß er durchaus ohne den Rassismus das gefährlichste Menschheitsexperiment war, das möglich war.


    Darauf kommt mirs an.


    Die Sudetendeutsche Frage, die bis heute wirkt, ist aber exemplarisch für immer weiterwirkendes Unrecht und die Zerstörung sich harmonisch ergänzender Kräfte durch das Eingreifen, kurzsichtiger, ja verbrecherischer Weltmachtinteressen. Wenns hier nicht so wenig Interesse für die Themen gäbe, würde ich hier einen Ordner aufmachen über die verbrecherischen britischen Maßnahmen zur Beherrschung ihrer Kolonien, die sie auch in dieser Frage angewandt haben, und wie sie bis heute weiterwirken, etwa im Irak, in Sri Lanka, in Afrika.


    Gruß an alle, die hier lesen, ohne zu schreiben
    Omar

    Anmerkung:
    Daß die Juden zu Gefolgsleuten geworden wären, hätte sie der Rassismus nicht getroffen, war eine Frage.

  10. #10
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Münchner Abkommen 1938

    Lieber Omar!


    Es gibt hier sehr viel Interesse für diese Themen. Nur Mut! Manches benötigt seine Zeit. Manche Ordner wirken recht lang, sie haben eine sehr geringe Zerfallszeit, sagen wir tausend Jahre. Mach Ordner zu allen Dich bewegenden Themen auf, so nach und nach werden wir sie mit Leben erfüllen.
    Schau, dieser Ordner entwickelt sich auch langsam.
    Wir müssen hier nur aufpassen, daß das Thema -1938!- nicht durch ein Thema 1945 und später hinterpflückt (wow!) wird.


    Bleiben wir bei den Ursachen und Tatsachen von 1938. Was geschah 1938 wirklich? Und welche Folgerungen hat(te) es?

    Die Frage, ob die Juden zu Gefolgsleuten geworden wären, zäumt das Pferd falsch auf.
    Die Juden pflegen einen Rassismus, der mit dem faschistischen nichts gemein hat. (Manche behaupten sogar, daß der Faschismus Rassismus nicht kenne, der Nationalsozialismus dagegen sehr wohl, ihn sogar zur Konstruierung eines Feindbildes benötige.)
    Entscheidend scheint mir hier zu sein, daß Rassismus immer ein Indiz dafür ist, daß etwas nicht gewollt wird, jenes nämlich, das anders ist, jenes, vor dem man Angst hat. Also überhöht man das andere Sein derart, daß es die Schwere hat, um im Boden zu versinken. Einem Ideal kann das auch geschehen, aber einfacher ist es, scheinmaterialistisch/vulgärm. zu argumentieren, denn das rekurriert auf archaische Grundmuster der Angst, die politisch ausgeschlachtet werden können.


    Noch mal zum Faschismus, in Polen gab es keinen Nationalsozialismus, wohl aber Faschismus, und es gab/gibt einen starken Judenhaß. Bedenkliche Kreise zieht dieses Denken.

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Münchner Abkommen 1938

    Hallo Omar & Co.


    In der aktuellen Diskussion um die deutsch-tschechischen Beziehungen wird zumeist - fälschlicherweise - unterstellt, daß die deutsch-tschechische Geschichte erst im Jahr des Anschlusses (1938) beginnt. So als hätte es die Hussitenkriege, den Pfingstaufstand 1848, das Märzmassaker von 1919 und die zielgerichtete Umsiedlung von 400.000 Tschechen in die deutschen Siedlungsgebiete in den Jahren 1920 - 1938 (Bodenreform, Beamtenversetzung, restriktive Schulpolitik) nie gegeben. Erst die systematische Benachteiligung der Sudetendeutschen während der ersten Republik führte doch zur Stärkung der chauvinistischen Tendenzen auf deutscher Seite (Henleins SDP), die schließlich von den Nationalsozialisten für ihre eigenen Pläne ausgenutzt wurde. Fakt ist allerdings auch, daß es nicht die Sudetendeutschen waren, die in die Resttschecheslowakei einmarschiert sind, auch wenn viele diesen Schritt möglicherweise gutgeheißen haben. Was geschehen wäre, wenn die Alliierten damals ihr Wort nicht gebrochen hätten, darüber kann man heute nur Vermutungen anstellen. Grundsätzlich falsch es ist jedoch, den "odsun" als die "gerechte Strafe" für die Zerschlagung der ersten Republik und die Unterdrückung der Tschechen im Protektorat Böhmen und Mähren darzustellen. Täter und spätere Opfer waren völlig unterschiedliche Personengruppen.


    Über die Qualität des von Heuchelei und bewußter Verleugnung unbequemer Tatsachen geprägten offiziellen "bundesdeutschen Geschichtsbildes" hatte ich mich schon weiter oben ausgelassen.


    Viele Grüße
    K.

  12. #12
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Münchner Abkommen 1938

    Da bin ich immer skeptisch, wenn voreilig irgendwelche Lehren aus der Geschichte für heute gezogen werden sollen. Und das wurde ja auch in diesem Ordner wieder versucht. Man kann einfach nicht einzelne Muster aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts 1:1 in das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts übertragen. Ich finde, man sollte versuchen, die Geschichte zu betrachten, ohne gleich nach Parallelen zu unserer heutigen Zeit zu schielen. Die Voraussetzungen sind einfach zu verschieden. Wie ja bereits erwähnt wurde: Damals hatte Deutschland eine schwere Niederlage in einem verlustreichen Krieg hinter sich, heute dagegen kann es von einer glückliche Wiedervereinigung zehren. Was ich noch ergänzen möchte: Damals gab es einen weltweiten Trend hin zu mehr Autarkie, heute dagegen hin zu (noch mehr) wirtschaftlicher Globalisierung.


    ------------------
    Blaumaler

  13. #13
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Münchner Abkommen 1938

    Kassandra, über das Verhältnis von Böhmern und Deutschen -die Bezeichnung ist eigentlich schwierig- sollten wir einen gesonderten ORDNER aufmachen: Vielleicht schreibst Du da einen Eingangstext? Das bundesdeutsche und bundesösterreichische Geschichtsbild ist gründlich verheuchelt, da stimme ich Dir zu. Aber wo liegen die Begründungen, die Ansätze, die zu diesen Heucheleien führten? Und welchen Zweck haben die Verdrehungen und Ausklammerungen von Tatsachen, auch Vermutungen? Auch das wäre einen gesonderten Ordner wert.


    Blaumaler, in diesem Ordner wurde bislang nicht versucht, irgendwelche Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Ich jedenfalls versuche so etwas nicht, bei Kassandra habe ich auch nicht den Eindruck und Omar hat ja eben das auch nicht getan, sondern versucht, neue Ansatzpunkte zur Betrachtung zu finden. Könntest Du Deine Meinung da nochmals überprüfen?
    Ich stimme Dir in dem Punkt zu,. als daß sich Geschichte nicht interlinear modeln läßt: Seht, so war's, also müssen wir heute das und das tun, damit dies nicht wieder geschieht. So geht das eben nicht.


    DIE Niederlage im ersten Krieg war nicht schwer, im Gegenteil, im Bewußtsein vieler Deutscher war sie gar nicht vorhanden. Vorhanden aber war die Demütigung durch die selbsternannten Sieger, die in ihrer übergroßen Überlegenheit imperialistisch handelten und ihren Gegner maßlos unterschätzten, auch den Stolz und die Triebkräfte, die unsere Vorfahren antrieben.
    Deinen Gedanken eines Zusammenhangs zwischen Autarkiebewegungen in den 30er Jahren und der heutigen Globalisierung kann ich so nicht verstehen. Auch das aber wäre einen gesonderten Ordner wert, welche grundlegenden Kontextunterschiede eben zwischen der historischen Situation 1939 und 2000 bestehen.

  14. #14
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Münchner Abkommen 1938

    Omar hat explizit versucht, Schlussfolgerungen aus seiner Darstellung der Geschehnisse 1938/39 für den Kosovo und Tschetschenien zu ziehen. Das halte ich für unmöglich. Wer sich fragt, was wegen Tschetschenien zu tun ist, der sollte sich auch mit Tschetschenien beschäftigen und nicht mit den 30er Jahren.
    Was ich mit Hinweis auf den 1. Weltkrieg und die in seiner Folge zunehmende Entflechtung der Weltwirtschaft (Autarkiebewegungen) sagen wollte, war lediglich, dass damals mit heute unvergleichbare politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen herrschten.


    ------------------
    Blaumaler

  15. #15
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Münchner Abkommen 1938

    Interlinear schwatzen nur Dummköpfe.
    Schlußfolgerungen können nicht gezogen werden, da mit der Geschichte -entgegen der vorherrschenden Meinung- noch nicht Schluß ist. Wer wollte heute sagen, was morgen geschieht?


    Solange ich mich mit der Historie der Völker befaßte, solange mußte ich feststellen, daß sich die Menschen kaum änderten, wohl aber die Rahmenbedingungen, in denen sie nun einmal verortbar, genauer verzeitbar genannt werden müssen. Also ist es möglich, aus der Vergangenheit in die Zukunft zu interpolieren. Wie sollte sonst ein Spengler nach 1918 Wirkung erzielt haben können?
    Und hier widerspreche ich Blaumaler, der glaubt, daß sich Geschehen der Zukunft nur aus der unmittelbaren Gegenwart erdeuten ließe. Wenn er das überhaupt glaubt, was ich nicht einmal glaube.
    Ich glaube vielmehr, da?ßsich Geschehen anhand

    • a)makrostrukturaler Axiome und b) mikroprozessualer Determinanten

    nur regressiv bestimmen ließe. Womit ich meiner obigen Meinung aufs entschiedenste widerspreche.


    Wir sind offen.

  16. #16
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Münchner Abkommen 1938

    Regressive Politik hat mit dem M.A. sehr viel zu tun. Die Briten versuchten wohl einen status quo ante herbeizuführen. Das war schlichtweg ein Eingeständnis, 1918/9 falsch gehandelt zu haben. Es war ein offener Schlag ins Gesicht der Franzosen, die jetzt wissen mußten, daß nunmehr Elsaß und Lothringen auf dem Hitlerschen Speiseplan stünden.
    Und somit klärt sich die Frage nach dem Wohin des Abkommens -dem Sinn- dahingehend, daß die Briten zwar so handelten wie sie handelten, aber doch sich in dem Gedanken versichert fühlen durften, in einem kommenden Krieg wieder, aber diesmal das unbescholtene Zünglein an der Waage zu spielen. Das ist die klassische balance of power. Zynisch möchte ich jetzt nicht werden.

  17. #17
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Münchner Abkommen 1938

    fand heute im zug eine zeitung, in der die DPA ihre sicht auf dieses abkommen kundtat. ich glaube, diese ansicht ist politisch-korrekt zu nennen. vielleicht brachte mich die vermengung von wahrheit und tendenzieller geschichtsschreibung auf die palme, jedenfalls muß ich da mal was loswerden. doch zuvor die korrekte betrachtung dieses ereignisses, wie es in den deutschen gazetten 2008, 70 jahre nach dem abkommen, geschrieben steht:

    man nennt es heuer auch "münchner diktat". attribute wie "verhängnisvoll" oder "traumatisch" werden ihm beigestellt.
    der kern des abkommens beinhaltete die abtretung der mehrheitlich von deutschen bewohnten grenzgebiete des 1918 entstandenen tschechoslowakischen staates an deutschland. 29000 km? (ca. 20% des tsch. staatsgebietes), die rund 40% des BSP erwirtschafteten, wurden abgezweigt. das mußte den tschechoslowakischen staat treffen. er wurde nicht gefragt, ob ihm das paßte. die deutschen in den betroffenen gebieten dagegen waren ganz dafür (ca. 90%), angeschlossen zu werden. (ganz ähnlich wie übrigens auch die österreicher ein halbes jahr zuvor, die sich sogar mit 99,25% für den anschluß ausgesprochen hatten.) die großmächte europas (mit ausnahme rußlands) hatten es nicht für nötig gefunden, den staatspräsidenten des landes zur konferenz zu bitten, über dessen staat beschlossen wurde.
    heute werden diese ereignisse so kommentiert, daß das abkommen eine konfrontation zwischen nazi-diktatur und demokratie bedeute. und daß die demokratie kapituliert habe.
    das hat auswirkungen bis heute. so argumentiert der heutige tschechische präsident, daß das kosovo als eigenständiger staat nicht anerkannt werden solle, denn dies sei ähnlich der abtrennung des sudetendeutschen gebietes 1938.

    die geschichtsklitterung dieser auffassung zum münchner abkommen liegt darin, daß so getan wird, als ob den menschen der betroffenen gebiete gewalt angetan worden sei. das stimmt. aber diese gewalt wurde dort nicht 1938 ausgeübt, sondern 1918 und dann 1945. die gewalt ging von der durch siegermächte eines krieges unterstützten minderheit aus, nicht von der bevölkerungsmehrheit. die gewalt richtete sich gegen deutsche, weil sie deutsche waren, 1918 wie 1945. 1938 gab es keine gewalt gegen tschechen, das wurde 1939 und in den kriegsfolgejahren nachgeholt. 1938 wurde von den westmächten das revidiert, was sie 1918 falschgemacht zu haben glaubten. sie hätten ihr vorhaben legitimieren können, indem sie das volk unter aufsicht hätten abstimmen lassen. sie ließen aber auch 1918 nicht abstimmen. und wo sie es taten, da kümmerten sie sich nicht um die ergebnisse, sondern verfuhren so, wie es ihnen am meisten zu nützen schien. (ich erinnre hier an die ignoranz gegenüber dem volkswillen in polnischen, dänischen und belgischen gebieten mit mehrheitlich deutscher bevölkerung, die sich für den verbleib im reich ausgesprochen hatten, aber dennoch den anderen staaten angegliedert wurden. ich erinnre an das anschlußverbot österreichs...)

    es ist also so, daß die sogenannten demokratien undemokratisch handelten. die abstimmungen, die der nazi hitler nach diversen anschlüssen in den entsprechenden gebieten vornehmen ließ, bestätigten ihn in seinem handeln. ist das demokratisch? werdemokratie will, muß auch die schattenseiten nehmen, denke ich. oder was? oder wie? und es ist nicht von der hand zu weisen, daß es diese große übereinstimmung in breiten bevölkerungsteilen des sudetendeutschen gebietes 1938/39 tatsächlich gab wie im angeschlossenen österreich. auch wenn das heute keiner mehr hören will. es ist einfach so.
    wenn man demokratie will, dann mu? man den willen des volkes auch respektieren. die tschechen müssen es lernen, daß sie großes unrecht begingen. sie müssen es zugestehen, daß sie verbrechen an den deutschen verübten, die nicht dadurch zu entschuldigen sind, daß die deutschen sie jahrhundertelang kurzhielten, um es freundlich zu sagen. solange die tschechen dazu nicht bereit sind und die deutschen ihnen mit ihrer unnötigen demutshaltung entgegenkommen, kann es keinen inneren frieden in europa geben.

  18. #18
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Münchner Abkommen 1938

    Ein seinerzeit wenig erfolgreicher Versuch, Geschichte in Form lyrisch affizierter Fragen zu thematisieren, wurde hier unternommen. Ich glaube, der Mißerfolg, also die Geringaufnahme der im Ötzi anheimgestellten Probleme, lag an der wenig zugespitzten Form.

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