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Thema: Thomas Bernhard: Sprache ist unbrauchbar

  1. #26
    Kurzvormabschussiger
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    Hethiter eizzan wadar

    vielleicht bedeutet die babylonische sprachverwirrung nichts anderes, als dass wir auf die VERBALE verständigung EINGESCHRÄNKT wurden, weil die unlauterkeit seines trachtens den menschen für alles andere nicht mehr tauglich sein ließ? das musste nicht unbedingt ein gott verhängt haben - naturgesetze reichen da völlig aus, es gibt ja auch viele, die glücklicherweise nicht militärisch oder kommerziell nutzbar sind, und deren entdeckung eben ein gradmesser für den eigenen entwicklungsstand zu sein vermag.

  2. #27
    rodbertus
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    Hethiter eizzan wadar

    Wurden wir nicht, tinka. Kommunikation ist nicht auf Sprache beschränkt. Wie das Wort schon sagt: KOMM! un ikone mit mir! Also, mümmeln wir die Nasen aneinander und schauen nach, ob unsere Spucken sich vertragen! Das ist Komm! un ikone mit mir, kurz Kommunikation.

  3. #28
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Hethiter eizzan wadar

    ich meinte mehr die kommunikation, die mit gedankenübertragung leider nur unzureichend und missverständlich beschrieben ist. ich meinte, dass sich die menschen durch die sprachverwirrung nur ihrer verschiedenen sprachen bewusst wurden, weil sie sich plötzlich nicht mehr anders verständigen konnten.

  4. #29
    schreibt hier hin und wieder
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    Sprache ist brauchbar

    Sprache ist vielleicht eher Abbildung eines Menschen Wirklichkeit als seiner Wahrheit. Wenn ich sie so sehen kann, ist sie äußerst brauchbar.

  5. #30
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Thomas Bernhard: Sprache ist unbrauchbar

    Die wirklich metaphysische Grenze der Sprache: Wer sich nur um Worte kümmert, dem entziehen sich die Dinge selbst.

  6. #31
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Thomas Bernhard: Sprache ist unbrauchbar

    Stimmt, Trist. Aber da ich mich oft danach sehne, meine Wahrheit in die Wirklichkeit zu heben (oder zumindest in das, was wir hier als "Wirklichkeit oder Realität" bezeichnen), ist genau die Begrenztheit von Sprache ein enormes Problem für mich. Wenn ich neue Wortschöpfungen mache, kommt die Umwelt nicht parat und weiss nicht wovon ich spreche. Woher auch! Wenn ich die Gestensprache einsetze, kommt sie doch nur rudimentär, aber eben nicht als vollständige Wahrheit rüber.... Wenn ich mein Herz sprechen lasse, auch dann sind Mißverständnisse keinesfalls ausgeschlossen - so sehr wir uns auch zumindest bei "dieser Art von Sprache" uns das doch wünschen...
    Und Wortsprache? Schriftsprache?... Ach Leutchen, es ist zum heulen....

  7. #32
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Thomas Bernhard: Sprache ist unbrauchbar

    Überwinden, Jonathan? Produktiv aufnehmen, nicht überwinden. Aspekte der Wahrheit können nicht überwunden werden, sie sind nun einmal da. Willst Du sie ignorieren oder in den Skat drücken, aufschleimen oder gar mit Schwulst aufblähen, nur, um ihrer Herr zu werden? Ich weiß nicht und skeptisch, ob eine solche Methode erstens taugt und zweitens von Interesse zeugt.



    Ja ja, beim Studium, da wird einem das agonale Prinzip als Quintessenz vermittelt. Man solle prüfen, was bedeutet überwinden.

    In diesem Sinne ist Sprache etwas, womit sich gut vertragen läßt und sehr wohl ein brauchbares Mittel. Sprache läßt sich nämlich nicht unbemerkt verbiegen; der Angesprochene merkt es und dechiffriert den verbogenen Text.

  8. #33
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    AW: Thomas Bernhard: Sprache ist unbrauchbar

    im ganzen ordner ist noch nicht gesagt, in welch großem umfang sprache wirklichkeit zeugt.
    angefangen vom magischen sprechen des erzählers, der für seine zuhörer das erzählte wirklichkeit werden läßt für die erzählzeit lang bis hin zum strafgesetzbuch, wonach sich ein mensch nach sehrsehr viel sprache seiner freiheit beraubt sehen kann, weil das in einem buch steht. auch eine verfassung aus wörtern gestaltet wirklichkeit eines staates.


    bernhardt ist also einzuschränken auf die unfähigkeit eines schreibers, wirklichkeit nachzubilden ins ganz genau stimmig realistische vorbild einer tatsache. ausgeklammert sind bei ihm magie und vision, betriebsanleitungen und heilungen. verträge und statusänderungen durch das wort (status meint hier: verheiratet, geschieden, als kind angenommen, volljährig etc)
    wieviel legitimationsarbeit wörter leisten können. wieviel feindschaft sie ins leben zu rufen vermögen, wie viel freundschaft oder liebe, wie viel macht oder diskriminierung. wörter gestalten wirklichkeit.


    ich bitte, das nie zu vergessen, sie deshalb nie ins bernhardtsche beliebige abzuschieben.
    und ja, zum glück ist es so, daß sprache jede lüge selbst reinigt und aufdeckt: den instinkt für den falschen ton hat sich der mensch aus der traumzeit der telepathie erhalten.

  9. #34
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Thomas Bernhard: Sprache ist unbrauchbar

    "quod non est in actis, non est in mundo"


    sämtliche legitimationen, die uns die vergangenheit als geschichtsschreibung umfassend gewährt, sämtliche gestaltenden visionen, die magisch in die zukunft vorausgreifen - allein die tatsache, daß nur sprache beides gewährt zeigt, daß welt ohne sprache nicht ist, nicht wäre, wie wir sie kennen.


    das übersehen der juristischen sprache durch germanisten ist ein großes manko. zumal das monopolare festhalten an einem sprecher und bestenfalls stummen rezipienten. juristische rede und gegenrede führen durch 3 instanzen zu einem ergebnis, das in wirklichkeit umgesetzt wird, in die wirklichkeit einer todesstrafe, einer freiheitsberaubung, eines wirtschaftlichen ruins. mit diesen risiken leben philosophen und schriftsteller im allgemeinen nicht, auch bleiben sie weitgehend während der darlegung ihrer auffassung unwidersprochen oder werden ohnehin nicht ernst genommen. diese salonplauderei hat mit der brauchbarkeit von sprache nur sehr wenig zu tun.


    auch der sprache innerhalb und nach außen gemeinsam durch kollektive wird zu wenig aufmerksamkeit geschenkt.


    es gibt einen einzigen kollektiven philosophischen text der menschheit. den untersucht keiner, auch machte sich keiner die mühe, allein oder mit anderen repräsentanten der menschheit darauf zu antworten.
    es ist dies die allgemeine erklärung der menschenrechte von 1948. für manchen sind die menschenrechte ja ein rotes tuch. umso wichtiger wird es werden, dieses textlein weiterzuschreiben. werde es mit der organischen verbinden.

  10. #35
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Thomas Bernhard: Sprache ist unbrauchbar

    Die Sprache ist unbrauchbar.
    So sehr sich der Schreibende auch bemüht,
    die Wörter drücken alles zu Boden
    und machen die totale Wahrheit
    auf dem Papier
    zur Lüge.


    -Thomas Bernhard

    Sprache kann auch als etwas "gesehen" werden, das den Ausdruck von jenem ermöglicht, das zur Zeit noch nicht anders "in die Welt" transformiert werden kann. An der Unzulänglichkeit der Sprache muss sich dabei nicht gerieben werden, sie kann ein hervorragender Trainingspartner sein, sein bereits aufgebautes Vermögen zu schulen - mal virtuos, mal wir(r)tuos.
    Bis hinein in die Phalanx, wo Einklang von innerem Empfinden und der Sprache, den Worten - auch eigenkomponierten - körperlich und geistig spürbar wird. Gelegentliche Verzückung, die die Sprache dem Jongleur zu schenken vermag. So besehen, im Anfang war das Wort, mit Hilfe von Geist und Körper des die Sprache Liebenden, schaffend, mit diesen selbst vereint zu werden.

  11. #36
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Thomas Bernhard: Sprache ist unbrauchbar

    gantztoll gezagt. und ich kann dir wortnahem mann zustimmen, als schreibender sucht man sich selbst annäherung, denn ein text ist zur schrift gestellte gedanken. und in confuselius ertränkt schreibts sich allzu gern, denn das lockert nicht nur die zunge, eben auch die gedanken.
    aber den schriftsteller zum zentrum des textes zu machen, komischer gedanke, der mir nicht gefällt, dem ich nicht zustimmen könnte. egal auf welchem weg sich ein schriftsteller befindet, er wird stets denen begegnen, die die konversation suchen und nicht nur erzählen wollen. nebenher, warum schon sollte sich ein schriftsteller mit gesundem ehrgeiz (an einem text arbeitend!) auf einen geschichtenerzähler einlassen. da spielt sich vieles auf. zum glück spielt es, da muss der schriftsteller nur zähne zeigen und vieles zergeht ihm eh auf der zunge. jegliche kritik wünscht sich der schriftsteller, bloß keine einheitliche meinung, sonst fehlt ihm die zerstreuung, die er doch so dringend benötigt, sonst täte er kein neues wort mehr.


    ein beispiel: wäre inglorious basterds so zerfetzt worden, wie ich es mir gewünscht hätte, wäre tarantinos django nicht noch konservierter als sein vorgänger. naja sein nächster film wird voraussichtlich columbus und die neue welt thematisieren.

  12. #37
    resurrector
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    AW: Thomas Bernhard: Sprache ist unbrauchbar

    Der Ordner enthält auch heute noch lesenswerte Details über die Beziehung von Sprache und Welt. Er wird weitergeführt, denke ich.

  13. #38
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    AW: Thomas Bernhard: Sprache ist unbrauchbar

    Bernhard war ein wortradikaler Übertreiber, der es genoß zu provozieren. Das ist speziell im harmoniesüchtigen und verdrängungsgewohnten Österreich sicher ein wichtiger und positiver Wesenszug gewesen. Nur hat er dabei oft so maßlos übertrieben, dass es oft skurril und absurd wurde, was er so daherschrieb. Bernhard kann ich nur ernst nehmen und ertragen, wenn ich ihn nicht wörtlich nehme, sondern die Absicht zwischen den Zeilen und hinter den Worten herausdestilliere.

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