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Thema: Arbeit und Gesellschaft

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Arrow Manifest gegen die Arbeit

    nach dem wirbel hier. kann ich ja auch mal was politisches von mir geben:
    http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit/

  2. #2
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Arbeit und Gesellschaft

    okay, ich habe jetzt den Anfang des Krisis-Manifestes bezüglich der Ästhetik und Bedeutsamkeit (vor allem in tagespolitischer Hinsicht) gelesen und auch einige Anmerkungen gemacht.


    Berührungspunkte? Wahrscheinlich auf Seite 25, nicht aber in diesem ersten Teil. Dort geht es meines Erachtens drunter und drüber, wird munter drauflos spekuliert, Kategorienfehler nicht vermieden, aber polemisiert wird nach Herzenslust. Das wiederum macht den Text sympathisch.

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Arbeit und Gesellschaft

    Diskussion über Arbeit, Manipulation, Sinn des Lebens, Sozialisation und dergleichen mehr...


    Nichts auf der Welt ist unbedeutend, aber manches scheint nur so, als ob es mehr sein könnte.
    Manipulation ist eine Beeinflussung, die sich fast ausschließlich auf pragmatische Paradoxien stützt, meint Watzlawick. Eben, und darum ist sie zu umgehen, berührt Oberfläche, aber nichts Bedeutendes. Wer das eben nicht will. Man solle doch die Menschen nicht dümmer machen, als sie es tatsächlich sind.
    Schwingt da nicht immer ein Gutteil Arroganz mit, wenn unterstellt wird, die dumme und träge Masse würde sich alles gefallen lassen, man könne ihr alles verkaufen oder verordnen, sie sich selbst derart entfremden, daß sie das, was sie eben tun als lebenssinnvoll und glückverheißend betrachten? So äußerten sich Le Bon, auch Canetti. Ich hab sie darum gehaßt, beide. Weil da so viel Menschenverachtung mitschwingt, Mensch als Hordentier und geifernd nach Blut usw. Ich glaube an solche Märchen nicht, daß sich Massen manipulieren lassen, nicht wirklich. En detail sicherlich. Ich glaube vielmehr, daß die Massen ihre Führer manipulieren, en grosse, nicht en detail. Und jeder für sich findet seine Freiräume, andere will er nicht, andere wird er nicht haben wollen oder dürfen. Geheimnis des Lebens, sich einfinden in einem selbst geschaffenen Raum.

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Arbeit und Gesellschaft

    wir mißverstehen uns!
    "Warum sollten sich die Menschen um ein möglichst hohes Einkommen bemühen, wenn sie dafür mit vielen langweiligen und trübseligen Arbeitsstunden büßen müssen? Warum insbesondere sollten sie es tun, wenn die Güter immer reichlicher und immer weniger wichtig werden? Warum sollten sie nicht statt dessen versuchen, sämtliche Stunden ihres Tages lohnenswert zu gestalten?" (Galbraith 1959: Gesellschaft im
    Überfluß, S. 364)


    Die Konstruktion "dumme und träge Masse" stammt aus deiner Interpretation meiner Behauptung: den meisten Menschen sei es nicht vergönnt in dieser (historisch bedingten) Gesellschaftsformation einen Freiraum, insbesondere in beruflicher Hinsicht zu finden. Insofern lautete der Vorwurf: DU seist ignorant, weil DU eben nicht das Glück und die Besonderheit zu schätzen weisst so zu leben wie DU (angeblich) willst. Ich finde es reichlich konterrevolutionär und anti-materialistisch (aber das überrascht mich ja nicht weiter) den Menschen zu sagen: jeder sei seines Glückes eigener Schmied.
    Der aufklärerische Subjekthumanismus, ein überhistorisches Subjekt (den guten Menschen möglicherweise) voraussetzend, bleibt blind gegenüber den jeweils historischen Bedingungen gesellschaftlichen Lebens.
    Wir hatten im Zusammenhang mit dem "Manifest" bereits eine Diskussion über Abbildtheorie und falsche Unmittelbarkeit. Unzumutbar ist selbstverständlich meine Behauptung: man könne den Menschen nicht glauben, was sie sagen. Allerdings gibt es da überraschenderweise einige neuere Erkenntnisse in der Psychologie, die mich dabei unterstützen. Zumal, wenn es um die individuelle Beurteilung von Arbeit geht. Der "wahre" Mensch zeigt sich spätestens in der Arbeitslosigkeit als gesellschaftlich (meint eben auch von sich selbst) geformtes und abhängiges Wesen. Es gibt ja nun unbestritten einige Jobs, die nicht jeder machen will. Wenn aber das "einzige" in dieser Gesellschaft identitätsstiftende Moment, die Arbeit, nicht mehr integrativ und stabilisierend tätig (aufgrund von Arbeitslosigkeit) wird, dann wünscht sich der Fabrikmensch seinen Akkord zurück.


    Basis-Literatur für die historische Entwicklung moderner Denkformen:
    - Sohn-Rethel, Alfred: Das Geld, die bare Münze des Apriori, Berlin 1990, erstmals 1976


    - ders., Warenform und Denkform, Ffm. 1978


    - Greiff, Bodo v.: Gesellschaftsform und Erkenntnisform - zum Zusammenhang von wissenschaftlicher Erfahrung und gesellschaftlicher Entwicklung, Ffm. 1976


    - Müller, Rudolf W.: Geld und Geist. Zur Entstehungsgeschichte von Identitätsbewußtsein und Rationalität seit der Antike, Ffm. 1977


    --weitere Vertiefungen des Themas schließe ich nicht aus!

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Arbeit und Gesellschaft

    Mein Gott! Wir leben im Bewusstseinszeitalter - die Anthros nennen es Bewusstseinsseelenentwicklung... doch die Begriffe sind zunächst nicht einmal so wichtig hier (im übrigen müsste man sie auch genau kennen....)
    Tatsache ist: dass wir in in einem Zeitalter notwendiger Individualisierung leben. Das bringt natürlich und selbstverständlich unter anderem auch den Egoismus im Einzelfall zu einer neuen "Blüte" - mit allen fatalen Folgen, die Egoismen bergen, wenn sie von vielen gelebt werden. Aber auch das ist nur Übergang zur echten Individualisierung. Insofern hat Robert hier schon einiges vorweg genommen, was aber seiner Reife und Blüte noch harrt...

  6. #6
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Arbeit und Gesellschaft

    Subversive Denotanten! Sind wir doch, oder? Stück für Stück...
    erstellt von Galbraith: Warum sollten sich die Menschen um ein möglichst hohes Einkommen bemühen, wenn sie dafür mit vielen langweiligen und trübseligen Arbeitsstunden büßen müssen? Warum insbesondere sollten sie es tun, wenn die Güter immer reichlicher und immer weniger wichtig werden?
    Dagegen läßt sich vieles sagen. Menschen neigen dazu, sich auf einen langweiligen Alltag einzurichten. Das Erschöpfende langanhaltender seelischer Anstrengung. Keiner hält das ewige Feiern durch. Keiner hält es durch, sich mit lustvoller Arbeit, dem Schönen tagtäglich zu befassen. Selbst die größten Künstler durchschreiten die Täler der Lust, die Amplitude ist da nur eine andere, aber in der Quintessenz sucht sich jeder das Maß, die Mesotes, das Maß zwischen Anstrengung und Erschlaffung. Langweilige Büroarbeit oder Fließbandarbeit haben da insofern eine Funktion, das Maß zu finden. Das setzt allerdings voraus, daß auch diese nicht zu einem lebenslangen Zustand wird. Und das ist sie oftmals, weil viele nicht die Kraft aufbringen, sich von Zuständen zu befreien, die ihnen zuwider sind. Lustvolles Schraubendrehen!


    Ich hole hier langsam Schwung.

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Arbeit und Gesellschaft

    Eine Kritik am Begriff und Inhalt der Arbeit von einer ganz anderen Seite: "Die Arbeit ist die Natur und Gott." (Gurdijeff)


    Wer kennt ihn nicht, diesen Spruch am Tor von Auschwitz: ARBEIT MACHT FREI!


    Der Mensch befindet sich in einem Zustand der Sklaverei. Abhängigkeiten prägen seinen Alltag, bestimmen seine Entscheidungen. Der Mensch ist deshalb unfähig, nach seiner eigenen bewußten Absicht zu handeln. Seine Gewohnheiten binden ihm einen Bären auf. Der Mensch hat sich daran gewöhnt und will seinem Trott selten genug entkommen, wenn dann für eine kurze Zeit, wahlweise Urlaub genannt. Die Außenwelt beeinflußt den Menschen, zumeist merkt der einzelne es gar nicht, wenn er es aber doch merkt, so paßt er sich ein und schwimmt mit, findet selten genug die Kraft, eigene Wege zu gehen. Der Mensch ist unfähig zur eigenen Veränderung, weil er seine Natur nicht umwandeln kann, bestenfalls modifizieren.


    Es ist dem Menschen also aufzutragen, daß er durch Arbeit an sich selbst frei werde. Dazu muß er es lernen, sich selbst zu befragen und zu prüfen, er muß andere an sich heranlassen und zuhören.

    Wie sehr die obige Replik in die moderne Gesellschaft paßt! Der mögliche Mensch sieht Arbeit als zielgerichtet auf ein Ergebnis. Nichts ist unwürdiger!
    Das Streben nach Seligkeit aber ist keine Arbeit. Gutes tun ist keine Arbeit. Aber um Gutes tun zu können, muß man selbst gut sein. Dahin kommen. Zu sich selbst kommen, die Diagonale des Wollens.


    Wir haben doch alle diese verschiedenen Geister in uns; wie sagte neulich Keith Richards über Mick Jagger: "Er ist ein ganzer Haufen netter Jungs."
    Die niederen Selbst streiten mit den höheren, aber sie streiten sich als Teil eines Ganzen. Ihr Streit führt zu keiner Trennung.


    Was ist Arbeit, was Streben? Arbeit zielt wohl immer auf ein benennbares Ergebnis, etwas Abrechenbares. Streben aber ist ein Akt des Willens.


    Dann bin ich ein Streber. Ich will mich einfühlen und nicht mein Gefühl einsetzen, um etwas zu erreichen.

  8. #8
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Arbeit und Gesellschaft

    war wohl seinerzeit nur ein Schwüngchen Ein paar Jahre später bleibe ich bei meinem protestantischen Arbeitsethos. Es hat mich glücklich gemacht - und macht mich glücklich. Am Ende werden wir sowieso, was wir werden sollen.

  9. #9
    Resurrector Avatar von aerolith
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    28

    AW: Arbeit und Gesellschaft

    erstellt von Süddeutsche

    Die Linke und ihr Chef Bernd Riexinger sind wegen zynischer Äußerungen auf einem Strategietreffen der Partei unter Druck geraten. In einer Diskussionsrunde hatte ein Parteimitglied gesagt: "Energiewende ist auch nötig nach 'ner Revolution. Und auch wenn wir das eine Prozent der Reichen erschossen haben, ist es immer noch so, dass wir heizen wollen, wir wollen uns fortbewegen." Riexinger korrigierte daraufhin scherzhaft: "Wir erschießen sie nicht, wir setzen sie schon für nützliche Arbeit ein."


    Zu welchem Zweck sollen sie nützliche Dinge tun, also arbeiten? Um frei zu werden? Um sich als nützliche Glieder der Gesellschaft zu fühlen?
    Kapitalistisches Denken - so oder so. Die LINKE denkt also kapitalistisch. Wer nicht dem Lebensmuster entspricht, das sie ausgibt, kömmt ins Lager und darf arbeiten. Die gleiche Denke wie bei den Nazis und ihrem Eingangstorspruch. Bei den Nazis waren es die jüdisch-plutokratischen Reichen, die das Geld aus dem Geld erzeugten und das Arbeiten, wie es ein Germane verstehen müßte, beiseite legten. Die sollten durch körperliche Arbeit wieder zu Menschen gemacht werden. Was im Sinne der NS-Ideologie widersinnig ist, denn die Nazis glaubten ja, es läge den Juden im Blut, Plutokraten zu sein, was wiederum bedeutet, daß der Eingangstorspruch pure Heuchelei/Zynismus ist, denn wie sollte es ein Jude nach Naziideologie jemals schaffen können, frei zu sein?
    Bei den heutigen LINKEN ist es ein wenig anders, sie haben nicht den rassischen Gesichtspunkt der Nazis, in der Zwangsläufigkeit ihres Denkens aber das gleiche (widersinnige) Denkmuster: Das neue Lebensmuster sieht für all jene, die Diesel fahren, mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen und Müll verursachen - neudeutsch heißt das itzt wohl CO2-Abdruck -, die also ihren Lebensstandard auf dem Rücken der weniger arbeitenden Bevölkerung südlicher Länder erzeugen lassen... die müssen bestraft werden, indem man sie in Lagern unterbringt und arbeiten läßt. Zuvor noch enteignet - klarerweise.

    Ich bin dafür, daß jeder so leben sollen darf, wie er es eben möchte. Es gibt genug Gesetze, die unsere Freiheit einschränken. Manche sind gut, andere nicht. Aber das ist egal. Wir müssen uns daran halten - wir freien Menschen.

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