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Thema: Nihilismus

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Question Nihilismus

    Kann mir jemand erklären, warum der Begriff des Nihilismus in Russland des 19. Jahrhunderts wohl völlig anders gesehen wurde (eher im Sinne der Anarchie) als Nietzsche ihn später verwendete. So las ich es jedenfalls in einem Begleittext zu Turgenjew (Väter und Söhne), den ich gerade lese. Hat der Begriff sich entwickelt, oder wurde er einfach nur neu belegt von Nietzsche?


    Kyra

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Nihilismus

    Hallo Kyra,

    ich wollte eigentlich erstmal die anderen ranlassen, weil ich ja nicht so gebildet bin, aber ich lese gerade den "idioten" von dostojewski. dort wird das wort auch nicht im sinne von anarchie benutzt, m. E., aber auch nicht in einem "nietzeschen" philosophischen Sinne. Meiner Meinung nach ist hier ein Nihilist einfach nur ein Nein-Sager. Dann hab ich einfach mal bei Wissen.de nachgeschaut und da steht folgendes:

    lateinisch nihil, "nichts"

    die Verneinung aller Werte, Ziele, Glaubensinhalte, Erkenntnismöglichkeiten, manchmal auch aller bestehenden Ordnungen und Einrichtungen. Das Wort Nihilismus wird nicht eindeutig gebraucht. Es kommt zuerst bei F. H. Jacobi und Jean Paul vor. Nietzsche sah im Nihilismus die Voraussetzung für die von ihm gewollte "Umwertung aller Werte". Einen politischen Inhalt gab I. Turgenjew dem Wort Nihilismus in seinem Roman "Väter und Söhne" (1862); hiernach bezeichneten sich Gruppen russischer Anarchisten als Nihilisten. In der Existenzphilosophie der Gegenwart ist der Nihilismus ein bevorzugtes Thema der Erörterung.

    Sicherlich ist das keine ausführliche Antwort auf deine Frage. Fest steht aber wohl, dass das Wort einfach in mehrere Richtungen gebraucht werden kann.

    Wenn du noch was anderes rausfindest, werde ich es gespannt verfolgen.

    tt

  3. #3
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    AW: Nihilismus

    es ist schon spät, ich bin müde, der alltag wollte mich bezwingen, ich geifere nach den musen, ich bin müde... -
    prolog... -
    ich liebe dieses thema, kann mich nicht zügeln...:
    daß laut tt der n. ein bevorzugtes thema der erörterung ist, ist doch schon einmal eine basis... - kein ALLes ohne nichts... - insofern, mindestens als denkkompomente, wichtig... - (wer nach sinn fragt, fliegt raus!) -
    nur bejahen is quatsch - immer ein ordentliiches nein dagegen - sonst fleißt nix - mit dem hammer, das war eben nietzsche... -
    turgenew ist schön, aber ein alter hut, dostojewski ist der, der sich mächtig (robert, das klaute ich von dir...) aus dem fenster lehnte... - dostojewski zu erläutern, nicht heute - psychologisch heldenhaft, in "die dämonen" ahnte er schon, das die existentialisten in den startlöchern hocken -
    aber nicht sein ding... -
    nietzsche hat es es BE-GRIFFEN - BE-WORTET -
    alte östliche geschichte - zu einfach für unser homo sapiens sapiens - gehirn -
    um es auf den punkt zu bringen, um zu provozieren (schwarzer versager, i know, it's your job...): nichts ist gott!
    so.
    ach, ist so spät schon, über dostojewski und nietzsche könnt ich stundenlang...

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Nihilismus

    Danke Paul,

    unter diesem Link kann man etwas darüber lesen:
    http://www.c3.hu/~prophil/profi001/NIHIL1.html

  5. #5
    rodbertus
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    AW: Nihilismus

    Nietzsche und die Musik, Anfänge des Nichts, Anfänge, nichts zu denken, weil Gott absolut gesetzt ward. Aber das ist kein Weg gewesen.

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Nihilismus

    Der Nihilismus ist zu einer Art cooler Befasse geworden. derweil ist er Ausdruck einer Lebensmüdigkeit. Manche Menschen pflegen ihn, die so ganz von einem Lebensgefühl verlassen wurden und in einer umgekehrten Kompensation nun das GANZE Leben und Wesen der Sterblichen für ein Nichts halten, für ein dem kummervollen und sternenstaubigen Dasein geschuldetes Nichts.

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Nihilismus

    nimm dem nihilisten nur ein klein wenig weg - und er ist keiner mehr. pose - nicht poesie. verkappte utilitaristen.

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Nihilismus

    Das Nichts ist einsam. Nein, wenn das Nichts wäre, wäre es nicht einmal einsam. Einsamkeit bedarf eines Bezugspunktes. Ein schlagendes Argument gegen die Existenz des Nichts: der Rahmen, das Korrelat. Ich kann mir gegen das Nichts immer das Etwas vorstellen. Ein Nichts ist ohne Bezugspunkt nicht denkbar, also ist es nicht. Jedes "Nichts" hat einen Bezugspunkt,. der ein Drittes, einen Dritten dazu bringen könnte, etwas als nichtwas zu bezeichnen. Somit ist das Nichtwas auch etwas.

  9. #9
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Nihilismus

    Nihilismus ist eine Weltanschauung, ein Glaubensbekenntnis, nicht mehr. Philosophisch taugt er zu nichts. Er gründet auf der Existenzangst des Individuums, auf der Sorge um sich selbst, ist somit Teil der Ethik und Psychologie. Der Nihilist weist sich einen Platz in der Ordnung zu, der im Nirgends liegen soll. Er geht vom eigenen Wissen aus, das er nur verneinen kann, verneinen, wenn es um allgemeingültige Bestandheit geht. Der Nihilist kann nur handelnd die Welt erfahren, erzieht die Welt zum Nichts, ist somit Teil der Wechselbeziehungen. Angst treibt ihn. Mut besitzt er, wenn er handelt. Aber diesen Mut nimmt er nicht konstitutiv, sondern als Teil seines Lebensweges.

  10. #10
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Nihilismus

    nach landläufiger meinung hatte das mittelalter probleme mit der vorstellung des nichts. der mittelalterliche mensch, die mittelalterliche denke war nicht auf das nichts ausgelegt. es war ihm eine absonderliche und beängstigende vorstellung, wie sie kindern heute untergeschoben wird.
    allerdings ist das nur selektiv beobachtet. es gab denker wie fredegisus, die das nichts durchaus material dachten. oder eben tatsächlich-unstofflich. das dunkle ist auch etwas, das böse ist etwas, das gute und das wollen. all das sind dinge, die existent sind. so kann auch das nichts existieren, sein. es ist eben, das nichts. basta!

  11. #11
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Nihilismus

    neue erkenntnisse. ich gebe einfach nicht auf, dieses problem zu lösen. es hängt an der definition des nichts. das nichts, der leere raum. sind das synonyme? pascal löste das problem des zu denkenden nichts, des leeren raums, indem er das nichts ein bild unserer irdischen existenz sein ließ. die vorstellung von einer endlichen kreatur, die sich ein ende nur als nichts vorstellen kann, bevor sie in den schoß gottes fällt.

    das ist eine schöne vorstellung des nichts, die doch eher ein potenzgeladenes nichts ist, somit ein ichts.

    na ja, die franzosen halt. gehen wir weiter.

  12. #12
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    AW: Nihilismus

    "immerwannszentrum"
    aus: die kugel von otto zur linde

  13. #13
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Nihilismus

    Zitat Zitat von eulenspiegel
    urknall - nichts - etwas:

    dass etwas (da) ist, erstaunt mich nicht; ist doch 'etwas' unendlich wahrscheinlicher als das (immer totale) nichts; dass nichts wäre, ist unendlich unwahrscheinlich; weil von allen unendlich vielen zuständen nur ein einziger dem (immer totalen) nichts entspräche!

    das nichts ist unendlich labil, zerfällt also sofort in etwas!

    dazu braucht man keinen schöpfer.

    es ist also nichts natürlicher und selbstverständlicher als dass da etwas sei.

    (c) eulenspiegel.
    sic! genau so sehe ich das auch.

  14. #14
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Nihilismus

    die positive seite des nihilismus ist die aufmerksamkeit, mit der verlogenheiten wahrgenommen und aufgedeckt werden. Sensibilität. eine schamhafte art von schwermut, wie max frisch das nennt, die den nihilisten dazu bringt spöttisch zu sein, denn nichts und niemanden geht es etwas an, wie er denkt, fühlt und handelt. das alles macht er mit gott aus, den er duzt.

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