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Thema: Religion als Fundament jeder Staatsidee

  1. #1
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Allgemein wird angenommen, daß die (Ur-)Christen Feinde der Sklaverei waren. Wenn man Paulus' Brief an Philemon sorgfältig liest, so kommt man zu einem anderen Schluß. Ich möchte ihn schärfer formulieren, als ihn unser katholischer Freund aus der Schweiz formulierte: http://www.kath.ch/skz/skz-2001/lesejahra/a35.htm

    Die (frühen) Christen erkannten die Sklaverei als Wirtschaftsform an, denn Paulus fordert von seinem Brieffreund nicht die Freilassung des entlaufenen Sklaven, sondern schickt ihn (den ihm zugelaufenen Sklaven) an seinen Freund zurück, was bedeutet, er überantwortet ihn der Willkür desjenigen, vor dem der Sklave weglief.

    Jesus forderte nicht die Aufhebung sozialer Unterschiede, sondern ein neues Herangehen ans Leben selbst. Alle seien Sklaven, sofern sie eben in Habgier und Wollust existierten. Der Reiche sollte seinen Reichtum nicht abgeben, sondern ihn verantwortungsvoll gebrauchen. Das ist fundamental.

  2. #2
    Chefchen Avatar von aerolith
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    Post Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Das Thema "Einbau der Religion in politische Prozesse" ist einen gesonderten Ordner wert.

    Karlchen meint, es dürfe nichts miteinander zu tun haben.

    Ich muß dem widersprechen. Ich bin kein Marxist, für den die Religion zum Unterbau eines Staates gehört, ich gehe noch einen Schritt weiter: das die Religion begründende numinose Lebensgefühl macht Staat erst möglich. Ich glaube, nicht nur, aber es ist eine wichtige Basis für die Entstehung eines Staates. Die Formen des Religiösen ändern sich, da der Mensch eine Entwicklungsgeschichte durchläuft, die sich regional unterscheidet. Ob sich über die Formen auch die Substanz des Religiösen verändert, kann ich heute nicht entscheiden, eines aber weiß ich: Religion erst macht eine Staatsidee erst aus. Sie ist also MEHR als bloß ein Unterbau, sondern die Substanz eines Staates - egal welchen Staates.

    Atheismus ist auch eine Religion. Nihilismus ist eine Religion. Sozialismus ist eine Religion. Nur die Gleichgültigen üben eine bewußte Verzichtsleistung, bilden aber keine Staatsidee aus. Liberalismus ist eine Religion. Pragmatismus ist eine. Vernunftglaube (sic!) ist eine Religion. Religion ist nämlich nichts anderes als die Annahme von Denk- und Handlungsvoraussetzungen, von Paradigmen. Jeder Mensch, der Denkvoraussetzungen akzeptiert, ist ein religiöser Mensch. Ich habe in meinem Leben bislang noch keinen ernsthaften Menschen kennengelernt, der auf Denk- und Handlungsvoraussetzungen verzichten konnte.

  3. #3
    Kalu
    Laufkundschaft

    AW: Was ist Religion?

    Ich kann nicht widersprechen, wenn Religion dermaßen weit gefasst wird. Im engeren Sinn allerdings muss ich dem Widerspruch widersprechen, denn ich bin zwar gläubig und so, - nicht religiös -, und kann dennoch humanistische Gesellschaftsvisionen zeigen und auch dafür kämpfen, wenn es mir ein gutes Gefühl gibt. Scheiß Humanismus. Macht alles noch komplizierter.

    Der Mensch scheint glauben zu MÜSSEN! Ansonsten könnte er die grausame Wahrheit nicht ertragen. Laizismus hin und her, alle Herrschaftssysteme berufen sich auf irgend einen Gott, zur Not tut es auch der Pharao. Wie wäre es zur Abwechlung mal mit ohne göttliche Legitimation, nur mit Vernunft und Menschlichkeit?

    Aber dafür müsste der Mensch den Gott der Liebe in sich erkennen. Nun, mein Gott der Liebe sagt (leise): "Beklecker mich nicht mit deinen Unterstellungen! Ihr seid meiner Obhut entlassen und selber verantwortlich."

    Historische Prozesse mit eingebautem Glauben als seine eigene Bestätigung? Keine Vergleichsmöglichkeiten? Tja!

    Religion erst mache eine Staatsidee aus? Das kann und will ich nicht glauben.

  4. #4
    Chefchen Avatar von aerolith
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    Post Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Hauptthese:

    Jede Staatsidee benötigt eine religiöse Substanz.

  5. #5
    Kalu
    Laufkundschaft

    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Hauptantithese:

    Jede Staatsidee wird mit religiöser Substanz (oder religionsähnlichem Herrscherkult) aufgepeppt.

    Weil Glauben bequemer ist als Denken. Sowohl für die Regierenden als auch für die Regierten. Deswegen gehen auch die meisten Regierungen hart mit Leuten um, deren Denken ein bestimmtes Kaliber überschreitet.

    Jede Staatsidee benötigt Matschoavellisches. Menschlichkeit ist bei Staatsgründungen zweitrangig, - auf diese Idee kommen die Leute erst, wenn es gilt, sein Tafelsilber zu schützen.

  6. #6
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Karlchen, das ist eine contradictio in adiecto. Wenn etwas SUBSTANZ ist, dann ist es das Zugrundeliegende. Wenn etwas "aufgepeppt" wird, wird etwas dazugetan, KANN also NICHT SUBSTANZ sein. Das Denken, was immer das auch sein soll, ist an Denkvoraussetzungen gebunden. Ich halte das Denken für eine gefährliche Sache in jedem Staatsverbund. Ich halte einen Staat, in dem das sogenannte Denken die Substanz bilden soll, für gefährlicher als einen Staat, in dem das Denken nicht die Substanz, sondern ohngefähr Umgang ist, also eine von vielen Möglichkeiten der Kommunikation. Logik, die Quintessenz des Denkens, ist eine sehr gefährliche Sache für Menschen, die nicht auf dem Denken basieren, sondern auf dem Gefühl oder dem Instinkt.
    Das alles sind keine Substanzen, sondern Auswüchse derselben. Jede Logik benötigt Axiome. Jedes Denken benötigt Definitionen. Schon aus Verständigungsgründen. Es sind dies auch keine Errungenschaften der Moderne.

    Vor hundert Jahren wurden konsequent entwickelte Denksysteme bei den Bafioti (Loango im Kongo) oder bei äthiopischen Stämmen festgestellt. Seßhafte Völker, die aufgrund einer konsequent zu Ende gedachten religiösen Überzeugung Systeme schufen, die ihre Staaten über Jahrhunderte begründeten. Hier war es die Idee, die bei einem seßhaften Bauernvolk naheliegt, tellurische Weltanschauungen, den Kreislauf des Lebens nutzend. Der Grundgedanke lautete: Ein totes auf den Boden gelegtes Tier/Pflanze/Mensch geht in diesen Boden zurück und macht den Boden fruchtbarer für neues Leben. Das geht über das factum est einer Beobachtung hinaus, weil es in der Anwendung als Idee begriffen wurde und auf ANDERE Lebensbereiche, die KEINE Naturereigniskette bilden, übertragen wird: ein (religiöser) Transformationsprozeß, zugleich differenziert, da mit der Seelenwanderung verbunden. Ein totes Kind kann nichts vererben, da es keine Erfahrungen besitzt; ein alter toter Mensch dagegen geht in das Erdreich ein, das bereits beseelt ist, bereichert es und spendet neu, etwas Neues, Verbessertes. (Primitiv erscheint mir dagegen die Vorstellung der Bodendüngung mit industriell gefertigten Salzen, um aus dem Boden Mehrertrag zu erwirtschaften.)
    Das ist KEIN Totemismus, sondern die Einsinallem-Religion des Pantheismus, nur bodenständiger.
    Daraus schlußfolgerten sie die Ordnung der Menschen, benötigten den Medizinmann, den Bauern, erkannten das System der Familie und schließlich auch den Krieger, der das Gleichgewicht in der Abfolge der Lebensstadien schirmt, an dessen Spitze der Stammeshäuptling ordnet und führt. Entstehen und Vergehen. Das Wunder der Geburt wie der Schrecken des Todes. Die Basis des Ganzen: der Glaube, die Religion, in einem Wirksystem einen Platz zu besitzen, der ausgefüllt werden muß.
    Ist das noch Naturreligion? Ich glaube, nicht.

  7. #7
    Kalu
    Laufkundschaft

    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Hört sich logisch an, aber Du weisst ja, wir glauben beide nicht an Logik, jedenfalls nicht ausschließlich. Logik soll vom Instinkt an der Leine geführt werden? Auch das mag so sein. Möglicher Weise.

    Tja, der Mensch ist aus Dreck gemacht und wird wieder zu Dreck. Aber zwischenzeitig soll er nicht dreckig sein? Glaubst Du etwa, dieser ewige Kreislauf des Seins würde mich erleichtern?

    Logik ohne Moral ist dem Menschen nicht gemäß. Tschuldigung - bin vom Thema abgekommen.

  8. #8
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Ne, nicht an der Leine, Karlchen. Ich denke da schon eine Weile drüber nach, wie es ist mit dem Zusammenhang von Logik und Natur (des Menschen). Wenn ich die Natur des Menschen allem überordne, müßte sich am Ende das "Recht" des Stärkeren durchsetzen, als Lebensprinzip etablieren. Wenn ich die Logik allem überordne, müßte dies die Ausrottung der Schwachen genauso erzeugen, aber aus anderem Grund. Logisch?
    Da aber beides unmoralisch ist, muß ich einen Angelpunkt finden, der die Basis unseres Gemeinwesens abgeben kann. Kants kategorischer Imperativ kann es auch nicht sein, weil er zur Härtung des Gemüts führt, zur Verzichtleistung auf etliche schöne Seiten des Lebens; und dieser Imperativ einfachen, blöden Spaß nicht kennt. Nur Spaß dagegen ist ebenfalls ungesund. Jetzt kommt das Hammerargument: also Maß in allem halten. Was bedeutet das? Daß ich von allem die Mitte bilde, zwischen Logik und Natur laviere und am Ende nichts richtig mache?

    Das ist doch der Punkt, wo Religion als Grundlage eines Gemeinwesens ins Spiel kömmt.

  9. #9
    Kalu
    Laufkundschaft

    Gegenmüpfel. Ich bin heute voll antipodal.

    Ich nehme an, dass da Etliches zusammenkömmt: Verhaltenskodex, Sippenbande, charismatische Führernaturen, Platz (zur Not mit Gewalt freigeräumt), Explorationszwang in Mangelzeiten, nicht zu vergessen das Recht Steuern zu zahlen und als Soldaten spitze Dinger in Leute zu stecken, die einem noch nicht einmal vorgestellt worden sind …

    Jedenfalls sieht es immer gut aus, wenn man sich die Machtstruktur von oben absegnen lässt: Auserwähltes Volk, Kaiser von Gottes Gnaden, Pharaonenkrankheit, Göttersöhne …

    Es gibt ca. 200 Staaten aber 5.000 – 10.000 Religionen, je nachdem wie man Religion definiert und wie viele Anhänger eine Glaubensgemeinschaft braucht, um als Religion durch zu gehen.

    Fünf große Überbauten gibt es, die sich dennoch überlappen: Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus. Packen wir diese zusammen, kommen wir auf zwei Grundreligionen: Abrahamitisch und Karnationsreligion. (Hindus und Buddhisten glauben an Wiedergeburt, das Wort 'Karnationsreligion' habe ich vermutlich gerade erfunden)

    Vielleicht braucht es aber wirklich ein Zusammengehörigkeitsgefühl sakraler Natur um sich einer Gruppe anzuschließen. Gewissheit inklusive. Der verhängnisvolle Drang zur Unterwerfung. Jemanden anhimmeln. 'Anhimmeln' ist genau der richtige Ausdruck. Die Mächtigen wären doch blöde, wenn sie das nicht ausnutzen würden.

    Der perfekte Staat ist eine Illusion. Man kann sich ja trotzdem etwas Mühe geben. Aber die perfekte Religion ist qua Definition abartig.

  10. #10
    Chefchen Avatar von aerolith
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    Question Substanzproblem

    Vielleicht ist es einmal an der Zeit, die Fundamente des Islam zu analysieren, also v.a. der Frage nachzugehen, worin die Substanz des Islam liegt. Ist er eine Religion der Liebe? Ist er gar keine Religion, sondern eine Ideologie? Was macht ihn aus, was ist, um es philosophisch auszudrücken, Akzidenz, was Substanz?

    erstellt von n24:
    Angesichts der Anschlagsserie in Paris fürchtet der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, eine neue Welle der Islam-Feindlichkeit. "Im Moment herrscht in Deutschland wegen der Flüchtlingskrise sowieso eine sehr angespannte Situation, und rechtspopulistische Gruppen wie Pegida oder die AfD werden das für sich ausnutzen", sagte Sofuoglu der "Stuttgarter Zeitung". "Sie werden sich in ihrer Anschauung und in ihren Argumenten bestärkt fühlen und damit auch noch lauter in der Öffentlichkeit auftreten".

    Gleichzeitig forderte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, dass sich die Muslime in Deutschland und auch die muslimischen Verbände ausdrücklich gegen die Gewalt stellen. "Es ist an der Zeit, dass klare Worte gegen den Terror des Islamischen Dschihad formuliert werden", sagte Sofuoglu. Fehl am Platz seien nun besänftigende Sätze in der Art, dass der Islam im Grunde eine Religion des Friedens ist und solche Gewaltexzesse nicht gutheißt. "Wir Muslime müssen den Terror jetzt entschieden und für jeden laut hörbar verurteilen."
    Die Fragestellung scheint mir berechtigt, denn der IS beruft sich auf den Koran und vertritt die Auffassung, sein Islam sein der wahre, also die Substanz des Islam. Die Konsequenz aus dieser Untersuchung könnte lauten, daß der Islam verfassungsfeindlich ist, denn wenn die Tötung Nichtgläubiger zu seinem Wesen gehört, muß er als verfassungsfeindlich erklärt werden. Mit allen politischen Folgen. Sind diese Koranpassagen dagegen nur Ausfluß, also nebensächlich, wie wir es auch von Bibelpassagen kennen, muß die Theologie des IS auf dieser Ebene angegriffen werden.
    Was mich in diesem Kontext allerdings wundert, das ist das Fehlen eines theologischen Angriffs, also die Basisarbeit. Wie will man den Zustrom zum IS stoppen, wenn man diese Auseinandersetzung nicht geht und deutlich macht, daß die Auslegung des Korans (die an sich für Muslime verboten ist, nicht aber für Nichtmuslime wie mich) durch den IS keineswegs der Substanz des Koran entspricht? Oder hat der IS recht und legt das richtig aus und freundliche Moslems sind Akzidenz, tragen im Grunde ihres Herzens aber den Mord an Nichtmuslimen?

  11. #11
    Chefchen Avatar von aerolith
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    Religion als Basis des Menschseins

    Religion ist eine empirisch mit Bildung, kognitiver Kompetenz und Kriminalität korrelierte Variable. (Max Weber)

    Bedeutet: Sag mir, woran du glaubst und ich sage dir, was du kannst und wie du dich in Sozialverhältnissen bewegst.

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: Religion als Basis des Menschseins

    Zitat Zitat von aerolith Beitrag anzeigen
    Religion ist eine empirisch mit Bildung, kognitiver Kompetenz und Kriminalität korrelierte Variable. (Max Weber)

    Bedeutet: Sag mir, woran du glaubst und ich sage dir, was du kannst und wie du dich in Sozialverhältnissen bewegst.
    Die meisten Menschen glauben das, was man ihnen in ihrer Kindheit beigebracht hat. Über das Können und die Bewegung in Sozialverhältnissen, sagt der Glaube wenig aus.

  13. #13
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    dem widerspreche ich, streusalz. ich gehe hier mit herrn weber. der glaube ist die grundlage unseres sozialen handelns und sehr oft antriebsmittel zur entwicklung oder den verzicht zur entwicklung unserer geistigen fertigkeiten.

    das läßt sich anhand zahlreicher beispiele belegen, eben deshalb sprach der soziologe weber auch von empirie.

    die kindheit ist zur ausprägung des glaubens wichtig, aber sie ist nicht entscheidend, denn früher oder später kömmt jeder mensch in die entwicklungsphase, wo er sich entscheidet, ob er in den fußstapfen seiner ahnen bekannten wegen folgen möchte oder eigene wege sich bahnen will. vom entwicklungspsychologischen her behaupte ich, daß kindheitsmuster zwar wichtig, aber doch nur zweitrangig sind. glaube läßt sich nicht erzwiungen, aber ausprägen, systematisieren. ich kann nicht sagen: so und so, ich glaube jetzt das oder das. aber ohne kenntnis von glaubenssystemen (die meist in der kindheit begründet werden) kömmt der junge mensch gar nicht dazu, sich zu entscheiden.

  14. #14
    Chefchen Avatar von aerolith
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    Post AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    In den letzten Jahren wird öfter auf die GLEICHHEIT der Religionen hingewiesen, so ganz im Sinne, daß sie alle gleich wären, das gleiche bedeuten würden, die gleichen Grundsätze usw. hätten und am Ende alle zu dem selben Gott beteten.
    Dieser Synkretismus wurde schon ind er Aufklärung entlarvt, entlarvt als religiöser Indifferentismus, also letztlich Glaubenslosigkeit. Jeder Gott hat seine Besonderheiten, zuweilen sind es sogar substantielle Unterschiede, nicht einmal nur akzidentielle.

    Nehmen wir diese letzte Befragung holländischer Passanten:
    erstellt von RT:

    Radikale Aussagen aus dem Koran? Die Auflösung sorgt für erstaunte Blicke



    Mit einer Bibel als Koran getarnt, haben zwei niederländische Youtuber sich auf die Straßen begeben und Passanten radikale Aussagen vorgelesen, die die Tötung von Frauen und Homosexuellen sowie das das Abschlagen von Händen fordern. Die Auflösung am Schluß, daß die Aussagen aus der Bibel stammen und nicht aus dem Koran, sorgte für überraschte und erstaunte Blicke bei allen Befragten. Die Initiatoren wollen mir ihrer Aktion einen Beitrag gegen Vorurteile und Islamophobie leisten.


    Was soll uns Lesern hier vermittelt werden? Richtig: es soll keine Unterschiede geben. Aber genauso tendenziell diese Pressemitteilung ist, genauso muß hier das Wesentliche vom Zufälligen, Nebensächlichen getrennt werden. Bibel bedeutet nicht automatisch Christentum. Die Bibel ist ein historisches Buch, zusätzlich aber auch eine Sammelbüchse verschiedener Texte, die Konzile festlegen. Es gibt noch etliche andere Texte, die eventuell früher oder später einmal den Weg IN die Bibel oder die aogar aus ihr gestrichen werden. Unsere itzige Bibelfassung fußt weitgehend auf den Festlegungen auf den Konzil von Nikäa von 325.
    Die Bibel besteht aus zwei wesensverschiedenen Teilen, dem Teil des Vaters und dem des Sohnes, anders gesagt, aus dem Jehova-Teil und aus dem Christus-Teil. Der Jehova-Teil deckt sich weitgehend mit der Thora, also dem Judentum. Das Entscheidende aber des Christentums sind nicht die dem Judentum zuzurechennden Vorgeschichten, sondern eben das Wort Christi, der das Heil VON den Juden nahm, ihnen gewissermaßen wegnahm und es jedem Menschen zuwies, der an ihn, also Jesus, glauben könne.
    Das Christentum vertritt nur merschenteils das Dogma, daß Altes und Neues Testamnent eine Einzheit bilden würden. Richtig für diejenigen, die an einen Gott glauben wollen, der sich entwickelt und die eine Grundthese des Christentums, nämlich die Trinitätslehre annehmen.
    Dennoch, und jetzt kömmt das große Aber, findet sich im Neuen Testament keine im RT-Text angegebene Stelle, die Händeabschlagen oder andere Bestrafungen angibt. Diese Bestrafungsformen bleiben Jehova vorbehalten, einem Gott, der seine Schäfchen durch Strenge an sich binden mußte, um sie auf den Weg zu bringen, sein erwähltes Volk.
    Der Koran nun, noch einmal sechshundert Jahre nach Christi gelebt (geschrieben erst viel später, was problematisch ist) soll das Wort des Propheten wiedergeben. Hier gibt es keine Diskussionsmöglichkeit, keine Akzentverschiebung, keine Textentnahme oder Neueinstellung. Gott kann sich nicht entwickeln; diese Möglichkeit ist von vornherein benommen.

    Das eine also mit dem anderen zu vergleichen, ist hanebüchener Unsinn. Und schlichtweg falsch ist es, nun zu behaupten, das Christentum würde die gleichen Bestrafungsregeln wie der Islam verfolgen.

  15. #15

    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Ist die Sache des Volkes nicht schon verraten, wenn die Konkurrenz (im Auslegen der Bedeutung von Worten in Bücher) zu einer Situation führt, in der jede Staatsidee an unlösbaren Konflikten leidet und erkrankt?

    Eine allumfassende Erklärung spiritueller Texte ist aufgrund von Deutungshoheiten annähernd unmöglich. Eine allumfassende Erfahrung wäre nicht nur möglich, sondern nötig - dann wäre klar, dass Bestrafung kein Konzept einer entwickelten Ethik abbilden kann.

    Eine allumfassende Ethik als Fundament jeder Staatsidee wäre hilfreich und harmlos.

    Eine "allumfassende und allein existierende Religion" als Fundament von Staaten und ihren organisatorischen K.O.nglomeraten zu formulieren, schafft Konflikte. Es wäre derzeit kaum harmlos, noch hilfreich, eine identische Quellverbindung aller relativen Religionssysteme zu beweisen, auch wenn die Analogien der verwendeten Symbole es zuließen. Nur ein behinderter Gott bräuchte die Verteidigung seiner "Wahrheit".

    Unser jeweiliges nationales Ego erschafft fragmentierte Teilbilder, die in ihrer Ablehnung von allem, was nicht so ist, wie es sagt, dass andere zu sein hätten, seine "inneren UN-Werte" auf die Anderen überträgt.

    Es wird darum gestritten, mit welcher Deutung die Schuld im Außen begründet und gerechtfertigt werden kann. Schuld als Grundlage der Staatsidee in Form von regulativen äußeren Anpassungskonzepten entbehrt der inneren ethischen Haltung, dem liebevollen Gemüt. Ein Gemüt, das erkennt, in all diese Irrtümer auch einmal verstrickt gewesen zu sein.

    Suchen wir die Ursachen unserer Verstrickungen bei anderen Menschen, entstehen Konflikte als Wirkung.
    Suchen wir die Ursachen unserer nationalen Verstrickungen bei den Griechen, den Franzosen oder dem IS, entstehen dummerweise Kriege, für die unser Planet echt zu klein ist.

    Wenn sich die Staatsidee nicht an einer allumfassenden Ethik zu orientieren lernt, sind die scheinbaren Unterschiede zu groß, die jeweilige staatliche Souveränität noch zu erhalten. Für das Recht-Haben-Wollen im Streit um Worte und Symbole opfert sich die Staatsidee und verrät die Sache des Volkes.

    Statt staatlicher Druckwirkung könnte eine wirkliche Vision die Sogwirkung entfalten, die friedliche Koexistenz als Vorteil für alle erscheinen lässt und den endlosen Konflikten den Nutzen des Recht-Haben-Wollens entzieht.

    Statt Zweifel und Trennung zu zementieren, sollten wir die "verbundenen Sachen aller Völker" einmal als staatstragende Ethik akzeptieren.

    Kein Staat kann seine Elfenbeintürme noch auf isolierten Insel relativer Besonderheit aufbauen, religiöse Besonderheit ist insofern noch gefährlicher. Religiöse Besonderheit in Verbindung mit nationalen ideologischen Besonderheiten in bestimmten wirtschaftlichen Koalitionen und Konstellationen ist brandgefährlich.

    Grundfrage bleibt, ob gnadenlose Konkurrenz oder bedingungslose Kooperation die bessere Globalbewirtschaftungsvariante abbildet.

    Ein Streit um Worte ist immer die Abwehr, nicht selbst nachdenken zu wollen, sondern zu übernehmen, was von irgendwem, irgendwann in einem bestimmten Kontext über eine bestimmte Textpassage gesagt wurde. In funktionslosen Fragmenten kann kein gemeinsamer Kontext dauerhaft verfolgt werden, was die Grundfunktion des Staatskörpers, die Sache des Volkes, ausmachen sollte.

    Alle Konzepte müssen neu gedacht werden...

    Einem tobenden Irren gibt man eben recht, auch wenn er UN-Recht hat. Willst du gegenüber einem tobenden Irren mit Argumenten Recht bekommen, hast du automatisch Unrecht: Dieser IRRTUM ist derzeit seine Wahrheit aufgrund seiner Wahrnehmung. Kein Staat kann sein, was seine Bürger nicht sind. Die verbundenen Angelegenheiten eines sozialen Gefüges bedürfen einer Gesamtbetrachtung auf einem ethisch gefestigten Fundament.

    Daher: Ethik ist Fundament jeder Staatsidee.

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Zitat Zitat von aerolith Beitrag anzeigen

    Atheismus ist auch eine Religion. Nihilismus ist eine Religion. Sozialismus ist eine Religion. Nur die Gleichgültigen üben eine bewußte Verzichtsleistung, bilden aber keine Staatsidee aus. Liberalismus ist eine Religion. Pragmatismus ist eine. Vernunftglaube (sic!) ist eine Religion. Religion ist nämlich nichts anderes als die Annahme von Denk- und Handlungsvoraussetzungen, von Paradigmen. Jeder Mensch, der Denkvoraussetzungen akzeptiert, ist ein religiöser Mensch. Ich habe in meinem Leben bislang noch keinen ernsthaften Menschen kennengelernt, der auf Denk- und Handlungsvoraussetzungen verzichten konnte.
    Dem widerspreche ich. Religion ist der Glaube an Wirklichkeiten, die der wissenschaftlichen Erforschung nicht zugänglich sind. Ein Atheist ist, sofern er nicht irgendwelche transzendenten Seinssphären annimmt, kein religiöser Mensch. (Es gibt ja auch atheistische Buddhisten. Die sind religiös, weil sie an Wiedergeburt glauben.)

  17. #17
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Nein, Glauben basiert immer auf empirischen Erfahrungen, meist jedoch im Menschen. Wir glauben, weil wir wissen, was das Gute ist oder sein soll, weil wir Liebe erfahren haben und diese auf andere übertragen wollen. Glauben hat sehr viel mehr mit dem Willen als mit der NICHTZUGÄNGLICHKEIT, wie Du das nennst, zu tun. Der Glaube ist so alt wie die Menschheit, ich möchte behaupten, er ist älter als die Menschheit, eine ihrer Konstanten jedenfalls sicher.. Ein Atheist ist deshalb ein religiöser Mensch, weil nur die Gleichgültigkeit, nicht aber die bewußte Ablehnung, was ja den Atheisten kennzeichnet, entscheidend bei der Begriffsbildung ist. Indem der Atheist Gott ablehnt, gibt er ihn resp. seine Existenz zu. Andernfalls wäre er ein Agnostiker, also jemand, der an nichts glaubt, nicht einmal daran, daß er nichts glaubt, d.i. eine c.i.a., zugleich eine weithin gepflegte Wirklichkeitsbewältigung aller Schnurzel.

    In unseren vom Nützlichkeitsdenken geprägten politischen Zuständen täte es not, den Gedanken des Reiches zu entwickeln. Die Welt braucht ein Reich, keine Einflußgebiete oder Imperien. Das Reich ist kein Imperium, sondern ein auf Solidarität, Geborgenheit und Verantwortung basierender Gedanke, der sowohl Knechtschaft als auch Besitzergreifung als Mittel ablehnt, um zu seiner politischen Wirklichkeit zu gelangen. Ich sehe bei den gegenwärtigen Parteien keinen Impuls in diese Richtung. Sie verwalten oder kabbeln um Pfründe, sie entwickeln keinen Entwurf fürs Dasein, bleiben Mißgeburten der Not. Es fehlt ihnen an Glauben, daß es besseres geben kann als die schwarze Null am Ende des Geschäftsjahres. Es fehlt ihnen an Religiosität.

  18. #18

    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Zitat von Aerolith:

    "Nein, Glauben basiert immer auf empirischen Erfahrungen, meist jedoch im Menschen. Wir glauben, weil wir wissen, was das Gute ist oder sein soll, weil wir Liebe erfahren haben und diese auf andere übertragen wollen."

    Trifft einen wunden Punkt bei mir. Erstens denke ich Zeit meines Lebens, das Wort müsse doch "Religiösität" heißen, weil es das Heuptwort von "religiös" darstellen soll. Warum es richtig sein soll, es vermutlich als adjektiviertes Substantiv (?) zu sehen, dafür fehlt mir die Schulbildung. Es bindet sich doch nicht an das Tun, sondern an das sein SEIN. Die Anbindung an das Nicht-Sein ist es daher, wenn Religion als Mangeldenken formuliert wird.

    Das "Übertragen-Wollen" von Liebe ist ihr Wesenzug, ihre Eigenschaft und damit ihre Funktion - denn Gott ist Liebe und daher sind wir es auch.

    Wir sind, was wir suchen. Wir suchten nur dort, wo wir nicht (liebevoll) sind. Liebesleer gehen wir auf die Suche und SIND dann nicht, was wir vorher schon waren.

    Daneben: Betrachten wir die Definition von Religion im Sinne obiger Ausführung und beidseitiger Abbildung, wird ein Kontrast deutlich, der den Begriff "Ebenenverwechslung" selbsterklärend erklären könnte:

    Wir sehen die absteigende und die aufsteigende Betrachtungsweise.

    Einmal sind wir Mangelkonstrukt auf physischer Ebene, das versucht, aufzusteigen, aus der Enge und Dichte der Materie, indem es "überwindet" und sucht, was er sein wird, daher jetzt nicht ist.

    Aus der absteigenden Perspektive des sein Sohn SEINS, sind ja alle schon, was wir absteigend, also von oben, in die Materie tragen und dort verkörpern.

    Es könnte durchaus sein, dass sich beide Phasen, das SEIN und das Tun, zyklisch abechseln. Frage ist, womit wir beginnen: Sein und dann Tun?

    OD-ER Tun, um zu sein, was wir nicht mehr sind, weil wir sagen, es wäre noch zu suchen?

    Sowohl, als auch, statt Ja oder Nein?

    Mein monetäres Geschäftsjahr ist zwar mies, aber ist ja kein spiritueller Ewigkeitswert. Könnten diese "Wertigkeiten" - und ihre damit entweder auf-, oder absteigenden Betrachtungsfolgen nicht allein zu wenig sein? Würden wir einen Nicht-Strafenden Vater akzeptieren können, wäre es logisch, anzunehmen, dass Sein Wille für uns Glück wäre, nicht Strafe.

    Diese relative Unlogik des Strafdenkens ist in meinen Augen ebenso das, was Aerolith weiter oben mit dem Begriff Religion verbindet:

    Eine Welt, die ist, ist sie in uns wirklich und daher wirksam.

    Oder eine Welt, in der das Chaos regiert und die daher natürlicherweise als gefährlich, grausam und tödlich (für den Geist in der Materie) fürwahr wahr-genommen wird. Aber es war unsere Entscheidung im Geist und die kann berichtigt werden. Drehen wir es genau um: Und eine Welt, die scheinbar auf dem Kopf stand, wird sich klar, dass sie ist, was sie immer war, bis wir etwas anderes für möglich hielten: Nicht mehr zu sein, wie die Gedanken, die wir mit unseren Vater teilen. Es ist die Entscheidung für die Wertvorstellungen der Vergänglichkeit, die Aerolith im Grunde im Reich sucht, was jedoch inwendig zu suchen ist.

    Wenn etwas von Wert sein könnte, dann doch der "Ewigkeitsfaktor" im Grad der RE-Organisation bestimmter Denkgebäude, die dann die "innere Religionsanbindung" in das Außen spiegelt. Alle Gedankengebäude sind Zwangsjacken, wenn wir glauben, der DENKER zu sein.

    Wir wählen bestimmte Gedanken und damit bestimmte Realitäten. Ob jede Realität eine Wirklichkeit abbildet, ist semantisch in den unscharfen Definitionen verklärt.

    Was erzeugt wahrnehmbare Realität?

    Was erzeugt wahrnehmbare Wirklichkeit?

    Ist Wirklichkeit nicht das, was wirkt?

    Und Realität das, was wahrgenommen wird?

    Ist damit nicht wahr, was wir für wahr halten?

    Könnte es bedeuten, dass Wirklichkeit das Ergebnis von Wahrnehmung ist?

    Dann könnten Lügen keine Wirklichkeiten erzeugen, weil ihnen die Wahrheit fehlt...


    Ich nenn das ja immer gerne "die Kindersicherung für das Ego".

    Es kann Realitäten erzeugen, wenn sie für wahr gehalten werden.

    Es kann jedoch die Wirklichkeit nicht beeinflussen, die außerhalb seines Wahrnehmungsbereiches liegt.

    Was Du nicht für "wahr" hälst, kannst Du ja schlecht "betreten" und "er-kunden" WOLLEN.



    Im Grunde ist es die Lüge als wahrgemachtes Fundament jeder Staats- und Religionsidee, die sich derzeit selbst entlarvt.

    Die Wahrheit ist, was sie immer war. Wie könnten die Lügen in der Zeit einen Einfluss auf unsere inneren Ewigkeitswerte besitzen? Wir sind, was wir waren. Kein Problem.

  19. #19
    andere-dimension
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    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Die Antwort ist so einfach wie logisch.

    Ich sehe das ähnlich wie Robert Benjamin Illing, der folgendes sagte:

    Zitat

    Als Ursachen für die Entstehung von Religion gelten für Illing demnach:

    1.Unsere Angewohnheit, gedanklich immerzu nach den Ursachen für ein Ereignis zu fragen. So ist unser Denken beschaffen, sagt Illing. Wir stellen zwischen verschiedenen Ereignissen kausale Zusammenhänge her, auch wenn es sie gar nicht gibt.

    2.Unsere Angewohnheit, zu überlegen, was unser Gegenüber wohl denke, wolle, beabsichtige. Ständig stellten wir Vermutungen darüber an. Auch dieses eine Beschaffenheit unserer Art, zu denken.

    3.unsere Angst vor dem Tod.

    Der Neurobiologe sieht es so: Als sich der Mensch seiner selbst bewusst wurde und ein Verhältnis zur Zeit entwickelte, merkte er, dass er sterblich ist. Diese Entdeckung erzeugte Angst, sagt Illing. Und zwar eine Angst, vor der man nicht weglaufen konnte, wie vor wilden Tieren etwa oder anderen Bedrohungen. Dieser Angst konnten die Menschen mit ihrem üblichen Instrumentarium nicht begegnen. Also musste der Mensch einen anderen Weg finden, ihr zu begegnen.
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  20. #20
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    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Der christliche Gott ist Liebe. Andere Götter besitzen andere substantielle Eigenschaften. Jeder Mensch hat sein Gottesbild, sucht sich den ihm passenden Gott. Manche wechseln ihr Gottesbild und übertragen das auf den Gott, den sie glauben, anbeten zu müssen. Geld, Erfolg, Sex, Genialität, Achtungsgier...

    Der Gott der Molekularbiologen ist naturgegeben ein anderer als der der Astrophysiker und der wiederum unterscheidet sich von dem Gottesbild etlicher Freunde des grünen Waldes. Es läßt sich aber im Laufe der Jahrhunderte doch eine gewisse Konstanz beobachten: Es gibt grundsätzlich zwei Formen der Religiosität (das -ö- ist Kennzeichen des Lehnwort-Adverbs und verhindert die lautliche Angleichung zwischen g, i und o zu einem laschen jo; bei der Substantivierung kehrt die Wortbildung zur Grundform zurück, die ist nun mal religio und nicht Religiön, also Religiosität statt Religiösität; zudem schwingt hier die Ich-Einzahlform -o mit, die das Subjektive betont), die eine betont das Tremendum (die Furcht vor einem Gott), die andere setzt auf Einergebigkeit, also mehr auf den Güteaspekt. Jahwe ist ein Gott der Furcht, Allah eher der Furcht, v.a. aber der Unterordnung; Odin besitzt wieder andere Eigenschaften und Buddha ist ein Gott der Leere (meiner Empfindung nach), wenn ich Buddha als Gott definieren müßte, was ich schon mal für schwierig halte. Jesus ist ein Gott der Liebe, ganz eindeutig. Aber nicht nur. Die Substanz aber ist die Liebe und v.a. die Trinität.
    Was es nun an psychologischen, popularwissenschaftlichen oder pragmatischen Gründen gibt, einen Gottesbegriff für sich zu entwickeln, ist nebensächlich und berührt das Problem nicht, das da lautet: Religion als Fundament jedes Staatsbegriffs. Ob ich Gott jetzt erkenntnistheoretisch betrachte oder mich um Fragen seiner Beweisbarkeit kümmre, ist auch nebensächlich, denn wie will ich eine metaphysische Gewißheit physisch beweisen können? Unfuglich. Wer es versucht, muß scheitern. Der kann sich auch an der Quadratur des Kreises abarbeiten und wird scheitern. Es bleibt denjenigen, die da empirische Beweise einfordern, nur die Möglichkeit, sich als Atheisten zu bezeichnen. Aber sie verkennen darüber, daß allein die jedem Menschen gegebene Erfahrungsfähigkeit der Liebe - und damit meine ich jetzt nicht den Paarungstrieb - ein hinlänglicher Beweis für die Existenz des Guten ist und damit des christlichen Gottes. Daß Liebe allerdings sehr viel mit Unterordnung zu tun hat, spricht auch für die Existenz Allahs. Aber darüber muß ich erst noch nachdenken.

  21. #21

    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Machen wir nicht mit der Beschreibung das Gottes- oder Götzenbild?

    Alles ist es, wenn nichts entfernt wird.

    Nichts ist es, wenn alles entfernt wurde.

    Jede Beschreibung dann immer ein Bild, dem etwas fehlt?



    Aus Deiner Antwort werde ich noch nicht ganz schlau: Im Grunde geht beides, je nach Kontextbezug?

    Lehnwort-Adverb verstehe ich dabei wohl nicht.


    Und: Entsteht die Furcht vor Gott nicht im Angriff auf Ihn in der Mitwelt? Somit im Gewissen?

    Gewissen als vergegenwärtigte Gegenwärtigkeit und Furcht aus verdrängtem Angriff auf das Leben (Gottes im Gegenüber)?


    Was spräche gegen eine Definition des "Überall im All Seienden", solange nicht weniger bewiesen werden kann?


    Im Grunde könnten wir lediglich beweisen können, nichts ohne Bewusstsein beweisen zu können.

    Sprechen wir nicht von "Bewusstsein" als dem eigentlichen Fundament jeder Staatsidee?

    "Im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und dem Frieden in Europa und der Welt" steht wohl in der Verfassung.

    Nicht im Bewusstsein der Wichtigkeit von Handelsverträgen und Konzerninteressen, die gegen den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen handeln, und Handel über die Maßen aller Vernunft hinweg, zum Fundament der Staatsidee erheben.

    Ohne das Bewusstsein darüber, dass es global egal ist, wo die 65- bis 700-fache Schadstoffmenge ausgestoßen wird, sind globale Standards einzig Augenwischerei: Es ist das Bewusstsein in den Konzernen, an dem es hängt, ab wann die Überschreitung der Grenzwerte als Manipulation empfunden wird. Bei einem Bankraub wird auch nicht beurteilt, wie erfolgreich er verlief und das Verfahren unterhalb einer "Beutegrenze" eingestellt.

    Die "Beutegrenze" ist nach Verfassung der Bereich, in dem die Lebensrechte anderer beginnen, wirksam zu werden. Solange iwr es bestimmte Lebensrechte ausblenden, handeln wir daher im Prinzip gegen die bestehende Verfassung und zugleich unchristlich.

    Religio gelingt nicht, wenn wir Lebensrechte selektiv abwerten. Was spräche denn dagegen, sowohl "Religion", als auch Staat, in relative und absolute Bereiche zu trennen: Etwas, das in einer Prozessentwicklung befindlich ist und sich an etwas orientiert, das weiterhin ist, was es immer war?

    Weil, wohin sonst das Re- im Sinne von "zurück"?

    Jede Definition führt zur Unterscheidbarkeit von Unterschieden innerhalb einer Gesamtheit und besitzt fragmentierenden Charakter, wirkt als der Re-Ligion entgegensätzlich. Es kann daher in meinen Augen nur die Rückkehr in die Einheit mit allem, was ist, gemeint sein...

    Daher ist jede Definition nur unzulängliches und zeitweise notwendiges Hilfswerkzeug. Das Absolute kann nicht in Bilder gepresst werden. Unsere kulturhistprische Phase der "Bilderstürmerei" scheint sich andernorts zu wiederholen. Was das Eine ist, kann das Andere nicht sein.

    Erst im Erkennen der gemeinsamen Quelle wird eine Rückanbindung möglich. Grenzen sind dann unnötig. So, wie sich eine nationale Körperzelle als Fragment empfinden kann, ist diese Illusion ebenso dem Staate möglich. Vor den Wirkungen dieses Irrtums für das Lebenssystem schützt diese "Vogel-Strauß-Taktik" jedoch nicht.

    Würden sich alle Staaaten auf ihre Einbindung in ein natürliches Lebenssystem rückbesinnen, könnte die Grenze aufgehoben werden, die für die Lügen errichtet werden mussten. So hat sich der Staat als Fundament einer "Konzernidee" lange gewehrt, die Wahrheit anzuerkennen und doch entlarvten sich der Lügen kurze Beine ziemlich absehbar und letztlich unweigerlich.

    Handels- und Wirtschaftsinteressen sind nur ein Teil des Fundaments, auf dem die Quadratur des Kreises beruht. Kultur und Politik sind zwei weitere Säulen und doch wird alles getragen vom Bewusstsein. Leben als Fundament jedes Lebenssystems ist mit der Erinnerung an das natürliche Fließgleichgewicht verbunden. Leben kann nicht selektiv in "Religion" oder "Staat" aufgeteilt werden, eher ist es ein fließendes Gesamtereignis in einer wechselwirkenden Resonanzbeziehung. Die Quadratur des Kreises ist die Aufgabe der Lüge als gewähltes Mittel zur Manipulation der Mitwelt durch empathische Transparenz und gelebte, liebevolle Offenheit.

    Was wir jetzt an anderen Fragmenten einer Ganzheit beklagen, haben wir selbst offensichtlich einmal als Entwicklungszustand ebenso durchlaufen. Einzig wiederum nur ein zeitlicher Unterschied, kein absoluter und am Ende des Rückwegs unerheblich. Der Wunsch, Unterschiede zu definieren, impliziert und initiiert die Trennung, die eine Rückkehr notwendig macht.

    Ohne Definition bestimmter Vorstellungen gibt es keinen Grund, sich darüber zu streiten. In diesem Sinne teile ich die Auffassung, die im Islam über die Auslegungsformen der "Buchreligionen" zu finden ist. Es geht nicht darum, mit relativen Erklärungsversuchen in ihrer zeitlichen Veränderung ein statisches Konzept abzubilden, sondern es geht darum, nichts aus Allem auszuschließen.

    Gesamtheiten fließend zu betrachten, könnte daher einem Fundament einen stabilen Unterbau verleihen. Für die, die die Pläne nicht kennen, macht es Sinn, sich ausgiebig mit dem Fundament zu beschäftigen, da damit das Vertrauen in die Stabilität des jeweiligen Staats- oder Gedankengebäudes entweder wächst, oder als Pfusch entlarvt wird.

    Mal schauen, was die Grundlage unserer Staatsidee ab heute sein wird...

  22. #22
    andere-dimension
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    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Was soll das eigentlich sein, eine Staatsidee? Wurde jemals auf Basis einer Idee ein Staat gegründet?!? Die Staatsidee gibt es also gar nicht, dafür aber die Religionsidee...als Grundlage einer Staatsgründung. Ethnische Gruppen sind oft nichts anderes als Glaubensgemeinschaften. Das Gemeinschaftsgefühl basiert auf religiösen Sichtweisen...die wiederum bestimmen die eigenartigen Lebensweisen...was wir dann oft als Abgrenzung einstufen. Nichts vermag die Menschen so zu trennen wie die Religion es tut. Selbst den Hass heilt die Zeit...doch das Geschwür Religion scheint unverwüstlich zu sein. Doch das täuscht...wird benötigen noch ein zwei tausend Jahre Zeit, dann wird auch die Krankheit Glaube besiegt sein. Vom Primaten zum Modernen Menschen...dieser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen.

    Ein Gott macht noch lange keine Religion. Nicht Gott ist das "Problem"...sondern jene Menschen... die sich zu Stellvertretern Gottes aufspielen. Diese Despoten machen Gott erst zum Problem. Und da es so viele Ratten gibt, werden die Rattenfänger nicht aussterben. Wir suchen im Glauben etwas...das uns das Leben und den Tod erträglicher macht. Die Religionen versprechen für beides eine Antwort zu haben...befassen sich aber vor allem mit dem Tod. Das, was man der AfD vorwirft...das Spiel mit den Ängsten...haben die Religionen schon seit vielen Jahren perfektioniert.

  23. #23
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Das Suffix -ös ist typisch für eingedeutschte Fremdwörter, insbesondere welche aus dem lateinisch-französischen Sprachbereich: tendenziös. komatös, religiös, faszinös, malizinös... Bei der Substantivierung aus diesen Adverbien muß das -ö-gestrichen werden. Ich glaube, dieses -ös entstammt Wortbildungsprozessen aus der Frühneuzeit, als das Französische Modesprache war.

    Zur Staatsidee: Allerdings gab es das etliche Male in der Weltgeschichte, daß sich Staaten aufgrund einer Idee begründeten. Beinahe jede Nationalstaatbildung ist im Grunde so etwas, die Idee nämlich, Menschen gleicher (sprachlicher) Herkunft in einem Ganzen zu vereinen. Die andere Grundidee ist die, Menschen unter ein Grundgesetz, eine Rechtsordnung zu stellen. Eine dritte ist die unter die Formen der Religion. Wir Deutschen kennen alle diese Formen, haben sie alle durchlitten. Zur Zeit wird eine vierte Staatsidee exemplifiziert, die des Modell "Deutschland", wie es bereits 1990 von Frau Höhler beschrieben worden ist: besser, edler, freigebiger und offener zu sein als alle anderen. Die Idee des Sozialstaates für alle.
    Religion befaßt sich nicht vornehmlich mit dem Tod. Ich halte mich für einen religiösen Menschen, aber der Tod hat mit dem, was ich religiös nenne, nicht sehr viel zu tun, was wohl daran liegen mag, daß ich an das ewige Leben glaube. Der Tod verliert hier schnell seinen Schrecken. Wichtiger ist mir die Befasse mit dem moralischen Leben, ein Leben im Einklang mit meiner Natur, ein Leben in der Folge meiner Ahnen und die Weitergabe der Fackel, um es poetisch auszudrücken. Das ist für mich Religion. Schließlich halte ich mich nicht für klüger als meine Ahnen und meine Kinder, bei aller Aszendenz, die doch unverkennbar ist, für nicht klüger als mich - obgleich... It was good enough for my grandpa, it is good enough for me.


  24. #24

    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Ein-Ende Fragen:

    1. Wie wäre der Versuch zu werten, Frankreich nach der Revolution zwangsweise mit einer "Staatsreligion" zu beglücken?

    Gut auf einer Frage kann kein Staatsgebäude stehen:

    2. Wieweit ist eine Trennlinie zwischen Staat, Religion und Gesellschaftsbild (als Prozessentwicklung seit 1789) überhaupt praktisch denk- und umsetzbar, und was wäre die Synthese, wenn keine wirksame Trennlinie in einem verwobenen System aus Lebenssystemen erkannt werden kann?

    Hierzu wäre dann der Verweis auf den Kurs unter Buchvorstellungen und der heutige Beitrag einzubeziehen.

    Ohne ein Leben im Einklang mit allen Systemen wird es immer Spnnungen geben, die ein "Überdruckventil" erfordern. Im Gesamtkontext des Heute wäre dann zu fragen:

    3. Was wollte der Prozess der (R)Evolution werden, bevor wir die Entwicklung (offens[t]ichtlich) wieder zu etwas "verzerrten", was wir NICHT beabsichtigten?

  25. #25

    AW: Religion als Fundament jeder Staatsidee

    Die vierte Gewalt ist die Transparenz. Ein möglicher Aspekt wird im "Kurs" angesprochen. Mit Querverweis auf die "Christus-Matrix" und "Ehe, Treue, Partnerschaft"

    Ach ja, eventuell sollte ich mal darauf hinweisen, dass die zeitliche Abfolge der Beiträge die Lücken zwischen den Zeilen ausfüllen könnte.

    Am Ende steht die Suche nach einem Lebenskonzept auf dem Stundenplan, dass sich im Innen und im Außen zu freudigem Erlebensräumen entfaltet.

    4. Frage daher:

    Warum beinhaltet Transparenz (,also die Aufhellung des Trüben durch zunehmende Vollkommenheit der Infrohmation,) die Möglichkeit, das globale Gewaltmonopol aufzulösen und damit Steuerungsfähigkeit zu gewinnen?

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