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Thema: Was ist Kunst?

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Was ist Kunst?

    Am Samstag trafen sich, wie an anderem Ort zu lesen ist, Forumsteilnehmer in Augsburg. Angeregt durch die Diskussionen an diesem wunderschönen Abend melde ich mich hier zurück und möchte einen Text zur Diskussion stellen, der mir einerseits sehr am Herzen liegt andererseits ein Beitrag zu den abendlichen Diskussionen sein soll. Die Überschrift dazu lautet: Was ist Kunst? Nachfolgend möchte ich einen Essay hier einstellen, der sicherlich einige Leseanstrengung erfordert. Insgesamt besteht er aus 18 Punkten und zwei Exkursen. Um hier eine Diskussion zu entfachen und nicht zu schnell zur Lese-Ermüdung zu führen, stelle ich den Essay in mehrer Teilen ein.
    Mit Robert diskutierte ich an besagten Abend seine Ideen zu seinem Manifest. Das Nachfolgende soll mit ein Beitrag hierzu sein. Die Begegnung mit einem Augsburger Bildhauer und dessen Ansichten führte bei Hannemann zu kunsttheoretischen Annahmen. Implizit vertrat er die Ansicht, Kunst müsse zur Harmonie führen. Interessante These. Ich dachte nachträglich noch viel darüber nach, und will mit diesem Essay auch hierfür einen Diskussionsbeitrag leisten. Es würde mich freuen, wenn wir das Thema hier für uns entdecken könnten.
    Soviel zur Vorrede.

    Gruß
    Hagen

    PS. Nochmals Danke an alle Besucher, die in Augsburg das Kulturleben bereichert haben. Es hat mich tief gefreut, Hannefrau, Hannemann und Robert mal die Hand zu drücken und damit den Weg aus der Digitalisierung gefunden zu haben.

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Was ist Kunst?

    Erkenntnis und Kunst


    1.
    Das Objektive ist die Voraussetzung für die Annahme einer Voraussetzung, wobei die seiende Empirie eine Wirklichkeit darstellt, die durch die Wirklichkeit der Voraussetzung der Objektivität entwickelt werden muß.


    2.
    Aus der Erkenntnis heraus, daß die Vernunft notwendigerweise dem statisch-logischen Prinzip unterliegt und daß das empirische Sein als solches, dem dialektischen Entwicklungsprinzip gehorcht, folgt daraus, daß die Richtlinien zum Handeln (Ethik) in der Empirie nur in der Vernunft zu finden sein können und nicht selbst in der materiellen Basis, da es der Vernunft immanent ist, einer Nichtbewegung, oder besser, der Zeitlosigkeit unterworfen zu sein und daher sich der Anspruch auf Allgemeingültigkeit der in der Vernunft ursprünglich dunkel wohnenden Kräfte ableitet. Das Lichtwerden dieser Regeln erreicht man durch einen Bewußtwerdungsprozeß.


    3.
    Die Dialektik kann nur im materiellen Sein verifiziert werden, da sie sich dort ausschließlich zur Geltung bringt. Sie selbst kann nur durch das Denken reproduziert und reflektiert werden, gehört damit zum statisch-logischen Prinzip des Denkens. Die Dialektik ist damit die geistige Reflexion des Materiellen, da sie dort als sich Bewegendes existent ist. Damit wird der Zirkel vermieden, die Dialektik mit der Dialektik begründen zu müssen.


    4.
    Das Kunstwerk, das es hier näher zu bestimmen gilt, enthält beide Formen des Seins in sich, so daß das Kunstwerk selbst eine Brücke ist von seiendem Materialismus, der sich, wie oben skizziert, dialektisch entwickelt, zur geistigen Sphäre, die immanent logische Realität besitzt. Damit besteht das Sein aus einer materialistischen Grundlage, die mit dem geistig Unendlichen verbunden ist und daher eine übergreifende Einheit ergibt.


    5.
    Das Kunstwerk ist Seiendes, von Menschengeist und -hand hervorgebrachtes, also Konstruiertes und im Verstand Erdachtes, Entwickeltes. Dem Kunstwerk wohnen deshalb beide Formen menschlichen Seins inne. Dies ist eine Voraussetzung des Seienden, was jedem Seienden, das auch nicht ursprünglich Seiendes war, immanent ist. Daraus leitet sich eine grundlegende Dualität ab: erstens, das Seiende, das ursprünglich unabhängig vom Sein des Menschen ist und zweitens, das Seiende, das durch den Menschen zum So-Seiendem wurde. Im durch Menschen entstandenem Seienden, man kann es Entwickelt-Seiendes nennen, steckt die Arbeit des Menschen, wobei die Arbeit immer geistiger und materieller Natur ist.


    6.
    Nachdem in jedem Produkt menschlicher Arbeit, sowohl geistige als auch materiell formende Tätigkeit enthalten ist, stellt sich die Frage, durch welches Element sich das geschaffene Kunstwerk vom gewöhnlichen Produkt abhebt?
    Man muß sich bewußt sein, daß Kunst immer eine Reproduktion bereits bestehender Sachverhalte und deren Struktur ist, wobei nicht von vornherein diese Abbildung offensichtlich ist.


    7.
    Die Abbildungstheorie erhielt im Laufe der historischen Entwicklung immer neue Qualitäten. Bedingt durch das historische Bewußtsein und der bedingt zeitlichen Endlichkeit des Individuums transzendiert es sich durch Kunst. Kunst impliziert somit ein Element subjektiver Transzendenz und Intersubjektivität. Voraussetzung dafür ist jedoch die Identität von Idee und Realisation. Die Geschichte der Menschheit ist gleichzeitig immer auch als ein weiter fortschreitender Prozeß der Entfremdung des Individuums von seiner Reproduktionsbasis aufzufassen. Doch die Kunst als Funktion der Reproduktion bildet hierbei ein Ausnahme, wobei, nachdem diese Differenz sich nicht in der Subjekt-Objekt-Beziehung von Wesen und Existenz artikuliert, es seine Entfaltung im Produkt selbst findet. Das wiederum bedeutet nichts anderes, als daß sich die wahrgenommene Differenz in das Kunstwerk selbst verlagert. Das Kunstwerk impliziert somit a priori die Widersprüche der Realität unter der Voraussetzung der Identität von Idee und Realisation derselben. Die Basis für die objektive Transzendenz liegt somit in den Widersprüchen der Wirklichkeit. Da diese dialektisch sich bewegenden Widersprüche nur das materielle und gesellschaftliche Sein betreffen und in der Ideenwelt die Vernunft als Prinzip der Identität besteht, entfaltet sich im Kunstwerk die Vernunft, da eben die Identität von Idee und Realisation vorausgesetzt wird.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Post AW: Was ist Kunst?

    Bevor ich auf diesen Text (ich muss zugeben, dass ich nicht einmal den 1. Abschnitt verstanden habe, aber vielleicht kommt das noch) eingehe, den wir vielleicht in die Philosophie verschieben sollten, ist hier ein Link zu dem erwähnten Augsburger Bildhauer Claus Scheele, der dessen Kunstauffassung vielleicht etwas deutlicher werden lässt:
    www.bildhauer-scheele.de


    Es sind bei den "freien Arbeiten" die sog. "altersaggressiven Plastiken", die Hannemann anregten, über Harmonie und Seele (!) eines Kunstwerkes nachzudenken.


    Scheele hat auch einen theoretischen Text verfasst, der "Trilogie des Ordnens" heißt und eine Zusammenfassung seines Denkens ist. Dort schreibt er u. a.:
    "Das abstrakte Denken ist ein unverdientes Geschenk der evolvierenden Natur an den immer schneller werdenen "Homo sapiens sapiens". Diese Fähigkeit ist beim gesunden, normalen Menschen latent vorhanden; um dieses große Geschenk allerdings voll ausschöpfen zu können, muss es eingeübt, immer und immer wieder geschult werden. Was gibt es in einem kurzen Menschenleben Größeres zu erfahren, als die ganze Denkfähigkeit bewußt erleben zu können, über die angebotenen Inhalte hinauszudenken, zum "freien" Denken vorzustoßen, die wahre, menschengegebene "Freiheit" in sich selbst zu finden? Nein, es gibt nichts Größeres!"
    (c) Claus J. Scheele, Auszug aus Werknummer 229


    Ich werde ihn fragen, ob ich an dieser Stelle noch mehr daraus zitieren kann.


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Was ist Kunst?

    hagen, vergiß es!

    ich habe es bis zu punkt 4 versucht. ergebnis: bahnhof.

    so versuch ich dieses ganze kunstgedöns mal aus meiner sicht zu kommentieren. die frage ist bei mir eher: will ich kunst? weißt du, hagen, ich bin ein einfacher mensch. wenn kunst nur unverständliches kauderwelsch enthält, kann ich darauf verzichten. naive frage (weil ich eben nicht weiß, was kunst ist): ist shakespeares "romeo & julia" kunst? wenn ja, dann will ich sie. was finde ich so toll daran?

    1. sie ist einfach. ich verstehe es.

    2. sie ist eine wunderbare liebesgeschichte. sie berührt mich. läßt mich weinen, lachen, ist spannend, bringt mich zum nachdenken...

    3. sie enthält EINFACHE sätze, die einen zum nachdenken animieren, über liebe, krieg, freundschaft, feindschaft...

    ich betone immer wieder die einfachheit, in der hoffnung, daß es nicht mit oberflächlichkeit gleichgesetzt wird. eine geschichte soll meine oma (nur als beispiel)fesseln, die nicht DAFÜR 500 bücher vorher lesen muß. das heißt nicht, daß man, auf einer zweiten ebene vielleicht, weitere aspekte hinzufügen kann, die nur interessant für leute mit spezialwissen sind. aber die geschichte muß so funktionieren.

    tut mir leid, wenn ich nur übers schreiben rede, aber mit bildhauerei oder malerei kenne ich mich nicht aus (noch weniger mein ich). solln sich bildhauer und maler darüber gedanken machen.

    ich versuch mich dennoch morgen nochmal an deinem text.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Was ist Kunst?

    Guten Abend TT,
    danke für Deinen ersten Eindruck. Ich bin Dir dankbar für Deine Anmerkungen, möchte jedoch darauf hinweisen, daß Deine Kritik nicht unbedingt ein Argument trifft, das ich vorgebracht habe. Ich behaupte in den bisher dargestellten Punkten nicht, daß ein Kunstwerk komplex und/oder unverständlich sein muß. Dadurch, daß der Text schwer verständlich ist, ist ein Schluß darauf, daß ein Kunstwerk nur dann eines ist, wenn es unverständlich ist, ist falsch. Ich argumentiere dahingehend, daß ich Kriterien aufstelle, die Kunst von "Nicht"-Kunst diskriminieren. Nicht mehr und aber auch nicht weniger. Erst später werde ich erörtern, wie ein Kunstwerk beschaffen sein muß. Dann können wir erneut Deine Argumente aufnehmen. Eine Forderung von Dir ist, daß Du als Anspruch an ein Kunstwerk "die Einfachheit" stellst. Ist ein interessantes Argument. Wir werden später darüber diskutieren können, wenn der Text vollständig ist und mein Gedankengang zu Ende geführt wurde. Ich hoffe, daß Du den Weg, trotz Bahnhof weiter gehen wirst. Es würde mich freuen.


    Zu Klammer:
    Ich danke Dir für den Hinweis auf Scheele und die Konkretisierung. Deine Anmerkung, schon den ersten Punkt nicht verstanden zu haben, ignoriere ich einfach. Es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Also löffle daran, irgendwann schmeckt die Suppe schon.


    Gruß Hagen

  6. #6
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    Question AW: Was ist Kunst?

    Impulse?
    Schön, Hagen, wieder von Dir zu lesen.


    Zu meiner Augsburger Aussage doch gewisse Einschränkung:
    Das Werk: Baustahl-Gewebe, mittig gebündelt, himmelwärts mit dünnen Drähten Rasierpinsel-schwebend, Blechglöckchen-behangen, suchend nach Wind und seiner Energie, ihm mit Bewegung und Klang folgen zu dürfen.
    Mein erster Eindruck: Es sei! Singen von Stahl und silbernen Glöckchen gehören dem Wind und seiner Harmonie, Material strebt nach Gehorsam.
    Falsches Material, Disharmonie. Es, die Kunst, tönte nicht, ärgerte mich mit aggressivem unmelodischem Verhalten. Und der Schöpfer sprach von der Seele schlechthin als unnötige Vergangenheit.
    Da bin ich auf seine Kunst reingefallen, habe mich für meine Seele gewehrt, alle in der frohen Runde kunstvoll niedergebabbelt.
    Am nächsten Morgen erinnerte ich mich des Mottos: Altersaggressive Plastiken!, und Klammer erzählte mir noch etliches, Gründe des Werdens, über den Künstler.


    Nun, da ich ein wenig weiß und bevor ich mich durch Hagens Fragestellung lese, sei mir gleichfalls eine Frage gestattet: Was wird von einem bezüglich der Vorgeschichte Unwissenden verlangt? Muß nicht ein Kunstwerk so mächtig sein, ohne jegliche Erklärung für sich zu sprechen?


    Wir hatten schon das Thema Kunst. Aber immer wieder gerne!

  7. #7
    rodbertus
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    Question AW: Was ist Kunst?

    In der Tat, das müßte es. Doch nicht jedes Kunstwerk.

    Verwirrt?

    Ich glaube nicht an die Notwendigkeit einer kontextuellen resp. nichtkontextuellen Rezeption. Das sollte kein Fragepunkt dafür sein, ob etwas Kunst ist.

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Was ist Kunst?

    Das Thema ist von Arthur C. Danto in "Die Verklärung des Gewöhnlichen" gut abgehandelt. Ebenso von Nelson Goodman in "Sprachen der Kunst".
    Ich denke, darauf muß man aufbauen, oder?

    mich wundert, daß Ihr mit einem Künstler über dieses Thema gesprochen habt (oder habe ich etwas falsch verstanden). Künstler machen sich normalerweise wenig Gedanken darüber "was Kunst ist". Sie machen sie. Vor allem gute Künstler. Die Theorie überlassen sie den Kritikern und Philosophen. Und, auch wenn jemand noch so gut erklärt, was Kunst ist, kann er sie dennoch nicht machen. Es scheint wie mit dem Kochen zu sein. Ein Funke Magie. Der sich vielleicht auch erklären lässt, aber nur wenigen Künstlern vorbehalten ist. Es hat viel mit dem Begreifen der Zeit zu tun, dem Empfinden dafür, was wichtig ist. Daraus Essenzen zu gewinnen, das ist Kunst. Kunst ist Verlangsamung, den Augenblick der Ewigkeit zu öffenen. Kunst ist Reduktion. Nur noch das Wesentliche darf bleiben. Sie muß Dinge enthüllen, Sichtweisen, Gedanken. Darum muß sie auch verstanden werden, nicht nur empfunden. Und der Sinn für Schönheit ist der schlechteste Ratgeber.
    Sag ich jetzt mal so. Aber ich habe es im Augenblick auch mit der Langsamkeit.

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Was ist Kunst?

    Original erstellt von hagen:
    ...da es der Vernunft immanent ist, einer Nichtbewegung, oder besser, der Zeitlosigkeit unterworfen zu sein und daher sich der Anspruch auf Allgemeingültigkeit der in der Vernunft ursprünglich dunkel wohnenden Kräfte ableitet.

    diese aussage, so evident sie klingen mag, mr. hagen, hätt ich gerne ein wenig erläutert. zumal wir es hier mit einem ansatz zu tun haben, der eine gewisse objektivität zu begründen vermag, letztlich.


    Mr. Jones

  10. #10
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Was ist Kunst?

    Kyra, Du erwartest jetzt nicht, daß ich mir besagte Bücher besorge!? Stell doch, liebe Galeriemauß, einen besorgten Auszug ins Forum, damit ich tumber Lesemuffel nicht zweihundert Seiten lesen muß, um zwei Sätze zu gewinnen.

  11. #11
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Was ist Kunst?

    Du bist gut, es sind eher 500 seiten. Mal sehen ob ich es irgendwo als pdf finde, bzw. eine Zusammenfassung. Ich kann das nicht selber zusammenfassen, weil es so die Ränder meines Verstehenkönnens berührt.


    hier geht es um Netzkunst http://screenshock.com/theory/kmdipl/netzk3-1.htm

  12. #12
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Was ist Kunst?

    erstellt von Harald Seubert: Das Verhältnis von Verweisen und Bedeuten - meine Damen und Herren -, das mir als Thema gegeben ist, ist ein sehr philosophisches Thema. Wer verweist und bedeutet, das ist zunächst in der griechischen Mythologie der Gott Apoll. Sein Orakel deutet an. Es ruft in der Andeutung zum Selbstdenken, zum Selbsterkennen. Apoll wurde der Gott der Philosophen -, schon aus etymologischen Gründen - A-pollon ist das Nicht-Viele. Und der Philosoph soll sich nun ja nicht an das Viele der Erscheinungswelt halten, sondern an das Nicht-Viele oder Eine der Ideen. Apollon ist dann, wie Sie wissen, auch der Gott der Schönheit. Doch ist zwischen Denken und Sinnlichkeit eine Kluft und der Begriff des Sinnenbewußtseins versteht sich so von selber nicht, zumindest nicht für den Philosophen. Denn was kommt da zu Bewußtsein, wenn die Sinnlichkeit spricht?
    Oftmals sind es die Erstdefinitionen, die man bei einem Text betrachten sollte. Harry definiert Apollon als Nicht-Vielen. Quark. Es bedeutet ursprünglich der DUNKLE, der Nicht-Helle. Das ist ein Witz, sicherlich. Er ist aber nicht der Gott der Schönheit, sondern der des Lichts, mutiert durch den Paradigmenwechsel, der durch die Einwanderung der Germanen in Griechenland, mithin mit dem Wechsel vom Mutterrecht zum Vaterrecht vor sich ging. Apollon ist älter, viel älter als andere Gottheiten, beinahe so alt wie Demeter, die wohl die älteste von allen ist. Apollon ist der Mäusekönig, der im Boden wohnt und dort dem Kot regierte.
    Delphi ist auf altem Grund erbaut; Apollon zufällig angestoßen, dort zu walten. Aber es ist auch nicht Apollon, der andeutet, sondern die Pythia, eine Frau. Sie deutet aber nicht Apollon, sondern Gott, also alle. Apollon liebt es, sich zu verbergen, oder nicht?
    Kunst liebt es, sich hinter der Form zu verstecken, aber durch die Form nehmen wir Inhalte auf, die unter unserem scheinbaren Selbst liegen. Darin liegt das Wesen der Kunst. Das ist das Bedeutsame, das Hindeuten des Künstlers; und, hier wage ich einen entschiedenen Fingerzeig zu geben: Viele Künstler wissen nichts um ihre metaphysische Bedeutsamkeit, aber sie modeln und schauen in Abgründe, denen sie Facon zu geben imstande.


    Grundgedanke wurde von Harry erkannt: Etwas für den Nietzsche-Ordner:
    erstellt von Harry: Tatsächlich meint Wille zur Macht aber, in jenen Abgrund zu blicken, in das Ungewisse zu blicken und von ihm her nach vorn zu sehen, Künstler seiner selbst zu werden und dem ins Gesicht zu sehen, daß wir allenfalls Illusionen der Gewißheit gewinnen, Beschreibungen unserer Lage gewinnen können, nicht die, ein für allemal zeitenthoben gültige Objektivität. So hat er um Form gerungen, wie . . . im Leben und in der Dichtung.
    Diese Interpretation sollten sich all jene hinter die Ohren schreiben, die aus Nietzsche einen Prä-Nazi machen wollen. WILLE ZUR MACHT bedeutet eben diese Selbstüberwindung, eine ästhetische, keine politische Selbstüberhebung. Wer Nietzsche politisch - hier im Sinne imperialer Machtkorrepondenz - reklamiert, der kehrt seine Intention um, hat nicht verstanden oder ist ein Demagoge.

  13. #13
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Was ist Kunst?

    Guten Abend, alle miteinander.
    Es freut mich, daß Ihr so angeregt diskutiert und auch gleich die zeitgenössische Philosophie ins Spiel bringt. Um es ganz ehrlich zu sagen, ich würde lieber über meinen Text diskutieren, als über die angebotenen Texte der Philosophen. Ich verstehe das Forum so, daß man seinen eigenen Text zur Diskussion. Sicherlich sind dabei Querverweise auf andere Literatur hilfreich oder auch interessant, aber nicht als ausschließliches Thema, ansonsten hätte ich das Thema auch ohne eigenen Text eröffnen können. Also ich wäre für trennen. Ich möchte mich jetzt nicht zu Danto und Goodman Stellung nehmen, sondern sukzessive meinen Text erweitern.


    Zu Mr. Jones: Deine Aufforderung ist absolut berechtigt, weiß aber nicht, wo ich anfangen soll, um diesem gewaltige Thema gerecht zu werden.

    1. Ich orientiere mich an Kant und der kritischen Nachkantianischen Philosophie.
    2. Eine weitere Objektivierung der Vernunft sehe ich im Ansatz der transzendentalen Sprachpragmatik eines K.O. Apel.

    Laß mich wissen, in welche Richtung wir gehen sollten?


    Gruß Hagen

  14. #14
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    AW: Was ist Kunst?

    mein thema: stillstand vs. bewegung. zeitlosigkeit.
    ich lausche, wo jemand was zu sagen hat dazu. ich kenne aber noch nicht die richtige richtung. mein wegweiser dreht sich im wind. ich weiss nur, ich lausche, wenn du etwas zu sagen weisst dazu.


    dear greetings,
    Mr. Jones

  15. #15
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    AW: Was ist Kunst?

    Original erstellt von hagen:
    [B]Erkenntnis und Kunst


    1.
    Das Objektive ist die Voraussetzung für die Annahme einer Voraussetzung, wobei die seiende Empirie eine Wirklichkeit darstellt, die durch die Wirklichkeit der Voraussetzung der Objektivität entwickelt werden muß.

    Kunst ist Annulierung klischeehafter Denkungsweisen.


    "Das Objektive ist die Voraussetzung für die Annahme einer Voraussetzung." ist so ein Klischee. Gehe ich recht in der Annahme, Du führst nicht auf das Glatteis, möchte ich aus meiner Warte des Kunstverständnis die Notwendigkeit des Subjektiven anmerken, das Empfinden. Empirie, Erfahrung, dagegen ist individuell, ist subjektiv. Erfahrung ist nicht zwangsläufig Wahrheit, ich füge sogar meine Überzeugung dazu: Es gibt keine Wahrheit, es gibt nur Meinung.
    Ersetze das Objektive durch die Mitte, und wir wären uns in der Auffassung obengestellter Frage näher. Kunst ist jedoch auch immer wieder Verlust dieser Mitte. Den Künstler treibt es weg aus allen Mitte-Bezügen, aus gesellschaftlichen-menschlichen Bedingtheiten. Er löst sich auf in seiner exzentrischen Suche, er katapultiert sich in die Leere eines eigenen Weltraums links und rechts vom Mitteraum, er ringt, diesen Raum mit aus sich geschaffener Subjektivität zu füllen. Mag durchaus sein, der Künstler verbleibt mit diesem Ringen gegen jede Empirie in seinem gewählten Endzustand, im Niemandsland seines subjektiven "Horror Vacui".
    Habe ich Deine erste These überhaupt richtig verstanden - die Stunde ist spät -, wäre sie wohl widerlegt. Habe ich nicht, war es zumindest ein schönes Kunst-Gebabbel.


    Könnte unter besseren Umständen fortgesetzt werden.

  16. #16
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Was ist Kunst?

    8.
    Um Kunst und deren Zielsetzung zu erkennen, ist Vernunft als das höchste notwendige Prinzip vonnöten. Dies wiederum setzt ein Interesse an der Vernunft voraus. Nur wenn das Interesse an der Vernunft es ermöglicht, die Vernunft zu immunisieren, dann ist der Mensch fähig, fern von anderen zielgerichteten Interessen, Kunst hervorzubringen. Die Vernunft ist weiter die Brücke zur Intersubjektivität. Nur dadurch, daß für alle die gleiche Vernunft gilt, ist es möglich aus der individuellen Isoliertheit in gesellschaftliche Verständigung zu treten. In diesem Sinne reflektiert dies auch auf das Verhältnis von Künstler und Kunstwerk zurück. Es konzentriert sich im Kunstwerk die Identität von Idee und Realisation. Der Umkehrschluß, daß ein anderes Interesse als das des vernunftgeleiteten Interesses das Handeln in der Kunstwerkvollendung prägt, verhindert die Entstehung eines Kunstwerkes. Davon unbelastet bleibt jedoch, inwieweit das Bewußtsein um die Vernunft vorherrscht oder nicht. Dadurch, daß Vernunft nicht bewußt ist, heißt noch nicht, daß die Vernunft nicht zur Anwendung kommt. Bewußtheit ist eine flankierende Maßnahmen zur Realisation, aber keine notwendige Voraussetzung.


    9.
    Der Ursprung einer Idee und ihre konkrete Erscheinungsform in einem Medium hat sich im Laufe des historischen Prozesses immer weiter, bis hin zur Unkenntlichkeit entfremdet. Dies bringt die Konstitution der Weltgeschichte mit sich: Die Aufklärung als ein fortschreitender Prozeß wirkt der Mythologie entgegen, so daß in der begrifflichen Apparatur (Sprache und Wissenschaft) eine unentwegte Differenzierung stattfindet, die einfache Strukturen zugunsten immer undurchsichtigerer opfert. Der Grund für diese Entwicklung ist in der Autonomisierung zu suchen, sowie ihrer mangelnder Koordination. Die Welt wird daher konstruktiv anonymer, obwohl sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse zunehmend erweitern und verfeinern. In allen Bereichen, außer der Kunst (vgl. Abschnitt 7 und 8), klafft eine Lücke zwischen Ideenproduktion und Ideenrealisation, da die Identität von Denken und Ausführen zugunsten industrieller Produktionsprozesse geopfert wurde. Dem Verhältnis zwischen Individuum und Wirklichkeit kann sich der Künstler nicht entziehen, da er ein Produkt seiner Gesellschaft ist. Daher kann er eine anonym strukturelle Gesellschaft nur als solche wahrnehmen und das ist auch schon mehr als gemeinhin gesellschaftlich vorausgesetzt werden kann, da gerade die Geltungsanspräche der Machtausübenden daran sich manifestieren, dieses Bild zu zerstören. Die Welt der Macht übt sich deshalb darin, das Instrument, das ihr zur Verfügung steht, meisterhaft einzusetzen. Somit setzt sie die modern anmutende Massenkultur gegen den Anachronismus der Kunst. Die Kunst ist deshalb anachronistisch, da sie sich im Herstellungsprozeß der gesellschaftlichen Entwicklung entzogen hat. Die ursprünglich bestehende Identität von Schaffenden und Geschaffenem ist zerbrochen, die Kunst hat sich diese Art der Schöpfung als Refugium erhalten. Einer scharfsinnigen Analyse unterzogen Horkheimer und Adorno die Massenkultur in ihrem Werk "Dialektik der Aufklärung": "Das Moment am Kunstwerk, durch das es über die Wirklichkeit hinausgeht, ist in der Tat vom Stil nicht abzulösen: doch es besteht nicht in der geleisteten Harmonie, der fragwürdigen Einheit von Form und Inhalt, Innen und Außen, Individuum und Gesellschaft, sondern in jenen Zügen, in denen die Diskrepanz erscheint, im notwendigen Scheitern der leidenschaftlichen Anstrengung zur Identität. Anstatt diesem Scheitern sich auszusetzen, in dem der Stil des großen Kunstwerks seit je sich negierte, hat das schwache immer an die Ähnlichkeit mit anderen sich gehalten, an das Surrogat der Identität. Kulturindustrie endlich setzt die Imitation absolut."
    Mehr noch, sie firmiert sich um im Namen der Kunst und Kultur und produziert sich als organisierte Ideologie. Doch dies zu durchschauen, wird massiv durch den wohl organisierten Staat weitgehend verhindert, jegliches Bewußtsein wird durch die sich selbst reproduzierende Einfalt eliminiert. Der Kunstersatz dringt in das Bewußtsein, wurzelt sich fest und erhebt sich zum Maßstab für die Kritik. Die Methode, um auf die Ausgangsthese zurückzukehren, bedient sich der Mittel, die einer Ideologie gleichkommen. Es wird die Diskrepanz, die durch kritisches Bewußtsein aus der Realität reproduziert werden kann, scheinbar aufgehoben, indem Identität vorgetäuscht wird, die nicht existiert. Die Massenkultur vermischt und negiert die Widersprüche der Gesellschaft. Nachdem das Bewußtsein unentwegt dieser Ideologie ausgesetzt ist, besteht, außer durch kritisches Denken, keine Möglichkeit, sich ihr zu entziehen. Kritisches Denken jedoch kann nur Reflex von Kunst sein. Die Massenkultur dagegen introjektiert sich in das Bewußtsein und entwickelt eine Kraft, die der wahren Kunst entgegenwirkt. Kunst, hier: Die Differenz zwischen Idee und deren Ersichtlichkeit wird denunziert und als "entartet" verworfen. Die Faschisten etablierten mittels ihrer Herrschaftsinstrumente eine Massenkultur, die als Maßstab für Kunst genommen wurde, um sie dann der Verfehlung zu überführen. Dieser subtile Mechanismus wirkt auch heute noch, jedoch haben sich die Verhältnisse derart verändert, daß sie sich nicht mehr der Mittel der Politik bedienen müssen, sondern selbst das Quantum an Ideologie hervorbringen, das notwendig ist, um die gesellschaftlichen Widersprüche zu negieren. Die technischen und organisatorischen Möglichkeiten sind so ausgereift, daß sie jederzeit das Bewußtsein erreichen. Es steht eine Industrie zur Verfügung, die permanent die Gesellschaft mit ihrer Ideologie füttert. Durch diese Übermacht an Repressionsinstrumentarium innerhalb des Massenkulturprozesses ist es zu verstehen, daß es die eigentliche Kunst schwer hat, sich unter diesen Bedingung zu etablieren, um dem gerecht zu werden, was sie eigentlich bewirken sollte.

    Lieber Hannemann,
    zuerst möchte ich noch ohne auf das Kunstverständnis selbst, die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen aufzeigen. Daß das Individuum subjektiviert, egal ob als Schaffender oder Betrachtender darüber besteht kein Zweifel. Allerdings kann das Individuum nur subjektivieren, wenn eine objektive Grundlage vorausgesetzt wird (weil ansonsten worauf würde sich ein Subjektivieren beziehen?). Auf das kommt es mir an. Alles Subjektive setzt Objektives voraus. (Oh, ich sehe schon den Aufschrei.) Auch, Hannemann, kann ich den Satz, es gibt keine Wahrheit, nur Meinungen sind denkbar, kann ich so natürlich nicht stehen lassen. Ist der Satz selbst auch eine Meinung oder erhebt er Anspruch auf Wahrheit. Ist er lediglich eine Meinung, dann sei es darum. Erhebt er Anspruch auf Wahrheit, dann widerspricht er sich selbst. Wenn ich behaupte, nicht alles ist nur Meinung, dann können wir keine Entscheidung treffen, wenn wir die Wahrheit ausblenden. In der Logik gibt es zwei Zustände, wahr oder falsch, und um diese dreht sich die gesamte Wissenschaft.
    Über Deinen zweiten Teil können wir uns einigen, deshalb erweitere ich jetzt den Essay und kreise damit das Thema immer weiter ein, so hoffe ich wenigstens.
    Also ich freue mich auf weitere Diskussionen!

    Gruß
    hagen

  17. #17
    Tochter aus gutem Hause
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    759
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Was ist Kunst?

    Hallo Hagen,


    wenn ich Deinen Punkt 9 richtig verstehe, wäre Warhol für Dich kein Künstler. Oder verstehe ich Dich falsch?


    Kyra

  18. #18
    Bauer Hans
    Status: ungeklärt

    AW: Was ist Kunst?

    erstellt von hagen:
    2.
    Aus der Erkenntnis heraus, daß die Vernunft notwendigerweise dem statisch-logischen Prinzip unterliegt und daß das empirische Sein als solches, dem dialektischen Entwicklungsprinzip gehorcht, folgt daraus, daß die Richtlinien zum Handeln (Ethik) in der Empirie nur in der Vernunft zu finden sein können und nicht selbst in der materiellen Basis, da es der Vernunft immanent ist, einer Nichtbewegung, oder besser, der Zeitlosigkeit unterworfen zu sein und daher sich der Anspruch auf Allgemeingültigkeit der in der Vernunft ursprünglich dunkel wohnenden Kräfte ableitet. Das Lichtwerden dieser Regeln erreicht man durch einen Bewußtwerdungsprozeß.

    Vernunft: Was ist das für ein Scheiß? Einheit von Wissen und Handeln? Zwei Beispiele von heute und nicht aus der Zeitlosigkeit:
    Aus dem Alltag: "Vernünftigerweise muß erst der Arzt entscheiden, ob der Patient noch ausreichend Potential, um eine lohnende Reha durchzuführen." Vernunft? Leben!
    Aus der Kunst. "Der Künstler steht mit seiner Auffassung jenseits der Wünsche des Klientels, das wir uns aus vernünftiger Überlegung für unseren Heimatort wünschen." Vernunft? Absage!
    Statisch-logisches Prinzip? Hagen, was versuchst Du zu theoretisieren, wem was zu beweisen? Wer versteht Deine Absicht unter hunderttausenden Mitmenschen? Vor allem, wem nützt das Geplänkel?
    Wenn das Leben hart, reicht meine Aussage zu Deiner Eingangangsfrage, was ist Kunst: Kunst ist! Und das ist gut so, sie lenkt ab, mehr nicht.
    Nimm es einfach hin: So lange der Mensch zufrieden lebt und keine größeren Sorgen hat, mag Kunst Befriedigung zweitrangiger Bedürfnisse sein... auch das gelehrte Geplauder drumherum. Geht es dem Menschen dreckig, interessiert nur noch der Strohhalm Hoffnung, entgegen alle Vernunft und mögliche Kunst. Beiß in einen Picasso!
    Das Lichtwerden dieser Regeln erreicht man durch einen Bewußtwerdungsprozeß! Scheiße Hagen, drück Dich nicht so geschwollen aus, sag doch einfach: Wir wachsen und lernen, völlig normal, sogar in der Kunst.


    Freuen oder ärgern wir uns an der Kunst, was wirklich und letztendlich zählt ist überleben und Arterhaltung! In diesem Sinne will ich nun was tun.

  19. #19
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Was ist Kunst?

    - Das ist ja alles schön und gut. Aber ich bin kein Haarspalter, sondern Künstler.
    - Du bist Künstler? Was ist denn dann deine Kunst?
    - Du willst das wissen? Ich will es dir sagen. Schau her! Ich liebe es, ein Streichholz anzuzünden. Das gibt mir das Gefühl uneingeschränkter Macht, einen Orgasmus an bedingungsloser Macht. Ich nehme die Schachtel voller Zündhölzer. Sie ist leicht, geradezu lächerlich leicht in ihrer Harmlosigkeit und ihrer Ausgeliefertheit an mein Gutdünken. Ich öffne sie. Und da habe ich dann das Gefühl, wenn ich die Streichhölzer dort aufgebahrt liegen sehe mit ihren blutigen Köpfen wie in einem Massengrab. Ja, das ist es! Und dann, versteh mich recht, dann greife ich hinein. Aber das ist nicht irgendein Hineingreifen. Das ist eine historische Tat, wie der Schwerthieb Alexanders, der den Gordischen Knoten trennte. Kannst du mir folgen?
    - Ich weiß nicht...
    - Ich schließe die Schachtel mit einer Hand, denn in der anderen halte ich ja den winzigen Splitter Holz hocherhoben wie ein Mahnmal. Und dann berühren sich mit lässiger, aber zielgerichteter, konzentrierter Bewegung die Reibfläche und der explosive Schwefelkopf, heiraten in stiller Verzückung für Augenblicke. Die Hand rutscht ab. Erschreckt scharrt es kurz, dann knistert etwas trocken auf und wenn ich meinen Kien dann wieder aufrichte, entzündet er sich. Die geordnete Welt birst auseinander, Feuergarben züngeln spielend empor. Wie eine Fackel halte ich meine Flamme hinauf zu den Sternen, rufe ihnen zu: (schreit) "Was ist euer Licht gegen den Brand, den ich euch entgegensetze? Seht mich an! In meiner Hand trage ich die Zerstörung Roms und die Wärme der Frierenden. Ich bin Tod und Leben, hier in meiner Hand halte ich beides! Ich bin Gott!"
    - Du machst dich über mich lustig!
    - (heiser) Nichts liegt mir ferner.
    - Du machst dich lustig!
    - (schreit) Nichts liegt mir ferner!
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  20. #20
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    AW: Was ist Kunst?

    Lieber Hannemann,


    Deine Worte sind voller Wut. Es gibt jetzt drei Möglichkeiten:



    1. Du suchst weiter nach Begriffen, die Deine Wut entzünden und leerst dann weiterhin den Fäkalieneimer über mich aus. Ich muß es dann so stehen lassen, weil ich denke, daß Argumente nicht mehr weiterführen können.
    2. Du bringst mir soviel Wohlwollen entgegen, daß Du mir zugestehst, daß ich viel Arbeit und Gehirnschmalz in den Essay steckte, daß ich mehr als nur Trivialitäten in komplizierte, schmalzige Sätze von mir geben möchte, die, wen auch immer, beeindrucken sollen. Du akzeptierst einfach, daß ich über einen philosophischen Weg, der mir wichtig erscheint und eine eigene Begrifflichkeit verwendet, versuche das Thema einzukreisen. Der Vernunftbegriff wird nicht umgangssprachlich verwandt, sondern referiert auf die Kantische Gedankenwelt. Auch hat Bewußtwerdung nichts mit lernen und wachsen zu schaffen, sondern zielt auf die Vernunfterkenntnis, die nichts mit empirischen Gegebenheiten zu tun hat, ab. Ich respektiere auch, wenn mir unterstellt wird, mich nicht trefflich genug auszudrücken, so daß es jeder Dritte auf Anhieb versteht. Deshalb haben wir die Möglichkeit hier in den Diskurs zu treten. Gerade den Vernunftbegriff arbeite ich weiter später noch in einem Exkurs aus. Auch halte ich die Aussage "Nimm es einfach hin: So lange der Mensch zufrieden lebt und keine größeren Sorgen hat, mag Kunst Befriedigung zweitrangiger Bedürfnisse sein... auch das gelehrte Geplauder drumherum." für nicht richtig. Warum war das Konzert der Leningrader Symphonie von Schostakovitsch unter der dt. Besetzung in Leningrad so gut besucht, obwohl die Menschen elenden Hunger, Kälte und Todesangst ausstehen mußten?
    3. Du ignorierst das einfach alles und mußt Dich dann auch nicht mehr über das Unselige so aufregen.



    Wenn Du Dich für 1 oder 2 entscheiden wirst, würde ich das sehr bedauern, über 2 dagegen sehr freuen.


    Gruß hagen


    Liebe Kyra,
    danke f?r die gute Frage. Ich werde sp?ter darauf zur?ckkommen, wenn alle Punkte, die zum Essay geh?ren, hier erschienen sind.

  21. #21
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    AW: Was ist Kunst?

    Hallo Hagen,


    ich habe die Namen von Danto und Goodman nicht genannt, um Dir den Schwung zu nehmen. Bitte faß es nicht so auf. Ich habe mich mit Mühen durch deren Werke gekämpft. Du hast natürlich Recht, Deine Sprache ist dem Thema angemessen, muß sogar so sein. Es geht ja um Definition, also um Genauigkeit. Ich wollte mit meinem Hinweis nur im Vorfeld auf die Zeitgenössische Kunst hinweisen. Sie verwahrt sich zunehmend gegenüber Definitionen, verschmilzt mit Sozialem und Wirtschaftlichem. Es war eher als Bitte zu verstehen, die heutige Kunst nicht auszusparen. Ich werde Deinen Text weiter verfolgen.


    Grüße


    Kyra

  22. #22
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    AW: Was ist Kunst?

    Lieber Hagen,
    Wohlwollen ist nicht das rechte Wort. Ich verfolge mit Interesse und größter Neugierde, was ich nicht weiß. Dabei knurren meine Antworten aus meinen fetten Bauch. Spontane Einfälle zu später Stunde, die nur persönliches Empfinden. Und so möchte ich auch weiter knurren, da ich alles, was mir widerfährt, rein ichbezogen sehe. Ich bin mein Zentrum, die Sonne. Ich will MICH unterhalten.
    Bei meiner Unterhaltung wähle ich aus. Bitte gestatte, daß ich Deinen Text auf meine Weise kommentiere. Er reizt mich, weil ich in eine neue Welt zu tauchen vermag. Ich bewundere Deine Anstrengung, Dein Nachdenken über solch zu trockene Theorie. Ich hätte diese Ausdauer nicht.
    Nebenbei, Robert hat mir kopfwaschend heute ein paar Dinge erklärt. Der Gute...
    Meine Behauptung: Philosophie ist durch persönliche Erfahrung geprägt.
    Seine Antwort, wie ich sie verstanden: Der Philosoph ist gehalten, sich dem objektiven Denken so weit wie möglich zu nähern, mit Objektivem Zusammenhänge zu erklären und neue Denkanstöße zu setzen.
    Ich - verstehst Du, immer wieder ICH - weiß noch nicht, ob MIR das paßt.


    In diesem Sinne lese ich weiter.

  23. #23
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    AW: Was ist Kunst?

    Lieber Hannemann,
    laß uns anstoßen, dann ist die Theorie nicht mehr so trocken und Dein Bauch knurrt auch nicht mehr so. Also, ich wünsch Dir dann weiterhin gute Unterhaltung...und damit nähern wir uns dem Objektiven, ob's uns gefällt oder nicht. So laufen wir dann den Weg und holen uns eben die Blasen an den Füßen. Mit Schmerzen und außer Atem, mit Hunger und Durst sind wir dann irgendwann gemeinsam am Ziel und haben auch diesen Gipfel erreicht, um uns dort per Gipfelkreuz zu verewigen. Somit bleiben wir im Mittelpunkt. Freut mich,

    Liebe Kyra,


    nein, keine Angst, Du hast mir nicht den Schwung genommen. Ich bin Dir dankbar um die Literaturhinweise, das bereichert das Ganze doch nur. Nur wollte ich Deiner Aufforderung, die Themen zusammenfassen, nicht nachkommen. Aber wenn Robert will, kann er ein neues Thema aufmachen und man kann dort dann über Goodman und Danto weiterdiskutieren.


    Macht mich hier nicht zur Mimose!

    und gleich weiter im Texte:


    10.
    Die Kunst muß bei ihrer Darstellung über die Realität hinausgehen, die in ihrer Essenz (Widersprüchlichkeit) vordergründig durch den Konsumenten nicht erkannt wird und daher Kunst an sich für den Kunstkonsumenten nicht auf den Begriff gebracht werden kann. Dies ist ein Resultat aus der Differenz zwischen der Idee und deren Realisation (vgl. Abschnitt 8). Das Unvermögen wird gezielt durch die Massenkultur gefördert und durch Aggressivität ersetzt. Durch das konkludente Bild von "vermeintlicher" Kunst, die durch die Massenindustrie erzeugt wird, wird dem Betrachter das Gefühl vermittelt, daß die "wahre" Kunst, also die Kunst, dich ich hier bestimmen möchte, Scharlatanerie sei. Gerade dem will die Kunst entgegenwirken, sie will gesellschaftlich aufklären, das Bewußtsein über die gewohnte, eingeschliffene Wahrnehmung transzendieren. Doch das Mißverständnis kann die Kunst nicht auflösen, ohne ihren Kunstanspruch zu verlieren, denn sie müßte sich selbst zur Ideologie degradieren, um somit den gegenwärtigen Verhältnissen entgegen zu kommen, um die Wirkung zu erreichen, die notwendig wäre. Doch dies würde den Prozeß der Industrialisierung voraussetzen, so daß jeder ernstgemeinte Versuch in der Vermarktung der Gegenideologie enden würde. Im kapitalistischen System können sich nur Waren und Dienstleistungen durchsetzen, die auf entsprechende Bedürfnisse existieren. Die Ware "Kunst" unterliegt deshalb genau diesen Marktmechanismen. Wird jedoch ein Kunstwerk für den Markt produziert, widerspricht dies dem Begriff der Kunst, so daß marktorientierte Produktion in kapitalistisch organisierten Wirtschaften nie Kunst im eigentlichen Sinne sein kann, denn sie wäre zweckorientiert gegen den Geist der Kunst, der sich aus der Vernunft ableitet.
    Es sei angemerkt, daß Kunstwerke, die auch den Anspruch auf diesen Begriff erheben dürfen, wenn sie gehandelt werden, sich nicht zum Nicht-Kunstwerk verwandeln, da die auslösende Kraft und Zielsetzung (der Vernunft), die zum Kunstwerk führt, ausschlaggebend ist und nicht die Möglichkeit einer späteren Vermarktung, die eher zufällig zustande kommt.


    11.
    In den letzten Abschnitten stand das Verwobensein von Kunst und Gesellschaft im Vordergrund. Das Kunstwerk kann nicht von seiner gesellschaftlichen Basis isoliert betrachtet werden, betrachtet man es isoliert, wird es automatisch ideologisiert und nicht in seiner Essenz erfaßt.


    12.
    Das Kunstwerk schöpft aus vier verschiedenen Quellen (i-iv):
    Das Kunstwerk ist das Produkt aus einem (i) Erkenntnisprozeß, der die Wirklichkeit (der Außenwelt) zu Bewußtsein bringt. In der Außenwelt ist sowohl das Seiende existent als auch das objektiv Erfaßbare, das durch die individuelle Wahrnehmung subjektiviert wird. Aufgrund der Sensibilität der Wahrnehmung entsteht ein entsprechendes Weltbild, das jedoch mit den Prinzipien der Vernunft verknüpft werden muß, um durch die (ii) innere Aprioritzität der Vernunftwelt, die Urteilsfähigkeit entwickeln zu können, die notwendig ist, um bestehende Verhältnisse im Kunstwerk entsprechend zur Geltung zu bringen. Die Wirklichkeit als auch die Vernunft sind objektive Bestandteile, die als Basis für die subjektive (durch eigenes Erleben) (iii) Idee und ihrer (iv) Realisation fungieren. Das Verhältnis zwischen Idee und Realisierung wurde bereits angeschnitten. Im Folgenden geht es vorwiegend um den funktionalen Zusammenhang dieser vier Bereiche im historischen Kontext. Es handelt sich dabei um Hypothesen, die jedoch durch empirische Forschung bestätigt oder falsifiziert werden könnten.
    These: Im Prozeß der Geschichte hat sich aufgrund von Produktionsmitteln, Wissenschaft, sowie gesellschaftlichen Verhältnissen eine Verschiebung am Anteil der einzelnen Faktoren (i-iv), die ich hier kurz als (i) Realitätserkenntnis, (ii) Vernunft, (iii) Idee und (iv) Realisation zusammenfasse, im Kunstwerk ergeben. Andere Bedingungen führen zu anderen (neuen) Produkten. Die Faktoren an sich besitzen a priorischen Charakter, was besagt, daß an deren Gültigkeit nicht gerüttelt werden kann.


    13.
    Exkurs: Vernunft


    Die Vernunft nimmt in der hier geführten Diskussion eine wichtige Funktion ein, die noch genauer der Untersuchung bedarf. Die Frage, was ein Kunstwerk von einem anderen Produkt unterscheidet, wurde noch nicht implizit herausgearbeitet. Meine Annahme geht dahin, daß der Vernunft apodiktischen Charakter zugeschrieben wird und sie damit der Inbegriff der synthetischen Urteile a priori ist. Würde dem widersprochen werden, so wäre konsequenterweise dem ganzen System (des Denkens) die objektive Grundlage entzogen. Jedoch würde eine radikale Kritik an der Voraussetzung der Vernunft, die Voraussetzung selbst voraussetzen müssen! Vernunft kann somit erkannt werden. In der Vernunft selbst sind die objektiven Ideale festgesetzt, die der Verstand transformieren kann, wenn die Erkenntnis diese Einsicht subjektiv vermittelt. Diese Transformation erfolgt über das regressive Durchlaufen des Erkenntnisprozesses. Die durch regressive Reflexion erkannten Ideale sind die Voraussetzung für ihre Implantation im Kunstwerk. Es sei angemerkt, daß das Rückschreiten des Erkenntnisprozesses nicht notwendigerweise bewußt ablaufen muß, so daß ein Künstler nicht über den Prozeß des Zustandekommens der Vernunftwahrheit und Ideale wissen muß, sondern nur, sei es intuitiv, emotional oder aus Zufall, die Ideale auch verwirklicht. Zweckorientiertheit und Ideale sind meist nicht identisch und dies ist ein Resultat der sich kontinuierlich fortschreitenden Entfremdung. Jedes Nichtkunstwerk wird durch die Zweckorientiertheit instrumentalisiert; dagegen impliziert das Kunstwerk die Ideale, die an sich nicht instrumentalisiert werden können, sondern Funktion der Vernunfttätigkeit sind (und damit der Herrschaft entzogen). Die Vernunfterkenntnis ist die Voraussetzung f?r die Wahrnehmung der empirischen Realität, sowie der Welt der Normen, die durch die Produktionsweise bestimmt sind. Die existierende Welt widerspricht somit den Idealen der Vernunft und hier gilt es zu entlarven. Das Entlarven ist das kritische Bewußtsein, das sich im Kunstwerk manifestiert. Da die Ideale nicht verwirklicht sind und das Kunstwerk in der Lage ist, dies auszusprechen, ist Kunst damit immer auch die Voraussetzung für die Konzeption einer Utopie.


    14.
    Exkurs: Utopie


    Die Utopie entspringt aus der Totalität der Negativität als ein Ergebnis des Zusammenwirkens der Faktoren Vernunft und Realitätserkenntnis. Eine kritische Theorie ist das Hilfsmittel zur Durchdringung der Gesellschaftsstrukturen und ein Instrument zur radikalen Kritik. Das Entwerfen einer Utopie ist eine radikale Kritik am bestehenden System. Affirmative Spiegelung, und sei sie noch so ästhetisch, kann daher keine Kunst sein, da das Element der Ideale unberücksichtigt bleibt. Das führt zu folgendem Ergebnis:
    (i) Affirmative Darstellung ist eine verblendete Reflexion der Wirklichkeit.
    (ii) Zweckorientierte Produktion orientiert sich an der Nützlichkeit und Verwertbarkeit und erfüllt daher gesellschaftliche und ökonomische Bedürfnisse.
    (iii) Kunst impliziert durch Kritik Utopie und durch Utopie Kritik - beides Resultate aus der Vernunft.




    Gruß hagen

  24. #24
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Was ist Kunst?

    Was ist Kunst?
    Ich habe großen Respekt vor den Definitionsbemühungen dieses Ordners, in dem es gewaltig hegelt und heideggert, glaube aber, dass so ein großes Unterfangen nutzbringender misslänge, wenn die Beitragenden ihrer Subjektivität stärker die Zügel schießen ließen.
    Kunst ist das gemachte Distanzierende, in dem ich dennoch mich wiederfinde.
    Was mich an Kunst immer wieder am meisten erfreut und wirklich tiefinnerlich ergötzt, das ist ihre Distanziertheit, und das gerade noch da, wo sie z.B. den nackten Körper darstellt, den distanziert zu betrachten ja besonders schwerfällt.
    Lucien Freuds Akte erfüllen mich mit der Gewissheit, dass, wunderlich verpackt in Licht, Farbe und Haut, dennoch ein anderes da ist, unbenennbar, weder Geist noch Licht, aber Form, Aufgehobenheit...

    Was ist für Dich Kunst, Hagen? Kannst du es anders als durch den umfangreichen Essay nicht ausdrücken?

    Tretet heraus aus den Schatten zu hoher Ansprüche und der Sekundärliteratur und sagt's persönlicher!

    Wünscht sich Quoth

  25. #25
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Was ist Kunst?

    Liebe(r) quoth,
    sicher man es persönlicher sagen, jeder kann sagen: "Mir gefällt....", "für mich ist X ein Künstler, für mich ist Y ein Kunstwerk." Es verrät den persönlichen Geschmack. Das kann interessant sein, es kann ein Austausch darüber stattfinden, sicherlich, das ist ein Weg. Mir kommt es darauf an, Kriterien zu schaffen, die außerhalb des subjektiven Geschmacks sind. Das ist allgemeiner und ergibt einen Beurteilungsrahmen. Wenn der Rahmen fehlt, fällt das Bild aus dem Rahmen. Du siehst, das eine schließt das andere nicht aus. Warum sollte man sich nicht mit einem Essay, der definiert und versucht zu objektivieren, einen Rahmen schaffen? Was geht dabei verloren, was wird gewonnen? Ich glaube es ist nicht falsch, sich über Kriterien an etwas heranzutasten. Denke an die verwirrten Diskussionen um Beuys' Kunst? Für die Gegner ist er ein Scharlatan, für die Bewunderer ist er ein großer Künstler. Wie sind solche Fragen zu entscheiden, wenn man keine Kriterien hat. Und wenn keine Kriterien vorhanden sind, können auch keine Argumente zu tragen kommen.

    Gruß
    Hagen

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